Nahrung aus dem Bioreaktor (Quelle: rbb/Franziska Ritter)
Audio: Inforadio | 25.01.2020 | Franziska Ritter | Bild: rbb/Franziska Ritter

Zukunft der Nahrung - Darf es noch etwas Meeres-Gemüse sein?

Wie können sich künftige Generationen auf unserem Planeten mit ausreichend Lebensmitteln versorgen? Forscher glauben, die Antwort liegt in Algen, Quallen und Salzpflanzen. Angebaut in Bio-Reaktoren, die von LED-Licht angestrahlt werden. Von Franziska Ritter

Das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenanbau schenkt auf der Grünen Woche einen Smoothie aus. Er besteht aus Apfel- und Mangopüree, grünem Gemüse und einer besonderen Zutat: Salicornia europaea, dem europäischen Queller, auch Meeres- oder Küstenspargel genannt. "Das ist ein Meeresgemüse, das an den Küsten der Nordsee und des nördlichen Atlantiks wächst und einen sehr frischen, salzigen Geschmack hat", sagt Julia Vogt, die am Leibniz-Institut in Großbeeren (Teltow-Fläming) das Forschungsprojekt "Food 4 Future" leitet.

Die Biochemikerin und ihre Wissenschaftskollegen suchen radikale Innovationen für die Lebensmittelversorgung der Zukunft. Sie gehen dabei von zwei Extremszenarien aus: Das erste nimmt an, dass sich die Staaten der Welt immer weiter voneinander abschotten, so dass kein Handel mit Grundnahrungsmitteln mehr möglich ist. Das zweite Szenario besagt: Land wird immer knapper, zum Beispiel weil es im Zuge des Klimawandels kaum noch regnet und die Böden versalzen. "Es könnte aber genauso gut passieren, dass wir durch Atomreaktorunfälle oder andere Umweltkatastrophen die verfügbaren Agrarflächen nicht mehr nutzen können", so Julia Vogt.

Smoothie aus Gemüse und Salicornia (Quelle: rbb/Franziska Ritter)
| Bild: rbb/Franziska Ritter

Salicornia, Löffelkraut und Palmkohl

Kein Land, um Getreide, Obst und Gemüse anzubauen: Wovon soll sich die Menschheit dann ernähren? Die Forscher um Julia Vogt untersuchen, inwiefern uns Algen, Grillen und Quallen als Nahrungsquelle dienen könnten. Meerespflanzen wie Salicornia haben laut Voigt den Vorteil, dass sie in sehr salzhaltigem Wasser wachsen. Sie könnten in Zukunft verstärkt als Gemüse, Gewürz oder in Form eines Smoothies auf den Tisch kommen, so die Biochemikerin. Deshalb haben die Forscher aus Großbeeren daraus einen Drink kreiert.

Zwei Messebesucher aus Potsdam nehmen eine Kostprobe. "Naja, der Geschmack war nicht schlecht, aber es könnte ein bisschen kräftiger sein. So, dass das nach irgendwas schmeckt. Nicht nur nach Salz und nach Grünzeug sozusagen", lautet das Resultat. Die beiden Männer können sich nur schwer vorstellen, dass wir uns in Zukunft von Salzpflanzen ernähren.

Nahrung aus dem Bio-Reaktor

Zu den insgesamt neun Wissenschaftseinrichtungen, die sich an "Food 4 Future" beteiligen, gehören unter anderem auch die Technische Hochschule Wildau und das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt mit mehr als 5,7 Millionen Euro. 

Neben der Frage, was in Zukunft auf unserem Speiseplan steht, geht es darum, wo und wie sich solche Organismen im großen Stil züchten lassen. Die Forscher sprechen von bio-urbanen Räumen, die in Kellern, Tunneln und leer stehenden Gebäuden entstehen sollen. "Schon jetzt wohnen mehr als 50 Prozent der Deutschen in Städten", sagt Julia Vogt und geht davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf über 85 Prozent steigen wird. "Deshalb wollen wir die Produktion in die Stadt bringen."

Um nicht in Konkurrenz zu Wohnraum zu treten, der in Metropolen wie Berlin schon jetzt knapp ist, entwickeln die Forscher modulare Bio-Reaktoren, die man jederzeit auf- und abbauen kann. Das Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung entwickelt passende Kunststoffe, in die LED-Leuchten integriert werden sollen. Die Nahrung der Zukunft wächst offenbar nicht mehr auf dem Feld, sondern in Bottichen und Behältern, die mit UV-Licht bestrahlt werden.

 

Beitrag von Franziska Ritter

2 Kommentare

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  1. 2.

    wenn man den Zins und Zinseszins abschaft geht der Kapitalismus zu Grunde und mit ihm das mit allermacht nach Geld-strebende verschwenderische Konsumverhalten der Gesellschaft.
    und keiner muss den Fischen den Lebensraum wegfressen.

  2. 1.

    Auweia da wird einem ja schon schlecht beim lesen. Pfui Teufel. Nee, also bei aller Liebe...das geht absolut nicht!

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