Künstliche Intelligenz nimmt immer mehr Raum im Haushalt ein. (Quelle: imago-images/Steve Brookland)
Bild: imago-images/Steve Brookland

Künstliche Intelligenz auf der IFA - Wenn die Schwarmintelligenz den Braten im Ofen steuert

Künstliche Intelligenz nimmt immer mehr Raum im Haushalt ein. Auf der Elektromesse IFA in Berlin stellen die Hersteller ab Freitag ihre neuesten Entwicklungen vor. Doch viele Verbraucher sind skeptisch. Von Johannes Frewel

Die Internationale Funkausstellung (IFA) öffnet an diesem Freitag für Besucher. Im Fokus stehen in diesem Jahr Künstliche Intelligenz (KI), 5G, Sprachsteuerung von Geräten, selbstdosierende Waschmaschinen oder Kameras in Kühlschränken. Seit zehn Jahren profitiert die Elektronik-Branche ungebrochen von einem wachsenden Markt. Der wichtigste Treiber ist der Bauboom, der für stetige Nachfrage nach neuen Küchen und elektrischen Haushaltshelfern sorgt. Mit Garantieversprechen von mehr als zehn Jahren, leisen und energiesparenden Geräten ohne Leistungsabstriche wirbt man erfolgreich um gut situierte Kundschaft in den Reihen urbaner Käufer von Eigentumswohnungen.

Sensoren und Algorithmen steuern die Waschprogramme

Obgleich der Bevölkerungstrend klar zu Singlehaushalten geht, setzen Hersteller zunehmend auf große Waschmaschinen mit einem Fassungsvermögen von üppigen neun Kilo Trockenwäsche. Oberklassemodelle dosieren aus mehreren Kammern Waschmittel und Weichspüler automatisch. Sensoren und Algorithmen steuern die Wäsche.

Ist das speziell darauf zugeschnittene Waschmittel fast aufgebraucht, bestellt die vernetzte Maschine beim Hersteller Nachschub. Die Künstliche Intelligenz wandert in immer mehr Geräte direkt, weil die sich Hoffnungen auf funktionierende, herstellerübergreifende Cloud-Intelligenz mangels gemeinsamer Standards bisher kaum erfüllt haben.

Weniger verdorbene Lebensmittel in Kühlschränken

Bei Kühlgeräten dienen die Hersteller die Lösung für ein anderes Problem an: Noch immer landen zu viele Lebensmittel im Müll, weil sie im Kühlschrank verderben. Nach Schätzungen sollen es jährlich fünf Millionen Tonnen Lebensmittel sein, die vorzeitig unbrauchbar und weggeworfen werden. Eine Absenkung der Kühlschranktemperatur auf null Grad soll das Problem verringern, die Verfallsgrenze hinausschieben. Versprochen wird wesentlich längere Frische, die zudem wegen besserer Kühlschrankisolierung nicht mehr Strom kosten soll.

Treibhausschränke für Indoor-Gardening

Bei der IFA werden spezielle Treibhausschränke für Indoor-Gardening präsentiert. Inzwischen sorgt künstliche Intelligenz für optimale Bedingungen und regelt etwa Licht, Temperatur und Bewässerung. Rund um das Jahr sollen Kräuter im eigenen Treibhausschrank ohne Erde oder Pestizide in zwei bis drei Wochen heranwachsen. Hersteller leben auch vom Verkauf der Pflanzkapseln, die den Samen enthalten. Einige Anbieter stellen sich auf normal aussähbare Keimlinge ein, die schon nach einer Woche geschmacksintensiv und erntereif sind.

Garvorgänge mit Schwarmintelligenz steuern

Sprachsteuerung wird zum Schlüssel für eine wachsende Zahl von Geräten, auch den Backofen. Bratenthermometer messen die steuerbare Kerntemperatur etwa bei Fleisch, Backsensoren analysieren, wann der Ofen ausgestellt werden muss, bevor etwas anbrennt. Was der Hausgerätebranche allein bisher nicht gelungen ist, könnten vielleicht sprachgesteuerte digitale Assistenzsysteme künftig leisten: Geräte in der Wohnung doch noch nahtlos miteinander zu vernetzen.

Digitalabteilungen der Hausgerätebranche arbeiten an Systemen, die mit Künstlicher Intelligenz auf in der Cloud gesammelte Daten zugreifen, um individuelle Garvorgänge mit Hilfe von Schwarmintelligenz zu steuern. Das könnte auch unerfahrene Verbraucher in die Lage versetzen, sozusagen auf den Punkt zu kochen. Wie zahlungsbereit Konsumenten für diese digitalen Dienstleistungen wären, die Hausarbeit erleichtern, effizienter machen und Lebensqualität verbessern sollen, ist noch unklar, doch Gerätehersteller hoffen künftig auf kräftig Umsatz.

Verbraucher sehen künstliche Intelligenz mit Skepsis

Das Problem: Künstliche Intelligenz polarisiert stark. Die Branchenvereinigung GFU untersuchte die Skepsis: Mehr als jeder zweite Verbraucher vertraut bei der Hausarbeit lieber seiner eigenen Intelligenz, diesen Menschen ist zudem der Schutz der Privatsphäre wichtiger, als ständig lauschende digitale Assistenten.

IFA-Infos

  • Wann und wo?

  • Wie komme ich dahin?

  • Preise?

Sendung: Inforadio, 06.09.2019, 08:00 Uhr

Beitrag von Johannes Frewel

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