18.01.2020, Berlin: Demonstranten mit Schweine- und Schafkopfmaske demonstrieren vor dem Brandenburger Tor, anlässlich der Agrar- und Ernährungsmesse "Grüne Woche". (Quelle: dpa/Gateau)
Audio: Inforadio | 26.01.2020 | Johannes Frewel | Bild: dpa/Gateau

Bilanz der Agrarmesse - Grüne Woche verdeutlicht Gräben in der Agrarwirtschaft

Umweltschutz, Bio-Landwirtschaft, Proteste gegen strengere Richtlinien: Selten war die Grüne Woche so politisch aufgeladen wie in diesem Jahr. Der Veranstalter verzeichnete diverse Rekorde, doch im Vordergrund standen die Streitthemen einer ganzen Branche.

Eine Bundesministerin streichelte einen Zuchtbullen, Ministerpräsidenten lobten Gürkchen - doch dann waren da auch noch wütende Traktor-Fahrer und eine geschundene Schweinefigur: Die Grüne Woche Berlin war in diesem Jahr neben allen lokalen und internationalen Schlemmereien vor allem von Politik geprägt. Die am Sonntag zu Ende gegangene Messe sei in diesem Jahr "ein Spiegelbild der aktuell geführten gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz" gewesen, erklärte Messechef Christian Göke in einem Fazit am Wochenende.

Dass die Messe vom 17. bis zum 26. Januar für die Veranstalter ein "Traumstart" ins neue Jahr war, wie Göke sagte, belegten dann auch die Zahlen: Mehr als 52 (Vorjahr: 51) Millionen Euro gaben die Besucher der Agrarmesse in diesem Jahr für Waren und Konsum vor Ort aus, wie die Veranstalter mitteilten. So besuchten wie im Vorjahr rund 400.000 Menschen die Messe, darunter rund 90.000 Fachbesucher (2019: 85.000) aus 75 Ländern. Die 1.810 Aussteller kamen aus 72 Ländern - im Jahr davor waren es erst 61 Länder. Die Messe Berlin sprach von einer Rekordbeteiligung.

"Gewisse Parallelwelten" in der Ernährungsbranche

Eine Rekordlautstärke erreichte politisch dabei zunächst vor allem das Eröffnungswochenende. Erst zogen bundesweit Trecker-Demos durch die Straßen - organisiert von der Bauerninitiative "Land schafft Verbindung", die etwa gegen neue Dünge- und Umweltauflagen protestierte und Mitspracherecht forderte. Mit Slogans wie "Ich wollt, ich wär' kein Huhn" protestierten dagegen andere Bauern, Umweltschützer und weitere Tausende Teilnehmer in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine umweltschonendere Landwirtschaft.

"Gewisse Parallelwelten" seien zwischen Bauern und Ernährungsbranche auf der einen und ihre Kunden und Kritiker auf der anderen Seite entstanden, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) während ihres Eröffnungsrundgangs. "Es ist notwendig wie nie zuvor, dass beide Seiten aufeinander zu gehen. Wir müssen Stadt und Land zusammen bringen."

"Der Dialog mit den Verbrauchern und der Politik war uns, nach diesem schwierigen Jahr für die Landwirtschaft, besonders wichtig", teilte dann auch Bauernpräsident Joachim Rukwied am Wochenende mit. "Für den Deutschen Bauernverband war die Grüne Woche wieder ein großer Erfolg."

Sendung: Inforadio, 26.01.2020, 18 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Hier ist scheinbar was schief gelaufen, oder warum behandeln hier alle älteren Kommentare das Thema PKWs in der City? Im Beitrag geht es doch nur um die Grüne Woche und Streitthemen der Landwirtschaft.

  2. 3.

    Es ist, wie (ach) schon immer mit der Berliner Politik: Immer nur reaktiv, seltens proaktiv (parteiunabhängig): Natürlich ist die durchschnittliche Zahl der Insassen von PKW's ungefähr werktäglich 1 und dieser Zustand ist langfristig nicht mehr akzeptabel. Aber ich stimme Flo insofern zu, dass jene, die (wie wir) tatsächlich nach Jahren auf den PKW verzichten, oder halt alle ÖFFI Nutzer, in der Ringbahn zwischen Fahrrädern, Trolleys und Rücksäcken Schnappatmung betreiben, um irgendwie anzukommen. Ich oute mich hier übrigens auch als "S-Bahnradfahrmitnehmerverneiner".
    Erst die Schlagzahl der S-Bahn aller neuralgischen Linie erhöhen und DANN Anreize zur Nutzung der Öffis bieten (s. Wien). Zum Glück sind die Berliner recht entspannt und geduldsam mit ziemlich vielen Unwägbarkeiten, aber man sollte es nicht zu sehr ausreizen....

  3. 2.

    Ich finde das Rückrudern gegen das Auto per se seitens der SPD begrüßenswert. Linke und Grüne tun so, als würden alle Züge und Busse komplett leer durch die Gegend gondeln. Rechnet man den Zeit- und Nervenverlust durch das allseits bekannte Verspätungs-Bingo der Bahn hinzu, kann mans keinem verübeln, wenn er sich dazu entscheidet sich das nicht antun zu wollen. Wer morgens um 7 mit der Ringbahn fahren will, hat Mühe, dass er überhaupt noch in den Waggon passt. Und das, wo alle Hauptverkehrsachsen bereits am Limit sind. Nur eine, kleine Verspätung hat einen Domino-Effekt für alle Züge dahinter zur Folge. Und selbst die Regionalzüge aus der Lausitz sind im Spreewald schon rappelvoll. Das sind alles Projekte, die nicht in 10 Jahren zu lösen sein werden.
    Anstatt Grüne und Linke ihre Zeit damit füllen sich zu überlegen wie man höchst hinterhältig Autofahrer terrorisieren kann, sollten erstmal vernünftige Planfeststellungsbeschlüsse für die derzeitigen Planungen stehen, damit die Bagger anrollen können. Aber allein am Gejammere über irgendwelche Sträucher auf der alten Stammbahntrasse von irgendwelchen Alt-68ern sieht man schon, mit exakt welcher Doppelmoral eben jenes Lager den Fortschritt seit Jahren verhindert. Leiden muss darunter die Allgemeinheit, denn der Siedlungsdruck in Brandenburg wird nicht geringer, als er sowieso schon ist.

  4. 1.

    Ich finde das Rückrudern gegen das Auto per se seitens der SPD begrüßenswert. Linke und Grüne tun so, als würden alle Züge und Busse komplett leer durch die Gegend gondeln. Rechnet man den Zeit- und Nervenverlust durch das allseits bekannte Verspätungs-Bingo der Bahn hinzu, kann mans keinem verübeln, wenn er sich dazu entscheidet sich das nicht antun zu wollen. Wer morgens um 7 mit der Ringbahn fahren will, hat Mühe, dass er überhaupt noch in den Waggon passt. Und das, wo alle Hauptverkehrsachsen bereits am Limit sind. Nur eine, kleine Verspätung hat einen Domino-Effekt für alle Züge dahinter zur Folge. Und selbst die Regionalzüge aus der Lausitz sind im Spreewald schon rappelvoll. Das sind alles Projekte, die nicht in 10 Jahren zu lösen sein werden.
    Anstatt Grüne und Linke ihre Zeit damit füllen sich zu überlegen wie man höchst hinterhältig Autofahrer terrorisieren kann, sollten erstmal vernünftige Planfeststellungsbeschlüsse für die derzeitigen Planungen stehen, damit die Bagger anrollen können. Aber allein am Gejammere über irgendwelche Sträucher auf der alten Stammbahntrasse von irgendwelchen Alt-68ern sieht man schon, mit exakt welcher Doppelmoral eben jenes Lager den Fortschritt seit Jahren verhindert. Leiden muss darunter die Allgemeinheit, denn der Siedlungsdruck in Brandenburg wird nicht geringer, als er sowieso schon ist.

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