17.01.2020, Berlin: Mit Traktoren demonstrieren Landwirte am Rande der 94. Internationalen Grünen Woche (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: rbb|24 | 17.01.2019 | Bild: dpa

Gegen die Agrarpolitik - Bauern protestieren mit bis zu 1.000 Traktoren in Berlin

Zum Start der Grünen Woche haben am Freitag tausende Bauern in Berlin gegen die Agrarpolitik des Bundes demonstriert. Der Protest ist auch eine Gegenaktion zu der für Samstag geplanten "Wir haben es satt"-Demo von Ökobauern und Umweltschützern.

Mit ihren Traktoren haben am Freitag mehrere tausend Bauern in Berlin gegen stengere Umweltschutzauflagen protestiert. Die Landwirte fuhren anlässlich der Eröffnung der Agrarmesse Grüne Woche mit ihren Traktoren über drei Routen in die Berliner Innenstadt zum Brandenburger Tor.

Dort fand am frühen Nachmittag eine Kundgebung statt. Die Traktoren machten sich anschließend auf die Heimfahrt. Wie der Veranstalter, die Bauern-Initiative "Land schafft Verbindung", dem rbb mitteilte, kamen etwa 800 bis 1.000 Traktoren in die Stadt.

Demo gegen Düngeverordnung und für faire Preise

Der Protest richtete sich - wie bereits bei den Traktor-Sternfahrten Ende vergangenen Jahres - gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Besonders kritisch sehen die Landwirte die neue Düngeverordnung. Wegen der vielerorts hohen Nitratbelastung des Trinkwassers soll das Ausbringen von Gülle eingeschränkt werden. Während die Wasserwirtschaft die Änderungen weiterhin für unzureichend hält, befürchten die Bauern Einbußen beim Ertrag.

Zudem fordern die Landwirte "faire" Lebensmittelpreise. Auf Plakaten an den Traktoren stand "Mit uns statt gegen uns" oder auch "Sorry. Aber sonst werden wir nicht gehört". An die Adresse von Politikern und Städtern hieß es: "Sie säen nicht. Sie ernten nicht. Doch sie wissen alles besser." Bauernpräsident Joachim Rukwied bat um Verständnis für die "Zukunftsängste" der Bauern. An die Verbraucher appellierte er, "einen höheren Preis zu zahlen, wenn sie Lebensmittel haben wollen, die nach höheren Standards hergestellt worden sind".

Eine Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft, wie sie etwa das Land Brandenburg vorantreiben will, sehen viele der protestierenden Bauern skeptisch. Dafür sei beispielsweise eine technische Umrüstung erforderlich, hieß es etwa. Auch sei es schwer, von Bio-Landwirtschaft zu leben, viele Ökobauern würden das nur im Nebenwerb betreiben. 

Müller: "Das muss man auch aushalten"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat mit den wiederholten Bauernprotesten in der Hauptstadt kein Problem. "Es ist für Berlin natürlich auch wieder eine Belastung, aber es gehört dazu, dass die Bauern ihre Sichtweise und ihren Anspruch deutlich machen", sagte Müller am Freitag beim Eröffnungsrundgang der Grünen Woche. "Das muss man auch aushalten." Die Mit-Organisatorin des Bauernprotests, Johanna Mandelkow, sagte, am Straßenrand hätten viele Beobachter ihre Zustimmung und Unterstützung signalisiert. "Manche hielten Schilder hoch und bedankten sich bei uns Bauern."

Die Polizei sicherte die Sternfahrt mit rund 350 Beamten und einem Hubschrauber ab. Die Verkehrsinformationszentrale twitterte Fotos von langen Traktoren-Kolonnen, etwa auf der Heerstraße in Charlottenburg.

Die drei Routen der Traktoren-Demo

Sternfahrt der Bauern, Streckenverlauf (Quelle: rbb/Mappa)


Route Nord:
Landesgrenze B2 Dorfstraße, Malchower Chaussee, Berliner Allee, Ostseestraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße, Seestraße, Amrumer Straße, Föhrer Straße, Putlitzbrücke, Stromstraße, Lessingstraße, Bachstraße, Straße des 17. Juni

Route Süd: Landesgrenze B96 Kirchhainer Damm, Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm, Tempelhofer Damm, Platz der Luftbrücke, Mehringdamm, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Potsdamer Brücke, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee, Großer Stern, Straße des 17. Juni

Route West: Landesgrenze B5 Hamburger Chaussee, B2 Heerstraße, Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni

Bauern protestieren mit Traktoren in Berlin
Bild: rbb/Riccardo Wittig

Gegendemo zu "Wir haben es satt"

Trecker-Demonstrationen finden am Freitag auch in zahlreichen weiteren deutschen Städten statt, die größte Veranstaltung erwarten die Organisatoren in Nürnberg, wo 5.000 Traktorfahrer protestieren wollten. 

Die Aktion am Freitag sieht sich als Gegendemonstration zu der der Initiative "Wir haben es satt", einem Zusammenschluss aus Ökobauern und Umweltschützern. Die Organisatoren von "Wir haben es satt" demonstrieren bereits seit einigen Jahren zu Beginn der "Grünen Woche". Mittlerweile wird die Agrarindustriekritische Initiative auch von konventionell wirtschaftenden Bauern unterstützt.

Diesmal wollen sie sich am Samstag ebenfalls mit zahlreichen Traktoren auf den Weg machen. Auch die "Wir haben es stat"-Organisatoren haben zu einer Sternfahrt zum Brandenburger Tor aufgerufen. Bis zu 15.000 Teilnehmer werden dazu erwartet. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin warnt vor Verkehrseinschränkungen zwischen 7:30 Uhr und 19 Uhr. 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

35 Kommentare

  1. 35.

    Warum Unsinn? Was Sie dann noch schrieben ist ebenso blödsinnig, da auch die Bundesregierung von Ernteeinbußen allein beim Weizen in der BRD von 1 Million Tonnen ausgeht. Dem aufmerksamen Leser der Schweriner Volkszeitung sind solche Fakten bekannt.
    „Noch blödsinniger ist die Bemerkung mit dem Verbot des Gifts Glyphosat müßten Menschen hungern, was nachweislich falsch ist. Aber wer von "Strategie der Grüninnen" fabuliert, der ist Anhänger von Rechtspopulisten und mit denen sollte man eh nicht diskutieren.“
    Fehlen in Fakten oder was soll ihre beleidigende Unterstellung von Rechtspopulisten?

  2. 34.

    was ist falsch an dem Fakt ? "chemisch-synthetisch hergestellten Eisen(III)-phosphat und Kupferhydroxid."
    Das 1 mal 1 des Kapitalimus sagt schon wenn Glyphosat verboten wird steigen die Preise, was eben zu meher Hungertoten fühert.

  3. 33.

    Wer schreibt denn hier Unsinn? Sie doch mit dem Blödsinn vom "chemisch-synthetisch hergestellten Eisen(III)-phosphat und Kupferhydroxid."

    Noch blödsinniger ist die Bemerkung mit dem Verbot des Gifts Glyphosat müßten Menschen hungern, was nachweislich falsch ist.

    Aber wer von "Strategie der Grüninnen" fabuliert, der ist Anhänger von Rechtspopulisten und mit denen sollte man eh nicht diskutieren. Eher bringt man einer Kuh das Schlittschuhlaufen bei.

  4. 32.

    Informieren Sie sich doch bitte erst einmal, damit sie nicht einen solchen Unsinn schreiben. Beispielweise verwenden Ökobauern die chemisch-synthetisch hergestellten Eisen(III)-phosphat und Kupferhydroxid. Wer heute ein Glyphosat-Verbot einfordert, der solle bitte auch immer dazu schreiben, dass es ihm egal ist wenn dadurch Menschen hungern müssen. Heute Glyphosat morgen der Rest, dies ist Strategie der Grüninnen.

  5. 31.

    Gerade im Osten stecken diese Großagrarier doch mit den Molkereien und Handel unter einer Decke und machen die Preise kaputt. Mit Bauern oder Landwirten haben diese Lebensmittelpanscher nichts mehr gemein.

    Soviel zu "von dem Thema Null Ahnung haben".

  6. 30.

    Ja, wenn man das Elend der armen Bauern sieht, können einem schon die Tränen kommen. Nein nein, sie sind nicht am Artensterben schuld, daß selbst die Störche verschwinden, weil sie kein Futter mehr finden, liegt selbstverständlich nicht an der Bauernschaft.
    Und es ist doch auch selbstverständlich, daß fast überall, in Südbrandenburg besonders eindrucksvoll zu sehen, mittlerweile statt Lebensmitteln lieber Benzinpflanzen angebaut werden, da gibt es schließlich viel Fördermittel und die Qualität muß auch nicht so hoch wie bei Lebensmitteln sein. Dafür aber weiterhin den Boden mit Dünger und Pestiziden vollpumpen, wer braucht schon Insekten, Vögel, ...

  7. 29.

    Die Bauern sind gegen Verschärfung des Umweltschutz. Das stellen sie mit ihren Treckern jetzt öffentlich unter Beweis. Besser wäre es sie würden es genauso öffentlich machen wie sie diesen "bösen" Verbrauchern das Wasser mit der Gülle beeinträchtigen,multiresistente Keime in ihren Fleischfabriken heranzüchten,hemmungslos Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen etc. Diese Typen sollten erstmal lernen vor den Verbrauchern Respekt zu zeigen,denn schließlich kaufen die ihnen das Zeug ab und halten sie am Leben.

  8. 28.

    Schon komisch das bei diesen ganzen Belastungen von und für Berlin merkwürdigerweise nie ein bissiger Kommentar zum Länderfinanzausgleich kommt.
    Vielleicht doch irgendwie berechtigt ?

  9. 27.

    Solange Molkereien und der Handel die Preise diktieren, kann man kaum unterstellen, daß die Bauern ihre "Gewinne vergrößern". Ihre Bemerkung ist an Unredlichkeit schwer zu überbieten. Daß Sie diesen Unfug trotzdem unterstellen, beweist, daß Sie von dem Thema Null Ahnung haben. Insofern ist es völlig richtig, was Frau Mandelkow von Leuten wie Ihnen hält.

  10. 26.

    Woher haben sie denn den Unsinn? Bio-Bauern benutzen biologische Mittel. Außerdem heißt es "Sola dosis facit venenum".

    Die herkömmlichen Bauern aber vergiften durch immer größere Mengen den Boden, das Wasser und die Luft. Und weil sie das unbedingt weiter wollen demonstrieren sie.

  11. 25.

    "Gefühlt demonstrieren die Bauern dafür, weiterhin die Böden und Menschen vergiften zu dürfen. Schluss mit dem Unsinn!"
    Schluss mit dem Unsinn! Selbst Biobauern kommen nicht ohne chemische Pestizide aus, da ist es verlogen dies von den anderen Bauern so fordern.

  12. 24.

    Wenn ich mir so einige Kommentare hier ansehe: ein Transparent von der letzten Protestdemo fand ich besonders passend: "Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie wissen alles besser." Ja, bitte diese völlig bornierte, selbstgerechte Großstadt blockieren. Von mir aus gerne wochenlang. Da trifft's kaum einen Falschen.

  13. 21.

    Man ist wirklich in der Zwickmühle. Ich kaufe gerne Bio und regional und zahle auch gerne mehr dafür. Leider kann sich das aber nicht jeder leisten; das ist mir durchaus bewusst. Wie also sieht eine Lösung aus?

  14. 20.

    Nun setzen Sie mal die arme Klöckner nicht so unter Druck! Was soll die arme Frau denn noch schaffen zwischen zwei Werbefilmen für Nestle und Treffen mit Vertretern der Agrar-, besser Chemieindustrie? ;-)

  15. 19.

    Es gibt da eine sehr aufschlußreichen Artikel im TS woraus ersichtlich wird was die Iniatorin von uns dummen Städtern hält:

    https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/anti-greta-oder-gerechtigkeitskaempferin-diese-23-jaehrige-fuehrt-die-bauernproteste-an/25316516.html

    Und wer sonst noch diese Iniative anführt: https://taz.de/Initiative-Land-schafft-Verbindung/!5656430/

  16. 18.

    Diese Individualisierungen - die Einen gegen die Anderen - sind keine sachlichen Beiträge zum Thema Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft. Es ist beschämend, dass politisch Verantwortliche wie Klöckner in Amt und Würden Verpflichtungen und Verantwortlichkeit direkt von sich weisen. So wird keine Politik für die Öffentlichkeit gemacht, wenn dann höchstens für Agrarkonzerne.

    Schon das Gerede von kleinen, mittelständischen Betrieben ist vielfach so unzutreffend, dass es dreist erscheint. Es sind globale Akteur*innen, die einen Großteil zum Ungleichgewicht beitragen, dass notwendige Arbeit nicht angemessen entlohnt und angemessene Lebensmittelarten und -qualität nicht gewährleistet werden. Wer dem deregulierten Markt alle Verantwortung überlässt, erzeugt letzten Endes genau solche Demos: Bäuer*innen, die gegen ihre eigene Existenzgrundlage demonstrieren.

    Eine umweltschonende, effiziente, regionale, saisonale, lohnende Landwirtschaft, die Biodiversität fördert, ist möglich!

  17. 17.

    Die Landwirte können so viel Verkehrschaos produzieren wie sie wollen. Die Düngemittelverordnung wird wohl nicht geändert werden.
    Durch das Nitrat im Grundwasser drohen Deutschland sehr hohe Strafen durch die EU... Und das zurecht. Seit Jahren ignoriert Deutschland die Grenzwerte, was jetzt nicht mehr ohne Konsequenzen möglich ist.
    Die Forderung nach höheren Erzeugerpreisen kann ich dagegen sehr gut nachvollziehen und bin auch gern bereit sie zu bezahlen.
    Ich glaube aber, dass die Landwirte mit der vorsätzlichen Lähmung einer Großstadt wenig Sympathie erntet... Meine jedenfalls nicht.

Das könnte Sie auch interessieren