Mandy Geddert vom Kinderladen in Berlin-Oberschöneweide (Bild: rbb/Jule Käppel)
Bild: rbb/Jule Käppel

Jobsuche in der Corona-Krise - Welche Branchen jetzt händeringend Arbeitskräfte suchen

Der Corona-Effekt hat viele Branchen hart getroffen. Doch nicht alle Betriebe kämpfen mit Problemen. Einige Firmen suchen händeringend Personal - während neue Internetportale Jobsuchenden versprechen, auch in der Corona-Krise fündig zu werden. Von Jule Käppel

Auf dem Arbeitsmarkt macht sich die Corona-Krise schon seit Monaten an den Zahlen bemerkbar: Im Mai waren 200.641 Menschen in Berlin und 86.980 Personen in Brandenburg ohne Arbeit - deutlich mehr als vor der Krise. Die freien Stellen sind laut der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich rückläufig.

Einige Branchen suchen händeringend Arbeitskräfte

Und trotzdem gibt es noch Berufsgruppen, die aktuell gesucht werden - in der IT, als Lokführer, in sozialen Berufen und der Erziehung, oder auch im Einzelhandel. Sarah Schulz, Personalerin bei "Getränke Hoffmann" in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming), könnte derzeit vielen eine Perspektive bieten. Sie sucht momentan 15 Arbeitskräfte. "Wir suchen zum Beispiel einen Projekt- und Prozessmanager, Controller, auch selbständige Handelspartner, die draußen die Märkte führen", sagt Schulz. Seit Wochen sichtet sie Bewerbungen für den Getränkemarkt. Der Einzelhandel gehört zu den wenigen Branchen, in denen es auch jetzt noch Jobs gibt. 

"Wir haben von der Krise gar nicht so viel mitbekommen. Da haben wir das Glück, dass wir systemrelevant sind und auch alle Kollegen brauchen, die hier bei uns sind", sagt die 30-jährige Personalerin. Etwa 50 Menschen konnte sie in der Krise eine neue Perspektive geben. 

Wenn es selbst mit dem Spargelstechen nicht funktioniert

In der unsicheren Situation der vergangenen Wochen musste auch Norine Palme aus Berlin-Marzahn eine Arbeit finden. "Ich habe ganz viele Bewerbungen geschrieben, die Hoffnung nie aufgegeben und dann hat es letztendlich geklappt", sagt die 30-Jährige. Ausgerechnet in der Corona-Krise hat sich ihre Suche über verschiedene Jobportale ausgezahlt, jetzt hat die Berlinerin eine feste Stelle im Marketing gefunden.

Fast ausweglos scheint die Notlage für die 28-jährige Suzanna Zolotuhina zu sein. Sie ist als diplomierte, selbstständige Künstlerin für ihren Lebensunterhalt auf einen Brotjob angewiesen und nach ihm sucht sie seit Wochen vergeblich. "Es ist wirklich sehr schwer, Jobs zu finden. Ich habe es selbst beim Spargelstechen versucht und auch da ist niemand drangegangen." 

Mit der Initiative JobsNow [arbeitsagentur.de] wenden sich die Berliner und Brandenburger Arbeitsagenturen im Internet an Jobgebende und -suchende in der Region, um Menschen aus der Krise zu holen. Fast 400 Stellen sind kurzfristig zu besetzen. Ein weiteres Portal, das jetzt helfen soll, ist Berliner-HeldInnen-Jobs.de – vom Wirtschaftsförderer "Berlin Partner". Zwischen zahlreichen Gesundheitsberufen und Posten im Bereich Sicherheit, taucht auf der Seite die Ausschreibung für das nachhaltige Kindermode-Label "Charle" auf. 

Für diese Stelle im Kinderladen in Berlin-Oberschöneweide hat Gründerin Mandy Geddert in einer Woche fünf Bewerbungen erhalten. "Es war auffällig, dass es vor allem Quereinsteiger waren und Leute, die auch ein eigenes Modelabel haben oder im Design-Bereich tätig sind und die offensichtlich einen Zuverdienst brauchen." Das spürt auch der Berufsverband bildender KünstlerInnen Berlin und befürchtet einen irreparablen Verlust und das Karriere-Ende für Menschen wie Medien-Künstlerin Suzanna Zolotuhina. 

Überraschungsbesuch mit Happy End

"Für KünstlerInnen am Beginn einer beruflichen Laufbahn, behindert eine solche Krise den Einstieg in den Ausstellungsbetrieb, in ein Netzwerk und in Fördermöglichkeiten. Sind KünstlerInnen auch noch von kunstfernen Nebentätigkeiten abhängig, geht das oft mit dem Verlust der notwendigen Konzentration auf die künstlerische Arbeit einher", sagt Heidi Sill vom Berufsverband bildender KünstlerInnen Berlin. "Dies ist für uns als Interessensvertreter professioneller KünstlerInnen nicht diskutabel. Wir suchen die Lösung in der Freiheit der Kunst und der Kunstproduktion."

Bis dahin muss Suzanna Zolotuhina selbst nach einem Ausweg suchen und spontan darf sie sich bei Mandy Geddert im Näh-Atelier vorstellen. Der Überraschungsbesuch in Berlin-Oberschöneweide endet mit einem Happy End. Die Gründerin gibt der jungen Künstlerin die Chance für eine Probearbeit. 

Sendung: Inforadio, 10.06.2020, 6 Uhr

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Beitrag von Jule Käppel

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8 Kommentare

  1. 8.

    Unsere Firma legt Wert auf einen handgeschriebenen Lebenslauf, weil er aussagekräftiger ist, als ein maschinell erstelltes Bewerbungsschreiben. Anschreiben maschinell, Lebenslauf handgeschrieben und Ihre Chancen, bei uns einen Arbeitsplatz zu erhalten, sind deutlich höher. Ich nehme bei uns die Einstellungen vor und natürlich sind gewisse Vorkenntnisse, für den auserwählten Beruf , von Vorteil, allerdings können fehlende Kenntnisse - Interesse und Arbeitsbereitschaft vorausgesetzt - erworben werden.

    Sie scheinen ein sehr negatives Bild von Personalchefs zu haben. Hatten Sie schlechte Erfahrungen , mit einem Arbeitgeber?

  2. 7.

    Keine Ahnung wie sie darauf kommen, dass ein per Hand geschriebene Bewerbung und Lebenslauf gut beim AG ankommt. Den interessiert sowas nicht. Alles was Arbeitgeber wollen, ist Blut jung, seit 30 Jahren bei der Konkurrenz beschäftigt und nochmal 50 Jahre zusätzliche Berufserfahrung. Vom vorigen AG top weiter gebildet und bereit sich auf eigene Kosten sich selbst weiterzubilden und bloß keine Ansprüche zu stellen auf Urlaub oder mal ein Wochenende frei.

    Den Stereotypen Hartz4 Empfänger hat es schon immer gegeben und den wird es auch immer geben egal wie die Gesetzes Lage ist. Leidtragende sind die wie Kritiker hier schon geschrieben hat, die Arbeiten wollen, aber vom AG nur abgewunken werden. Hinzu kommt nicht jeder für jede Art von Arbeit geeignet. Spargel stechen setz eine gewisse körperliche Verfassung voraus, die nicht jeder Mensch hat.

  3. 6.

    Bin ganz Ihrer Meinung! Nur lassen Sie das nicht Herrn Neumann lesen. Der glaubt an den (Tesla)Weihnachtsmann, der die Arbeitsplätze bringt.

    Auch heute noch, hinterlässt ein handgeschriebener Lebenslauf, einen deutlich besseren Eindruck!

  4. 5.

    Wenn es mal Arbeit gäbe ! Für Menschen die lange raus sind wird immer gleich abgewunken ! Was bleibt sind nur Bundesfreiwilligendienste und 1€ Jobs ! Danke liebe Bundesregierung !

  5. 4.

    Liebes rbb24 Team,

    "Welche Branchen jetzt..." - Toller Start, mit einem verheißungsvollen Titel. Diesem geht aber leider, durch den dann folgenden Inhalt, Zeile für Zeile schnell die Luft aus! Aufgeblasene Überschriften können eben nicht über schwache Recherche und schlechten Content hinwegtäuschen! Was ist denn mit den systemrelevanten Berufsfelder der Dienstleister wie den Glas- & Gebäudereinigern oder den Hausmeister-Services? Wurden von euch einfach links liegen gelassen. Sind es doch gerade diese Branchen, die endlich, der Corona-Krise sei Dank, neben den Pflegediensten und Co., die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen! Endlich kommt die Einsicht, dass diese Berufszweige wohl doch weitaus wichtiger und notwendiger sind, um ein System, das sie bis dato eigentlich nur wie "Dreck" behandelt hat, am Laufen zu halten! Denn der Erhalt von Sauberkeit und Hygiene ist mehr eben als nur "Putzen"! Diese Branche - liebes rbb24.de Team sucht händeringend Arbeitskräfte! VG

  6. 3.

    Das stimmt, wie z.b. beim Thema spargelstechen, das ist eben nicht so einfach und kann man mal kurz nebenbei machen.
    Und trotzdem ist sie eher die Ausnahme, weil das eben kein "deutscher" wirklich mehr machen will.
    Oder in der Schlachterei, welche ich eh ablehne als Vegetarierin.
    Meckern und motzen und Geld vom Staat kassieren kann jeder, aber mal was tun können wirklich die wenigsten.

  7. 2.

    Lieber rbb,
    ich war sehr gespannt auf die Antwort, die Ihre Überschrift andeutet, aber bis auf ein paar Einzelschicksale keine Zahlen, keine Statistiken, keine vielseitigen Antworten.
    Schade. :-(

  8. 1.

    So, ihr ganzen ..., bevor ihr wieder rumheult, die „Ausländer“ würden euch die Arbeit wegnehmen, ran an den Rechner und Bewerbung schreiben!

    Genügend Jobs sind (und waren übrigens auch immer schon) da. Und meckert nicht wieder rum, wenn ihr das Bewerben wieder vor euch hinschiebt und ihr am Ende wieder leer ausgeht.

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