Treppenhaus in einem sanierungsbeduerftigem Altbau im Prenzlauer Berg, Berlin, 5.11.2015. (Quelle: imago images/Thomas Imo)
Audio: Inforadio | 09.05.2020 | Stefan Lauchstädt | Bild: imago images/Thomas Imo

Folgen der Verdienstausfälle in der Krise - Mieterverein rechnet mit steigenden Zahlungsproblemen

Im März und April gab es bislang laut Mieterverein kaum Ausfälle von Mietzahlungen bei Berlins Vermietern. Nun aber rechnet der Interessenverein mit steigenden Zahlungsproblemen. Ganz unterschiedlich reagieren da offenbar die Vermieter.

Der Berliner Mieterverei befürchtet, dass viele Berliner in den nächsten Monaten wegen der Corona-Krise Schwierigkeiten haben werden, ihre Miete zu bezahlen. Seit Monatsbeginn gibt es bei dem Verein mehr Anfragen von Mietern, bei denen in Folge von Kurzarbeit das Geld knapp wird.

Geschäftsführer Reiner Wild sprach am Samstag von einer neuen Entwicklung, weil es im März und April noch keine größeren Schwierigkeiten gegeben hatte: "Die wirklich harte Zeit kommt jetzt." Bislang habe es in der Beratung des Vereins weniger als 1.000 Meldungen von Mietern mit Zahlungsproblemen in der Corona-Krise. Pro Jahr beantwortet der Mieterverein im Schnitt 90.000 Anfragen.

Keine Kündigungen bis Ende Juni möglich, aber Mieten müssen gezahlt werden

Der Bundestag hatte vor wenigen Wochen zwar beschlossen, dass bis Ende Juni Mietern wegen ausbleibender Mietzahlungen nicht gekündigt werden kann. Allerdings muss die ausstehende Miete später nachgezahlt werden. Vermieter können zudem Verzugszinsen berechnen. "Deswegen ist es ratsam, erstmal mit dem Vermieter zu reden und eine Vereinbarung zu treffen", sagte Wild. So könne man unter Umständen die Verzugszinsen verhindern.

Einige Vermieter reagierten bereits mit der Androhung von Rechtsmitteln

Bei Berlins größtem Vermieter, dem Konzern Deutsche Wohnen, sind nach Unternehmensangaben bislang rund 1.100 Anfragen von Mietern eingegangen. In der Mehrzahl gehe es um "vorfühlende" Schreiben, wonach es Probleme geben könnte. Tatsächliche Mietausfälle seien die Ausnahme.

Das aber könnte sich nun laut dem Berliner Mieterverein stadtweit ändern. "Wir erwarten, dass das noch dramatisch wird", sagte Wild. "Die mit Corona einhergehende Rezession wird sich auswirken."

Hinzu komme, dass nach Beobachtungen des Vereins nicht alle Hausverwaltungen Verständnis für mögliche Zahlungsproblem zeigten: "Wir haben Fälle, wo Vermieter relativ scharf geschossen haben." So gebe es anwaltliche Schreiben mit Kündigungsdrohung und der Forderung an die Mieter, die Anwaltskosten von mehreren hundert Euro zu übernehmen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 9.5. 2020, 12 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Seine eigenen Probleme einfach an andere weiterreichen, damit man selbst fein raus ist, ist ja wohl nicht die feine englische Art. Ebenso wie sich seine Lebensgrundlagen von anderen finanzieren zu lassen. Da muss man sich langsam fragen, ob manche Leute noch richtig ticken.
    Der größte Mietentreiber ist der Staat. Angefangen bei Steuern und Abgaben bis hin zu Bauvorschriften, die das Bauen und erneuern teurer machen als nötig. 200T Kaufpreis bedeutet 10 Jahre lang monatlich 100,- mehr Miete alleine wegen Grunderwerbssteuer. Davon gehen dann nochmal Einkommenssteuern ab. Alles zusammen kassiert der Staat rund 50% der Mite ab. Monatlich. Eure Adresse ist der Staat.

  2. 16.

    Was sich hier einige aufregen, von kostenlosem Wohnen bis Grundrecht. Ihr könnt ja kostenlos wohnen, aber nicht bei mir. Ich kann auch nicht kostenlos euer Essen essen und euer Handy benutzen. Vermieter sind doch nicht euer persönliches Sozialamt. Kümmert euch selber um Wohnraum statt ihn von anderen quasi stehlen zu wollen. Wer über 600,- Miete jammert, der kann auch 600,- Kreditrate zahlen. Ihr müsst auch nicht alle in Berlin wohnen. Der ungebremste Zuzug ist das Problem. Berlin ist eine der billigsten Städte und doch wird hier am meisten gejammert. Dann zieht doch weg oder schafft euch selber etwas. Ich habe für jeden Verständnis, der es nicht leicht hat. Aber dieses selbstverliebte Anspruchsdenken geht gar nicht.

  3. 15.

    Es geht nicht um den Verdienst, sondern die Arbeitskosten. Unsere Nebenkosten in Berlin, sind relativ gering, denn wir vergeben Aufträge fast ausschließlich nach Falkensee.

    Ob Sie es glauben oder nicht, auch in Spandau (Falkenhagener Feld) gibt es durchaus, eine 2-Zimmer-Wohnung, 46 qm, für 389, 00€ warm. Selbst wenn die Wohnung in Bad Harzburg, bei selber Größe, den gleichen Preis hätte, wäre sie - durch die Grundsteuer - trotzdem etwa 6,00 €, pro Monat, billiger.

    Der größte Preistreiber ist der Staat. Natürlich gibt es auch Vermieter, die richtig Kasse machen wollen.

    Meppen gehört zu Niedersachsen, ist ungefähr ähnlich , dem Preis von Bad Harzburg.

  4. 13.

    Mir kommen die Tränen. 0,12 € Differenz. 72 € im Jahr. Das schmerzt. Höhere Löhne? Eine Bekannte in Meppen verdient genau das Gleiche wie ich. Sie hat jetzt eine Wohnung 2 Zimmer, 63 qm für 470 € warm und das ist in etwa Durchschnitt. Inkl Küche und Balkon in bestem Zustand. Hier kosten vergleichbare Wohnungen das doppelte und mehr.
    Aus einer bestimmten Ecke von Berlin habe ich ihr eine Wohnungsanzeige mit einer vergleichbaren Wohnung für 1.070 € kalt + 200 € Nebenkosten geschickt. Sie hat es nicht geglaubt. Nein, außerhalb von Ballungsräumen wird nicht weniger verdient.

  5. 12.

    Die Höhe ist Miete hat mit mehreren Faktoren zu tun! Ein wesentlicher ist - neben den Nebenkosten - die Grundsteuer. Ich habe zwei Wohnungen, eine in Bad Harzburg und eine in Berlin.

    Der Unterschied ist so gewaltig, dass schon deshalb , die Miete teurer sein m u s s.

    In Bad Harzburg kostet der Quadratmeter 0,30€ , pro Monat, in Berlin sind es 0,42€ , pro Monat. Hört sich zunächst nicht viel an, sind aber bei einer 50 Quadratmeter Wohnung, schon 72,00 € pro Jahr. Rechnet man noch höhere Löhne hinzu, fallen automatisch auch die Nebenkosten deutlich höher aus.

    Im Endergebnis, liegt die Höhe der Mieten, beim Staat. Der Vermieter legt sie nur um und versucht , mit den Einnahmen auszukommen. Viele seriös, andere weniger. Mietwucher gibt es nicht, sie werden geschaffen.

  6. 10.

    Das Bündnis "Deutsche Wohnen & Co enteignen!" hat außerordentlich gute Lösungen anzubieten.

    Meine Zustimmung zu Petra L. ihrem Beitrag.

  7. 9.

    Stimmt, schon krass das für ein Dach über dem Kopf Geld verlangt wird! Voll kapitalistisch und Nazi bestimmt auch! Mietfreies Wohnen ist ein Menschenrecht!

  8. 8.

    Also übersetzt - Baumaterialien und die dazu gehörenden Dienstleistungen, Abgaben und Gebühren, von denen ja noch ein Teil auf den Mieter umgelegt wird, sind außerhalb von Ballungsräumen 50 - 70 % günstiger. Die höheren Lohnkosten zb. Im westdeutschen Raum lassen wir auch mal unter den Tisch fallen. Netter Versuch. Ein Wunder, daß es im berliner Raum überhaupt noch Baustoffhändler und Handwerker gibt, da man es ja scheinbar weiter draußen fast geschenkt bekommt.

  9. 7.

    Zum Beispiel, weil außerhalb der Ballungsräume auch die Kosten für die Bewirtschaftung und Instandhaltung deutlich günstiger sind. Denn auch, wenn viele das scheinbar nicht verstehen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen kostet Geld und Zeit. Wie kann Jemand erwarten, dass er etwas umsonst bekommt, wo andere Jahre für gespart und gearbeitet haben? Die letzte Frage geht an Petra L.

  10. 6.

    Dienstleistung? Wohnen ist kein Luxus, den ein Mensch nur eventuell braucht. Und nein, es ist nicht egal warum jemand in Zahlungsverzug kommt. Ich kenne ganze Branchen der Wirtschaft, die sich Ausfälle (tatsächliche und behauptete) von uns Steuerzahlern zurückholen werden. Diese Branchen haben eine mächtige Lobby. Einzelne Mieter haben die nicht, so viel Einfluss hat der Mieterverein nicht.
    Davon abgesehen: Die Mieten in Berlin sind für Normalverdiener eine Herausforderung, und es gibt in Berlin auch eine Menge Leute die keine Normalverdiener sind. Da wird es jetzt eng, zumal diese Krise nicht vorhersehbar war und wenige Menschen drei, vier Monatsmieten ansparen können.

  11. 5.

    Eine Frage an die gebeutelten Vermieter. Wieso kann ein Vermieter den selben Wohnraum außerhalb von Ballungsräumen für 50 - 70 % weniger anbieten,und geht seltsamerweise nicht pleite. Bin gespannt.

  12. 4.

    Schon krass, wie etwas so essentielles wie ein Dach über dem Kopf als Dienstleistung verstanden wird, die man sich erst verdienen muss. Irgendetwas läuft in dieser Gesellschaft falsch.

  13. 3.

    Mieterverein - für mich nur Stimmungsmacher. Kenne keinen dem er wirklich mal geholfen hat. Für mich nur ein einnehmender Verein. Ich habe mögliche Probleme immer mit dem Vermieter persönlich geklärt. Man muss eben mit dem Vertragspartner reden und sich nicht auf irgendwelche Floskeln vom Staat verlassen. Es hat eben auch kein Vermieter was zu verschenken. Im Übrigen ist die Aussage "bis Juni" auch nur eine Empfehlung und kein Gesetz. Wenn ich ohne Absprache mit dem Vermieter Miete einbehalte muss ich eben die Konsequenzen tragen. Und da tut mir kein PRIVATHAUSHALT leid. *Ironie On: Vielleicht hat mancher zuviel Hamsterkäufe getätigt. :Off Ironie*

  14. 2.

    Schon krass, wie einige es total normal finden, ihre eigenen finanziellen und wirtschaftlichen Probleme (egal wieso, woher, warum) einfach auf andere abzuschieben, die ihre Dienstleistung aber in vollem Umfang weiter erbringen und alle daraus resultierenden Kosten wie z.B. Kredite, Steuern und Betriebskosten unvermindert weiter tragen.
    Irgendetwas läuft in dieser Gesellschaft falsch.

  15. 1.

    Einfache Rechnung. Sonst 90.000 Anfragen im Jahr geteilt durch 12 Monate macht mehr als 1000 Anfragen in der Coronakriese. Wobei es um Anfragen IN der Krise und nicht WEGEN der Krise geht.
    Der Miterverein macht mal wieder Stimmung mit Halbwahrheiten und bewusstem Unwissen.
    Ich war einst selbst Jahre lang Mitglied im Mieterverein, heute selbst Vermieter, weiß heute aber, wie manipulativ und unprofessionell dieser Verein ist. Im Grunde ist das auch nur ein Wirtschaftsbetrieb, der mit den Einnahmen seiner Mitglieder lebt und stirbt. Er ist daher im permanenten Wahlkampfmodus.
    Ich habe Einnahmeverluste. Mit den Mietern vereinbart. Fälle, dessen Existenz den Verein nie erreichen und in dessen Satistik nie auftauchen. Träumerverein.

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