Eine Biokiste mit Obst und Gemüse wird in einer Berliner Küche ausgeräumt (Bild: imago/Thomas Trutschel)
Audio: Inforadio | 18.01.2020 | Karsten Zummack | Bild: imago stock&people

Regionaler Lieferdienst bei Neuruppin - Wenn der Kuhstall zum Warenlager wird

Bio - und am liebsten regional: Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt. Davon profitiert auch ein Lieferdienst in einem Dorf bei Neuruppin. Einst fing es mit sechs Kunden an, inzwischen sind es weit mehr als 2.000. Von Karsten Zummack

Etwa jeder fünfte Verbraucher sucht laut aktueller Umfrage im Internet nach Käse, Wurst, Gemüse oder Obst aus der Region. Darauf hat sich das Unternehmen "Landkorb" im kleinen Dörfchen Rohrlack nahe Neuruppin spezialisiert. Dort lassen sich Bio-Produkte online bestellen, die bis zur eigenen Haustür geliefert werden.

Landkorb-Chefin Kirsten Sattler reißt an der Tür eines ihrer acht Gewächshäuser. Es ist verwaist, der Boden matschig, teilweise mit Folie belegt. Die Gemüsekisten sind quer übereinander gestapelt – es sei eben zu kalt, sagt die resolute Unternehmerin: "Jetzt im Moment ist da wirklich Winterpause. Im Februar wird wieder angefangen, dann kommen die ersten Jungpflanzen, so dass wir Ende März, Anfang April dann auch die ersten Salate und Kräuter, Kohlrabi und Radieschen im Folienhaus haben."

Mit der eigenen Gärtnerei hat 1997 alles angefangen. Sattler erntete die ersten eigenen Produkte und lieferte privat nach Berlin. Ein Dominoeffekt setzte ein. Die Nachfrage nach Bio-Gemüse aus Brandenburg war immens: "Wir haben 1997 mit sechs Kunden angefahren und uns so langsam heraufgearbeitet auf unsere 2.100 Kunden", sagt die 54-Jährige.

Alles ist haargenau geplant

Um 2.100 Kunden von hier aus Woche für Woche mit Bio Lebensmitteln zu beliefern, wurde ein ehemaliger Kuhstall komplett zum Warenlager umgebaut. Das Geschäft muss haargenau geplant werden, sagt Logistikchef Olaf Traska. "Unsere Kunden bestellen bis zehn Uhr am Vortag, danach bestellen wir unsere Ware. Morgens wird die Ware verräumt und rausgesucht."

Hier eine Salatgurke, nebenan der Joghurt, im dritten Raum das Glas Marmelade oder das Pfund Röstkaffee. Über ein mechanisches Rollband laufen die Plastikkisten von Station zu Station. Die Mitarbeiter sind dick eingemummelt gegen die Kälte im Frischelager. Auf Bildschirmen erkennen sie, was der Kunde bestellt hat.

"Wo nichts ist, wollen wir was schaffen"

6.000 verschiedene Artikel bietet Landkorb an: alles Bio, vieles aus der Umgebung, betont Landkorb-Chefin Kirsten Sattler. "Insgesamt haben wir ungefähr 700 bis 800 Artikel, die direkt aus der Region stammen von 75 Partnern."

Käse aus der Uckermark, Pilze aus der Lausitz, Tofu aus Berlin und bald auch wieder Gemüse aus der eigenen Gärtnerei. Damit setzt der Bio Lieferdienst inzwischen fünf Millionen Euro um. Das sichert 40 Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region. "Wir haben immer gesagt: Da wo nichts ist, wollen wir etwas schaffen. Und das haben wir, glaube ich, ganz gut hinbekommen. Das Dorf Rohrlack war in einem desolaten Zustand, muss man sagen. Heute ist es eines der Vorzeigedörfer."

Beitrag von Karsten Zummack

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3 Kommentare

  1. 3.

    Solcherart selbst Initiative würde ich mir viel öfter im Osten wünschen, Daumen hoch.

  2. 1.

    Liebes RBB-Team,
    seit wann liegt Neuruppin in der Uckermark?

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