Collage - links: Kotelett mit Kartoffeln, mittig: Äpfel, rechts: Bier (Bild: Colourbox)
Colourbox
Video: rbb|24/Brandenburg Aktuell | 17.01.2019 | Bild: Colourbox

rbb|24-Datenanalyse zu Essgewohnheiten - So ernähren sich die Brandenburger und Berliner

Zum Mittag ein Schnitzel? Oder doch lieber einen Salatteller? Die Ernährungsgewohnheiten von Berlinern und Brandenburgern oder von Männern und Frauen sind recht unterschiedlich, wie eine Datenanalyse von rbb|24 zeigt. Von Götz Gringmuth-Dallmer und Juliane Kerber

Die Grüne Woche in Berlin ist ein willkommener Anlass, um den Menschen in der Region mal auf die Teller zu gucken. Was und wieviel die Menschen essen und trinken, zeigen verschiedene Studien und Umfragen. rbb|24 hat dazu den Ernährungsreport 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die Nationale Verzehrstudie II sowie die Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse 2017 ausgewertet.

1. Was essen Brandenburger und Berliner?

Besonders das, was schmeckt. Das ist den 99 Prozent der Befragten in Deutschland sogar noch wichtiger als Gesundes auf dem Teller (91 Prozent). Doch es gibt Unterschiede zwischen Frauen und Männern, Berlinerinnen und Brandenburgerinnen, natürlich auch zwischen Fleischessern und Vegetariern.  

Brandenburg: Männer Bier, Frauen Obst

Brandenburgs Männer sind die regionalen Spitzenreiter beim Bier- und Fleischverzehr. Ihr Fleisch- und Wurstverbrauch entspricht im Durchschnitt fünf Schnitzeln pro Woche. Im Durchschnitt trinkt der Mann in Brandenburg jeden Abend eine kleine Flasche Feierabendbier. Brandenburgs Frauen essen besonders viel Obst – gemessen in Gramm so viel wie 18 Äpfel pro Woche (2, 24 Kilogramm). Beim Feierabendbier leistet Frau im Durchschnitt ihrem Mann nur einmal in der Woche Gesellschaft.

Grafik: Wöchentlicher Verzehr in Brandenburg in Beispielen (Bild: rbb/Winkler/Runge)

Berlin: Frauen Gemüse, Männer Käse

Berlinerinnen essen besonders viel Gemüse (im Durchschnitt mehr als 1 Kilogramm/Woche). Berliner tanken vor allem mit Milch und Milchprodukten (fast 2 Liter/Woche) Energie. Dafür essen die Großstädter durchschnittlich weniger Fleisch und Obst als ihre Nachbarn in Brandenburg.

Grafik: Wöchentlicher Verzehr in Berlin in Beispielen (Bild: rbb/Winkler/Runge)

2. Hauptquellen der Energiezufuhr

Brot, Milch und Käse sind die Hauptenergielieferanten bei Frauen wie Männer, doch dann gehen die Geschmäcker auseinander. Während Frauen Süßwaren und Obst als weitere Energielieferanten bevorzugen, tanken Männer stärker mit Fleisch, Wurst und Fetten auf.

3. Fleischkonsum: Männer vor Frauen

Fleisch- und Wurstwaren sind eine Vorliebe der Männer. Der durchschnittliche Fleisch- und Wurstverzehr liegt bei den Männern in Berlin und Brandenburg über den aktuellen Gesundheitsempfehlungen von 300 bis 600 Gramm pro Woche, bei den Brandenburgern mit 742 Gramm etwas deutlicher als bei den Berlinern mit 672 Gramm. Das entspricht einem jährlichen Fleisch- und Wurstkonsum von durchschnittlich 38,5 Kilogramm in Brandenburg und 34,9 Kilogramm in Berlin.

Frauen leben im Bezug auf die empfohlenen Fleischmengen gesünder, wobei die Berlinerinnen im Durchschnitt nochmal weniger Fleisch essen als die Brandenburgerinnen.

Brandenburger Frauen essen 413 Gramm Fleisch- und Wurstwaren pro Woche (21,5 Kilogramm pro Jahr), Berliner Frauen 350 Gramm pro Woche (18,2 Kilogramm pro Jahr).

Das meiste Fleisch essen im Bundesvergleich übrigens die Männer in Thüringen. Laut Verzehrstudie im Durchschnitt 819 Gramm/Woche (42,5 Kilogramm pro Jahr). Die Frauen in Thüringen sind mit 413 Gramm pro Woche mit den Brandenburgerinnen gleichauf.

4. Fleisch oder nicht Fleisch? Anteil der Vegetarier steigt

Der Anteil der Vegetarier ist bundesweit noch klein, wächst aber, wenn man den aktuellen Ernährungsreport mit den Zahlen der TK-Ernährungsstudie 2017 vergleicht. Besonders deutlich zeigt sich das bei den unter 30-Jährigen. Vor wenigen Jahren war der Anteil der Veganer, also all jener, die komplett auf tierische Produkte verzichten, demnach kaum zählbar, inzwischen bezeichnen sich laut Ernährungsreport 2019 immerhin ein Prozent der Befragten als vegan.

Acht Prozent der Frauen verzichten völlig auf Fleisch, dagegen nur vier Prozent der Männer. Elf Prozent der 14- bis 29-Jährigen ernähren sich rein vegetarisch.

74 Prozent der Deutschen glauben übrigens, das reduzierter Fleischkonsum eine richtige Lösung für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung ist.

Dazu passt auch, dass sich in Berlin und Brandenburg elf Prozent als Flexitarier bezeichnen. Sie versuchen aus gesundheitlichen und/oder ökologischen Gründen nur ein bis zwei Mal pro Woche Fleisch und Wurst zu essen.

5. Lust auf Alternativen?

"Hauptsache Eiweiß" gilt wohl für viele Männer. Im Ernährungsreport 2019 antworteten deutschlandweit 40 Prozent auf die Frage, ob sie aus Insekten hergestellte Lebensmittel kaufen würden mit "Ja". Von den befragten Frauen stimmten 22 Prozent für dieses ungewöhnliche Lebensmittel:

6. Kochen

Kochen ist längst nicht aus der Mode. In 85 Prozent der Haushalte in Deutschland wird laut Ernährungsreport regelmäßig, mindestens einmal in der Woche oder öfter gekocht. Wobei in Familien das Essen häufiger selbst zubereitet wird als in Single-Haushalten und Menschen mit besonderen Ernährungsgewohnheiten oder Lebensmittelunverträglichkeiten eher selbst kochen als andere.

Sendung: Brandenburg aktuell, 17.01.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

5 Kommentare

  1. 5.

    "10,5 mittlere Karotten pro Woche". Karotten, aha. Danke für diesen typisch Brandenburger Ausdruck, Ihr seid halt ganz dicht dran an Euren Zuschauern.

  2. 3.

    Was können HartzIV-EmpfängerInnen nicht essen?

  3. 2.

    Interessante Information.

    Die Visualisierungen sind weder konsistent in Farbgebung noch in Orientierung.

    @rbb: Hier besteht m.E. fachlich deutlicher Nachholbedarf durch professionelle Kommunikationsdesigner.

  4. 1.

    Es gibt regional sehr große Unterschiede, was eine nivellierende Statistik allerdings immer wieder einebnet. In Baden-Württemberg bspw. gibt es regionale Hochburgen, was das Essen abseits des Eingefleischtseins angeht, in Bayern erweisen sich zumeist die Dörfer als eingefleischte Hochburgen. Gleich so ist es in den ländlichen Gebieten Ostdeutschlands. Wer nach Fleischlosem fragt, bspw. Salat, bekommt all zu oft die recht patzige Antwort "Karnickelfutter führen wir nich´"

    Mit anderen Worten: Es ist regional oft noch viel zu tun, bis Fleisch ein Essensbestandteil unter vielen anderen ist, bis die Denkgewohnheit "Mittagessen = Fleisch + Sättigungsbeilage" endlich der Vergangenheit angehört. Es muss kein Vegatarismus einkehren und auch kein Veganismus. Nur die Rückführung eines unersättlichen Fleischkonsums, hin zur ganzen Bandbreite, die uns die Natur eben bietet.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Die neuen Feuerwehrleute in Jerischke (Bild: Josefine Jahn)
rbb/Josefine Jahn

Kurz vor dem Aus - Zehn Freiwillige retten die Feuerwehr in Jerischke

Die Freiwillige Feuerwehr Jerischke (Spree-Neiße) stand eigentlich schon vor dem Aus - einer alleine konnte den Dienst nicht mehr stemmen. Auf den Hilferuf meldeten sich allerdings gleich zehn löschwillige Dorfbewohner. Nun ist sogar ein neues Auto im Gespräch.