Karstadt-Filiale am Herrmannplatz (Bild: imago images/Emmanuele Contini)
Bild: imago images/Emmanuele Contini

Sanierungsplan für Warenhauskette - Karstadt-Kaufhof könnte fast jede zweite Filiale schließen

Mit neuen Konzepten wollte die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt-Kaufhof wieder auf die Beine kommen - doch dann kam der Lockdown. Medien zufolge liegt jetzt ein Sanierungsplan vor, doch der besagt für viele Angestellte nichts Gutes.

Bei der in einem Schutzschirmverfahren steckenden Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof droht Insidern zufolge die Schließung viele Warenhäuser und ein weiterer Abbau von Stellen. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters, die "Wirtschaftswoche" und der "Spiegel". Sie beziehen sich dabei auf Insider, die mit einem entsprechenden Sanierungsplan vertraut sein sollen.

Allein in Berlin und Brandenburg betreibt der im Dezember 2018 neu entstandene Konzern rund zwei Dutzend Filialen der Marken Galeria Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport. Aktuell beschäftigt Galeria Karstadt Kaufhof noch rund 28.000 Mitarbeiter. Nach Informationen der "Wirtschaftwoche" rechnen Insider mit dem Abbau von insgesamt rund 5.000 Vollzeitstellen
bei dem Unternehmen.

Noch keine finalen Beschlüsse

Bei dem Warenhauskonzern seien nach aktuellem Diskussionsstand des gerichtlich bestellten Sachwalters Frank Kebekus und des Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz bis zu 80 der knapp über 170 Kaufhäuser vom Aus bedroht, hätten Insider angegeben. In den verbliebenen Häusern könnten dann bis zu zehn Prozent der Stellen abgebaut werden.

Zudem werde mit den Warenhaus-Vermietern über Mietminderungen gesprochen. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen könnten noch Auswirkungen auf den Umfang der Schließungspläne haben. Es gebe noch keine finalen Beschlüsse. Der Konzern wollte sich nicht äußern.

Mehr als 500 Millionen Euro Verlust durch Corona-Pandemie

Die Geschäftsleitung hatte vor Kurzem die Mitarbeiter bereits auf die Schließung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen eingestimmt. In einem Brief der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter hatte es geheißen, Kebekus und Geiwitz gingen davon aus, "dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden". Neben vielen anderen teilweise einschneidenden Maßnahmen könne es auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, hieß es weiter. Beide arbeiteten an einem Sanierungskonzept für den angeschlagenen Warenhauskonzern, bis Ende Juni solle der Plan fertig sein.

"Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren", hieß es in dem Schreiben weiter. Die Umsätze der letzten acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. "Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen", räumte die Geschäftsleitung ein.

Gewerkschaft Verdi: "Das ist brutal!"

"Filialschließungen und Personalabbau sind keine Strategie", kritisierten der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft Verdi. "Das ist brutal! Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Coronakrise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen", kommentierte Stefanie Nutzenberger, das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Sie warnte zudem, eine solch dramatische Schließungswelle werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht. "Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben", sagte Nutzenberger. Sie kündigte harten Widerstand gegen die Schließungspläne an und verlangte dabei Unterstützung von der Politik: "Hier sind alle gefordert, von den Bürgermeistern bis hin zur Bundespolitik."

Galeria Karstadt Kaufhof hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Der Konzern gehört der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko. Er hatte vor eineinhalb Jahren Galeria Kaufhof übernommen und mit dem früheren Wettbewerber Karstadt verschmolzen.

Sendung: Abendschau, 15.05.2020, 19:30 Uhr

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26 Kommentare

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  1. 26.

    Das ist doch Polemik,
    die Angestellten bei Karstadt verzichten schon seit gut 15 Jahren auf Ihr Flächentarifgehalt das macht zwischen 150 und 300 € aus, je nach Zugehörigkeit etc. Wenn man das mal hochrechnet sind das bis zu 45000 Tsd. Euro zusätzlich kommt da noch eine versprochene einmal Zahlung von ca. 3000€ dazu. Das Karstadt Management hat nur leere Versprechungen gemacht. Jeder Vereinsvorsitzende von einem Gartenverein hätte den Laden besser lenken können als wie diese Nieten in Ihren Massanzügen mit Seidenkrawatten. Die haben doch alles verschlafen was es nur zu verschlafen gab. Vorschläge der Belegschaft wurden mit Arroganz und Hochmut klein geredet. Sie sollten mal ein klein wenig recherchieren, bevor Sie so einen Post absetzen.

  2. 25.

    Der Mitforist meinte die den Gewerkschaften selbst gehörenden Unternehmen. Und da haben sie Gewerkschaften als Unternehmer so einigen Mist gebaut. Als Beispiel können Sie sich die Geschichte um die Neue Heimat mal reinziehen

  3. 24.

    Eigenartige Ansichten pflegen Sie. Gewerkschaften gibt es schon seit Jahrzehnten, folglich muss es andere Ursachen haben. Die Preise werden eben gedrückt von Firmen mit wie Amazon mit ihren Dumpinglöhnen. Ein weiterer Grund ist, dass die Innenstädte seit Jahren immer autofeindlicher werden. Die Innenstädte werden die Slums von morgen sein, auch dank der Grünen Fehleinschätzungen.

  4. 23.

    Die Bahn baut 10.000 Stellen ab und schließt jeden zweiten Bahnhof ??? Das würde ich konsequent nennen.

  5. 22.

    Schlecker war eine ganz andere Baustelle. Das haben Sie wohl nicht erfasst.

    So eine gesellschaftliche Verantwortung wie vor 1989? Dass alle untergehen und nicht nur einzelne? Nun würde aber kein anderer Staat als Retter in der Not erscheinen.

    Dieses ganze antikapitalistische Gefasel ist nur schwer zu ertragen. Denn diese Dampfplauderer haben nicht begriffen, dass sie im Kapitalismus recht gut leben. Leute, macht es Euch mit Eurer Denke nicht immer so supereinfach. So simpel, wie Ihr Eure jahrzehntelange Agitation zum Besten gebt, ist es nicht.

  6. 21.

    Schlecker war eine ganz andere Baustelle. Das haben Sie wohl nicht erfasst.

    So eine gesellschaftliche Verantwortung wie vor 1989? Dass alle untergehen und nicht nur einzelne? Nun würde aber kein anderer Staat als Retter in der Not erscheinen.

    Dieses ganze antikapitalistische Gefasel ist nur schwer zu ertragen. Denn diese Dampfplauderer haben nicht begriffen, dass sie im Kapitalismus recht gut leben. Leute, macht es Euch mit Eurer Denke nicht immer so supereinfach. So simpel, wie Ihr Eure jahrzehntelange Agitation zum Besten gebt, ist es nicht.

  7. 20.

    Einen entgangenen Umsatz kann man nicht nachholen. Erst recht nicht, wenn die Kauffreude der Leute nachlässt, weil siekeine oder weniger Einnahmen haben. Betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse sollte jeder haben. Oder einfacher gesagt, Sie haben zB 3000 Euro für ihren geplanten Urlaub zurückgelegt. Nun werden Sie arbeitslos und müssen die 3000 € für den Lebensunterhalt einsetzen. Das Geld kommt nicht zurück.

  8. 18.

    Sie gehören gewissen Kreisen an, wo das Aussprechen der Wahrheit traditionell als "Hetze" bezeichnet und - so Sie die Macht dazu besitzen - auch mehr oder weniger drakonisch bestraft wird?

    Wer wie die deutschen Gewerkschaften sein einst umfangreiches und stolzes Firmenimperium gegen die Wand gefahren und die verbliebenen Reste verscherbelt hat, sollte sich vielleicht schon etwas zurückhalten mit guten Ratschlägen, wie man Unternehmen führt.

    Natürlich: Es ist schon Jahrzehnte her, die Handelnden sind heute andere, aber ob sich der Geist sehr gewandelt hat?

  9. 16.

    Da muss ich zustimmen.Was dieser neue Besitzer Benko mit den Mitarbeitern und mit den Kaufhäusern macht ist unterste Schublade. Er hat So viel Geld und ihn lässt alles kalt. Bei ihm gilt nur höher weiter mehr und mehr.Da sind im Mitarbeiter doch egal. Aber aus seiner Vergangenheit ist ja bekannt wie er handelt.

  10. 15.

    .... Nicht den Beschäftigten, sondern den Gewerkschaften schiebe ich den schwarzen Peter zu.
    Forderungen und Umverteilung funktionieren immer nur so lange wie auch etwas Positives erwirtschaftet wird. Wenn nichts mehr reinkommt, gibt es auch nichts zu verteilen.
    Man kann das auch sehr gut an den aktuellen Verdi-Forderungen bei Amazon verfolgen. Dort sollte nach dem Wunsch der Gewerkschaft nach Einzelhandelstarif bezahlt werden - die Leute arbeiten dort aber im Lager und wurden sicherlich nicht mit vorgehaltener Waffe gezwungen bei Amazon anzufangen.
    Wenn es einem Mitarbeiter so gar nicht gefällt, steht es doch jedem frei in einem anderen Unternehmen zu arbeiten.

  11. 14.

    Falsch, Lohnkosten sind meist nicht Schuld, wenn der Laden nicht läuft. Einige Manager, wie der später zu Haft verurteilte Middelhoff, haben verbrannte Erde hinterlassen. Und der Einzelhandel kämpft allgemein wegen des zunehmenden Online Handels ums Überleben, siehe Metro u.a. .Also nicht zu leicht machen und immer den Beschäftigten, die viele Opfer gebracht haben, den schwarzen Peter zuschieben!

  12. 12.

    Haben wir das nicht schon alles bei Schlecker erlebt?
    Wie sich alles gleicht bei den Geldhaien!
    Gesellschaftliche Verantwortung ist für diese Sorte Mensch ein Fremdwort.

  13. 11.

    Filialschließungen sind kein wirklich neues, sondern ein seit Jahren schwelendes Thema- der dramatische Umsatzrückgang seit Beginn der Corona-Krise ist hier nur der berühmte Tropfen auf den einen Stein. Ein Blick in die Nachkriegsvergangenheit der deutschen Warenhäuser zeigt, daß bei jeder Übernahme, beginnend bei Horten, Neckermann-Warenhäuser und Hertie immer ein Ballast von unwirtschaftlichen kleinen und mittleren Filialen "mitgeschleppt"wurde, deren endgültige Schließung dann von einer Allianz zwischen Gewerkschaften/Betriebsräten einerseits und Lokalpolitikern(Verödung des örtlichen EH)überwiegend erfolgreich verhindert wurde. Auch bereits bei einer schon vor Jahren versuchten und dann gescheiterten Fusion von Karstadt und Kaufhof zur Deutschen Warenhaus AG war klar, daß 1/3 des dann gemeinsamen Filialnetzes überflüssig sein würde. Auch wenn Insigma/ Bencko als Investor kein Sympathieträger ist, ist diese Maßnahme jetzt dennoch richtig, um den "lebensfähigen" Rest zu retten.

  14. 10.

    Ein Cafe mit Dachterrasse gibt es auch heute noch wie die Umbaupläne das auch vorsehen. Allerdings haben die Kreuzberger Angst, dass der Siff am Hermannplatz verschwindet.

  15. 9.

    Der Kommunismus ist aber auch keine Lösung - der ist überall Pleite gegangen!
    Da können Verdi und Herr Kühnert ruhig weiter von Enteignungen träumen.... Irgendjemand muss das Geld erarbeiten!

  16. 8.

    Es ist wie immer mit Verdi: Erst für massive Lohn- und Gehaltserhöhungen bei reduzierter Arbeitszeit streiken und wenn das jeweilige Unternehmen dann bis über die Grenzen hinaus belastet ist und der Betrieb sich wirtschaftlich nicht mehr rechnet wird gejammert.
    Wenn ein Unternehmen keine Gewinne mehr abwirft, haben die Mitarbeiter langfristig auch keine Arbeit mehr.

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