Eine Verkäuferin gibt auf der Grünen Woche 2020 den Helfern der Berliner Tafel Kuchen. (Quelle: rbb/Stefanie Brockhausen)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.01.2020 | Stefanie Brockhausen | Bild: rbb/Stefanie Brockhausen

Tafel sammelt auf der Grünen Woche - Im Eiltempo durch die Messehallen

Sie kommen, wenn die Besucher gehen: Die Berliner Tafel sammelt jeden Tag Lebensmittel auf der Grünen Woche ein. Denn dort wird längst nicht alles verbraucht und verkauft. Mehrere Tonnen Lebensmittel kommen so jedes Jahr zusammen. Von Stefanie Brockhausen

Hans-Hermann Keune ist etwas im Stress. Die Aussteller machen auf der Grünen Woche gleich Feierabend – und die Helfer von der Berliner Tafel sind spät dran. Jetzt heißt es: schnell sein. Handschuhe an, weiße Leibchen übergestreift – dann ziehen sie in kleinen Gruppen los. 15 von 27 Hallen grasen sie ab. "Wir wollen das haben, was die Händler sonst wegschmeißen würden", sagt Keune und dirigiert die Gruppe durch das Foyer. "Das Geöffnete, das Angebratene - das, was am nächsten Tag nicht mehr verwendet wird."

Unterwegs mit Roll-Wagen und Klappkisten

Keune, ein freundlicher Mann mit kurzem Vollbart und Brille, ist an diesem Abend einer der Gruppenleiter. Seit 26 Jahren ist er bei der Tafel, quasi von Anfang an, und Mitglied im Vorstand. Nun hat er fünf Leute im Schlepptau, überwiegend junge Studierende, die schon öfter bei der Tafel ausgeholfen haben. Alle tragen die gleichen weißen Leibchen mit grüner Tafel-Aufschrift. Das schützt die Kleidung und die Helfer sind sofort erkennbar.

Sie schieben zwei kleine Rollwagen vor sich her, beladen mit leeren Klappkisten, Alufolie, Küchenrolle, blauen Eimern und Handschuhen. Ihr Ziel: Die Brandenburg-Halle 21a. "Da ist immer viel Essen abzugeben", sagt Keune. "Dort lebt man ja vom Imbiss. Wir sammeln von beiden Seiten ein und treffen uns dann in der Mitte."

Hans-Hermann Keune von der Berliner Tafel (Quelle: rbb/Stefanie Brockhausen)Hans-Hermann Keune ist seit 26 Jahren bei der Berliner Tafel

"Wir spenden gerne"

Die Grüne Woche ist für die Berliner Tafel immer ein Großeinsatz. Seit 1996 sammelt der Verein Lebensmittel ein - im vergangenen Jahr kamen während der Messe mehr als 15 Tonnen zusammen. Das Essen wird noch am gleichen Abend an verschiedene Einrichtungen verteilt, etwa Obdachlosenunterkünfte, Wohnheime oder die Berliner Stadtmission. Tausende Bedürftige freuen sich über die Waren, die sonst im Müll landen würden.

Brote, belegte Brötchen, Kuchen, Suppen, Käsespieße, Würstchen oder Gemüse – bei manchen Ausstellern bleibt jeden Tag etwas übrig. Eine Bäckereiverkäuferin hievt zwei Kisten voll Brot über den Tresen. "20 Kisten haben wir geliefert bekommen. Das ist jetzt der kleine Rest, der zum Beispiel als Dekoration am Tresen liegt", sagt sie. "Das spenden wir gerne. Dafür sind wir bei der Grünen Woche ja auch ein bisschen da." Zwei der Helfer packen das Brot in mitgebrachte Beutel, ein anderer Ehrenamtlicher hat derweil einen Eimer Rostbratwürstchen eingesammelt. "Vom Grill, noch warm", sagt er und schiebt den Wagen weiter zum nächsten Stand.

Alkohol und Tiefkühlware sind tabu

"Es ist auch schön, dass wir jeden Abend sehen, wie wir uns etablieren, dass die Leute mitunter schon auf uns warten", sagt Hans-Hermann Keune. "Das Glück hatten wir am allerersten Abend nicht." Ein Gurkenbauer aus dem Spreewald hat schon Schmalzstullen beiseite gelegt, ein anderer Bäcker Kuchen und Quarkbällchen. Alkohol ist tabu, auch Tiefgekühltes kann die Tafel nicht mitnehmen, da das Essen antauen könnte. Tabu ist auch: selbst essen und trinken. "Wenn wir kauend am Auto stehen, sieht das immer doof aus. Als würden wir uns selber die Bäuche vollschlagen." Auch auf Hygiene müssen die Helfer achten. Jeder trägt Handschuhe, das Essen wird sauber und transportsicher verpackt.

Es dauert nicht lange, da sind die Rollwagen der kleinen Gruppe gut gefüllt. "Schöne Ausbeute heute", sagt Hans-Hermann Keune zufrieden. "Ich weiß nicht genau, wo das hingeht, das entscheidet sich ein bisschen danach was wir haben. Die Bahnhofsmission am Zoo zum Beispiel nimmt nur fertiges Essen, belegte Brötchen zum Beispiel, aber nichts, was sie zubereiten müssen. Andere Einrichtungen kochen auch, da können wir dann auch Gemüse hinbringen."

Hans-Hermann Keune wird auch an den nächsten Abenden wieder durch die Brandenburg-Halle laufen – und jedes Mal mehrere Hundert Kilo Lebensmittel in sein Auto laden. 

Unterwegs mit der Berliner Tafel auf der Grünen Woche

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.01.2020, 18:40 Uhr

Beitrag von Stefanie Brockhausen

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5 Kommentare

  1. 5.

    Rentner die nur eine kleine Rente haben und zur Tafel gehen, sollen sich selber helfen? Wie denn bitte? Mit 70 nochmal arbeiten? Ich bitte um Lösungsvorschläge. Es ist schon traurig, dass sie Pfandflaschen sammeln oder am Monatsende ein halbes Brot beim Discounter "einstecken"

  2. 4.

    Was ist am Sammeln von Lebensmitteln nicht sinnvoll, wenn sie unnötig in dem Müll entsorgt werden sollen?? Ich kann keinen Zweifler verstehen...

  3. 3.

    Beschämend ist das in Deutschland immer nach dem Staat geschriehen wird und viele es nicht für nötig halten sich einfach mal selbst zu helfen.
    Ich denke, bis auf wenige härtefälle, bräuchte kein Mensch in Deutschland die Tafel.

  4. 2.

    Seien Sie nicht zu streng mit unseren Politiker Innen. Einige bedienen doch auch bei Frank Zanders Event. Ist doch ne Leistung. Die Tafel löst die Probleme nicht. Ich bezweifle mittlerweile ob die Tafel überhaupt sinnvoll ist. Sie festigt ja den Status Quo.

  5. 1.

    Beschämend,das in Deutschland Menschen auf Tafeln angewiesen sind !!!
    Immerhin erhöhen sich unsere Volksvertreter Automatisch die Bezüge.
    Nur für viele des Volkes ist kein Geld da.

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