Teilnehmer einer Protestwanderung gegen Braunkohle gehen am 07.01.2018 durch Taubendorf (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 07.01.2018 | Michael Schon | Bild: dpa-Zentralbild

Protest gegen Tagebau in Brandenburg - Hunderte wandern gegen die Kohle

Es ist bereits Tradition in der Lausitz: Am ersten Neujahrssonntag marschieren Anwohner nahe des Tagebaus Jänschwalde zum Protest auf. Hunderte beteiligten sich dieses Jahr. Die Brandenburger CDU positioniert sich derweil gegen einen schnellen Kohleausstieg.

Anwohner, Aktivisten und Grünen-Politiker haben in der Nähe des brandenburgischen Tagebaugebiets Jänschwalde gegen den Abbau von Braunkohle demonstriert. An der Protestwanderung vom Dorf Kerkwitz (Spree-Neiße) in den Nachbarort Taubendorf beteiligten sich am Sonntag nach Angaben der Veranstalter rund 300 Menschen.

Ein Teil der Teilnehmer zog zudem in ein geplantes Abbaugebiet zu einem durch Abbaggerung bedrohten Waldgrundstück, welches für die Ausdehnung des Tagebaus Jänschwalde enteignet werden soll.

Ein Greenpeace-Aktivist im Eisbärenkostüm ist am 07.01.2018 neben einem Schriftzug «Kohle stoppen» (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Ein Aktivist von Greenpeace im Eisbärenkostüm | Bild: dpa-Zentralbild

Kritiker mahnen Wasserverlust, Lärm und Schmutz an

Im Mittelpunkt der elften Neujahrsprotestwanderung standen die vom Braunkohletagebau Jänschwalde verursachten Umweltschäden, zu denen sie auch den Wasserverlust in mehreren Seen zählen.

"Bis zu sieben Seen verlieren Wasser durch das Abpumpen des Grundwassers, für das zu keinem Zeitpunkt eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde", kritisierte René Schuster von der Grünen Liga. Der Tagebau müsse zudem einen größeren Abstand zu Dörfern halten, um diese vor Lärm und Schmutz zu schützen.

Leag sieht keinen Einfluss durch Bergbau

Auch das brandenburgische Umweltministerium teilte unlängst die Einschätzung, dass der Bergbau einer der Gründe für den Wasserrückgang ist. Wie groß der Einfluss ist, sei aber unklar. Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen.

Beim Energieunternehmen Leag zeigte man sich überrascht darüber, dass das Umweltministerium den Bergbau als Verursacher für die problematische Situation der Seen sieht. Es gebe keinen Anhaltspunkt, dass der gegenwärtige Wasserverlust auf den Tagebau Jänschwalde zurückzuführen sei, sagt Chef-Geologe Ingolf Arnold im Dezember dem rbb. "Nach unserer Information liegt kein Bergbaueinfluss für diese Seen vor."

Baerbock: "Schrittweisen Kohleausstieg einleiten"

Die geplante Ausdehnung des Tagebaus sei "in Zeiten der Energiewende ein absurder Vorgang", sagte die Brandenburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock. "Wenn wir das Klimaabkommen von Paris ernst nehmen, müssen wir jetzt den schrittweisen Kohleausstieg einleiten", so Baerbock.

"Statt der Deckelung der erneuerbaren Energien, brauchen wir einen planungssicheren und sozialverträglichen Kohleausstiegsplan". Auch müsse der Bund stärker als bisher den Strukturwandel in der Lausitz unterstützen.

Brandenburger CDU verabschiedet Lausitzpapier

Zeitgleich hat die Brandenburger CDU auf ihrer Klausurtagung in Lübbenau ein Lausitzpapier verabschiedet. Darin spricht sie sich gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle aus. Strukturwandel dürfe ihrer Ansicht nach nicht allein von Klimazielen gedacht werden. Die Braunkohle sei Garant für sichere Stromversorgung und Arbeitsplätze.

Damit es nicht zu einem Bruch in der Region kommt, bedürfe es einer Strukturkommission auf Landes- und Bundesebene. Diese müsse verbindliche Ziele definieren, für finanziellen Ausgleich sorgen und den Ausbau von Wissenschaft und Forschung forcieren.

Mit dem Papier wendet sich die Brandenburger CDU direkt Richtung Berliner Koalitionsverhandlungen von Union und SPD, die am Sonntag begannen. Dort hatte es am am Tagungsort, der SPD-Zentrale, ebenfalls Proteste von Gegnern des Braunkohleabbaus gegeben - aber auch Befürworter demonstrierten vor dem Willy-Brandt-Haus.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Nedal Ahmad (l.) steht an einem Stand der Reederei Riedel und berät eine Gruppe interessierter Männer (Quelle: rbb/Tom Garus)
rbb/Tom Garus

Europas größte Jobbörse für Geflüchtete - The German Dream

Endlich eigenes Geld verdienen. Viele Geflüchtete und Migranten wünschen sich nichts sehnlicher, als einen Job zu finden und sich in Deutschland zu integrieren. Wie schwierig das ist und wo es Hoffnung gibt, zeigte sich auf der dafür größten Jobbörse. Von Tom Garus