Bauern aus ganz Deutschland demonstrieren am 26.11.2019 in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung (Quelle: imago images/Stefan Zeitz)
Audio: Inforadio | 17.01.2020 | Johannes Frewel | Bild: imago images/Stefan Zeitz

Proteste in Berlin - Zwei Bauern-Demos, zwei gegensätzliche Ziele

Hunderte konventionelle Bauern protestieren an diesem Freitag bundesweit gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung - auch in Berlin. Am Samstag folgt bereits zum zehnten Mal die Demo der Ökolandbauern "Wir haben es satt". Wofür kämpfen beide Seiten?

Zum Start der Grünen Woche protestiert die Bauern-Initiative "Land schafft Verbindung" am Freitag erneut gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Mehrere hundert Traktoren versammeln sich dazu rund um das Brandenburger Tor in Berlin. Die Landwirte demonstrieren unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz sowie gegen weitere Dünge-Beschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Viele landwirtschaftliche Betriebe sehen sich dadurch in ihrer Existenz gefährdet.

"Land schafft Verbindung" fordert Dialog

Bäuerin und Initiatorin der Protestdemo Johanna Mandelkow sagte im rbb-Interview am Freitag, dass die konventionelle Landwirtschaft nicht allein für das Artensterben verantwortlich sei. "Wenn man komplett auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten würde, gebe es einen geringeren Ertrag, was wiederum wieder ausgeglichen werden muss." Man protestiere nicht gegen Artensterben, Insektenschutz und Düngeverbot, sondern man fordere den "Dialog, dass mit uns über diese Maßnahmen gesprochen wird."

Bereits im Oktober und November hatten tausende Bauern mit Traktoren in der Hauptstadt protestiert. Nach wie vor beklagen die Bauern eine geringe Wertschätzung und dass sie zu wenig Geld bekommen, für das was sie produzieren.

Die Protestbewegung "Land schafft Verbindung" wurde von der niedersächsischen Bäuerin Maike Schulz-Broers ins Leben gerufen. Mittlerweile hat sich die Bewegung allerdings gespalten:  in den gemäßigteren Gründungsteil "Land schafft Verbindung – das Original" und den radikaleren Flügel "Land schafft Verbindung – Deutschland". Die sogenannten "Gelbwesten-Protestformen" wie der Blockade von Großstädten mit Traktoren werden vom gemäßigteren Teil abgelehnt.

"Wir haben es satt" zum 10. Mal

Seit zehn Jahren protestiert das Bündnis "Wir haben es satt" gegen Gentechnik, Tierfabriken, Pestizide und Kunstdünger. Traditionell wird zu Beginn der Grünen Woche protestiert. Mittlerweile wird die Agrarindustrie-kritische Initiative auch von konventionell wirtschaftenden Bauern unterstützt. Die Inititaive "Wir haben es satt" fordert eine Agrarwende, mehr Klimaschutz und Hilfen für die Bauern beim Umbau der Landwirtschaft. Das von der Bundesregierung im September verabschiedete Agrarpaket sehen die Initiatoren allerdings kritisch.

Angespannte Lage auf einigen Höfen

Die wirtschaftliche Lage auf einigen Höfen sei sehr angespannt, sagte Georg Janßen, Mit-Initiator der "Wir haben es satt"-Demo und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL), am Freitag dem rbb. "Ein großes Problem ist vor allem, wie wir mit fairen Preisen und fairen Handel zu einer artgerechten Tierhaltung, zu einer vernünftigen Ackerbaustrategie kommen." In den vergangenen zehn Jahren sei nach Angaben der Initiative ungefähr ein Hof pro Stunde verloren gegangen. Deshalb wolle man bäuerliche Strukturen unterstützen, aber auch in Umwelt- und Klimamaßnahmen investieren.

Janßen wies außerdem darauf hin, dass es zwischen den konventionellen Landwirten, die am Freitag auf die Straßen gehen und den Ökobauern einen Austausch gebe. Beide Seiten beteiligten sich jeweils an den Protesten. Allerdings sei man noch nicht soweit zusammenzuarbeiten, weil die Forderungen noch nicht abgestimmt seien. "Wir sind aber in Kontakt und es gibt Gespräche."

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