Teilnehmer einer Demonstration "Wir haben es satt!" demonstrieren am 19.01.2019 Brandenburger Tor unter dem Motto "Der Agrarindustrie den Geldhahn abdrehen!" (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Video: Abendschau | 19.01.2019 | Antje Tiemeyer | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Aktionsbündnis "Wir haben es satt!" - Demonstranten fordern "enkeltaugliche Agrarpolitik"

Landwirte und Bürger mit Interesse an einer bewussteren Agrarpolitik haben unter dem Label "Wir haben es satt!" in Berlin gegen die industrielle Landwirtschaft protestiert. Und sie hatten Traktoren dabei.   

Anlässlich der Grünen Woche haben am Samstag Tausende Verbraucher und kleinere Landwirte für eine klimafreundliche Landwirtschaft demonstriert. In der Mitte Berlins forderten mehrere tausend Demo-Teilnehmer mit ihrem Protestmarsch eine Wende in der Agrarpolitik und richten sich gegen die industrielle Produktion von Lebensmitteln. Integriert in den Zug: rund 170 Traktoren. Organisiert wurde der Protestmarsch vom Bündnis "Wir haben es satt!", das bereits zum neunten Mal am Rande der Grünen Woche demonstriert.

Über die Zahl der Demonstranten veröffentlichten die Sicherheitsbehörden und die Veranstalter im Laufe des Tages unterschiedliche Angaben. Die Polizei sprach nach dem Abschluss des Zuges von mehreren zehntausend Teilnehmern; die Veranstalter gaben die Zahl der Demonstranten mit 35.000 an.

Zum Auftakt des Protesttages hatte am Morgen eine Gruppe von Demonstranten den Teilnehmern der parallel zur Messe stattfindenden Agrarministerkonferenz im Außenministerium eine Protestnote übergeben. Die Aktivisten fordern darin eine "enkeltaugliche Agrarpolitik", nachhaltige Landwirtschaft und einen Stopp der industriellen Lebensmittelproduktion.

Nachhaltige Landwirtschaft stärker unterstützen

Grundsätzlich setzt sich das Bündnis dafür ein, dass die Subventionen, die die EU jährlich nach Deutschland überweist, künftig besser verteilt werden. Landwirte, die sich um eine nachhaltige Landwirtschaft bemühen, müssten stärker gefördert werden als industrielle Großbetriebe, sagte Saskia Richartz, die Sprecherin des Bündnisses, am Mittwoch dem rbb.

So lautet eine Forderung des Bündnisses, dass der Agrarindustrie "endlich der Geldhahn abgedreht werden muss". Stattdessen solle eine "enkeltaugliche" Landwirtschaft gefördert werden. "Steuergeld muss bäuerliche Betriebe unterstützen, die Umwelt und Klima schützen und unsere Rinder, Schweine oder Hühner gut halten", hieß es. Ländliche Räume müssten lebendig gehalten werden.

In der Europäischen Union wird derzeit über eine umfassende Agrarreform diskutiert. Die Subventionen für Landwirte gehören zu den größten finanziellen Posten der EU.

Agrarministerkonferenz mit Teilnehmern aus 70 Ländern

Am Samstagvormittag kamen Regierungsvertreter aus rund 70 Ländern im Auswärtigen Amt zusammen, um über Chancen der Digitalisierung für die weltweite Ernährungssicherung zu beraten. Als Gastgeberin dieser Agrarministerkonferenz sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), es gelte, möglichst vielen Landwirten den Zugang zu digitalen Techniken zu ermöglichen. Hierfür sollte man sich aber auch auf Werte verständigen - etwa zum Datenschutz und zur Datensicherheit.

Klöckner (CDU) wandte sich in Reaktion auf die Forderungen der Aktivisten gegen Polarisierungen in der Debatte um mehr Umwelt- und Tierschutz. Es sei eine Herausforderung, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, sagte die Politikerin mit Blick auf die Demonstration. "Wir werden sie nicht satt machen mit einem Teilausstieg aus der landwirtschaftlichen Produktion." Es komme auf eine nachhaltigere, effizientere und umweltgerechtere Produktion an. "Aber wir brauchen den Landwirt."

Bei der Grünen Woche dreht sich seit Freitag alles um Ernährung und Landwirtschaft. Bei der weltgrößten Agrarmesse werden bis zum 27. Januar rund 400.000 Besucher erwartet. Unter anderem geht es dabei auch um die Konflikte zwischen Massentierhaltung und Tierwohl und um die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe.

Traktorstau am Brandenburger Tor

Kommentar

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60 Kommentare

  1. 60.

    Klingt wie ein Kommentar aus der Marketing-Abteilung jener, die von den kritisierten Strukturen profitieren. Aber auch blosse Häme ist unangebracht. Die EU-Deutschland-Agrarpolitik ist seit jeher auf eine kooperative Struktur zwischen der Vergabe öffentlicher Gelder und möglichst grosser, industrieller Agrarbetriebe abgestellt. Daraus ergeben sich sogenannte "Marktgesetze" die in Wahrheit informell sind und nicht einer politisch-demokratischen Kontrolle /Überprüfung unterliegen. Agrarpolitik, Lebensmittelproduktion-Distribution ist ein politisch-ökonomisch-ökologisch-soziales-kulterelles Feld, in dem erkannte notwendige Änderungen, Erfolge, Misserfolge in einem sachlichen, fundierten, nachhaltigen Prozess zu verändern möglich sein muss. Nennt man Demokratie. Fehlt Haltung, Bewusstsein und gleichzeitig die tatsächliche Kontrolle, setzt eben zB. die Autolobby gleich eine ganze Schlüsselindustrie in den Sand. Die Verteilung von Grund und Boden ist eine nie endende Frage der Menschenheit.

  2. 58.

    Lieber Klaus, waren Sie da? Ich schon - mit meiner 11jährigen Tochter - die gerne für eine gesündere Umwelt und gegen die Tierquälerei in der Massentierhaltung demonstrieren wollte. Ich habe sehr viele Familien mit Kindern, viele Rentner und junge Leuten gesehen, die sich offensichtlich Sorgen um die Umwelt machen und es sehr begrüßen würden, wenn Nutztiere artgerechter gehalten würden. Und nein, wir sind keine Veganer, keine Ökos und keine Berufsdemonstranten. Ich weiß auch nicht, warum man Leute verunglimpfen muss, die sich für mehr Umweltschutz, gesünderes Essen und eine artgerechtere Tierhaltung einsetzen. Wissen Sie es?

  3. 57.

    so viel Quatsch auf einem Haufen..
    Diese Leute vertreten eine gesunde Landwirtschaft.
    Die wollen doch nicht mit Kuh oder Pferd pflügen, die wollen keine 1000 Kühe Industrie oder Felder ohne Hecken und Knicke. Der Boden fliegt weg und die Tiere werden in Qualtierhaltung gehalten. Ach und Glyphosat ist ja auch so lecker. Na dann.. weiter so bald ist alles kaputt für billiges Fleisch und geschredderte Küken..Bruderhahn Eier oder Fleich finde ich in keinem Geschäft.

  4. 56.

    Lieber Klaus, wir sind beides nicht. Ich bin Musikerin mit 2 Kinder, mein Mann arbeitet beim Fernsehen. Uns tut die Tiere leid, und wir finden glyphosat ist einer giftige Sache. LG aus Neukölln

  5. 55.

    eine Hand voll Öko Bauern demonstrieren zusammen mit den üblichen Berufsdemonstranten

  6. 54.

     Deutschland das Land der Verbote und Repressalien. Der Diesel wurde bereits erfolgreich abgewrackt, ein ganzer Industriezweig mit ihm – ein Sieg der Hysterie über Realität und Vernunft. Noch ist dieser Irrsinn nicht verdaut, da keimt schon die nächste linke Vernichtungsidee auf – Fleischverbot! Basis dafür ist eine bisher nicht einmal veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts in Mainz, über die das ARD-Magazin Monitor berichtete. Dem Bericht zufolge gäbe es rund 120.000 Feinstaubtote pro Jahr in Deutschland und damit ein ähnliches Gesundheitsrisiko wie das Rauchen.
    Quelle: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/extras/pressemeldung-feinstaub-100.html

  7. 53.

    Ich möchte nicht die CO2 und NOx Werte gemessen haben, die an den Zufahrtsstraße und auf der Demo-Strecke herrschten. Auch liefen hunderte Traktoren im Stand. Hier ging es um #essenistpolitisch und nicht vorrangig CO2-Ausstoß. Hier ging es mal nur wieder darum, dass eine kleine Gruppe der Mehrheit ihren Willen diktieren wollen. Und dafür sind für die moralisch Erhobenen und guten Menschen jedes Mittel Recht. Da werden auch schnell aus "etwas mehr als 12.000 (Polizeiangaben) 35.000 Vorschriftenmacher (Veranstallter). Und ehrlich: ich nehme doch eher Fleisch aus der Massentierhaltung, als von einem Tier, zudem man eine persönliche Bindung aufgebaut hat und einem mit traurigen Augen anschaut, bevor man mit dem Bolzenschußgerät ....

  8. 52.

    So ein Stuff, woher wissen Sie denn, wer in der Einkaufsschlange Veganer ist und wer nicht? Und die Vitamin-B12 Tabletten...davon brauchen Sie sicherlich genauso viele wie die Veganer und ich mache Sie höchstpersönlich mitverantwortlich, dass die allermeisten Menschen überhaupt einen Vitamin B12-Mangel haben...Glyphosat, welcher indirekt für Unmengen an Qualfleisch eingesetzt wird, hat den natürlichen B12-Lieferanten getötet...also herzlichen Dank auch!

  9. 51.

    Ein ausdrückliches Dankeschön dafür,dass es im Artikel keinen Hinweis auf eine friedliche Demonstration gibt. Das ist hoffentlich nicht nur eine Ausnahme.

    Von Frau Klöckner braucht man nichts zu erwarten. Die hat nur ihre Karriere im Blick und kann getrost als Lobbyistin der Agrarindustrie bezeichnet werden.
    Das weiß übrigens auch die Mehrheit der Deutschen. Im letzten Deutschlandtrend stimmten 82 Prozent! der Aussage zu: "Die Bundesregierung kann sich in vielen Fragen nicht gegen die Macht der Wirtschaft durchsetzen."
    https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/index.html
    Diese erschütternde Aussage hat es nicht mal in die Überschrift geschafft,geschweige denn,dass sie irgendwie anderweitig thematisiert wurde.

    Noch ein Hinweis auf eine aktuelle Doku,deren Sendezeit nicht so massenkompatibel war:
    Akte D – Die Macht der Bauernlobby

  10. 50.

    0,75 qm Platz ist laut Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft für ein Schwein eine hinsichtlich der Bewegungsmöglichkeiten rechtskonforme Auslegung von "verhaltensgerecht unterbringen".
    Für mich ist das Tierquälerei, die durch meine Steuergelder subventioniert wird.

  11. 48.

    Es geht (in erster Linie) nicht darum "die ganze Welt" zu Retten, sondern unsere Heimat. Und bei Demos in Berlin, die keine "berlin-spezifischen" Themen betreffen, werden immer "Leute aus ganz Deutschland ran gekarrt um den Eindruck zu erwecken, sie vertreten die Meinung der Mehrheit". Schließlich ist Berlin die Hauptstand, hier "sitzt" die (Bundes)Politik.

  12. 47.

    Ist schon klar, dass die Traktoren dieser Aktivisten auch nicht mit nachhaltig-dynamischen Betriebsstoffe laufen sondern in der Umweltzone Eu-subventionierte Diesel- Monster den Krach machten?

  13. 46.

    Nein. Wir sind Allesfresser. Das ist die geeignetste Art der Ernährung. Gesunde Ernährung heißt nicht, auf etwas verzichten. Nur auf die Chemie im Essen kann man getrost verzichten. Und je mehr ein Produkt verarbeit wird, desto mehr Energie geht dabei drauf, ohne dass es etwas bringt. Obst am besten selber kauen, der Smoothie ist lecker, aber unnötig. Das Steak ist besser als die Wurst. Aber wie war das? Hauptsache, es schmeckt :-D In diesem Sinne, soll jeder mit seiner Ernährumg glücklich werden.

  14. 45.

    Der RBB könnte sich mal dran erinnern, dass die Grünen in der Bevölkerung nur eine Minderheit sind, auch wenn sie unter Journalisten vielleicht eine Mehrheit bilden. Das merkt man leider. Diese ganze Pro-Öko-Berichterstattung ist zu einseitig. Tiefer hängen das Thema.

  15. 44.

    Sie haben einen Punkt angesprochen, den ich genauso wie Sie sehr kritisch sehe. Selbst habe ich schon immer versucht, umweltbewußt zu leben und zwar nicht nur bei der Ernährung, auch beim Kleiderverbrauch etc.. Die ÖKOS in Deutschland können nicht die Welt und ihr Klima retten, wir machen nur ca 2 Prozent der Weltbevölkerung aus.
    Da müßte bei dem exponentiellen Bevölkerungswachstum angesetzt werden, besonders in den afrikanischen/arabischen/muslimischen Staaten, die sich seit 1960 bis heute ca. verfünf- bis versiebenfacht haben. Das wäre auch mal eine Aufgabe sowohl unserer Politiker als auch der UNO bei ihren Weltklimakonferenzen. Aber bis heute ist mir noch nicht aufgefallen, auch nicht bei der letzten in Polen, daß dieses Thema angesprochen wurde. Und ich glaube auch nicht, daß sich dies, zumindest nicht so bald, ändern wird.

  16. 43.

    Im Artikel steht nicht einmal das wort vegan oder Veganer. Trotzdem wird ausgerechnet auf diesen rumgetrampelt. Acu kinerlei Forderug, sich vegan zu ernähren, ist aus dem Artikel erichtlich. woher kommen alo diese Hasskommentare???

  17. 41.

    Der Ballungsraum Berlin: gut gewählt, um sich hier die Köppe einzuschlagen!
    Berlin allein hat, na wieviel Transferleistungsempfänger? Bitte, nicht abwertend betrachtet, nur mal so als reale Zahl wer wen wann wo erreicht beim Missionieren. Das breite inhaltliche Spektrum dabei ist ja mittlerweile durch Mitforisten aufgeblättert. Die Dekadenzen sind ebenso treffend benannt.
    Der Weg ist steinig, aber ich setze weiterhin auf Aufklärung (!!!), Tranparenz (!!). Klärung von Mythen (!).
    Ixch kauf Eier aus Freilandhaltung, ich boykottiere einen Geflügelproduzenten, ich mach mittlerweile um geklebten Kochschinken eine Bogen, Milch ist (k)ein Grundnahrungsmittel? usw. usf. Der Verbraucher lässt sich sehr wohl abholen, der Handel ist risikobereiter. Es gibt gute Ansätze und Beispiele. Vielleicht fällt das eher woanders auf, oder wenn man woanders ist.
    Psychologische Bedürfnisse können Sie nicht verordnen, Hunger sanktionieren.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

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