Wochenmarkt in Potsdam. (Quelle: rbb/super.markt)
Video: rbb|24/Super.Markt | 21.01.2019 | Susett Kleine | Bild: rbb/super.markt

Supermarkt | Label "Regional" nicht geregelt - Wer auf dem Markt Regionales kaufen will, muss suchen

Viele Kunden besuchen den Wochenmarkt, um Fleisch, Wurst, Obst oder Gemüse von Bauern aus der Region zu kaufen. Doch nicht alles, was hier unter dem Label "regional" angeboten wird, kommt auch wirklich aus Brandenburg oder Berlin.

Klimafreundlich einkaufen, Händler in der Region unterstützen und auch noch wissen, wo das Essen herkommt. Das versprechen sich viele Kunden von ihrem Einkauf auf dem Wochenmarkt. Obst, Gemüse und Fleisch von Bauern aus der Region wollen viele hier erstehen. Das rbb-Verbrauchermagazin Supermarkt hat in einer repräsentativen, deutschlandweiten Umfrage herausgefunden: Rund 39 Prozent der Befragten gehen tatsächlich auf den Wochenmarkt, um regionale Produkte zu kaufen. 35 Prozent erwarten frischere Ware als im Supermarkt. Doch nicht immer sind Wurst und Fleisch, die auf dem Wochenmarkt angeboten werden, wirklich regional.

"Wir kennen fast alle Kunden mit Namen"

Auch am Weberplatz in Potsdam ist der Wochenmarkt Tradition. Seit 30 Jahren kommen viele samstags hierher, um frische und regionale Köstlichkeiten einzukaufen. "Wir kennen mittlerweile fast jeden Kunden mit Namen", erzählt Marktbetreiber Robert Koscholke. Wer hier einkauft, will sich etwas Gutes gönnen – und vertraut darauf, es auch zu bekommen. "Die Transportwege fallen weg, ist ja auch für die Umwelt besser. Gerade wenn von Kohlendioxid-Bilanz die Rede ist“, erklärt eine Kundin ihre Vorliebe für den Potsdamer Wochenmarkt. "Ich denke mal die große Mehrheit kommt aus Brandenburg", sagt ein Kunde über die Herkunft der Markbetreiber.

Wochenmarkt in Potsdam. (Quelle: rbb/super.markt)
Der beliebte Potsdamer Wochenmarkt | Bild: rbb/super.markt

Verkäufer stellen sich regionaler dar, als sie sind

Doch nicht alle Schilder an den Marktständen sind eindeutig, und längst nicht alle Lebensmittel kommen aus Brandenburg. Das zeigt die Stichprobe von einem Fleischstand in Berlin, der in großer Schrift mit "Wurst vom Lande" wirbt. Nach hartnäckigem Nachfragen stellt sich heraus: Das Fleisch stammt aus Baden-Württemberg und ist für den Transport über 500 Kilometer gereist.

Das klingt nach Kundentäuschung, ist aber völlig legal – zumindest in der Grauzone. "Ein Händler, der so etwas macht, nutzt die Vorstellungskraft der Menschen. Der wird nur auf Nachfrage sagen, was ist. Gegen das Gesetz ist das aber nicht", erklärt Laura Gross vom Bundesverein "Die Verbraucher Initiative". Jeder Händler dürfe mit den Worten "Aus der Region" werben, solange er die wahre Herkunft im Kleingedruckten oder auf Nachfrage preisgibt.

Wochenmarkt in Potsdam. (Quelle: rbb/super.markt)
Hier gibt es regionales: Lübbener Gurkenspezialitäten | Bild: rbb/super.markt

Das Label "regional" ist nicht definiert

Die Kennzeichnung "regional" bedeutet also nicht unbedingt, dass das Produkt vom Hof aus einem nahegelegenen Ort kommt. Denn im Gegensatz zu "bio" oder "öko" gibt es keine gesetzliche Definition für das Label "regional". Jeder Händler kann sein eigenes Verständnis nutzen, um seine Produkte zu beschriften. Egal, ob sie aus einem Umkreis von 50 oder 500 Kilometern stammen. Die Bezeichnung kann wenige Kilometer oder ganz Deutschland umfassen.

Die Stichproben von Supermarkt zeigen, dass der Wunsch der Käufer und die Realität auf den Wochenmärkten oft auseinandergehen können. Wer Wert auf Produkte aus der Region Berlin-Brandenburg legt, sollte sich also bei den Händlern ganz genau nach der Herkunft der "regionalen" Ware erkundigen.

Sendung: Supermarkt, 21.01.2019, 20:15 Uhr

Beitrag von Susett Kleine

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Mir ist die Qualität am wichtigsten. Rest ist nachrangig.

  2. 4.

    Die allermeisten Händler auf dem Wochenmarkt wollen nicht täuschen, sondern den Kunden Spezialitäten und gute Waren anbieten. Die können - müssen aber nicht - aus der unmittelbaren Umgebung kommen. Doch der große Vorteil auf dem Wochenmarkt ist ja gerade, dass man direkt nachfragen kann, woher die Produkte kommen. Nutzen wir das; es ist eine gute Gelegenheit mehr über unser Essen zu erfahren.

    Es gibt tatsächlich keine gesetzliche Definition dafür, wann ein Produkt "regional" genannt werden darf. Wer allerdings eine bestimmte Herkunft hervorhebt (in Wort oder Aufmachung), muss sie belegen können. In einigen Fällen sind Regionalbezeichnungen geschützt (Spreewald-Gurke, Dresdner Stollen, Parmesan u.a.) und einige Label stehen ebenfalls für eindeutige Regionen. Die Datenbank www.label-online.de zeigt, welche das sind.

  3. 3.

    Der Bericht ist, was die Unterscheidung von "vom Lande" und "regional", schlecht geschrieben. "Vom Lande" heißt einfach aus ländlicher Produktion (was vermutich auf die allermeisten Agrarprodukte zutriff) und "regional" aus einer, und um der Aussage einen Sinngehalt zu geben (kommt doch alles aus irgendeiner Region), aus derselben Region wie der Ort des Angebots (=Markts). Da von "klingt nach Kundentäuschung" zu sprechen, ist eher eine Täuschung des Lesers. Viele Märkte und Marktbeschicker spüren die Konkurrenz anderer Angebot und die Wandlung des Einkaufsverhaltens nachkommender Konsumenten. Da muss man nicht noch völlig grundlos Stimmung machen.

  4. 1.

    Das Wort regional ist schon definiert, nur eben indirekt. Wenn jeder Wochenmarktanbieter freiwillig dazu schreiben wo genau direkt vom Lande ist, dann weiß jeder Bescheid. Geht ja beim Beelitzer Spargel auch.

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