Archivbild: Rundgang über die Internationale Grüne Woche am 18. Januar 2018 in der Messe Berlin. (Quelle: imago/Rainer Keuenhof)
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Tierwohl, Digitalisierung und Brexit - Das sind die Top-Themen der Grünen Woche 2019

Auf der Grünen Woche in Berlin geht es im wahrsten Sinne ans Eingemachte. Denn die Themen der Messe sind dieselben, die Verbraucher auch im Alltag umtreiben: die Digitalisierung, das Tierwohl und der anstehende Brexit. Von Arne Bartram

Sie probieren exotisches Essen, lernen etwas über neue Entwicklungen in der Landwirtschaft und kommen mit den Ausstellern ins Gespräch: Tausende Besucher werden von den Veranstaltern der Grünen Woche noch bis zum Ende der Messe (27.01.) jeden Tag erwartet.

Und auf diesen Dialog setzt auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU): Zum Auftakt der Grünen Woche hatte sie gesagt, Verbraucher und Hersteller müssten lernen, einander besser zu verstehen. Während die Verbraucher sich laut Klöckner also von romantisch verklärten Bauernhofklischees verabschieden müssen, sollen die Landwirte mehr Rücksicht auf die Wünsche der Verbraucher nehmen.

Stichwort Tierwohl

Die Verbraucher werden tatsächlich immer anspruchsvoller: Sie wollen wissen, was in der Wurst, die sie kaufen, genau drin ist, und am besten noch eine Garantie, dass das Schwein oder die Kuh vorher ein glückliches Leben hatte. Das Thema Tierwohl ist deshalb dieses Jahr sehr präsent auf der weltgrößten Messe für Ernährung und Landwirtschaft. Vor allem das geplante staatliche deutsche Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt sorgt für Diskussionen. Bisher ist nur bekannt, dass es drei Stufen haben und ab dem kommenden Jahr für Schweinefleisch eingeführt werden soll. Für die Bauern bleibt es aber eine freiwillige Sache. Welche Kriterien gelten sollen, ist noch völlig unbekannt. Mehr Klarheit konnten da bisher auch die Worte von Landwirtschaftsministerin Klöckner auf der Grünen Woche nicht bringen. Sie hat lediglich deutlich gemacht, dass die Standards über den bereits geltenden gesetzlichen Vorgaben liegen sollen.

Eine Haltungskennzeichnung, wie sie die Supermarktketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe diesen April einführen wollen, sieht Klöckner dagegen skeptisch.

Das offizielle Partnerland der diesjährigen Grünen Woche, Finnland, scheint da schon weiter. Klöckners finnischer Amtskollege Jari Leppä warb im Inforadio vom rbb mit den hohen Standards seines Landes: "Bei uns dürfen zum Beispiel alle Schweine ihre Ringelschwänze und Hühner ihre Schnäbel behalten. Bei uns werden dem Futter keine Antibiotika beigemischt, wir verabreichen den Tieren auch keine Wachstumshormone."

Stichwort Lebensmittelkennzeichnung

Auch wie natürlich oder gesund Lebensmittel tatsächlich sind, wollen deutsche Verbraucher gerne wissen. Eine Kennzeichnung von Nährstoffen durch eine sogenannte Lebensmittelampel lehnen aber sowohl der Bauernverband als auch Ernährungsministerien Klöckner als "überwunden" ab. Sie findet: "Dann weiß der Verbraucher gar nicht mehr, wo es hingeht." Klöckners Ministerium lässt gerade Vor- und Nachteile mehrerer Modelle auch aus anderen Ländern überprüfen. Konkreter wurde sie zu dem Thema aber nicht.

Stichwort Digitalisierung

Für die Landwirtschaftsbranche selbst ist die digitale Zukunft ein bestimmendes Thema. Unter dem Motto "Landwirtschaft mit Herz und Drohne" informiert auf der Messe etwa das zuständige Ministerium die Fachbesucher.

Dabei soll es vor allem um die Vorteile einer digitalisierten Landwirtschaft gehen, die effizienter und ressourcenschonender produzieren, gleichzeitig aber auch mehr Menschen satt machen könne. Die Landwirtschaft der Zukunft bräuchte aber auch eine schnelle Internetverbindung: Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Rukwied, forderte auf der Messe deshalb das schnelle 5G-Netz "an jedem Milchtank". Nur dann habe der ländliche Raum in Deutschland eine Zukunft.

Stichwort EU-Agrarsubventionen

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss außerdem ökologischer werden, meinen unter anderem mehrere tausend  Menschen, die während der Grünen Woche für eine Wende in der Agrarpolitik demonstrierten. Bei der großen "Wir haben es satt" Demo am ersten Samstag der Messe forderten die Teilnehmer ein Umdenken der EU-Politik bei der Subventionierung der Bauern. Pauschale Flächensubventionen sollten abgeschafft und stattdessen klimaschonende und umweltfreundliche Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung stärker gefördert werden. Bauernverbandspräsident Rukwied stellt sich auf der Messe allerdings gegen die seiner Meinung nach "zu strengen" Vorgaben aus Brüssel.

Stichwort Brexit

Rukwied warnt außerdem vor den Auswirkungen des Brexits. Auch wenn noch nicht klar ist, wie das Ausscheiden von Großbritannien aus der EU genau aussehen wird: Negative Folgen für die deutschen Landwirte sieht der Bauernverbandspräsident auf jeden Fall. Um diese für Produzenten und Verbraucher möglichst gering zu halten, fordert er die Politiker auf, dafür zu sorgen, dass deutsche Landwirte auch weiter einen Zugang zum britischen Markt bekommen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.01.2019, 11:00 Uhr

Beitrag von Arne Bartram

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2 Kommentare

  1. 2.

    Gerade lese ich „In der EU sind laut einer Studie seit 1980 mehr als die Hälfte aller Feldvögel verschwunden. ...
    Die Zahlen decken sich mit Beobachtungen des Umweltbundesamts für Deutschland. Die Behörde nennt als wichtigste Ursachen die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Flächen, die den Feldvögeln keine Rückzugsräume mehr biete. Dazu kämen zerschnittene und zersiedelte Landschaften und immer mehr versiegelte Flächen.“ ( inforadio)
    Ist das zu ändern?

  2. 1.

    "Stichwort Tierwohl","Stichwort Lebensmittelkennzeichnung"

    Bei einem Tier, das nur auf der Welt ist, um für den Gaumenkitzel eines Fleischessers zerstört zu werden, ohne je ein Chance auf das Erreichen des eigentlichen biologischen Alters zu haben von "Tierwohl" zu sprechen, ist an Euphemismus nicht zu überbieten!
    Deshalb gilt für jeden, der die vielen Millionen von Tierleben beschützen und tatsächlich erhalten will nur dies:
    Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

    Die Lebensmittelkennzeichnung wird von der Industrie nachhaltig abgelehnt. Sie hat bei der Eierkennzeichnung erlebt, dass die Profitmaximierung auf Kosten von Tieren, Umwelt und Verbrauchern damit nicht mehr so einfach funktioniert.

    Im Zusammenhang mit Produkten, die im Laden stehen gilt deshalb nur die folgende Kennzeichnung:

    Eins und zwei und drei und vier,
    nur vegan schützt Klima, Mensch und Tier!

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