Archivbild von September 2018: Erste Ernte von Cannabispflanzen in Deutschland bei Naundorf in Sachsen (Quelle: imago/Arvid Müller)
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Mehr als ein Rauschmittel - Landwirte kämpfen mit Schwierigkeiten beim Hanf-Anbau

Hanf ist mehr als ein Rauschmittel und vielseitig einsetzbar: auf dem Bau, in der Auto-Industrie, im Textil- und Lebensmittelbereich. Doch viele Landwirte scheuen sich, Hanf anzubauen - auch in Brandenburg. Dabei wäre das eine gute Chance. Von Sandra Fritsch

Hanf ist ein absoluter Allrounder. Dafür trommelt im Moment der Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land. "Es gibt fast kein Produkt, das man nicht aus Hanf herstellen kann. Hanf kann ein Ersatz für Holzbaustoffe sein, Verbundbaustoffe, Textilien, Papier - es gibt inzwischen sogar einen Schnaps aus der Hanfwurzel", erklärt Andrew Förster vom Verband.

Wächst gut und bereichert die Fruchtfolge

Insgesamt 12.000 Produkte werden aus Hanf hergestellt, und gerade die Baubranche profitiert von dem Rohstoff - zum Beispiel bei Dämmmaterialien. In Prenzlau (Uckermark) werden Dämmmaterialien produziert, die unter anderem für Isolierarbeiten am Dach gebraucht werden.

Hanf sei eine ganz tolle Pflanze, sagt Hermann Hansen von der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe. "Sie wächst gut hier in der Region. Sie bereichert die Fruchtfolge und kann damit enge Getreidefruchtfolgen auflockern und natürlich viele Produkte und Rohstoffe liefern", so der Rohstoffexperte. Die Körner könnten für Nahrungsprodukte genutzt werden. "Also durchaus eine gute und sinnvolle Pflanze, wo ich mich freuen würde, wenn mehr davon angebaut wird."

Nur kleine Anbauflächen in Brandenburg

In Brandenburg wird Hanf unter anderem in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Teltow-Fläming angebaut. Doch die Anbauflächen sind klein und die somit gewonnenen Rohstoffe reichen für den Bedarf nicht aus. Doch warum scheuen sich viele Landwirte, auf Hanfanbau zu setzen? Immerhin kommt die Pflanze gut mit sandigen Böden zurecht, sie wächst gut und benötigt kaum Düngung.

Die erste ganz große Hürde sei, dass Nutzhanf im Betäubungsmittelgesetz stehe, sagt Förster. "Der Gesetzgeber macht überhaupt keinen Unterschied zwischen Nutz- und Rauschhanf. Das ist Blödsinn." Für den Landwirt bedeute das, dass er bei der Betäubungsmittelprüfstelle einen Anbauantrag stellen muss. "Er kann jetzt nicht einfach sagen, er baut mal Hanf an. Außerdem finden umfängliche Kontrollen statt, bei denen geprüft wird, dass das am Ende wirklich Faserhanf ist", erklärt Förster.

Verband plädiert für eine Förderrichtlinie zum Hanfanbau

Dahinter stecke eine zweite große Schwierigkeit. Es gebe in den Laboren keine einheitlichen Messmethoden. Drei Labore können somit drei völlig unterschiedliche Ergebnisse liefern. Für den Landwirt besteht damit die Gefahr, dass er unter Umständen seine komplette Ernte wegwerfen muss.

"Die Landwirte haben gerade extreme Probleme mit Grenzwerten und gesetzlichen Regelungen", sagt Förster. Eine Lösung sei nicht in Sicht. Vielleicht kann eine Förderrichtlinie für Naturfaseranbau helfen, die interessierten Landwirten die Angst vor dem Scheitern nimmt. Aber auch das ist Zukunftsmusik. Trotzdem trommelt der Landschaftspflegeverband weiter für mehr Hanfanbau. Intensive Gespräche mit Brandenburger Landwirten stehen an, bestätigt der Verband dem rbb.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.01.2019, 17.30 Uhr

Beitrag von Sandra Fritsch

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