Julia Klöckner (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin, kostet neben dem Bio-Gärtner Christian Herb in der Biohalle beim Eröffnungsrundgang der Internationalen Grünen Woche 2019 Häppchen. (Quelle: dpa/Soeder)
Video: rbb24 | 18.01.2019 | Bild: dpa/Soeder

Offizielle Eröffnung unter dem Funkturm - Grüne Woche startet mit Streit um Kennzeichnungspflicht

Auf der Grünen Woche geht es nicht zuletzt um die Freude an wohlschmeckenden Lebensmitteln. Doch was steckt drin und wo kommen sie her? Und welche Standards gelten für das Wohl der Tiere? Fragen, die schon zum Auftakt der Messe heftig diskutiert werden.

Die Agrarmesse Grüne Woche unter dem Berliner Funkturm hat seit Freitag für das breite Publikum geöffnet. Bereits am Donnerstagabend eröffnete Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die 84. Ausgabe der Messe und hob dabei vor allem die politische Bedeutung der Landwirtschaft hervor. Sie sei "nicht irgendeine Branche", sagte die CDU-Politikerin laut Redetext, sondern "Grundlage für politische Stabilität und Sicherheit" in Deutschland.

Hohe Erwartungen an Landwirtschaft und Industrie

Dass die Grüne Woche in diesem Jahr besonders politisch werden würde, hatte sich schon im Laufe des Tages abgezeichnet.

Zwar wird es auch in diesem Jahr nicht zuletzt um die Freude am Essen und Trinken, um exotische Köstlichkeiten und neue aufregende Geschmackserfahrungen gehen - doch die Zeiten, in denen die Verbraucher bedenkenlos konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird, sind längst vorbei. Stattdessen werden hohe Erwartungen an Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie formuliert. Vor allem geht es dabei um einen besseren Schutz von Nutztieren, um mehr Transparenz bei Fertigprodukten und ganz allgemein um eine gesündere Ernährung.

Klöckner: Mehr Tierwohl kostet auch mehr Geld

Vor diesem Hintergrund rief Klöckner bei ihrem Messerundgang zu einem neuen Dialog von Anbietern und Verbrauchern auf. Die Landwirtschaft dürfe diesen nicht "reflexartig" abwehren, sagte Klöckner. Andererseits dürften Bauern auch nicht als "Buhmann der Nation" hingestellt werden.

Beim geplanten staatlichen Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt beharrt Klöckner auf Standards, die höher sind als die gesetzlichen Vorgaben. Die von mehreren Handelsketten angekündigte Haltungskennzeichnung gebe in der ersten Stufe nur den Ist-Zustand wieder. "Wenn ich an der roten Ampel halte, kriege ich ja auch kein Plakettchen dafür", sagte die Ministerin. Zur Ehrlichkeit gehöre aber auch, dass bei höheren Kosten für mehr Tierwohl auch die Verbraucher gefordert seien, die dafür höhere Preise zahlen müssten.

Bauernpräsident Joachim Rukwied mahnte, dass mehr Geld bei Bauern ankommen müsse, die in Tierwohl investierten. Die Branche sei zum Mitwirken bereit. Es dürfe aber nicht in die Richtung laufen, dass das Label wegen höherer Einstiegsstandards "in die Nische wandert". Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte, mit dem Label würde nur ein Bruchteil der Produkte ausgezeichnet.

Staatliches Label soll Klarheit über Tierhaltung schaffen

Das staatliche Kennzeichen sieht drei Stufen vor und soll ab 2020 für Schweinefleisch starten. Bauern sollen das Logo freiwillig nutzen können. Kriterien, die dann einzuhalten sind, stehen noch nicht fest. Schon ab 1. April wollen Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe einheitliche Packungsaufdrucke mit der Aufschrift "Haltungsform" für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel in die Läden bringen. Das vierstufige System beginnt mit dem gesetzlichen Standard.

Neue Wege auch bei der Lebensmittelkennzeichnung

Für den Kampf gegen Übergewicht will die schwarz-rote Koalition bis Jahresmitte Vorschläge für eine klarere Nährwertkennzeichnung bei Fertigprodukten wie Joghurt oder Tiefkühlpizzen vorlegen. Die "reine Ampelkennzeichnung" mit Rot, Gelb und Grün für Fett, Zucker und Salz, bei der letztlich alle drei Farben vertreten sein könnten, sei keine Option mehr, sagte Klöckner. Stattdessen würden derzeit auch Modelle aus anderen Ländern getestet.

Die SPD macht sich dabei für das in Frankreich und Belgien eingeführte System "Nutri-Score" stark. Dies bezieht auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von Dunkelgrün bis Rot.

Saure Gurken, Teltower Rübchen und regionale Biere

Wie in jedem Jahr dürfte vor allem die Brandenburg-Halle viele Menschen aus der Region anziehen. Die Halle 21A wird für zehn Tage der zentrale Treffpunkt für Verbraucher und Produzenten der brandenburgischen Agrar- und Ernährungswirtschaft. "Für ein Flächenland wie Brandenburg ist die weltgrößte Verbrauchermesse insgesamt eine gute Gelegenheit, um auf die Vielfalt der ländlichen Region hinzuweisen und für Agrarprodukte die Werbetrommel zu rühren", sagte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD).

Die Grüne Woche, die  weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau, ist ab Freitagmorgen für das Publikum geöffnet. Bis zum 27. Januar werden rund 400.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Partnerland ist in diesem Jahr Finnland.

Grüne Woche: Hallenbelegung (Quelle: Messe Berlin GmbH)

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Genau das wäre wichtig aber es gibt ebend viel zu viele Lobbyisten die Einfluss auf die entsprechenden Politiker und Parteien haben.

  2. 11.

    Seit einigen Jahren ernähre ich mich aus Misstrauen gegenüber der industriellen Landwirtschaft und der mMn ausgedünnten staatlichen Aufsicht mit Bio-Produkten wechselnder Anbieter.

    Ich freue mich über jeden Schritt zu besserer Transparenz, vermute aber mit großem Misstrauen eine für Gesundheitsinteressen unheilvolle Allianz zwischen Regierung und Anbietern zulasten der Verbraucher. Die Blaupause dafür ist mir das Hintanstellen des dem Staat obliegenden Gesundheitsschutzes in Sachen „Auto/Diesel“.

    Zum Informationsstandard sollten auch die Anbau-/Herkunftsländer zählen: Produkten aus Ländern mit besonders niedrigem Bildungsniveau oder restriktiver Staatsproduktion misstraue ich zu meiner Sicherheit.

    Ansonsten bin ich gespannt, ob verbraucherorientierte Regelungen veranlasst werden.

  3. 10.

    Muss man Leute beim Essen photografieren?

  4. 9.

    > Und welche Standards gelten für das Wohl der Tiere? <

    dafür gibt es wohl keine Standards und wenn doch, dann nur Absichtserklärungen

  5. 8.

    Kennzeichnungspflicht? Verstehe ich nicht. Muss jetzt auf jedem Hähnchenschenkel oder Schweinesteak stehen, welche Antibiotika in welchen Dosen dort drin sind, damit sich mein Hausarzt bei meiner Medikation drauf einstellen kann?

  6. 5.

    das ist kein " Pflichtgrinsen " Frau Klöckner schaut IMMER so drein-auch beim Fasching
    und hier auf dem Foto sind halt Kuh und Ministerin glücklich---

    rbb 24----wird der 25. Mai mal verbessert ??

  7. 4.

    Dieses Pflichtgrinsen in die Kamera ist unerträglich. Und das nicht nur bei Frau Klöckner

  8. 3.

    richtig der 25. Mai ist Samstag
    da kann ich leider nicht zur "Günen Woche", da verreist--die war doch noch NIE so lange

  9. 2.

    Zu den Öffnungszeiten :
    Der 25.Mai ist kein Freitag ;-)

  10. 1.

    So lange Frau Julia Klöckner Ministerin ist, wird sich nichts ändern.

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