Demonstranten vor dem schwedischen Parlament in Stockholm halten ein Banner mit #låtkoletligga hoch. (Quelle: Twitter / Emma Petersson)
Bild: Twitter / Emma Petersson

Schwedisches Parlament unterbricht Debatte - Proteste in Stockholm vor Vattenfall-Verkauf

Das schwedische Parlament hat am Dienstag über den Verkauf der deutschen Braunkohlesparte des Staatskonzerns Vattenfall debattiert - begleitet von lautstarken Protesten. Die schwedische Linkspartei sprach von der wichtigsten Klima-Frage derzeit.

Nach lautstarken Protesten ist eine Debatte über den Verkauf der deutschen Vattenfall-Braunkohlesparte im schwedischen Parlament am Dienstag unterbrochen worden. Eine Gruppe Zuhörer hatte laut Berichten schwedischer Medien "Lasst die Kohle liegen" ("Lat Kolet ligga") skandiert.

Ein Mann soll zudem Ketchup in Richtung der Politiker gespritzt haben und anschließend von Wachen aus dem Reichstag geführt worden sein. Vor dem Gebäude protestierten zahlreiche Aktivisten mit Trillerpfeifen und Bannern gegen den geplanten Verkauf der Braunkohle-Aktivitäten in der Lausitz an die tschechische EPH-Gruppe.

Deutsche Umweltorganisationen gegen Verkauf

"Ich bin unglaublich enttäuscht", sagte Karl Andreasson, ein Zuhörer, der das Parlament ebenfalls verlassen musste, der Zeitung "Dagens Nyheter". "Wir vertreten die Mehrheit des schwedischen Volkes, die will, dass die Kohle im Boden bleibt", sagte ein anderer Demonstrant, Joakim Andren, der Zeitung.

Zuvor hatten sich deutsche Umweltorganisationen in einem offenen Brief an das Parlament gegen den Verkauf der deutschen Vattenfall-Braunkohlesparte gewandt.

Heftige Debatte im schwedischen Parlament

Nach dem Zwischenfall konnte das Stockholmer Parlament die Diskussion zu Ende bringen. Die Zukunft der Braunkohle sei die wichtigste Klimafrage, über die Schweden entscheiden müsse, sagte der Chef der Linkspartei, Jonas Sjöstedt. Die EPH-Gruppe bezeichnete er als ein "Schurken-Unternehmen".

Wirtschaftsminister Mikael Damberg nannte den Deal "kompliziert" und erklärte erneut, die Regierung werde die Verkaufspläne des staatlichen Energiekonzerns analysieren.

Proteste auch in Berlin

Auch in Berlin gab es am Dienstagmittag angesichts der Parlamentsdebatte Proteste. Etwa 50 Gegner des Braunkohle-Abbaus in der Lausitz versammelten sich vor der schwedischen Botschaft, um gegen einen Verkauf zu protestieren.

"Der Verkauf schönt Vattenfalls und Schwedens grünes Image", erklärte Insa Vries von der Protestinitative "Ende Gelände" vor der schwedischen Botschaft. "Aber dem Klimaschutz wird damit ein Bärendienst erwiesen. Der neue Investor wird Druck machen, um noch jahrzehntelang klimaschädliche Braunkohle abbauen zu dürfen."

An Pfingsten hatten etwa 2.000 Aktivisten den Tagebau Welzow-Süd besetzt. Vattenfall musste daraufhin seine Leistung im Kraftwerk drosseln, da der Kohlenachschub nicht mehr gesichert war. Die Demonstranten forderten einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle.