Bienenzüchter beschäftigt sich mit der Produktion von Honig (Quelle: rbb/David Svoboda)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.01.2019 | Eva Kirchner | Bild: rbb/David Svoboda

Vier Tonnen verseuchter Honig - Glyphosat zwingt Biesenthaler Bio-Imker in die Knie

Ein Albtraum für jeden Imkerbetrieb: Familie Seusing aus Biesenthal muss tonnenweise Honig wegen zu hoher Glyphosatbelastung entsorgen. Der Betrieb steht vor dem Aus. Jetzt wollen sie der Landwirtschaftsministerin ein letztes "Geschenk" machen. Von David Svoboda

Familie Seusing kann ihren Imkerbetrieb in Biesenthal (Barnim) nicht mehr weiterführen. Erneut konnten bis zu 152-fach höhere Glyphosatrückstände in der aktuellen Honigernte vom Lebensmittelamt festgestellt werden. Insgesamt handelt es sich um etwa vier Tonnen nicht verkehrsfähigen Honigs, der vernichtet werden muss.

Die Verunreinigung hängt laut Sebastian Seusing mit dem Spritzen des umstrittenen Pflanzenschutzmittels auf angrenzenden Äckern zusammen. Die Standplätze der Bienenkästen werden bevorzugt auf ökologischen Höfen gesucht, was dennoch nicht garantiert, dass die Bienen ausschließlich ökologisch wachsende Pflanzen besuchen. Eine kleine Entschuldigung des vermeintlichen Verursachers habe es gegeben, allerdings kein Eingeständnis, sagt der Imker. 

Die 2009 von Sebastian Seusing gegründete Imkerei betreibt das Imkerpaar seit 2014 gemeinsam mit zwei bis drei Mitarbeitern im Vollerwerb. Es handelt sich um einen bewußt kleiner gehaltenen Betrieb, bei dem jeder an allen Aufgaben beteiligt sei, sagt Seusing. Es sei schon immer ihr Traum gewesen, ein "wunderschönes Produkt regional" herzustellen, sagt die gebürtige Französin Camille Seusing.

Vom Agraringenieur zum Imker

Die diplomierte Agraringenieurin wollte eigentlich nie Imkerin werden. Genau wie ihr Mann, der nach seinem abgeschlossenen Studium der ökologischen Agrarwissenschaften 2006 an der Uni Kassel auf Jobsuche nach Berlin kam. Sie wollte aber schon immer handwerklich arbeiten. Und weil ihr Opa schon Bienen hatte, hat sie bei einer kleinen Firma in Berlin gearbeitet, die Honig vermarktet hat. So kam sie in Kontakt mit Imkern und 2014 dann auch mit ihrem jetzigen Ehemann Sebastian, der da bereits seit fünf Jahren geimkert hatte. 

Dieser hatte über einen Freund, einen  Berufsimker, während des Studiums gemeinsam erste Erfahrungen gesammelt. "Das macht mir total Spaß, dieses blühende Leben zu sehen und diese Vermehrungseffekte bei den Bienen zu beobachten. Das ist einfach der totale Wahnsinn", sagt der jetzige Imker. "Ein sehr harter Beruf", ergänzt Camille Seusing. Von einem sehr intensiven Sommer spricht sie. Während andere in den Urlaub fahren würden, seien die Imker von April bis Ende September täglich draußen und erleben die Natur. Im Winter habe man mehr Zeit. Doch dieses Jahr werde alles anders. "Holterdiepolter" gehe alles, so die Imkerin. "Es kommt nicht viel dabei rum. Wir sind nicht reich", bemerkt sie.

Schaden von 60.000 Euro

Nun ist ihre Ernte von 2019 hochgradig belastet. Das haben mehrere Proben des zuständigen Lebensmittelüberwachungsamtes ergeben. Der Schaden: 60.000 Euro. Am Dienstag wurden auf dem Imkerhof im Biesenthal rund 100 Eimer mit je 25 Kilogramm Honig verladen, die seit dem Sommer im Betrieb gelagert werden. Dieser soll als Aktion vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin am Mittwoch an Ministerin Julia Klöckner (CDU) übergeben werden.

Sebastian Seusing fordert von der Politik ein grundsätzliches Verbot des Einsatzes von Pestiziden in blühenden Beständen, um Bienen und Imker zu schützen. Ähnliches fordert auch die Berliner Aurelia Stiftung zum Schutz der Biene. Mitarbeiter Johann Lüdke-Schwienost sagte, dass nicht nur die Bundesregierung aktiv werden müsse. Auch das Land Brandenburg habe genug Handlungsspielraum, um ein Anwendungsverbot für Glyphosat zu erlassen.

Sebastian Seusing rechnet nicht mit einem baldigen Verbot. Und auch ein Rechtsstreit auf Schadenersatz könnte sich wohl Jahre hinziehen. Und so ist die Entscheidung zusammen mit seiner Frau gefallen, den Imkereibetrieb aufzugeben, bevor die Existenz der kleinen Familie bedroht ist.

Beitrag von David Svoboda

Kommentar

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Antwort auf [Tom] vom 15.01.2020 um 17:39
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67 Kommentare

  1. 67.

    Es ist unmöglich in Biesenthal Ökohonig von freifliegende Bienen zu Ernten, in die Umgebung sind viel Konventionell wirtschaftende Betriebe und nun fängt dar ein Dödel an mit Ökohonig..... ich frage mich auch sehr stark in welcher Jahreszeit hier glyphosaat wohl ausgebracht worden ist in blühenden beständen....? Typisch ein versuch und auch gelungen Aktion die Konventionelle Landwirtschaft einen stoß zu geben....egal ob nun wohl oder nicht was nachgewiesen wurde, diese Honig durfte sowieso keine name BIO tragen weil das ist er nicht!!

  2. 66.

    Die Bedeutung von "In experimental plant communities" haben Sie verstanden? Wie gleichen sie in ihrer Ökotraumwelt den Nährstoffverlust aus?

  3. 65.

    Hr. Wolf-Gersdorff, ich will Ihnen danken. Wenn es nur annähernd mehr Menschen gäbe die aufgenommene Informationen auch richtig verstehen und anwenden würden, wäre wir alle ein riesiges Stück weiter. Steter Tropfen höhlt den Stein …

  4. 64.

    Ob wir auch eine Bescheinigung ueber die Entsorgung und das kein Geld geflossen ist fuer die alberne Aktion bekommen darf bezweifelt werden.

  5. 63.

    Sie koennen dann gerne Bio-Obst mit dem 152-Pestzid-Wert essen. Aber vieleicht sind Sie naechstesmal in der Lage sachliche Argumente zu finden.

  6. 62.

    meine Meinung :

    Jeder, der Glyphosat gut findet oder befürwortet, sollte einen 25 kg Eimer Honig von Familie Seusing bekommen.

    Und dann jeden Tag zum Frühstück mit den Kindern lecker genießen.

    Guten Appetit Frau Klöckner

  7. 61.

    Schade, dass das ZPS gerade seine Stele vor dem Reichtag abgebaut hat. Ich hätte da eine Idee für eine Nachverwertung gehabt.

  8. 60.

    Das liegt einfach daran, daß der einheimische Bedarf durch die hiesige Produktion gar nicht gedeckt werden kann.
    Immerhin steht das auf den Gläser, daß auch Import-Honig drin ist. Und selbst im Aldi kostet der billigste Honig mehr als 1,99.
    Und man kann auch direkt beim Imker kaufen. „Bio“ macht da freilich nicht viel Sinn, weshalb ja auch gerne gesagt wird, daß es beim Bioimker nicht um den Honig, sondern um die Bienen ginge.
    Lauf Artikel offensichtlich nicht. :)

  9. 59.

    "Genau wie die neuen Gifte die in der nächsten Reihe stehen und nur warten auf das Feld zu kommen. "
    Schön dass es einer wenigstens zugibt. Es geht in der Tat darum alle Pflanzenschutzmittel zu verbieten.

  10. 57.

    mir tut die Familie leid.... leider kann man Bienen noch nicht zwingen an die unverseuchte Pflanze zu fliegen. Die Bauern die das Glyphosat nutzen, müssten gezwungen werden ihr Zeug selbst zu nutzen. Bei unserem Honig war Glyphosat im Grenzbereich, aber vorhanden. So wie es mittlerweile auch schon in jedem Menschen enthalten ist... Das Giftzeug gehört endlich verboten! Genau wie die neuen Gifte die in der nächsten Reihe stehen und nur warten auf das Feld zu kommen.

  11. 56.

    Eine hervorragend treffende Feststellung
    "Ich begreife das nicht: In ganz Deutschland sind die Imker in der Lage, Honig zu erzeugen, der die Grenzwerte einhält. Nur Familie Seusing bekommt es immer wieder hin, dass ihr Honig ausgerechnet die Glyphosat-Grenzwerte reißt. Das ist doch komisch. Und jedes Mal wird das pressetechnisch ausgereizt. "

  12. 55.

    Das "Dreckszeug" hat Vorteile. Wenn Bericht wahr ,würde interessieren wie es zu solch einem Unfall kommen konnte. Blühende Pflanzen dürfen mit bestimmten Mitteln (Im Raps wenn Rapsglanzkäfer die Schadschwelle übertreffen) nicht behandelt werden. Wenn da bei mir etwas schief laufen würde, sind die Strafen so hoch das ich besser unbehandelt lassen kann.Verursacher wird eine hohe Strafzahlung erwarten. Ähnlich wie beim Handspiel im 16er 3(oder noch mehr(?) -fach Bestrafung. --- Hab ich im Frühjahr eine abgesoffene Winterweizen-Fläche,kann sie zeitig mit Glyphosat abtöten zusammen mit dem Ackerfuchsschwanz, und zeitig eine Sommergerste einsähen kann ich mit auskommenden Ertrag rechnen/hoffen. Alternative ohne Glyphosat? Warten das trocken ist,Umpflügen,warten, einsähen. Erträge schwächer. Aber wir könnnen bei Herrn Bolsonaro sicherlich in Zukunft endlos Getreide kaufen. :-(

  13. 54.

    Nehmen Sie einfach Honig aus China, da können Sie sicher sein kein % Honig drin zu finden, nur Zuckerwasser!

    Merke: Wo kein Honig, da kein Glyphosat! :-D

  14. 50.

    Wenn Sie hier schon Lobbyarbeit betreiben, dann wenigstens auf Rechtschreibung und Grammatik achten. Glyphosat braucht man für den Anbau in Monokultur. Das Mischkultur wesentliche Vorteile hat, kann man unter anderem hier nachlesen: https://www.nature.com/articles/nature13869
    Dass man im Misch- und Permakulturanbau kein Glyphosat oder andere Herbizide braucht, versteht sich von selbst. In guten Pflanzenpartnerschaften und permanenten Fruchtfolgen unterstützen sich Pflanzen gegenseitig und die Erträge sind hervorragend, übersteigen sogar die gelieferten Kalorien im Vergleich zum Ertrag der gleichen Fläche Monokulturanbau. Zudem gibt es weniger Hunger, wenn es ein Jahr ist, in welchem die Monokultur eingeht, in der Mischkultur diese Pflanze aber nur eine von vielen ist und es noch genug andere, zu erntende Pflanzen gibt. Es ist schon sehr lange bekannt, dass die kleinbäuerliche Mischkultur wesentlich besser vor Hunger schützt als "ertragreiche" Monokulturen samt Pestizideinsatz.

  15. 49.

    Wie teuer ist eigentlich so ein Glyphosattest. Wenn es nicht so teuer ist, können man mal Honig im Handel danach testen.

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