Fernseher in einer Filiale von Saturn (Quelle: imago images/Michael Gottschalk)
Bild: imago images/Michael Gottschalk

Diskussion auf der IFA - Weshalb den UHD-Fernsehern die ultrascharfen Inhalte fehlen

Ist UHD das nächste große Ding in Sachen Fernsehen? Zwar sind viele neue Fernseher bereits in der Lage die ultrascharfen Bilder auszuspielen, es fehlt aber oftmals schlicht an den Inhalten. Es fehlt allerdings noch ein Entwicklungsschritt. Von Jörg Pfuhl

Wahrscheinlich haben sehr viele Menschen in ihrem Wohnzimmer schon einen Fernseher, der im Prinzip ultrascharfe Bilder, also UHD, zeigen kann. Die Inhalte aber - Serien, Spielfilme, Shows oder Nachrichten – sind fast immer bestenfalls in gröberer Full-HD-Qualität. Im Vergleich zu amerikanischen Streaming-Anbietern wie Netflix sind die deutschen Broadcaster noch einen Schritt hinterher.

RTL immerhin macht jetzt einen Aufschlag, kündigt Frank Heineberg, Projektleiter für neue Technologien, an. "Wir haben uns entschieden, jetzt ein tägliches Format reinzunehmen". Ab dem 16. September werde die Serie "Gute Zeiten schlechte Zeiten" in UHD-HDR live ausgestrahlt - "und zwar nur noch". Auch will der Sender einzelne Fußballspiele wie am Freitagabend Deutschland gegen Niederlande in dieser Qualität anbieten. So eine UHD-Produktion kostet ordentlich Geld – vor allem, wenn man sie wie RTL über Satellit ausstrahlt.

Öffentlich-Rechtliche setzen in Sachen UHD eher auf Dokus

Das ZDF produziert zwar auch schon vereinzelt in UHD – "TerraX" etwa, den "Bergdoktor", die "Bergretter" -  aber ultrascharf sind diese Filme nur in der Mediathek, sagt Matthias Haedecke, der Geschäftsbereichsleiter Bildgestaltung und Design. "Wir produzieren im Augenblick Dokumentationen in UHD". Es werde also nicht so sehr auf Live-Events gesetzt, sondern die Hochglanzprodukte würden in UHD angeboten. "In diese Richtung entwickeln wir uns langsam, behutsam, aber stetig", so Haedecke.

Auch die ARD hat schon etliche Dokus in UHD gedreht, es wird allerdings noch etwas dauern, bis das auch zu sehen sein wird. Und auch dann wohl nur in der Mediathek, vermutet NDR-Produktionsdirektor Sascha Molina. "Wir hoffen, dass wir spätestens nächstes Jahr, 2020 soweit sind, dass wir auch die ersten Produktionen in UHD ausspielen können".

Bei den Öffentlich-Rechtlichen richten ihren UHD-Fokus also überwiegend auf Dokus. RTL dagegen setzt auf Live-Events und Shows, ausgestrahlt über Satellit. "RTL UHD ist ein linearer Kanal mit hohem Live-Anteil, Sport, Shows. Und da sehen wir doch die Stärke des klassischen Broadcast-Übertragungsweges gegeben". Er will aber nicht ausschließen, "dass in der Zukunft im Bereich Mediatheken und Live-streaming auch Stufen erfolgen". Geplant sei das im Moment aber nicht.

LCD Fernseher bei der Funkaustellung in Berlin (Quelle: imago-images/Schoening)

Erst wenn UHD in Verbindung mit HDR kommt, wird es spannend

Die Frage ist allerdings: Sind die Fernseher in den Wohnzimmern überhaupt groß genug, um die höhere Schärfe wahrzunehmen? Bei Sky strahlen sie schon lange vor allem Fußball in UHD aus. Etwa ein Viertel aller Inhalte sei schon UHD, schätzt Sven Kunze von Sky Deutschland. Aber die Leute nehmen es kaum wahr, weil ein spezielles Feature noch fehlt. Als von SD auf HD umgestellt worden war, war der Qualitätssprung derart prägnant, dass es den Kunden zu verkaufen war, sagt Kunze. Er glaubt, dies werde sich erst wiederholen, "wenn man den Sprung zu UHD-HDR schafft. Und dann ist es für uns ein kommerziell vermarktbares Produkt".

UHD-HDR verbindet die hohe Auflösung mit einer höheren Dynamik und fein wahrnehmbaren Unterschieden von hell zu dunkel. Sascha Molinavon der ARD glaubt, dass eine höhere Dynamik viel wichtiger ist als Schärfe. "Da sieht jeder auf den ersten Blick, egal wie weit man weg ist, die Bilder sehen sehr viel realistischer aus, sehen sehr viel mehr aus wie das, was unser Auge von der Natur gewöhnt ist. So, dass die Leute sofort sagen: 'Wow, was für ein tolles Bild.'" Insofern setze man bei der ARD mehr auf das Feature HDR als auf das Feature UHD.

Die meisten Fernseher, die in den vergangenen zwei, drei Jahren gekauft wurden, können bereits HDR. Nachprüfen lässt sich das fürs eigene Gerät auf dem Portal uhdr.de  – dort sind auch alle verfügbaren Dokus, Serien, Live-Events aufgeführt.

Beitrag von Jörg Pfuhl

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7 Kommentare

  1. 7.

    Ich brauche in der nächsten Zeit wahrscheinlich doch mal eine Lesebrille. Aber davon abgesehen sind meine Augen noch gut.
    Seit der Einführung von HD frage ich mich, muss man denn bei Nahaufnahemen nun wirklich jede Falte, jeden Pickel oder Mitesser im Gesicht des Schauspielers sehen?
    Schärfer, als das schärfste scharf - ich denke, irgendwann ist auch das ausgereizt.
    Wichtig ist mir vor allem, dass Dokus und Reportagen interessant und Filme gut gemacht sind.
    Alte Filme "von früher" sehe ich auch sehr gern, wenn auch in der Qualität der damaligen Zeit.
    Kurzgesagt "Die Schärfe hat´s umsonst, Hauptsache, der Inhalt stimmt!"

  2. 5.

    Bevor sich RTL ernsthaft Gedanken über UHD macht, sollte man bei diesem Sender vielleicht einmal darüber nachdenken, die Kostenschranke für DVB-T2 abzuschaffen. Ich zahle doch nicht eine Gebühr dafür, dass man mich mit endlosen Werbeblöcken "bespaßt"! Dass ein solch werbeabhängiger Sender seine Reichweite künstlich einschränkt, indem es über DVB-T2 nicht einmal in SD zu sehen ist, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen.

  3. 4.

    Zu Beginn von full HD war das auch nicht viel anders. Sogar heutzutage ist die Auflösung im TV nicht immer full HD, sondern reduziert, wenn auch besser als das ganz alte Röhren-TV-Format.
    Man kann sich mit der Anschaffung also Zeit lassen. Ausnahmen sind UHD-Urlaubsfilme, da lohnt es sich schon.

  4. 3.

    Das ist aber trotzdem nur die halbe Warheit.
    Es fehlt komplett an der Infrastruktur zur Ausstrahlung. Kein öffentlich-rechtlicher Sender ist in der Lage UHD auszustrahlen. Zusätzlich wären auf den Satelitten oder auch im Kabel gar nicht die Bandbreiten um komplett auf UHD umzusteigen.
    Ehrlicher wäre zu schreiben, dass es UHD im linearen TV in den nächsten 10 Jahren nicht geben wird. Mediathek ist ja net, hilft der Bevölkerung auf dem Land ohne vernüftigem DSL auch nicht.

  5. 2.

    Guten Abend,
    es gibt so einige Warums in dem Beitrag. Ein Beispiel: Die Spezialisierung auf Dokus zieht produktionsbedingt eine wesentlich längere Zeit bis zur Veröffentlichung nach sich - im Vergleich zu Live-Übertragungen. Grüße

  6. 1.

    Netter Artikel aber passt nicht zur Überschrift.
    Die Frage "Warum UHD Inhalte fehlen" wird nicht behandelt. Lese hier eine Auflistung von Strategien der Sender und Dienste aber lese nichts über das Warum.

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