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Video: rbb|24 | 17.01.2019 | Quelle: dpa

Gegen die Agrarpolitik

Bauern protestieren mit bis zu 1.000 Traktoren in Berlin

Zum Start der Grünen Woche haben am Freitag tausende Bauern in Berlin gegen die Agrarpolitik des Bundes demonstriert. Der Protest ist auch eine Gegenaktion zu der für Samstag geplanten "Wir haben es satt"-Demo von Ökobauern und Umweltschützern.

Mit ihren Traktoren haben am Freitag mehrere tausend Bauern in Berlin gegen stengere Umweltschutzauflagen protestiert. Die Landwirte fuhren anlässlich der Eröffnung der Agrarmesse Grüne Woche mit ihren Traktoren über drei Routen in die Berliner Innenstadt zum Brandenburger Tor.

Dort fand am frühen Nachmittag eine Kundgebung statt. Die Traktoren machten sich anschließend auf die Heimfahrt. Wie der Veranstalter, die Bauern-Initiative "Land schafft Verbindung", dem rbb mitteilte, kamen etwa 800 bis 1.000 Traktoren in die Stadt.

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Proteste in Berlin

Zwei Bauern-Demos, zwei gegensätzliche Ziele

  

Demo gegen Düngeverordnung und für faire Preise

Der Protest richtete sich - wie bereits bei den Traktor-Sternfahrten Ende vergangenen Jahres - gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Besonders kritisch sehen die Landwirte die neue Düngeverordnung. Wegen der vielerorts hohen Nitratbelastung des Trinkwassers soll das Ausbringen von Gülle eingeschränkt werden. Während die Wasserwirtschaft die Änderungen weiterhin für unzureichend hält, befürchten die Bauern Einbußen beim Ertrag.

Zudem fordern die Landwirte "faire" Lebensmittelpreise. Auf Plakaten an den Traktoren stand "Mit uns statt gegen uns" oder auch "Sorry. Aber sonst werden wir nicht gehört". An die Adresse von Politikern und Städtern hieß es: "Sie säen nicht. Sie ernten nicht. Doch sie wissen alles besser." Bauernpräsident Joachim Rukwied bat um Verständnis für die "Zukunftsängste" der Bauern. An die Verbraucher appellierte er, "einen höheren Preis zu zahlen, wenn sie Lebensmittel haben wollen, die nach höheren Standards hergestellt worden sind".

Eine Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft, wie sie etwa das Land Brandenburg vorantreiben will, sehen viele der protestierenden Bauern skeptisch. Dafür sei beispielsweise eine technische Umrüstung erforderlich, hieß es etwa. Auch sei es schwer, von Bio-Landwirtschaft zu leben, viele Ökobauern würden das nur im Nebenwerb betreiben. 

Müller: "Das muss man auch aushalten"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat mit den wiederholten Bauernprotesten in der Hauptstadt kein Problem. "Es ist für Berlin natürlich auch wieder eine Belastung, aber es gehört dazu, dass die Bauern ihre Sichtweise und ihren Anspruch deutlich machen", sagte Müller am Freitag beim Eröffnungsrundgang der Grünen Woche. "Das muss man auch aushalten." Die Mit-Organisatorin des Bauernprotests, Johanna Mandelkow, sagte, am Straßenrand hätten viele Beobachter ihre Zustimmung und Unterstützung signalisiert. "Manche hielten Schilder hoch und bedankten sich bei uns Bauern."

Die Polizei sicherte die Sternfahrt mit rund 350 Beamten und einem Hubschrauber ab. Die Verkehrsinformationszentrale twitterte Fotos von langen Traktoren-Kolonnen, etwa auf der Heerstraße in Charlottenburg.

Die drei Routen der Traktoren-Demo

Quelle: rbb/Mappa


Route Nord:
Landesgrenze B2 Dorfstraße, Malchower Chaussee, Berliner Allee, Ostseestraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße, Seestraße, Amrumer Straße, Föhrer Straße, Putlitzbrücke, Stromstraße, Lessingstraße, Bachstraße, Straße des 17. Juni

Route Süd: Landesgrenze B96 Kirchhainer Damm, Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm, Tempelhofer Damm, Platz der Luftbrücke, Mehringdamm, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Potsdamer Brücke, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee, Großer Stern, Straße des 17. Juni

Route West: Landesgrenze B5 Hamburger Chaussee, B2 Heerstraße, Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni

Quelle: rbb/Riccardo Wittig

Gegendemo zu "Wir haben es satt"

Trecker-Demonstrationen finden am Freitag auch in zahlreichen weiteren deutschen Städten statt, die größte Veranstaltung erwarten die Organisatoren in Nürnberg, wo 5.000 Traktorfahrer protestieren wollten. 

Die Aktion am Freitag sieht sich als Gegendemonstration zu der der Initiative "Wir haben es satt", einem Zusammenschluss aus Ökobauern und Umweltschützern. Die Organisatoren von "Wir haben es satt" demonstrieren bereits seit einigen Jahren zu Beginn der "Grünen Woche". Mittlerweile wird die Agrarindustriekritische Initiative auch von konventionell wirtschaftenden Bauern unterstützt.

Diesmal wollen sie sich am Samstag ebenfalls mit zahlreichen Traktoren auf den Weg machen. Auch die "Wir haben es stat"-Organisatoren haben zu einer Sternfahrt zum Brandenburger Tor aufgerufen. Bis zu 15.000 Teilnehmer werden dazu erwartet. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin warnt vor Verkehrseinschränkungen zwischen 7:30 Uhr und 19 Uhr. 

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