Archivbild: Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) steht am 26.10.2018 neben einem Forschungsprototyp eines Feldroboters der Universität Hohenheim zur mechanischen Unkrautbekämpfung und der damit verbundenen Reduzierung des Herbizideinsatzes.
Audio: Inforadio | 21.01.2020 | Franziska Ritter | Bild: dpa/Marijan Murat

Roboter und Drohnen auf der Grünen Woche - Hightech für den Acker von morgen

Zu viel Stickstoff auf dem Acker, zu viel Nitrat im Grundwasser: Die Landwirtschaft muss umweltverträglich werden. Ausgerechnet Roboter und Drohnen sollen einen Beitrag dazu leisten. Von Franziska Ritter

Durch die Messehallen der Grünen Woche kurvt ein autonom fahrender Roboter, der auf den Namen "Oz" hört. Er orientiert sich per Sensor und trägt am Hinterteil eine Hacke, mit der er theoretisch Unkraut auf einem Gemüseacker und Obstbeet beseitigen könnte. "Landwirte sparen dadurch Kosten, weil sie auf diese Weise weniger Chemie auf ihren Feldern einsetzen müssen", sagt Jörg Migende von der Firma Baywa, die den motorisierten Unkrautjäger auf der Agrarmesse präsentiert: "Wenn man sehr gezielt mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln arbeiten kann, nützt das natürlich der Umwelt."

Unkrauthacker auf der Grünen Woche 2020 (Quelle: rbb/Franziska Ritter)
Dieses Gefährt spürt mit Sensoren Unkraut auf | Bild: rbb/Franziska Ritter

Neben "Oz" testet der bayerische Agrarkonzern weitere digitale Helfer, die die Natur schonen und Landwirten das Leben erleichtern sollen. Dazu gehört beispielsweise ein solarbetriebenes Gefährt, das zwischen Weinreben selbständig den Rasen mäht. Auch eine GPS-gesteuerte Drohne, die über Maisfelder fliegt und dort Schlupfwespen abwirft, ist in Berlin zu sehen. Die Insekten zerstören die Eier eines gefürchteten Schädlings, des Maiszünglers, der sonst mit der Chemiekeule bekämpft wird.

Was die Technologie ausbremst

Um solche Dienste anbieten zu können, braucht es passende IT-Anwendungen und Satellitenbilder von den Feldern. Die Baywa-Tochter Farmfacts, ebenfalls aus Bayern, hat sich darauf spezialisiert. Sie kann beispielsweise anhand von Luftaufnahmen erkennen, wo auf einem Acker am meisten wächst. Dadurch lässt sich besser abschätzen, wo wie viel gedüngt werden muss - und wo nicht. "Das heißt, jedes Kilo Dünger landet am Ende in der Pflanze und nicht im Grundwasser", sagt Geschäftsführer Josef Bosch.

Wespendrohne auf der Grünen Woche 2020. (Quelle: rbb/Franziska Ritter)
Per Drohne werden Schlupfwesen über Maisfeldern abgeworfen, um Schädlinge zu bekämpfen | Bild: rbb/Franziska Ritter

Technisch ist schon viel möglich, doch es gibt Hürden für die digitale Technik. Um Feldroboter und Drohnen zu steuern, braucht es schnelles Internet. Das ist im ländlichen Raum nicht flächendeckend verfügbar. Und: Feldroboter müssen erkennen, ob sie auf eine Pflanze - oder auf ein Tier oder einen Menschen zufahren und im richtigen Moment stoppen. Es herrscht allerdings Unsicherheit, wer haftet, falls es zu einer Kollision kommt. "Es gibt noch nicht genügend Vorfälle, die juristisch aufgearbeitet worden sind und aus denen die Branche lernen kann", erklärt Jörg Migende. Die fehlende Rechtssicherheit für Landwirte bremse die Technologie aus, moniert er.

Bis zu 25.000 Euro an Zuschüssen

Neben rechtlichen Fragen stellt sich natürlich die Frage nach der Finanzierung: Nicht jeder Bauer kann sich Roboter und Drohnen leisten. Einige Bundesländer bieten finanzielle Hilfen an. In Bayern können Landwirte, Winzer und Gartenbaubetriebe beispielsweise eine Förderung von bis zu 25.000 Euro beantragen, wenn sie sich digitale Ackergeräte anschaffen und damit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

Beitrag von Franziska Ritter

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2 Kommentare

  1. 2.

    Spielzeug statt Wissenschaft. Die Felder der Zukunft brauchen keine Acker.
    Man benötigt nur in der Zukunft Gewächshäuser mit Saatgut, Kunstlicht, Wasser und Nährstoffe. Pflanzen benötigen keine Erde. Feldwirtschaft ist in einigen Jahren obsolet.

    Quelle:
    „Wir müssen in der Lage sein, in Zukunft die Megacitys zu ernähren“ (Toshiba)
    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/kopfsalat-statt-mikrochips-toshiba-zuechtet-jetzt-gemuese/12842382.html

  2. 1.

    Hier können Extinction-rebellion und Friday for Future Aktivisten durch Mitarbeit mehr bewegen als wenn man ergebnislos blockiert, gängelt und nötigt - Schade um die vergeudete Zeit, was auch klimaschädlich im weiteren Sinne ist (das versteht nun nicht jeder).

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