ARCHIV - Ein Absetzer schüttet Abraum auf eine Halde im Braunkohletagebau Welzow-Süd der Vattenfall AG in Welzow. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
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Verkauf von Vattenfall-Sparte an EPH vollzogen - Brandenburgs Braunkohle jetzt in tschechischer Hand

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat sich komplett aus dem deutschen Geschäft mit Braunkohle zurückgezogen. Der Verkauf von Kaftwerken und Tagebauen in Brandenburg und Sachsen an den tschechischen Energieversorger EPH wurde am Freitag vollzogen.

Die Lausitzer Braunkohletagebaue und Kraftwerke in Brandenburg und Sachsen gehören dem tschechischen Konzern EPH. Der Verkauf der Braunkohlesparte des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall und damit der Eigentümerwechsel sei am Freitag vollzogen worden, teilte Vattenfall in Berlin mit. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission hatten dafür in der vergangenen Woche grünes Licht gegeben.

Der Verkauf umfasst den Angaben zufolge die Kraftwerke Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und den 50-Prozent-Anteil am Kraftwerk Lippendorf sowie die aktiven Tagebaue Jänschwalde, Nochten, Welzow-Süd und Reichwalde.

Gut 8.000 Vattenfall-Mitarbeiter in der Lausitzer Braunkohle-Region sind von dem Verkauf betroffen. Für sie gilt eine Beschäftigungsgarantie bis 2020. Die tschechische EPH hatte erklärt, noch möglichst lange Strom aus Braunkohle produzieren zu wollen. Ob es konkrete Pläne für neue Tagebaue gibt, soll bis spätestens Weihnachten entschieden sein.

Brandenburg erwartet verlässliche Zusammenarbeit

"Es war ein langer Verkaufsprozess und es fühlt sich gut an, dass der Verkauf jetzt zum definitiven Abschluss gekommen ist", sagte Magnus Hall, Präsident und Geschäftsführer von Vattenfall. Für Vattenfall bedeute das den Übergang zu einem Unternehmen, welches auf kohlenstoffarmen Energien und nachhaltigen Lösungen basiere.

Brandenburg erwarte eine verlässliche Zusammenarbeit mit der EPH-Gruppe, erklärte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Die Ankündigung des tschechischen Energiekonzerns, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Hartmuth Zeiß dem Unternehmen zukünftig als Aufsichtsratsmitglied erhalten bleiben soll, sei ein "gutes Signal". Zeiß sei ein Bergmann aus dem Revier, der alle Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte eng begleitet und mitgestaltet habe, betonte Gerber.

Kritik von Greenpeace und Grünen

Deutliche Kritik an dem Verkauf kam von der Umsweltschutzorganisation Greenpeace. EPH sei ein "undurchsichtiges Firmengeflecht" aus Beteiligungsgesellschaften, die als anonyme "Offshore-Gesellschaften" mit beschränkter Haftung in Steuerparadiesen wie Zypern und Jersey firmieren. Das Geschäftsmodell von EPH, das größtenteils dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky gehört, bestehe darin, Firmen aufzukaufen und finanziell auszupressen, glaubt Greenpeace. Auf einen geordneten und sozial verträglichen Rückbau des Kohlegeschäfts könnten sich Politik und Region bei EPH nicht verlassen.

Auch die Grünen hatten sich gegen den Verkauf der Braunkohlesparte ausgesprochen. Dieser widerspreche europäischen und deutschen Klimazielen, sagte die Brandenburger Bundestagsabgerodnete Annalena Baerbock. "Das Wohl und Wehe der Beschäftigten hängt nun von der Zocker-Mentalität der EPH-Manager ab." Der Verkauf sei besonders bitter für die Lausitz, denn er verhindere einen geordneten Strukturwandel und verschleppe einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung.