Symbolbild/Archiv - Auf der IFA 2019 werden an einem Stand Smartphones präsentiert (Bild: imago images/Stefan Boness)
Video: Abendschu | 03.09.2020 | Jörn Kersten | Bild: imago images/Stefan Boness

Elektronikmesse nur für Fachpublikum - IFA Berlin startet unter Corona-Bedingungen

Am Donnerstag startet die Internationale Funkausstellung in Berlin - in diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders. Die Messe findet nur verkürzt für Fachbesucher bis 5. September statt. Technik-Interessierte können sich im Netz dazuklicken. Von Johannes Frewel

Eine Viertel Million Besucher, 1.800 Aussteller aus aller Welt und Händler-Bestellungen in Höhe von fast fünf Milliarden Euro - mit den guten Zahlen des Vorjahres 2019 hat die Elektronikmesse IFA in diesem Jahr nur noch wenig zu tun. Die IFA 2020 "Special Edition" ist die in Corona-Pandemiezeiten weltweit einzige real stattfindende Elektronikmesse, sie konzentriert sich ganz auf Fachbesucher. Ein umfangreiches Hygienekonzept mit strengen Auflagen soll dazu beitragen, dass Corona-Risiken so weit wie möglich begrenzt werden.

Elektronikmesse mit vielen leeren Hallen

Vom 3. bis 5. September wird in Berlin eine IFA stattfinden, die mit ihren Vorgängern vor allem noch den Namen gemeinsam hat. Statt in voll ausgebuchten 26 Messehallen mit Drängelei an den Ständen wird sie in diesem Jahr nahezu unter Ausschluss der Präsenzöffentlichkeit stattfinden. Einlass gibt es nur auf Einladung für akkreditierte Fachbesucher und Journalisten, die ihre dienstlichen und privaten Kontaktdaten für den Fall der Fälle bei der Messeleitung hinterlassen müssen. Pro Tag und Veranstaltung dürfen nicht mehr als 1.000 Menschen in jede der drei IFA-Segmente. Die Messe findet in diesem Jahr stark geschrumpft in vier Messehallen und dem Kongressgebäude City Cube statt. Die überwiegende Zahl der Messehallen bleibt leer und geschlossen. Fachbesucher werden aus 50 statt wie zuvor aus weltweit 160 Ländern erwartet.

Drei Messen parallel für je 1.000 Menschen

Um das Corona-Limit von maximal 1.000 Menschen einzuhalten, wurde die IFA "Special Edition" von den Ausstellungsmachern gedrittelt: in eine Presseveranstaltung mit Keynotes auf zwei großen TV-Bühnen, den Innovationsbereich "Shift Mobility meets IFA Next" sowie die IFA Retail & Business für den Handel, der seine Lager vor Weihnachten mit aktueller Ware füllt. Abgesagt und aufs nächste Jahr verschoben wurde die ursprünglich als Sourcing-Plattform für Zulieferer geplante IFA Global Markets. Vor allem Aussteller aus asiatischen Kernausstellermärkten sagten ab, denn zahlreiche Visaabteilungen sind wegen der Pandemie im Ausland krisenbedingt geschlossen.

Beliebte Aussteller bleiben wegen fehlendem Publikum zuhause

Große Unternehmen wie Samsung, Sony und selbst die Deutsche Telekom fehlen. Ihre Hallenkonzepte setzten in der Vergangenheit vor allem auf die Begegnung mit Verbrauchern. Die kommen aber in diesem Jahr nicht aufs Messegelände. Die einst als Funkausstellung gestartete Elektronikmesse hat sich zur Hybridveranstaltung gewandelt. Veranstaltungen werden unter ifa-berlin.de zeitgleich digital gestreamt, Interessierte können sich per Internet hineinklicken. Die IFA wirbt mit "Binge-Watching für Technik-Geeks".

Nur noch ein Fünftel der üblichen Journalisten

Auch die Berichterstattung über die IFA dürfte deutlich schmaler werden als sonst. Die wegen der Pandemie stark limitierten Pressezugänge waren bereits nach wenigen Tagen ausgebucht. Mehr als zwei Journalisten dürfen Redaktionen, die eine der seltenen Akkreditierungen ergattern konnten, nicht auf das Messegelände entsenden. Im Vergleich zum Vorjahr bleiben etwa vier von fünf Journalisten zuhause.

Hersteller präsentieren Produkte für die Corona-Krise

Die IFA steht in diesem Jahr teils auch inhaltlich unter dem Eindruck der Corona-Epidemie. Der südkoreanische Konzern LG hat eine Gesichtsmaske angekündigt, die die Atemluft mit Filtern reinigt. Eingebaute kleine Lüfter sollen dafür sorgen, dass stets die gerade benötigte Menge von Frischluft zu- und von verbrauchter Luft abgeführt wird. Der Akku soll mehrere Stunden durchhalten.

Gesundheitstracker gegen Lock-Down-Bewegungsmangel

Da zahlreiche große Aussteller fehlen, schlägt die Stunde der kleineren Hersteller. Fitbit-Chef James Park plant in Berlin die Weltpremiere einer neuen Generation seiner Gesundheitstracker und Smartwatches. Wer Dank Home-Office unter Bewegungsmangel leidet, kann sich mit digitaler Unterstützung der trendigen Wearables auf die Sprünge helfen lassen.

Die Huawei-Zweitmarke Honor stellt Produkte für das "New Normal" der Krise vor. Das Unternehmen ist für leistungsfähige Notebooks bekannt, die sich mit Chips des US-Herstellers AMD auch in Deutschland gut verkaufen. Daneben präsentiert Honor neue Smartphones, Tablets und Wearables fürs Jahresendgeschäft.

Spezialkopfhörer sorgen im Home-Office für Stille

Gut vertreten sind auch Hausgerätehersteller wie Bosch, Siemens oder Miele, deren Geschäfte wegen Home-Office boomen. Das geht aus dem Branchenindes "Hemix" hervor. Stark gefragt sind etwa Kaffeeautomaten für den schnellen Büro-Cappuccino zuhause und teure Kopfhörer, die bei der Home-Office-Arbeit störende Geräusche der häuslichen Mitbewohner mit High Tech und Gegenschall einfach rausfiltern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.09.2020, 17:10 Uhr

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5 Kommentare

  1. 4.

    Messen sind zunächst immer für Fachbesucher. Publikum ist sehr gut und förderlich, aber zunächst geht es darum, dass Unternehmen sich und ihre Innovativen präsentieren können und auch geschäftliche Kontakte gepflegt werden. Die breite Masse kauft auf einer Messe eher wenig. Händler sind etwas anderes.

  2. 3.

    In diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders, ganz anders. Die IFA findet wegen der Corona-Pandemie nicht als Großveranstaltung -Massenevent statt. Was soll eine Messe ohne Besucher oder nur sehr wenigen Besuchern? Kein Massenauflauf. „Es ist nicht die Ifa, wie wir sie kennen.“ sehr bedauerlich. Wenig einnahmen, hoffen wir doch für nächstes Jahr auf bessere Zeiten.

  3. 1.

    Na mal sehen, wann auch die Messe Berlin Konkurs anmeldet. Auch hier sollte sich die Politik Gedanken machen, wie das in Zukunft gelöst werden kann. Ich plädiere für Konzepte und deren begleitetes Ausprobieren - viel anderes wird es nicht geben!

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