Fairmast Geflügelproduzenten auf der Grünen Woche, Bild: Antenne Brandenburg
Audio: Antenne Brandenburg | 24.01.2019 | O-Ton Thomas Schröder | Bild: Claudia Stern / rbb

Mehr Tierwohl in Brandenburg - Fairmast-Hähnchen als Kompromiss zwischen billig und bio

Mehr Platz, mehr Abwechslung, ein längeres Leben: In einem gemeinsamen Projekt gehen Brandenburger Hähnchenmäster neue Wege. Auf der Grünen Woche in Berlin wurden die Produkte nun erstmals einem breiten Publikum präsentiert. Von Claudia Stern

32 Tage dauert das Leben eines Masthähnchens im Durchschnitt. In Golzow im Oderbruch dürfen die Hähnchen seit kurzem immerhin 56 Tage lang leben, bevor sie als sogenanntes Fairmast-Hähnchen auf den Markt kommen.

2,5 Millionen Euro hat die Landwirtschaft Golzow Betriebs GmbH in den Umbau ihrer Ställe investiert. "Die Tiere haben viel mehr Platz, sie werden bei Tageslicht gehalten, sie haben einen sogenannten Wintergarten, einen Außenauslauf, sie haben Sitzstangen, sie haben Beschäftigungsmaterial, sie werden ständig mit Strohbunden versorgt, die sie auch selbst zerlegen. Es wird Getreide eingestreut, sodass sie auch scharren können", beschreibt Geschäftsführer Detlef Brauer den Stall.

Tierschutz-Label für Fairmast-Produkte

Insgesamt haben bislang sechs Landwirte in Brandenburg die Umstellung auf diese tiergerechtere Art der Hähnchenmast gewagt, bis Ende des Jahres sollen vier weitere hinzukommen. Geschlachtet und anschließend bundesweit vermarktet werden die Brandenburger FairMast-Hähnchen vom Storkower Geflügelhersteller Friki, dessen Mutterkonzern Plukon die Marke Fairmast bereits in den Niederlanden erfolgreich etabliert hat.

Sämtliche Fairmast-Produkte aus Brandenburg tragen das Label "Für mehr Tierschutz" (Einstiegsstufe) des Deutschen Tierschutzbundes. Dessen Präsident Thomas Schröder hält das Fairmast-Konzept für vorbildlich. Mit seiner Hilfe könnten Masthähnchen in Brandenburg unter nachweislich besseren Bedingungen leben. Alle Betriebe, die Fairmast-Hähnchen aufziehen, seien Anfang des Jahres von unabhängigen Zertifizierungsstellen nach den Tierschutzkritierien der Einstiegsstufe zertifiziert worden und würden regelmäßig unangekündigt kontrolliert, so Schröder.

"Ich glaube, dass Fairmast ein Beispiel dafür ist, wie man auch mit bestehenden Betrieben in einem Gebiet, das eher von großen Betriebseinheiten geprägt ist, etwas machen kann fürs Tier." Insofern sei es auch ein Vorbild-Projekt für andere Bundesländer. Allerdings müsse die Förderpolitik der Länder insgesamt ausschließlich auf Tierwohl ausgerichtet sein "und nicht nach dem System, wer Grundstück hat, bekommt auch eine Subvention dafür", forderte Schröder.

Verbraucher müssen bereit sein, höhere Preise zu zahlen

Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger betonte im Rahmen der Produktpräsentation auf der Grünen Woche die Bedeutung der Fairmast-Initiative für die Zukunft der gesamten Fleischproduktion in Brandenburg. "Wenn das erfolgreich ist, werden andere nachziehen." Die Politik könne den Prozess mit Fördergeldern für die Landwirte allerdings lediglich anschieben. Auch der Verbraucher müsse bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen, so Vogelsänger.

Ein Kilo Fairmast-Hähnchenbrustfilet kostet im Handel durchschnittlich knapp zehn Euro. Etwa ein Drittel mehr muss der Verbraucher also bezahlen  – und bekommt dafür einen Mittelweg zwischen Billig-Geflügel aus konventioneller Haltung und hochpreisigem Bio-Geflügel. Die Idee von Fairmast sei es, ein hochwertiges Produkt für eine breite Masse zugänglich zu machen, der Biofleisch schlicht zu teuer ist, betonen Ulrike Rücker, Marketingleiterin von Friki, und Bernhard Lammers, Geschäftsführer von Plukon.

Dieses Konzept lobt auch Hanka Mittelstädt vom Brandenburger Agrarverband Pro Agro. Gerade in Zeiten, in denen viel über Tierhaltung und Fleischkonsum diskutiert werden, sei Fairmast vorbildlich, sagte sie dem rbb. "Ich glaube, das ist der richtige Weg, den wir in Brandenburg brauchen in der Tierhaltung. Es ist ein guter Kompromiss zwischen Ökonomie und Ökologie."

Produktion bis Jahresende verdreifachen

Ob das auch die Kunden so sehen und die neuen Brandenburger Produkte aus tierfreundlicherer Aufzucht annehmen, müssen die nächsten Monate zeigen. Ab sofort sind die Fairmast-Hähnchen bundesweit im Lebensmittelhandel erhältlich – in Brandenburg werden sie vorerst in ausgewählten Lebensmittelmärkten angeboten. Friki will den Weg zu mehr Tierwohl in der Brandenburger Geflügelmast derweil auf jeden Fall weitergehen. Bis Jahresende plant das Unternehmen die Produktion von Fairmast-Hähnchen zu verdreifachen.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ich bin für artgerechtes Leben aller Lebewesen - auch des Menschen. Dafür gehört für mich eine abwechslungsreiche Mischkost, viel Pflanzliches, aber eben auch Milch(produkte), Eier, Fleisch in Maßen - aus artgerechter Tierhaltung.
    Diese sogenannte Fairmast gehört für mich nicht dazu.

  2. 3.

    Danke für diesen Kommentar. Ich sehe das absolut genauso.
    Wer bei der Wahl seiner Lebensmittel Herz und Verstand einsetzt, wird schnell erkennen, dass Tiere und deren Ausscheidungen zu konsumieren, nicht nur vollkommen unnötig sind, sondern ethisch schon lange nicht mehr vertretbar ist. Verantwortungsvolle Menschen brauchen keine Pseudo-Labels. Sie unterstützen keine Industrie, die ausschließlich am Leid und Tod fühlender Wesen Geld verdient.

  3. 2.

    So what? In jedem Fall werden die Tiere weit vor ihrem biologischen Endalter getötet, nach lebenslanger Gefangenschaft.

    Wie man es wendet: Es bleibt nach meiner Auffassung ein Verstoß gegen das Grundgesetz und das Tierschutzgesetz. Auch wenn sich bisher kein Gericht dazu hat durchringen wollen, diesen Gesetzen zur Geltung zu verhelfen.

    Es gibt für die Eiweiß und Nahrungsversorgung genügend schmackhafte Möglichkeiten (man muss das Zeug nur vor dem Braten aus der Verpackung nehmen, dann schmeckt das auch!), sich ohne Tierleid und ohne Tiertod zu ernähren und zu kleiden. Es werden auch immer mehr Leute, die das verstanden haben und tatsächlich geht der Fleischkonsum jedes Jahr zurück, wie der Ernährungsbericht erst Kürzlich bestätigte. Ohne den Absatz in fernöstliche Märkte, vornehmlich China, wäre die Fleischwirtschaft in D längst nicht mehr überlebensfähig - für mich eine gute Erkenntnis.
    Eins und zwei und drei und vier,
    nur vegan schützt Klima, Mensch und Tier!

  4. 1.

    mach aus dem a ein u ,dann wird n Schuh draus...Gockel werden jawohl direkt nach dem Schlüpfen zerschreddert...nur als Hinweis!!!!!

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