"WIR HABEN ES SATT", Demonstration vor dem Brandenburger Tor, Berlin, 18.01.19 (Quelle: dpa/Stefan Mueller)
Video: rbb|24 | 18.01.2020 | Material: ARD-aktuell, Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Stefan Mueller

"Wir haben es satt!"-Demo in Berlin - Naturschützer und Ökobauern demonstrieren für Agrarwende

Unter dem Motto "Wir haben es satt!" haben am Brandenburger Tor in Berlin rund 27.000 Menschen für eine artgerechtere Tierhaltung und die Unterstützung ökologischer Bauernhöfe demonstriert. Auch zahlreiche Trecker waren wieder unterwegs.

In Berlin haben sich am Samstag wieder tausende Menschen zur alljährlichen Großkundgebung "Wir haben es satt!" versammelt. Vor dem Brandenburger Tor setzten sie sich für eine naturgerechtere Landwirtschaft ein und protestierten zugleich gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Nach Veranstalterangaben beteiligten sich insgesamt rund 27.000 Menschen an den Protesten. Die Polizei sprach von einer höheren fünfstelligen Zahl und verwies auf die Veranstalterangaben.

Für mehr Ökologie und weniger Industrie

Auf der Abschlusskundgebung am frühen Nachmittag riefen die Demonstranten die Bundesregierung auf, sich stärker für kleinere und ökologisch arbeitende Höfe einzusetzen. Stattdessen werde eine Agrarindustrie unterstützt, die auf Kosten der Böden, des Grundwassers und der Artenvielfalt gehe. Zuvor waren die Menschen durch das Regierungsviertel gezogen.

Das Motto der diesjährigen Kundgebung lautete "Agrarwende anpacken, Klima schützen!". Mit dabei waren auch wieder zahlreiche Landwirte, die bereits am Vormittag mit rund 170 Treckern durch die Berliner Innenstadt gerollt waren. Sie hatten sich am frühen Morgen im Umland versammelt und waren in mehreren Kolonnen sternförmig in die Hauptstadt gefahren.

Innenstadt weiträumig umfahren

Ursprünglich waren zu der Kundgebung nur bis zu 15.000 Teilnehmer erwartet worden. Aufgerufen zu dem Protest hatte das Bündnis "Wir haben es satt!", ein Zusammenschluss von über 50 Organisationen. Die Demonstration findet bereits zum zehnten Mal anlässlich der Agrarmesse Grüne Woche statt.

Parallel zur Messe sind im Auswärtigen Amt Regierungsvertreter aus rund 70 Ländern zu einer Agrarministerkonferenz zusammengekommen. Gastgeberin ist Bundesministerin Julia Klöckner (CDU). Die Öko-Landwirte überreichten der Konferenz am Vormittag eine "bäuerliche Protestnote". Ab 11.30 Uhr bewegten sie sich dann mit ihren Traktoren über die Leipziger Straße in Richtung Brandenburger Tor.

Wie schon am Freitag empfahl die Polizei auch auch am Samstag, die Innenstadt weiträumig zu umfahren oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bereits am Morgen waren mehrere Straßen gesperrt worden, darunter auch die drei Trecker-Routen, die vom Gut Blankenfelde im Norden, von der Königin-Luise-Straße im Südwesten und dem Gewerbegebiet Vogelsdorf im Osten jeweils bis zur Straße des 17. Juni führten. Wegen der Rückfahrt der Traktoren sollte auf diesen Routen auch am späteren Nachmittag und Abend noch mit Behinderungen gerechnet werden.

Der Fokus der Proteste lag in diesem Jahr auf dem Klimawandel. Die Organisatoren erklärten, 2020 sei ein Jahr der Entscheidung für die Landwirtschaft und das Klima: "Ein 'Weiter so' auf den Höfen und in der Agrarpolitik geht nicht mehr. Die Belastungsgrenzen unserer Erde werden überschritten", hieß es auf der Internetseite des Bündnisses.

Bauern fordern Hilfe im Kampf gegen Klimawandel

Das von der Bundesregierung im September verabschiedete Agrarpaket sehen die Initiatoren von "Wir haben es satt!" kritisch. Gefordert werden eine Reform der Agrarpolitik, mehr Klimaschutz und Hilfen für die Bauern beim Umbau der Landwirtschaft. "Wichtig ist, dass den Bauern unter die Arme gegriffen wird, um den Klimawandel zu bekämpfen, aber auch mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtzukommen", sagte Sprecherin Saskia Richartz. "Wir erleben seit vielen Jahren, dass das Landwirtschaftsministerium die Agrarindustrie hofiert", ergänzte ihr Co-Sprecher Christian Rollmann. Die Klimakrise, zu viel Nitrat im Grundwasser und das dramatische Artensterben zeigten, dass es so nicht weitergehen könne. Das Bündnis macht die Bundesregierung für die Schließung von 130.000 Bauernhöfen seit 2005 verantwortlich.

Auch viele Politiker hatten sich der Kundgebung angeschlosssen. Grünen-Parteichef Robert Habeck forderte einen Verkaufsstopp von Lebensmitteln zu Dumpingpreisen und rief die Bundesregierung dazu auf, das Schreddern von Küken und die betäubungslose Kastration von Ferkeln zu verbieten. Auf allen Tier-Produkten müsse für den Verbraucher erkenntlich sein, inwieweit bei der Produktion auf das Tierwohl geachtet werde.

Überschneidungen mit Protest der konventionellen Bauern

Gegen die Agrarpolitik hatten am Freitag in Berlin bereits zahlreiche konventionelle Landwirte mit einer Traktoren-Sternfahrt protestiert. Mit bis zu 1.000 Traktoren waren sie zu einer Sternfahrt nach Berlin gekommen. Ihnen gehen die Umweltschutz-Vorschriften bereits zu weit. Vor allem die neue Düngeverordnung sehen viele konventionelle Landwirte kritisch und fürchten Ertragseinbußen.

Georg Janßen, Mit-Initiator der "Wir haben es satt!"-Demonstration wies darauf hin, dass es zwischen den konventionellen Landwirten und den Ökobauern einen Austausch gebe. Beide Seiten beteiligten sich jeweils an den Protesten. Allerdings sei man noch nicht soweit zusammenzuarbeiten, weil die Forderungen noch nicht abgestimmt seien. "Wir sind aber in Kontakt und es gibt Gespräche", so Janßen. Beide Initiativen eint, dass sie mehr Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit und faire Preise für ihre Produkte fordern.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

47 Kommentare

  1. 47.

    Dank der Grünen Initiative namens Hartz4 haben die Grünen bei der von ihnen selber geschaffen Armut grade im Osten dann viel zu tun.

  2. 46.

    die b90 grünen setzen sich in vielen politischen initiativen für menschen in armut ein. wenn man Ihre kommentare zu anderen themen verfolgt, rechnen Sie ihnen auch das vor
    wie denn nun?

  3. 45.

    Rufen Sie sich die Seite von bioland bitte auf, da sie dort finden:
    KANN BIO DIE WELT ERNÄHREN? Nein, der Ökolandbau ist nicht das Patentrezept!
    PFLANZENSCHUTZ IM BIOLANDBAU Ohne Kupfer geht es nicht
    Schreibweise von bioland übernommen.

    Antwort auf [Martha] vom 22.01.2020 um 19:03

  4. 44.

    Sie wollen sachliche Antworten? Sie sind es der hier überfordert ist sachlich zu argumentieren.

    1. Lüge Kupferhydroxid ist kein Pestizid und auch kein Schwermetall

    2. Lüge Diese Fungizide sind nicht schädlicher als das Gift der modernen "Landwirtschaft"

    3. Lüge Die Ernährund der Menschheit mit "Bio" ist sehr wohl möglich

    Waren die Antworten sachlich genug?

  5. 43.

    Schade dass Sie eine sachliche Antwort überforderte. Zwei Dinge sollten ihnen zu denken geben: Als Pestizid nutzen Biobauern gerne ist ein giftiges Schwermetall was schädlicher ist für die Umwelt als Mittel der modernen Landwirtschaft und Bio wird nie die Menschheit ernähren.

  6. 42.

    Zum einen will Hofreiter kein billiges Fleisch verbieten, dafür aber massenhafte Tierquälerei und Umweltverschmutzung und das systematische Vergiften derjenigen, die sich kein teures Fleisch leisten können.

    Es ist noch keine 60 Jahre her, da gab es nur einmal die Woche Fleisch, den Sonntagsbraten.

  7. 41.

    "Ihnen kommt ein Falschfahrer entgegen" ... Einer? Hunderte! So "argumentieren sie, sie erfinden etwas und alle anderen haben unrecht.

    Und die Erde ist eine flache Scheibe .... wissen wir.

  8. 39.

    Es geht nicht, dass Anton Hofreiter billiges Fleisch verbieten will. Dann soll er armen Familien auch erklären, wo sie ihr Fleisch her bekommen. Typisch Grüne, alles verbieten wollen, ohne Folgen zu bedenken.

  9. 38.

    Es gibt eben Ausnahmen wie beispielsweise die chemisch-synthetisch hergestellten Eisen(III)-phosphat und Kupferhydroxid. Beide werden per Synthese hergestellt und finden sich in der Fachliteratur. Information zur Gewinnung finden Sie sicher auch bei Wikipedia. Nur weil Mittel im Bioanbau eingesetzt werden, werden diese chemisch-synthetisch nicht zu natürlichen Mittel. Den Link schaue ich mich gerne an.

  10. 37.

    Das ist jetzt die Frage, was Sie genau unter "chemisch-synthetisch" verstehen. Fakrt ist, dass auch die von Ihnen genannten Kupfer-Verbindungen in der Bio-Landwirtschaft zulässig sind. Dazu hat das Öko-Institut diese Studie herausgegeben, die Sie interessieren könnte:
    https://www.oeko.de/oekodoc/2212/2014-002-de.pdf

  11. 36.

    Liebe Bauern, liebe Metzger; ich würde gerne mehr Geld für gesundes Fleisch ausgeben. Dann erwarte ich aber auch das ein Schnitzel nicht um 1/3 oder mehr in der Pfanne eingeht. Das ist schlicht und einfach Betrug.

  12. 35.

    Da haben sie leider das Kleingedruckte (EU-Ausnahmereglungen) nicht bedacht. Es gibt es Ausnahmen davon, deshalb können eben doch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wie Kupferhydroxid und Kupferoxychlorid zum Beispiel im ökologischen Landbau gespitzt werden. Stimmt auch nicht dies: "Insgesamt umfasst die Liste der im Biolandbau zugelassenen Wirkstoffe nur ein Zehntel der Pestizide, die konventionellen Landwirten zur Verfügung stehen. Allein dadurch minimieren sich negative Effekte auf die Umwelt." Gutes Beispiel ist Kupfer was diese These wiederlegt. Sie sollten dann bitte ihre Kollegen von Quarks auf diese inhaltlichen Fehler hinweisen.

  13. 34.

    Stimmt so nicht. Bio-Bauern dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel nutzen. Erlaubt sind nur Mittel, die pflanzlichen, tierischen, mikrobiellen oder mineralischen Ursprungs sind – dazu gehören etwa Kupfer, Schwefel, Bienenwachs oder Pflanzenöle. Auch diese Stoffe können allerdings der Umwelt schaden. Wir empfehlen dazu diesen Artikel unserer Kollegen von Quarks:
    https://www.quarks.de/umwelt/landwirtschaft/darum-nutzen-auch-biobauern-pestizide/
    Darin heißt es unter anderem: "Insgesamt umfasst die Liste der im Biolandbau zugelassenen Wirkstoffe nur ein Zehntel der Pestizide, die konventionellen Landwirten zur Verfügung stehen. Allein dadurch minimieren sich negative Effekte auf die Umwelt."

  14. 33.

    Was zu gerne von der Öko-Lobby unterschlagen wird, sind die schwermetallhaltigen chemischen Pestizide und das Bio nicht die Menschheit ernähren kann.

  15. 32.

    Schon seit mehreren Jahrzehnten gibt es Biozertifizierungen. Die Umstellung eines Betriebes auf Demeter-Zertifizierung dauert 7 Jahre, in denen der umstellende Landwirt seine erzeugten Produkte noch nicht mit dem Demeter-Siegel verkaufen darf. Ich kann versichern, dass die erzeugten Produkte mit Demeterzertifizierung ganz hervorragend schmecken und zwar genauso lecker, wie die vor der Industralisierung der Landwirtschaft erzeugten, also vor ca. 50 Jahren. Ich bin 65 und kann mich noch sehr gut erinnern. Vielleicht auch, weil ich mich ausschließlich von Lebensmitteln mit anerkannten Biozertifizierungen ernähre?

  16. 31.

    Verwechseln Sie da vielleicht die Trecker-Demo von Freitag mit der von Samstag? Am Freitag demonstrierten vor allem konventionelle Landwirte gegen aus ihrer Sicht zu hohe Umweltauflagen für die Landwirtschaft. Am Samstag protestierten vor allem Bio-Bauern für eine klima- und umweltfreundlichere Landwirtschaft - sie wollen also noch schärfere Regeln von der Politik.

  17. 30.

    Bio oder nicht Bio, mir ist das eigentlich egal. Ich kaufe im Supermarkt die Ware welche mir optisch mehr zusagt und vom Gefühl qualitativ besser erscheint. Achte da nicht so auf den Preis oder auf die Etikettierung. Aber für Menschen die mit jedem Cent rechnen müssen macht es schon zum Beispiel einen Unterschied ob das Kilo Fleisch 6 € oder 16 € kostet. Also gebt auch diesen Leuten die Chance hin und wieder Fleisch essen zu dürfen.

  18. 29.

    Das ist eine Falschdarstellung! Die Bauern demonstrierten GEGEN den grünen Ökowahn, nicht mit ihm.

  19. 28.

    Danke ein sehr guter Link. Allen die dies alles nicht lesen möchten das Fazit: "Der Ökolandbau kann die Welt nicht ernähren und ist deswegen kein globales Modell für nachhaltige Landwirtschaft. "

    https://www.bioland.de/im-fokus/meinung/detail/article/nein-der-oekolandbau-ist-nicht-das-patentrezept.html

Das könnte Sie auch interessieren