Ernte mit einem alten Trecker
Audio: Inforadio | 17.01.2019 | Interview mit Axel Vogel (Grüne) | Bild: ZB/Jens Büttner

In fünf Jahren auf 20 Prozent - Brandenburg will Öko-Anteil in der Landwirtschaft erhöhen

Berliner Politiker beschweren sich immer wieder, dass Brandenburg zu wenig Bio-Lebensmittel liefert. Zum Start der Grünen Woche wurde diese Forderung nun erneut erhoben. Landwirtschaftsminister Vogel gelobt Besserung - doch die Bauern sind skeptisch.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) will die Öko-Landwirtschaft in der Region stärken. In den kommenden fünf Jahren wolle man erreichen, "dass der Öko-Anteil von 12,9 Prozent unserer Landwirtschaftsfläche auf 20 Prozent ausgeweitet wird", sagte der Grünen-Politiker am Freitag im rbb.

Voraussichtlich bis 2050 wolle man es schaffen, komplett auf Bio umzustellen, so Vogel. Das aber gehe nur mit den Bauern. Voraussetzung sei auch, dass "die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen vorhanden sind. Auch da haben wir aktuell noch Probleme."

Für eine Umstellung der Tierhaltung hin zu einer ökologischen Produktion und mehr Tierschutz gebe es bereits genügend Fördermittel, die jedoch von den Landwirten nicht genutzt würden, betonte Vogel. "Diese Mittel werden bisher nicht in Anspruch genommen, fast überhaupt nicht, viel zu wenig." Dort sei "noch richtig Luft nach oben". Derzeit fehlten dafür jedoch auch noch Beratungsmöglichkeiten. Ziel sei deshalb, ein Kompetenzzentrum in Brandenburg aufzubauen.

Landwirte sehen Berliner Markt als gesättigt an

Berlins Verbrauchersenator Dirk Behrendt (Grüne) hatte zuletzt erneut an die Brandenburger Bauern appelliert, verstärkt auf Bio-Landwirtschaft zu setzen. Berlin habe den weltweit größten Markt für Bio-Lebensmittel. Es gelinge aber noch nicht, die Nachfrage regional zu bedienen.

"Wir wollen den Berliner Bedarf nach Möglichkeit befriedigen", sagte Vogel im rbb-Inforadio. Dies sei jedoch angesichts der großen Einwohnerzahl von rund 3,5 Millionen nicht leicht. In einigen Bereichen könne Brandenburg bereits ausreichend Agrarprodukte nach Berlin liefern, unter anderem bei der Getreidesorte Roggen, betonte Vogel. "Die Schwierigkeiten sind in anderen Bereichen, vor allen Dingen bei Gemüse und Obst könnte Brandenburg wesentlich mehr produzieren."

Die Mit-Organisatorin der für Freitag geplanten Traktoren-Sternfahrt, Johanna Mandelkow, widersprach der Darstellung aus Berlin. Der Berliner Markt für Bio-Produkte sei gesättigt, so Mandelkow im rbb. Die Verbraucher müssten eher wieder den wahren Wert der regionalen Waren zu schätzen lernen und sich bereit erklären, mehr für regionale Produkte zu zahlen.

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9 Kommentare

  1. 8.

    Ich danke den Bauern schon im Voraus.

  2. 7.

    Sollen doch die abgehobenen Berliner Politiker selbst nach Brandenburg gehen und Öko-Landwirtschaft betreiben. Die meisten von ihnen würden das erste Mal in ihrem Leben arbeiten und würden dann sehen, wie es um die Realisierung ihrer Forderungen steht.

  3. 6.

    Heißt aber nicht, dass es auch benutzt wird. Es gibt genug Biobauern, die keine Chemie benutzen.

  4. 4.

    @N1: Welche synthetischen Pestizide dürfen denn bitte bei mit EU-Biosiegel gekennzeichneten Produkten angewandt werden? Wo ist das festgelegt? Meines Wissens nach dürfen synthetische Pestizide nicht eingesetzt werden. Wikipedia sieht das auch so.

  5. 3.

    Meine Güte. Was soll denn das alberne, unrealistische Bild mit dem Kleinsttraktor? Soll ökologische Landwirtschaft etwa zurück zur Steinzeit bedeuten? Na dann gute Nacht. Dann bin ich mal gespannt, wie man mit solch vorsintflutlichen Mitteln 82 Millionen Menschen ernähren will. Diese bornierte Realitätsferne ist einer der Gründe, warum ich niemals Grün wählen würde.

  6. 2.

    Planwirtschaft is coming dank der Grünen. Kein Markt aber es soll produziert werden. Verlogen ist Bio-Lobby welche dem Verbraucher suggeriert Bio sei ohne chemische Pestizide machbar. Als erstes sollten chemische Pestizide bei Bio verboten werden.

  7. 1.

    „ Die Verbraucher müssten eher wieder den wahren Wert der regionalen Waren zu schätzen lernen und sich bereit erklären, mehr für regionale Produkte zu zahlen.“. Na klar... Höhere Preise sind immer die Lösung.... Unglaublich liebe Bauern. Für Qualität zahle ich gerne, nur für Regionalität nicht. Bei der Nahrung kommt es mir auf Qualität an. Da ist mir der Hersteller und der Herstellungsort egal.

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