Haferdrink, Sojadrink und Reisdrink (Quelle: imago images/Niehoff)
Audio: Inforadio | 18.01.2020 | Franziska Ritter | Bild: imago images/Niehoff

Hafer, Soja, Mandel - Pflanzliche Konkurrenz für Kuhmilch wächst

Milchalternativen aus Hafer, Soja oder Mandel werden bei Verbrauchern immer beliebter. Ein Haferdrink-Hersteller versucht, seine Produkte als Getränk der Klimaretter zu vermarkten. Die Milchwirtschaft hält dagegen. Von Franziska Ritter

"Wie Milch, aber für Menschen gemacht": Mit solchen Werbesprüchen sorgt der schwedische Hafermilch-Hersteller Oatly für Aufmerksamkeit. Das Unternehmen, das in den 1990er Jahren von einem Chemieprofessor gegründet wurde, ist seit anderthalb Jahren auf dem deutschen Markt. In dieser Zeit ist das Unternehmen zur beliebtesten Haferdrink-Marke der Deutschen geworden.

Im vergangenen Jahr haben Anbieter wie Alpro, Oatly und Alnatura mehr als 288 Millionen Euro mit Milchersatzgetränken umgesetzt. Auch die Wachstumsraten der Branche sind bemerkenswert: Innerhalb eines Jahres ist der Markt für pflanzliche Alternativen laut Branchenzahlen um 23 Prozent gewachsen. Gab es Soja-, Mandel- und Haferdrinks lange nur in Bioläden, gehören sie inzwischen zum Sortiment großer Supermärkte.

CO2-Fußabdruck auf der Verpackung

Als wichtigstes Argument für den Umstieg von Kuh- auf Pflanzenmilch führt Tobias Goj von Oatly Deutschland den Klimawandel ins Feld. "Wir setzen viel weniger CO2 in der Herstellung frei", sagt er und stellt eine Rechnung auf: Verglichen mit den Treibhausgasen, die bei der Produktion eines Liters traditionell erzeugter Milch entstehen, fielen bei der Herstellung eines Haferdrinks 80 Prozent weniger Kohlendioxid und andere Klimagase ein. Um Kunden ein Verkaufsargument zu liefern, schreiben die Schweden den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte auf die Verpackung.

Den CO2-Fußabdruck verschiedener Lebensmittel zu vergleichen, ist komplex. Oatly arbeitet mit einem Göteborger Team von Wissenschaftlern zusammen, das Klimaauswirkungen berechnet. Es fließt ein, wie viele Emissionen vom Anbau der Pflanze bis zur Auslieferung ins Geschäft entstehen. Dass der Haferdrink-Produzent seine Prodikte überwiegend in Schweden produziert und anschließend nach Deutschland transportiert, schmälere die CO2-Bilanz, räumt Goj ein. "Das hat aber einen relativ kleinen Einfluss", sagt er.

Gesellschaftliches Engagement oder Marketing?

Das Unternehmen hat sich den Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahne geschrieben und setzt dabei auf ungewöhnliche Methoden. Ende 2019 brachte es eine Petition in den Deutschen Bundestag ein. Demnach soll auf allen Lebensmitteln künftig angegeben werden, wie viele Treibhausgase deren Herstellung verursacht.

Mehr als 50.000 Menschen unterstützten die Aktion, jetzt muss sich die Politik damit befassen. Tobias Goj betont, dass es hier um mehr als geschicktes Marketing gehe. "Es sind ja nicht wir, die das Thema treiben, sondern die Gesellschaft. Viele Menschen möchten einen Wandel in der Landwirtschaft sehen."

Hans Foldenauer ist für den Bundesverband deutscher Milchviehhalter auf der Grünen Woche in Berlin unterwegs. Er sieht eine verbindliche CO2-Kennzeichnung gelassen. "Wir haben keine Sorgen, dass Milch da grundsätzlich schlechter abschneidet – sofern sie regional und auf Basis von Grünfutter erzeugt wird", sagt er.

Auch Kühe tragen zum Klimaschutz bei

Der Allgäuer bewirtschaftet mit seiner Familie einen Hof mit 90 Kühen, die überwiegend auf der Weide stehen. Seiner Meinung nach spricht aus Klimasicht einiges für die Milchwirtschaft: "Wenn wir unsere Wiesen nicht mehr beweiden, dann stoßen sie zusätzliche Treibhausgase aus", warnt er.

"Die Milchindustrie vermittelt gerne das Bild der glücklichen Kuh auf der Weide, aber so sieht die Realität nicht aus", entgegnet Tobias Goj. Natürlich gebe es Weiden, auf denen Bio-Kühe stehen. Das Problem liege in der Massentierhaltung, wenn Kühe auf wenigen Quadratmetern in Ställen gehalten werden und nie Tageslicht sehen.

Doch auch die Produktionsbedingungen von Pflanzendrinks sind nicht immer unproblematisch. In Südamerika werden für den Anbau von Soja oft Regenwälder gerodet, mancherorts ist Gentechnik im Spiel. Mandelbäume brauchen Unmengen an Wasser, um zu wachsen. Hafer indes, der fast überall wächst, ist aktuell die beliebteste Milchalternative der Deutschen.

Beitrag von Franziska Ritter

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28 Kommentare

  1. 28.

    Das Märchen mit den Hormonen ist schon lange wiederlegt. Was Sie wissen sollten der menschliche Körper bildet ein Vielfaches mehr an Hormonen als Sie über die Milche aufnehmen können. Sie sollten sich mehr über die Phytoöstrogene von Soja sorgen machen. Nicht umsonst ist Soja-basierte Babynahrung nur gegen ein Rezept erhältlich.

  2. 27.

    ....die Nachteile des Milchtrinkens aber auch. Milch enthält Wachstumshormone, die beim Menschen Krebs erzeugen können. Ganz vorne Prostata-krebs. Der Mensch ist auf dem Planeten die einzige Spezies, die die Muttermilch einer anderen Spezies trinkt. Dann könnte man genausogut auch Milch von Schweinen, Hündinnen oder allen anderen weiblichen Tieren trinken.

  3. 25.

    Die Vorteile des Milchtrinkens sind wissenschaftlich belegt. Hafermilch ist Livestyle da kann man auch Wasser trinken, was zu dem besser für das Klima ist.

  4. 24.

    Ich als Veganerin finde es super, dass es jetzt so viele rein pflanzliche Alternativen gibt. Weiter so! :-)

  5. 23.

    Wär schön wenn denn mal der Steuervorteil für die Milch abgeschafft würde und pflanzliche Milch den gleichen niedrigen Steuersatz hätte.

  6. 22.

    dann schauen Sie mal, was die Industrie inzwischen für veganes Zeug zusammenmixt. Einfsch mal die Inhaltsstoffe anschauen. Das ist genau so schlimm, wie verarbeitetes Fleisch. Ernähren kann man sich auf alle möglichen Arten. Gesund ist für mich Mischkost und Abwechslung. Dabei achte ich auf Qualität und Inhaltsstoffe.

  7. 21.

    Wie ? Vegatarier, Veganer sollen kränklicher als Fleischesser sein?
    Tja, wenn man gekauften Gutachten, Gefälligkeitsgutachten und den korrupten "Wissenschaftler" glauben schenken will....peinlich, wenn wer nicht durchschauen kann, bzw. will, dass die milliardenschwere Industrie keinen Skruppel kennt....Ja...Fleisch, Milch, Eier produzieren ist nahezu zur Gänze eine Industrie geworden, welche krank macht, das Grundwasser vergiftet, usw.....Go vegan....

  8. 20.

    Danke. Verträglichkeit ist bei Kuhmilch kein Problem. Wollte nur auch mal eine Alternative finden.

    @ Silvio. Ich nehme an, die Antwort war nicht für mich, denn sie macht keinen Sinn auf meinen Kommentar. Nur noch der Hinweis, dass bei Asiaten Grundsätzlich ein Enzym fehlt. Der Vergleich ist also Nonsens

  9. 19.

    Ich trinke Milch....und das von der Kuh. Was andere machen ist mir egal. Jeder so wie er es für richtig hält.

  10. 17.

    Ja, verstehe ich gut! Probier mal Hafermilch.
    Die ist lecker, besser verträglich, Hafer gilt als supergesund. Und kommt aus Deutschland.

  11. 16.

    Einfach einmal informieren die Vorteile des Milchtrinkens sind wissenschaftlich belegt. Aber es gibt immer welche die jeden Blödsinn glauben welcher im Internet zu finden ist.

  12. 15.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Frau Ritter den Artikel hinlänglich der "Süd-Amerika Sojaanbau" Thematik korrigiert. Das Argument ist schlicht weg falsch und ein leider immer noch gängiger Irrglaube.

    Der Anbau von Soja in Regenwäldern dient vorrangig dazu Futtermittel u.a. für Deutschland herzustellen. Das Soja was wir in Deutschland direkt(und nicht über den Umweg über Fleisch) konsumieren stammt zum Großteil aus Europa. https://www.spiegel.de/wirtschaft/sojaanbau-in-suedamerika-entwaldung-fuer-deutsches-tierfutter-a-1199151.html

  13. 14.

    Milchsäurebakterien gibt es nicht nur in der Milch. Ohne die gäbe es nämlich sonst kein Sauerkraut, kein Sauerteig, usw. ;-)

  14. 13.

    Es gab Zeiten, da wurde massiv für Milchprodukte geworben. Man sollte Milch in rauen Massen konsumieren, so die Propaganda. Vor ca 100 Jahren und davor war das nicht möglich: die Tiere waren noch nicht zu Milchmaschinen gezüchtet worden, und die Kühlmöglichkeiten waren auch nicht so umfassend wie heute. Alleine aus diesen beiden Gründen kann ich mir nicht vorstellen, das Milch tierischen Ursprungs so umfassend wichtig ist für die menschliche Ernährung. Und @Karsten: Kinder brauchen Muttermilch. Fremdmilch ist immer eine Notlösung. Und wenn Kinder aus dem natürlichen Stillalter raus sind, brauchen sie auch eigentlich keine Fremdmilch. Kuhmilch ist schließlich für Kälbchen.

  15. 11.

    Wenn ein klar denkender Mensch die Tabelle unter
    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2007/daz-3-2007/kinder-brauchen-viel-calcium-stimmt-das
    ansieht und nachrechnet, bermerkt man, dass der Milchkonsum auf dieser Welt völlig abstrus ist.
    Asiaten trinken übrigens keine Milch, warum brechen die Körper dieser Menschen nicht, nur weil sie keine Mick konsumieren.

  16. 9.

    Vegan heisst natürlich alles Gesund.Zur Studie:...Dann haben die Forscher verglichen: In welcher Gruppe gab es die meisten Erkrankungen – von Krebs, über Asthma bis zur Depression? Das überraschende Ergebnis: Vegetarier haben fast doppelt so oft eine Allergie wie die Menschen, die viel Fleisch essen (30,6 zu 16,7 Prozent). Bei Krebs das gleiche Bild: Während 4,8 Prozent der untersuchen Vegetarier an Krebs litten, waren es bei den Fleisch-Fans nur 1,8 Prozent. Auch bei den psychischen Krankheiten lagen die Vegetarier vorne (9,4 zu 4,5 Prozent).Ich werde auf jeden fall weiterhin meine Milch/Kakao trinken,und ich bleibe beim Fleisch.
    E-Autos/Akkus sind auch Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung, Menschenleid.
    Aber werden in Massen produziert.Denk mal drüber nach.

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