Vierköpfige Familie, Illustration (Quelle: Mitya)
Bild: Mitya

Berliner Familie unter Zugzwang - Welche Wohnung können wir uns überhaupt noch leisten?

Auch wer in Berlin eine günstige Mietwohnung hat, ist nicht aus dem Schneider: Es drohen Mieterhöhungen und Eigenbedarfskündigungen. Viele Berliner fragen sich daher, ob ein Wohnungskauf sich nicht doch lohnt. Eine Familie aus Pankow will es genau wissen. Von Sabine Prieß

Sie fallen sich ständig vor Empörung ins Wort: Tom und seine Frau Steffi (* Namen von der Redaktion geändert) berichten von den Mieterhöhungen, die sie seit knapp zwei Jahren regelmäßig ereilen. "Dafür, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts im Haus oder der Wohnung gemacht wird", ruft Tom. Seit der neue Eigentümer das Haus gekauft habe, erhöhe er, was der Mietspiegel zulasse. Erst vor ein Paar Tagen sei wieder Post im Briefkasten gewesen.

"Um 120 Euro mehr geht es diesmal", stöhnt Steffi. Das Thema bringt die beiden auf, kostet sie alle Nerven. Dabei ist der ganz normale Familienalltag schon anstrengend genug. Sie seien mit um die 50 Jahren ja schließlich nicht mehr die Jüngsten, sagen sie selbst. So wie Tom und Steffi geht es derzeit Vielen in Berlin.  

Die Wohnung, um die es geht, ist eine schöne Drei-Zimmer-Altbau-Wohnung im Vorderhaus an einer etwas größeren Straße in Alt-Pankow. Der Kiez gilt als aufstrebend. Markenkinderwagen werden geschoben und Kita-Gruppen über die Zebrastreifen geleitet. Nur die ständigen Flugzeuge im Anflug auf Tegel brechen die Idylle.

Steffi, Tom und ihre Kinder sind vor sieben Jahren aus Moabit herzgezogen. Eine Wohnung zu finden, war damals noch kein großes Problem. Die Kita-Suche gestaltete sich schon schwieriger.  

Die Familie ist verwurzelt in ihrem Kiez

Inzwischen sind sie hier verwurzelt. Dass sie trotzdem darüber nachdenken, wegzuziehen, haben sie den Kindern noch gar nicht gesagt. "Aber wir wollen ja auch gar nicht wirklich weg." Doch die sich regelmäßig weiter in die Höhe schraubende Miete macht ihnen Angst. "Wir haben angefangen mit einer Miete von 1.050. Jetzt zahlen wir fast 1.200 Euro – und die nächste Erhöhung wird kommen", prognostiziert Steffi. Das sei viel Geld für sie als Familie und leider schafften sie es aber auch nicht wirklich zu sparen. "Am Ende des Monats ist regelmäßig alles weg".  

Von einem etwaigen Wohnungskauf würden sie sich erhoffen, wenigstens langfristig einen Wert zu schaffen und nicht alles Geld zu verleben. Außerdem wüssten sie dann wenigstens, bei welcher monatlichen Belastungsgrenze sie landeten, sagt Tom, und seien nicht mehr der Profitgier oder dem guten Willen des Vermieters ausgeliefert.

Küche im Altbau (Quelle: imago/Rainer Holz)
Schön wohnen kann man im Altbau - auch zur Miete, finden Steffi und Tom | Bild: imago/Rainer Holz

Zusammen verdienen Steffi und Tom 4.280 Euro netto

Dann kommen Zahlen auf den Tisch. Die Familie hat gerade ein gebrauchtes Auto gekauft - "von dem, was unser Eigenkapital wäre". Auf der hohen Kante liegen jetzt "nur noch", wie Tom sagt, 15.000 Euro. Aber kann man damit einen Wohnungskauf wagen, fragen sich die beiden. Das fehlende Eigenkapital, so Kreditvermittler Carsten Stammberger aus Pankow, könnten sie sich über einen - selbstverständlich teuren - Privatkredit beschaffen.

Ihre Stärken bei einer etwaigen Kreditbewilligung, da ist sich Steffi sicher, lägen in ihren Anstellungen. Beide sind unbefristet festangestellt, Steffi arbeitet in Teilzeit. Ihre monatlichen Einkünfte sind nicht riesig, aber solide. Das gemeinsame Haushaltseinkommen liegt bei 4.280 Euro netto. Die 1.200 Euro Mietzahlung bringen sie noch nicht an ihre Grenze. "Da ist noch Luft nach oben" bei zu zahlenden Monatsraten für einen Kredit. Außerdem haben sie sonst keinerlei Schulden oder Belastungen - aber auch keine Geldgeber. Steffis Eltern sind schon gestorben, Toms Vater lebt im Altersheim.

So oder so - sie sind spät dran. Vermutlich zu spät für Pankow oder den Rest der Innenstadt. Dahinter steht ein unausgesprochenes Fragezeichen. Vielleicht ginge ja doch was innerhalb des S-Bahnrings? Steffi und Tom wären aber unter Umständen auch bereit, aufs Land zu ziehen, in den Speckgürtel vielleicht.  

Der Berliner Immobilienunternehmer Christian Gérome meint: "Spandau ist im Kommen. Der Bezirk ist meiner Ansicht nach unterentwickelt und unterbewertet." Mit Fantasie und Eigenleistung, so Gérome, könnten Familien sich auch Objekte, die nicht so schön aussähen, herrichten.

Steffi und Tom haben sich aber noch keine Immobilien angeschaut. "Wir sind wie paralysiert", sagt Steffi. Jahrelang sei es ja gut gelaufen für sie als Mieter. Aber auch die Miete könne sie, so ihr Eindruck, ja nun langfristig dazu bringen, an den Stadtrand ziehen zu müssen. "Dann wollen wir lieber jetzt gehen und mitbestimmen." Für einen Trugschluss hält das allerdings Finanztip-Immobilienexperte Dirk Eilinghoff: Denn wenn es zum Kaufen zu knapp ist und die Miete stetig steigt, hat das Paar die Entscheidung darüber, wo es wohnen will, eigentlich schon selbst nicht mehr in der Hand.

Viel Interessantes spuckt die Immobiliensuche nicht aus

Zusammen schauen Steffi und Tom Immobilienangebote im Internet durch. Viel ist nicht dabei, was sie sich vielleicht leisten könnten. Im Online-Rechner eines Immobilienportals ist der Regler bei "maximaler Preis" auf 400.000 Euro gestellt. Da gibt es kaum Objekte. Ein paar Angebote in Berlin finden sie am Ende aber doch. Zum Leidwesen von Steffi ist kein einziger Altbau dabei. Dafür viele Dachgeschoss-Rohlinge, an denen sie nicht interessiert sind. Auch für Brandenburg spuckt der Sucher viel weniger aus als gedacht. Bauherren für ein Haus wollen Steffi und Tom nicht selbst werden.  

Auf ein Bauträger-Projekt für eine Wohnung in Berlin-Pankow für 393.000 Euro lassen sie sich dann gedanklich ein. Bekannte von ihnen hätten sich da eingekauft, erzählen sie. "Genau solche Paare wie Steffi und Tom kommen hierher", sagt Jens Rodenbusch, der Vertriebsleiter des Bauprojekts. Diesem Paar müsse man bei seiner Finanzlage aber offen sagen, dass es knirsche, meint Rodenbusch.

Ohne Knirsch ginge es vielleicht hier: In Brandenburg finden Steffi und Tom ein Reihenmittelhaus mit kleinem Garten, das ihnen von den Gegebenheiten her zusagt - und "nur" 210.000 Euro kostet.

Sind diese beiden Angebote für Tom und Steffi finanziell tragbar? Rechnet sich für sie ein Kauf überhaupt - auch hinsichtlich ihres Alters? Und was, wenn die Zinsen mal wieder erheblich steigen sollten? Tom und Steffi interessiert auch, ob auf der "Verkäuferseite" die Meinung zu ihren Daten einheitlich ist, falls jemand zu- oder abrät. Außerdem soll ein Verbraucherschützer am Ende auch noch sagen, was in ihrer Situation zu empfehlen ist.

Mieten oder Kaufen? Wer was sagt

Beitrag von Sabine Prieß

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22 Kommentare

  1. 22.

    Arbeiten soll die Lösung für viele Probleme sein.

  2. 21.

    Arbeiten, Geld sparen, kaufen - Ach nee heute wird ja Geld nur im Computer angezeigt... gibt ja kein Geld mehr, nur Bonität.

  3. 20.

    Warum hat die Familie trotz des hohen Einkommens, des fortgeschrittenen Alters und der moderaten Miete keine Ersparnisse? Bei 4300 Euro netto müsste das Eigenkapital in Richtung sechsstellig gehen.

  4. 19.

    Ach was bin ich froh, daß ich noch 2013 für'n Appel und'n Ei ein Mehrfamilienhaus zwangsersteigern konnte, in das ich auch selbst mit eingezogen bin. Das war eines der letzten, die hier angeboten wurden. Danach war der Versteigerungsmarkt wie leergefegt. Berichte über steigende Mieten lösen bei mir seidem ein beruhigendes, wohliges Gefühl aus.

  5. 17.

    Dann machen Sie das doch! Bauen Sie ein Haus und vermieten in der von Ihnen geforderten Weise! Was spricht dagegen?

  6. 16.

    In meinen Augen ist es überhaupt nicht berechtigt, allein für´s Vermieten Geldbeträge zu kassieren, die über die Kosten der Bewirtschaftung der Wohnung hinausgehen. Wo ist denn da die Gegenleistung? Es ist einfach ein arbeitsloses Einkommen. Gegen Menschen, die H4 oder Grundsicherung bekommen, wird gehetzt, sie werden sanktioniert und schikaniert, und das obwohl die meisten von ihnen arbeiten oder krank oder alt sind. Vermieter aber sahnen völlig ohne Gegenleistung einen Teil des Volkseinkommens ab und gerieren sich dabei noch als ehrenwerte Bürger.

  7. 15.

    Achtung! Die 10-Jahresklausel (in Berlin, sonst nach BGB 3 Jahre) gilt ausschließlich nach Umwandlung in Teileigentum, nicht generell! Wer also bereits in eine vorhandene Eigentumswohnung einzieht, unterliegt lediglich den normalen gesetzlichen Kündigungsfristen bei Eigenbedarf, die je nach bisheriger Mietdauer zwischen drei und neun Monaten beträgt! Bitte nicht verwechseln, da sich sonst mancher in falscher Sicherheit wiegt!

  8. 14.

    Also ich finde, die Familie jammert ja gar nicht. Sie wägen doch einfach nur ab...

  9. 13.

    Diese Familie jammert auf hohen Niveau, wer 3000€ nach Abzug der Miete noch übrig hat bei einer 4köpfigen Familie kann sich glücklich schätzem.Nach Abzug von Tel,Strom,Versicherungen,Benzin,BvG und Lebensmitteln bleiben pro Monat gut und gerne 1500€ übrig,was will man mehr,dann muss man seinen Konsum halt runterschrauben und weniger Restaurantbesuche ,Urlaube,usw. Dann muss Mutti halt auch Vollzeit arbeiten,wenn man so konsumsüchtig ist! Und 1200€ Miete im Zentrum Pankows ist nicht viel,da kann man alles zu Fuß und per BVG zurücklegen und wohnt fast im Zentrum.

  10. 11.

    Was ein kaum repräsentatives Beispiel. Da wird auf höchstem Niveau gejammert, während andere Menschen, die sich die Miete kaum noch leisten können, obwohl ebenfalls unbefristet tätig, mit Transferleistungen es gerade so schaffen, sich über Wasser zu halten, ohne Auto, ohne Urlaub usw. Die Leute aus dem Bericht sind doch noch gut dran, haben noch 3T nach Miete, kaufen sich ein Auto und haben noch 15T auf der Kante. Da fehlt mir ein wenig das Verständnis. Die Lage der Wohnung klingt nach Florakietz oder Bürgerpark, wer dort wohnt, weiß wie teuer das ist und sich entwickelt, auch bei der Wahl des Wohnortes. Da wundert mich nichts, recherchieren Sie doch bitte mal bei denen, die wirklich betroffen sind.

  11. 10.

    Mit diesen halbsozialistischen Gedanken lösen Sie kein Problem.
    Leute sollen sich ein Haus oder Wohnung kaufen, Umland geht mit Geschick. Fühlt sich besser an als mieten. Man muss die Verantwortung (Erhalt) allerdings bedenken und selbst was können, z.B. mal den Spaten in die Hand.
    Oder ist es vielleicht gerade das, was viele von Eigentum abhält?

  12. 9.

    Bei über 4000 Euro netto im Monat von 15000€ Eigenkapital zu klagen, zeigt, dass die Finanzkompetenzen am Boden liegen. In diesem Falle würde ich auch von einem Kauf abraten, denn wer eine solche Summe nicht verwalten kann ohne zu sparen, der landet am Ende in der Privatinsolvenz. Besonders, wenn er nur noch wenige Jahre zum Abbezahlen des Kredites hat. Aber ein Trost ist, dass es ja in Hohenschönhausen oder ähnlichen Bezirken noch bezahlbare Wohnungen gibt. Muss ja nicht Pankow sein. Leider ist Spandau auch leergekauft.
    Wann wird die Politik begreifen, dass sie das Recht auf Eigentum einschränken muss, besonders wenn es um die Daseinsvorsorge geht. Investoren, die nicht in ihren Wohnungen leben, dürften diese auch nicht besitzen. Alle sonstigen Wohnungen gehören in die Landes-oder Bundeshand.
    Über Enteignung von Investoren, die Wucherpreise verlangen oder das Bestellerprinzip für Markler spricht niemand. Eine Schande, so hat sich der parlamentarische Rat garantiert nicht vorgestellt, dass das Recht auf Eigentum im Grundgesetz, alle anderen Grundrechte maßgeblich negativ beeinflusst. Hier verdienen Menschen massig Geld, obwohl sie weder arbeiten noch ein Risiko eingehen. Das ist falsch! Wohnen darf kein Anlageobjekt sein!

  13. 8.

    Das einzig Vernünftige ist Eigentum. Klein und einfach an der Peripherie gelegen, egal. Hauptsache nicht der Willkür der Vermieter ausgeliefert zu sein und der beruhigende Gedanke sich Betongold geschaffen zu haben. Die Leute sollten weniger jammern und vor allem wenn beide verdienen, ist das zu schultern. Gewisser Konsumverzicht allerdings muss sein.

  14. 7.

    Gerne erfahren auch viele Mieter Berlins, welche Motive haben Vermieter, die in 7 Jahren die Miete um 14% erhöhen. Dabei legte die Inflation 2010-2017 um etwa 11.0%. 6% Pankow-Premium?

  15. 6.

    Habe selbst ein Haus im Umland gebaut und bin ganz glücklich damit, super Lebensqualität: über eigenen Garten geht nix.
    Man sollte aber auch einige Tricks verraten, z.B. bauträgerfreies Grundstück (sonst wird die Grunderwerbssteuer später nochmals für das Haus fällig) oder halt ein Grundstück finden, dass man selbst zum Bauland wandelt (z.B. Laube), selten, aber nicht unmöglich.

  16. 5.

    Da zahlt jemand 28% des Nettoeinkommens für die Wohnung und hat hinterher noch 3000 Euro im Monat über, wo ist das Problem? Ich bin gezwungen 45% auszugeben bei nur einem Bruchteil dieses Einkommens, sowas wie Sparen oder Altersvorsorge ist unbezahlbarer Luxus.

  17. 4.

    Ich sympathisiere mit der Familie, dennoch ist mir Ihre Berichterstattung zu einfach. Mir fehlt die Seite der Vermieter/Eigentümer. Wenn dieser bis an den Rand des Mietspiegels, der in Berlin verhältnismäßig gering ist, ist das in meinen Augen keine Profitgier! Es gibt viele Eigentümer in der Stadt, die eine Wohnung besitzen und damit nicht nur Profit machen wollen, sondern ein faire Mieterbeziehung pflegen. Ich würde mir wünschen, wenn Sie als RBB auch mal darüber berichten würden, auch wenn es leider viele andere negative Investor-Beispiele gibt.

  18. 3.

    Bei Eigenbedarfskündigungen haben Mieter ein 10 jährigen Kündigungsschutz. Siehe Verordnung, laut BGB 3 Jahre. Diese kann wie in Berlin auf 10 Jahre erhöht werden. (berlin.de)