Berlin: Ein Schild an der Eingangstür an einer Kneipe mit der Aufschrift "jeschlossen". (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 06.05.2020 | Amelie Ernst | Bild: dpa/Britta Pedersen

Berlin und Brandenburg - Fast jeder vierte Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen

In Krisenzeiten wie diesen ist Kurzarbeit ein Instrument, das zumindest temporär Massenarbeitslosigkeit verhindern kann. In Berlin und Brandenburg sind davon weit mehr Menschen betroffen als in der Finanzkrise. Von Götz Gringmuth-Dallmer und Stefan Ruwoldt

Nahezu jeder vierte Beschäftigte in Berlin und Brandenburg war im März und April von Kurzarbeit betroffen. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die rbb|24 vorliegen. Demnach meldeten Unternehmen in der Region in diesen beiden Monaten insgesamt bis zu 550.000 Menschen für Kurzarbeit an.

In Berlin haben demnach in den Monaten März und April mehr als 32.000 Betriebe für knapp 340.000 Menschen Kurzarbeit angezeigt. In Brandenburg waren es im gleichen Zeitraum etwa 21.500 Betriebe für knapp 210.000 Menschen. In Berlin beträgt demnach der Anteil der von Kurzarbeit Betroffenen 21,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, in Brandenburg sind es 24,6 Prozent.

Genauere Zahlen erst nach Bilanzen der Unternehmen

Matthias Loke, Sprecher der BA-Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, betonte im Gespräch mit rbb|24, dieser Stand übertreffe das Niveau der Finanzkrise von 2008/2009 deutlich. Der hohe Anteil an Menschen in Kurzarbeit erinnere auch an die ersten Jahre nach der Wende, so Loke. Allerdings lägen aus dieser Zeit keine vergleichbaren Daten vor, um hier exakte statistische Parallelen ziehen zu können.

Die Regionaldirektion weist zudem darauf hin, dass die Grundlage für diese Zahlen die Anzeigen für Kurzarbeit der Betriebe bei der BA sind. Der exakte Umfang der Kurzarbeiterleistungen errechne sich dann zum Ende der Monate und ergebe sich aus den genauen Abrechnungen der Unternehmen und damit den Kurzarbeiteranträgen, so Agentursprecher Loke.

Gastgewerbe ist bei Kurzarbeit trauriger Spitzenreiter

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass die Gastronomie am stärksten von Kurzarbeit betroffen war. Knapp drei Viertel aller Mitarbeiter der Branche in Berlin und Brandenburg waren hier mit dem Einbruch des Shutdowns von Kurzarbeit betroffen: rund 73 Prozent in Berlin (61.000) und 72 Prozent (21.500) in Brandenburg. In der Gastronomie sind 45.000 Berliner Gastronomiemitarbeiter betroffen, in Brandenburg sind es hier 15.000.

Auf Platz zwei der am stärksten betroffenen Branchen rangiert der Einzelhandel. In Berlin wurden in diesem Bereich rund 31.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, in Brandenburg waren es 15.000 Menschen davon betroffen. Im Einzelhandel beider Bundesländer zusammengerechnet sind knapp 187.000 Menschen beschäftigt.

Neben der Gastronomie und dem Einzelhandel sind auch für das Gesundheitswesen, den Bau und den Handel mit Kraftfahrzeugen viele Menschen für Kurzarbeit angemeldet worden.

Große Zahl an geringfügig Beschäftigten ohne Anspruch auf Hilfen

Die Arbeitsagentur weist zudem aus, dass rund 45.000 Menschen (Stand 30.9.2019) zu großen Teilen in der Gastronomie und im Einzelhandel tätig sind, die nur geringfügig entlohnt werden oder die Tätigkeit als Nebenjob ausüben. Sie haben deshalb keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. 

Gesundheits- und Pflegebranche suchen Arbeitskräfte

BA-Sprecker Loke betonte, vorrangiges Ziel der Agentur sei, die Kurzarbeitergeld-Anträge schnell zu bearbeiten, die Gelder zu überweisen und so die Idee dieses "Schutzschirms Kurzarbeit" auch durchzusetzen. Schließlich sei das Ziel, die Beschäftigten im Unternehmen zu halten. Dafür habe die Agentur die Zahl ihrer Mitarbeiter innerhalb weniger Wochen vervielfacht.

Allerdings ergäben sich für manche durch die Corona-Pandemie auch Chancen auf neue Jobs, so Loke: "Es gibt auch Unternehmen, die jetzt dringend Arbeitskräfte suchen." Das gelte vor allem für bestimmte Bereiche des Gesundheitswesens, des Handels und der Pflege. Die Agentur habe dafür das Programm "jobsNOW" aufgelegt. Bei der Suche unter diesem Stichwort finde man in der Stellenbörse der Bundesagentur für Arbeit sofort zu besetzende Stellen in Berlin und Brandenburg.

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Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer und Stefan Ruwoldt

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5 Kommentare

  1. 5.

    Diese horrenden Zahlen haben wir unseren Panik Freunden zu verdanken, oje

  2. 4.

    Gerade die, die massenweise Steuern hinterziehen mit falschen Arbeitsverträgen, oder ganz schwarz etc.
    Frage mich, wo die illegalen Gewinne, die auf dem Rücken der Mitarbeiter gemacht wurden, jetzt so plötzlich sind? Naja, jetzt bei Kurzarbeit wieder alles auf Steuerzahler abwälzen und danach geht es munter weiter mit der Betrügerei...

  3. 3.

    Dann müssen die Kurzarbeiter nach Beendigung der Lockerungen sicher richtig ranklotzen.

  4. 2.

    Hoffe das zeigt auch unseren Politikern wie sinnlos es wäre eine Abwrackprämie einzuführen. Den diese Menschen die hier betroffen sind haben bestimmt andere Sorgen im Kopf als sich ein neues Auto anzuschaffen.
    Der Rest ist Lobby arbeit.

  5. 1.

    Ist doch toll Herr Müller, oder!!

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