Archivbild: Unzählige Traktoren parken am 26.11.2019 am Schifferbauerdamm (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa

Bauern-Proteste am Freitag und Samstag - Die Traktoren rollen wieder nach Berlin

Zur Grünen Woche haben gleich zwei Bauern-Initiativen Demos zum Brandenburger Tor angemeldet - mit Tausenden Teilnehmern, aber unterschiedlichen Zielen: Die einen fordern schärfere Umweltvorgaben, die anderen lehnen sie ab. Beide werden den Verkehr lahmlegen.

Wegen zwei großen Demonstrationen von Landwirten wird es am Freitag und Samstag voraussichtlich zu Verkehrseinschränkungen in Berlin und Brandenburg kommen. An beiden Tagen haben zwei verschiedene Initiativen eine Traktoren-Sternfahrt durch die Mark zum Brandenburger Tor in der Hauptstadt angekündigt, wie die Polizei Berlin am Mittwoch mitteilte. Erwartet werden Tausende Bauern.

Gegen neue Düngevorschriften, für "faire Lebensmittelpreise" ruft für Freitag die Initiative "Land schafft Verbindung" deutschlandweit Landwirte zu Demonstrationen auf. Wie ein Sprecher am Mittwoch sagte, sind nach einer großen Protestaktion im November mit 8.600 Traktoren nun dezentral Aktionen geplant.

Von Brandenburg aus wird das Bündnis mit 500 angemeldeten Traktoren sternförmig bis nach Berlin zur Straße des 17. Juni fahren. Die Demonstration ist von 11 bis 19 Uhr angemeldet. Wegen der Anfahrt der Landmaschinen wird es auf Bundes- und Landesstraßen in Brandenburg und Berlin bereits am frühen Morgen zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Aufruf versteht sich als Gegendemonstration

"Wir wollen eigentlich maximal einmal im Jahr pro Stadt auftauchen. Wir möchten keine Leute verärgern, sondern wir wollen auf unsere Probleme aufmerksam machen", sagte "Land schafft Verbindung"-Sprecher Sebastian Dickow, der selbst einen Hof in Bayern betreibt.

Die Initiative ist aus einem losen Zusammenschluss von Bauern in einer Facebook-Gruppe hervorgegangen und hat bis heute keine rechtliche Struktur. Teilnehmer sind Verfechter der konventionellen Landwirtschaft. Sie werden das erste Mal anlässlich der Grünen Woche demonstrieren. Die Landwirtschaftsmesse hat sich seit 2011 eigentlich traditionell als Protestzeit von Ökobauern gegen die konventionelle Landwirtschaft etabliert.

"Land schafft Verbindung" sieht seinen Aufruf als Gegendemonstration zur Initiative "Wir haben es satt", einem Zusammenschluss aus Ökobauern und Umweltschützern.

Betroffene Straßen der Demo von "Land schafft Verbindung"

Die Straße des 17. Juni in Berlin wird in beiden Richtungen zwischen Ernst-Reuter-Platz und Großer Stern gesperrt. Hierzu werden Halteverbotsbereiche bereits von Donnerstagabend an ab 18 Uhr bis Freitagabend 19 Uhr eingerichtet.

Die Polizei Berlin empfiehlt, den Bereich am Wochenende sehr weiträumig zu umfahren und auf öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere U- und S-Bahn, auszuweichen.

Die Bauerndemo von "Land schafft Verbindung" wird am Freitag folgende Straßen befahren, die deswegen gesperrt werden.

  • Route Nord: Landesgrenze B2 Dorfstraße, Malchower Chaussee, Berliner Allee, Ostseestraße, Wisbyer Straße, Bornholmer Straße, Osloer Straße, Seestraße, Amrumer Straße, Föhrer Straße, Putlitzbrücke, Stromstraße, Lessingstraße, Bachstraße, Straße des 17. Juni
  • Route Süd: Landesgrenze B96 Kirchhainer Damm, Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm, Tempelhofer Damm, Platz der Luftbrücke, Mehringdamm, Wilhelmstraße, Hallesches Ufer, Potsdamer Brücke, Reichpietschufer, Von-der-Heydt-Straße, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee, Großer Stern, Straße des 17. Juni
  • Route West: Landesgrenze B5 Hamburger Chaussee, B2 Heerstraße, Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Bismarckstraße, Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni
Wegen der Sternfahrt der Bauern von "Land schafft Verbindung" im November stand der Verkehr in Berlin-Tiergarten und angrenzenden Bezirken still.
Sternfahrt der Bauern, Streckenverlauf (Quelle: rbb/Mappa)

Ökobauern für mehr Umweltschutz

Auch am Samstag findet eine Demonstrations-Sternfahrt mit Traktoren zum Brandenburger Tor zwischen 11 und 19 Uhr statt - allerdings von Gegnern der konventionellen Landwirtschaft. Das Bündnis "Wir haben es satt" ruft Ökobauern, Klima- und Tierschützer auf für eine umweltfreundlichere Agrarpolitik zu protestieren.

Zu diesem Bündnis haben sich rund 100 Organisationen zusammengeschlossen. Sie fordern eine neue Verteilung der EU-Agrarsubventionen. Statt die jährlich 60 Milliarden Euro der EU in die Landwirtschaft zu investieren, die Pestizide auf den Ackern einsetzt oder Massentierhaltung möglich macht, solle das Geld in einen umweltfreundlicheren Anbau und Vierwirtschaft ausgeben werden. Außerdem solle der Klimawandel in der Agrarpolitik eine wichtigere Rolle spielen. Bis zu 15.000 Teilnehmer werden am Samstag erwartet.

Betroffene Straßen der Demo von "Wir haben es satt"

Bereits ab 7:30 Uhr werden am Samstag, versetzt in zeitlichen Abschnitten, mehrere Straßen gesperrt. Die Auftaktkundgebung (12 Uhr) und Abschlusskundgebungen (14:30 Uhr) finden am Brandenburger Tor statt. Wie tags zuvor, empfiehlt die Polizei auch am Samstag den Bereich weiträumig zu umfahren oder auf öffentliche Verkehrsmittels umzusteigen, wie U- und S-Bahn.

Folgende Straßen werden in Berlin gesperrt:

  • Ab 7:30 Uhr, Route Ost: Gewerbegebiet Vogelsdorf - Grünerlinder Weg - Frankfurter Chaussee - Alt-Mahlsdorf - Alt-Kaulsdorf - Alt-Biesdorf - Alt-Friedrichsfelde - Frankfurter Allee - Karl-Marx-Allee - Alexanderstraße - Grunerstraße - Mühlendamm - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Platz - Potsdamer Straße - Reichpietschufer - Von-der-Heydt-Straße - Klingelhöferstraße - Hofjägerallee - Großer Stern - Straße des 17. Juni
  • Ab 8 Uhr, Route Süd: Königin-Luise-Straße 49 - Königin-Luise-Straße - Clayallee - Hohenzollerndamm - Teplitzer Straße - Hubertusallee - Kurfürstendamm - Joachimsthaler Straße - Hardenbergstraße - Ernst-Reuter-Platz - Straße des 17. Juni - Großer-Stern - Straße des 17. Juni
  • Ab 8 Uhr, Route Nord: Hauptstr. 24 (Stadt Gut Blankenfelde) - Hauptstraße - Blankenfelder Chaussee - Dietzgenstraße – Hermann-Hesse-Straße - Grabbeallee – Schönholzer Straße - Wollankstraße - Prinzenallee - Badstraße - Brunnenstraße - Bernauer Straße - Julie-Wolfthorn-Straße - Am Nordbahnhof – Invalidenstraße – Alt-Moabit – Paulstraße – Spreeweg – Großer Stern – Straße des 17. Juni
  • Ab 9 Uhr, insgesamt: Straße des 17. Juni ab Y.-Rabin-Straße und Ebertstraße zwischen Behrenstraße und Dorotheenstraße
  • Um ca. 10 Uhr, gemeinsame Route nach Zusammenführung der drei Aufzüge: Yitzhak-Rabin-Straße - Scheidemannstraße - Dorotheenstraße - Wilhelmstraße - Unter den Linden - Glinkastraße - Französische Straße - Werderscher Markt (Auswärtiges Amt) - Schloßplatz - Breite Straße - Gertraudenstraße - Leipziger Straße - Potsdamer Straße - Ben-Gurion-Straße - Tiergartenstraße - Hofjägerallee – Großer Stern - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor
  • Um 12:00 Uhr, Auftaktkundgebung: Brandenburger Tor
  • Ab ca. 12.30 Uhr, Demozug: Ebertstraße - Hannah-Arendt-Straße -Wilhelmstraße - Behrenstraße - Friedrichstraße - Weidendammer Brücke - Friedrichstraße - Reinhardtstraße - Luisenstraße - Wilhelmstraße - Dorotheenstraße - Scheidemannstraße - Yitzhak-Rabin-Straße - Straße des 17. Juni - Brandenburger Tor
  • Ab 14:30 Uhr, Abschlusskundgebung: Brandenburger Tor

Sendung: Abendschau, 17.01.2020, 19:30 Uhr

Kommentar

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33 Kommentare

  1. 32.

    Dies ist eben falsch und fakten-fern. So waren überproportional viele der Kleinbetriebe wie zum Beispiel in Bayern betroffen von BSE und eben nicht die großen Betriebe im Osten.

  2. 31.

    Tesla? Tankt der Luft, wo kommt der Strom her? Wo wurde der zusammen geschraubt? Wie ist der hier her gekommen? Nimmt Tesla die Batterie zurück, wenn sie mal platt ist?
    Fragen über Fragen.
    Die E-Mobilität wird nur ein kurzes Kapitel in der Geschichte einnehmen. Planwirtschaft hat noch nie dauerhaft funktioniert.
    Technologieoffene Lösungen wären der Weg!

  3. 30.

    Mit subventioniertem Agrardiesel und Fahrzeugen die steuerbefreit und teilweise gefördert sind wird hier demonstriert. Ich verstehe das nicht. Rechne ich beispielhaft mit 20 Liter/h mit 5000 Traktoren und 5h Betieb kommen da mal schnell mal eine halbe Million Euro zusammen. Das Geld hätten die Bauern, wenn ehrliches Interesse an der Natur und deren Schutz sinnvoller investieren können.

  4. 29.

    Ich habe keinen Landwirt in der Nähe. Im Gegensatz zur "großen Mehrheit" finde ich auch im Fleischregal nichts "Billiges"! Wo gibt,s denn diese Preise, die immer zur Argumentation herangezogen werden? Immer wird der Verbraucher beschuldigt, nach Billigen Lebensmitteln zu gieren! Der normale Kram ist schon wahnsinnig teuer, der Bio-Kram ist teilweise komplett abgedreht und nicht erschwinglich. Ist euer großer Wunsch, das die "normal" Verdiener wieder hungern und früher sterben? Ich gebe vier unseren vier Personen Haushalt ca. 800 Euro für Furage aus! Was denn nun noch!?

  5. 28.

    Kann mal ein Fachmann/eine Fachfrau erklären, worin der Unterschied hinsichtlich der Anbauflächen zwischen einem Bauern und einem Agrarbetrieb besteht? Bei der Kommentierung werden beide in einen Topf geworfen. Es sind doch vordergründig die Großbetriebe, die gewinnorientiert wirtschaften und nicht auf die Gülledüngung u.a. verzichten wollen und großflächig für die Industrie statt für die Ernährung der Menschen zu produzieren.

  6. 27.

    Kleinbetriebe Arbeiten Nachhaltiger halten die Fruchtfolge ein. Bringen nicht Tonnen weise Pflanzenschutz aus. Haben auch nicht das Geld um die Felde zu überdüngen. Reden noch mit den Tieren. in den Großbetrieben werden die Tiere kaum Streicheleinheiten bekommen.
    Wenn die Nahrungsmittel aus dem Ausland kommen und sie dann billig einkauft fragt ihr da nach Klimaschutz.
    Aber gesund wollt ihr leben dann kauft beim Landwirt in eurer nähe. Dann muss das Fleisch nicht aus Argentinien kommen oder das Obst aus dem Ausland.

  7. 23.

    Demo hin oder her, wo bleibt der Aufschrei der Umweltschützer die gehen die Verdieselung unserer Umwelt an gleich zweit Tagen protestieren und was tut eigentlich unsere zuständige Senatorin. Jeder der am Wochenende in den Tiergarten möchte muß um seine Gesundheit bangen. Ich finde, es ist unverschämt, das ein Teil unserer Stadt auf diese Weise vereinnahmt und verdreckt wird!

  8. 22.

    Meine Solidarität mit den Bauern,wir haben in Deutschland demorecht, mich stören die fahrraddemos auch,mit dem klingeln ,pfeifen und irgendwelchen hupen,aber jeder hat dieses recht,die Traktoren oder landmaschinen,sind für die Bauern das,was für die fahrradfraktion,die Fahrräder sind.also gleiches recht für alle.die Fahrräder sind von mir als Beispiel genannt es gäbe noch andere.

  9. 21.

    Nein meine Sympathie hält sich sehr in Grenzen.Wir freuen uns über einbissel bessere Lufti und dann kommen die mit ihren Stinkertraktoren,nee

  10. 20.

    Ja, so ist es. Das Agrarpaket der Bundesregierung ist ein Höfesterbenbeschleunigungsgesetz. Große Betriebe können es sich eher leisten in neue Technik zu investieren. In Kleinbetrieben wird die Bürokratie irgendwie dann erledigt, wenn andere Leute Freizeit haben. Großbetriebe können sich eher Fachleute dafür leisten.

  11. 19.

    "Als ob die "wir-haben-es-satt"-Fraktion je gebasht worden wäre oder auch nur in den Qualitätsmedien jemals kritisiert worden wäre"

    sehen sie- und genau deshalb macht hier auch niemand "pauschales Bauern-Bashing". Es werden überwiegend, und zwar völlig zu recht, diejenigen kritisiert, die sich aus Profitgier gegen eine Agrarwende und eine Abkehr der Massentierhaltung wehren.

    Mit einen generellen Bauernbashing hat das gar nichts zu tun- ganz im Gegenteil. Es werden diejenigen Bauern damit unterstützt, die hier eine Wende einläuten wollen.

  12. 18.

    Die Bauern arbeiten in einer der Branchen, in denen es noch sehr viel Kleinbetriebe gibt. Vielleicht ist es auch hier Zeit, diese kleinere Betriebe aufzulösen und von Großen aufkaufen zu lassen. Ja, ich weiß.... Einzekhändlersterben haben auch alle beklagt, aber es geht um die Herstellungskosten. Kleinbetriebe sind zu teuer.

  13. 17.

    Habe ich schon bei Taxidemos nicht verstanden. Bei Traktoren mit der weiten Anreise noch irrer. Muss man denn mit seinem nicht klimaneutralem Arbeitsgerät zur Demo? Ich dachte, alles soll vor dem Hintergrund der Klimanotlage geregelt werden.

  14. 16.

    Ich habe es auch langsam satt um mal bei den Namen dieser losen "Organisation " zu bleiben.
    An keinen WE kommt man in Berlin von A nach B. Und überhaupt was soll das alles?
    Die jenigen die sich angesprochen fühlen sollten geht das kalt am allerwertesten vorbei. Und die jenigen die das veranstalten haben einen tollen Tag in Berlin gehen nebenbei noch einkaufen und Papi fährt Traktor und alle zusammen legen die ganze Stadt lahm, Polizei müssen Sonderschichten schieben und der Dreck wird auch liegen gelassen.

  15. 15.

    Ja, manchen fällt es halt schwerer, eins und eins zusammenzuzählen. Die brauchen immer 'ne ganz genaue Erklärung. Als ob die "wir-haben-es-satt"-Fraktion je gebasht worden wäre oder auch nur in den Qualitätsmedien jemals kritisiert worden wäre. Das einzige, was hier zielsicher ins Leere läuft, sind Ihre aufgeregten Bemerkungen.

  16. 14.

    "Meine Sympathie haben sie"

    wer genau denn nun? In dem Artikel werden zwei sich diametral gegenüberstehende Ideologien von Bauern bzw. deren Initiativen genannt, die hier bei zwei getrennten Demonstrationen streiken. "Land schafft Verbindung" und "Wir haben es satt".

    Deshalb geht der Vorwurf hier...

    "Das dümmlich-pauschale Bauernbashing ist ziemlich abartig."

    ...auch voll ins leere. Pauschal hingegen ist es, Kritik an Bauern generell als Bashing zu bezeichnen. Je nach Standpunkt kritisiert man hier Bauen nämlich und lobt Bauern gleichzeitig. Eben jeweils die andere Seite.

    Ein wenig unglücklich, dass die beiden Demos nur einen Tag auseinander sind. Es wird wohl nicht jedem klar sein, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Zielsetzungen von Landwirten handelt.

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