Der Musiker Howard Jones (Quelle: dpa/MediaPunch)
Audio: rbb 88.8 | 07.09.2019 | Andreas Vick | Bild: dpa/MediaPunch

Interview | Howard Jones bei rbb 88.8 - "Live Aid war ein absolutes Highlight in meinem Leben"

Vor 35 Jahren feierte Howard Jones mit "What is love" einen Welterfolg. Auch beim "Live Aid"-Benefizkonzert im Londoner Wembley Stadion 1985 war der Synthie-Pop-Pionier dabei. Im Interview spricht er über Pophelden, das 80er-Revival und sein neues Album.

rbb: Herr Jones, seit den frühen 80er Jahren gelten Sie als Pionier des Synthie-Pop und werden von Fans weltweit gefeiert. Nun treten Sie an diesem Samstag beim rbb 88.8 Pophelden-Festival im IFA Sommergarten unterm Funkturm auf. Auch Marc Almond, Neil Young, Wet Wet Wet und andere Stars der 80er Jahre sind dabei. Wer sind Ihre persönlichen Pophelden?

Howard Jones: Helden für mich waren und sind Leute wie David Bowie, Paul McCartney und John Lennon -  wahrscheinlich auch Keith Emerson, weil er mich dazu inspiriert hat, Keyboarder zu werden. Und plötzlich stellst du fest, dass viele von ihnen nicht mehr da sind. Aber du solltest nicht in ihrem Schatten bleiben, sondern dir klar machen, dass du es jetzt vielleicht bist, zu dem die Leute aufblicken - und dazu solltest du auch stehen. Das meine ich jetzt in keiner Weise egoistisch, aber du musst dich nicht für dich selbst entschuldigen, denn die Leute haben das so für dich entschieden - also sei großartig.

Ist das schon seit Jahren andauernde 80er-Jahre-Revival eine Überraschung für Sie?

Ich habe eigentlich schon immer daran geglaubt, dass die 80er irgendwann wieder Anerkennung finden würden, weil es damals so viele tolle Künstler und Bands gab, die so viel tolle Musik produziert haben. Lange Zeit wurden die 80er Jahre als nicht so wichtig eingeschätzt. Aber viele Leute sind mit der Musik aufgewachsen und lieben sie immer noch, weil sie damals so wichtig für sie war.

Eines der größten und wichtigsten musikalischen Ereignisse der 80er Jahre war natürlich das von Bob Geldof und Midge Ure organisierte "Live Aid"-Benefizkonzert im Londoner Wembley Stadion im Juli 1985, bei dem Stars wie David Bowie, Queen, George Michael und Phil Collins auftraten. Auch Sie gehörten damals dazu. Was für Erinnerungen verbinden Sie mit "Live Aid"?

Es war natürlich ein absolutes Highlight in meinem Leben. Es war eines der besten Ereignisse in den 80ern und dann noch für einen guten Zweck, der viele Menschenleben gerettet hat. Es war ein Beispiel dafür, dass etwas bewegt werden kann, wenn Leute sich zusammentun und das war mithilfe von Technologie möglich. Denn das Event wurde ja weltweit übertragen. Ich fühlte mich natürlich sehr geehrt, daran teilzunehmen. Aber damals war ich gerade in den USA unterwegs und ich konnte unmöglich die ganze Band zurück nach London bringen. Also beschloss ich, einen Song am Klavier zu spielen. Was viele für verrückt hielten – immerhin sahen weltweit 1,5 Milliarden Leute zu.

Aber am Piano fühle ich mich am wohlsten, schließlich spiele ich seitdem ich sieben bin. Klar halten mich alle für den Synthie-Typen, der an den Knöpfen dreht, aber ich spiele halt auch Klavier. Also ging ich auf die Bühne raus und war so extrem nervös - allein wegen all der anderen Stars. Ich spielte also meinen Song und beim Refrain stimmte das ganze Wembley-Stadion mit ein. Das war ein so euphorisches Gefühl, dass alle hinter mir standen. Aber für genau diese Momente lebt man ja auch. Darüber hinaus habe ich natürlich David Bowie getroffen. Ich habe eine halbe Stunde mit Paul und Linda McCartney verbracht oder mit George Michael. Es war einer jener Tage, von denen du dir sagst, wenn das jetzt alles war, was ich getan habe, ist es okay.

Nach zehn Jahren haben Sie jetzt mit "Transform" ein neues Studioalbum herausgebracht. Wie kam es dazu?

Gary Barlow von Take That bat mich, ein paar Songs für den Film "Eddie the Eagle" zu schreiben. Und der spielt ja ganz klar in den 80ern. Die Vorgabe war, dass die Songs zeitgemäß - aber auch wie von damals klingen sollten. Also versetzte ich mich gedanklich in jene Zeit zurück und hatte diese beiden Songs ziemlich schnell fertig. Und dabei dachte ich, das könnte auch der Grundstein für ein ganzes Album sein. Denn die Fans hatten sich schon seit langer Zeit ein neues Synthie-Pop-Album gewünscht. Da kam alles zum richtigen Zeitpunkt zusammen. Und ich traf Brian Transeau, den ich immer schon verehrt habe, ein Held und Elektronik-Pionier einer anderen Generation, der wiederum von meinen ersten beiden Alben beeinflusst war. Wir verstanden uns so gut, dass sich alles wundervoll zusammenfügte.

Einer Ihrer berühmtesten Songs ist "What is love", der Nummer 1-Hit von 1984. Wie haben Sie die Frage nach der wahren Liebe für sich selbst nach 35 Jahren beantwortet?

Wenn wir über Liebe und Romantik im Sinne von Partnerschaft sprechen, dann trifft es die dritte Strophe ziemlich genau. Da heißt es: Wenn du jemanden liebst, dann lass ihn so sein, wie er ist, wie er sein will und unterstütze ihn dabei. Meine Beziehung funktioniert jetzt seit über 40 Jahren. Wir sind sehr verschieden, aber genau das zelebrieren wir auch und ich ermutige meine Partnerin, absolut sie selbst zu sein. Ich versuche nicht, sie mir ähnlicher zu machen und ich glaube, das ist einer der Schlüssel - aber andere haben bestimmt noch ganz andere Ideen dazu.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Natürlich geht auch bei mir nichts über die 80siger und Howard Jones gehört natürlich unbedingt dazu . Sein Debüt Album " Human s Lib " war schon toll aber sein zweites Album " Dream into Action " fand ich fast noch etwas besser wenn ich da an Songs wie " Things Can Only Get Better " oder " Life in One Day " denke !!

Das könnte Sie auch interessieren

Ticket-Entwerter am U-Bahnhof Rüdesheimer Platz (Bild: imago images/Schoening)
imago images/Schoening

Stimmen Sie ab! - Sollte Schwarzfahren milder bestraft werden?

Das Land Berlin will mit Thüringen erreichen, dass Schwarzfahren nicht länger als Straftat, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit geahndet wird. Die BVG betrachtet das skeptisch und warnt vor einer Bagatellisierung. Was denken Sie?