Der Pinnower See wird immer kleiner . Der Wasserspiegel fiel um 1,40 Meter. (Quelle: rbb/Jana Göbel)
Video: Brandenburg aktuell | 06.12.2017 | Anne Holzschuh / Jana Göbel | Bild: rbb/Jana Göbel

Lausitzer Seen verlieren Wasser - "Den Pinnower See als Ganzes gibt es eigentlich nicht mehr"

Sechs Lausitzer Seen verlieren massiv Wasser. Jetzt hat das Umweltministerium Brandenburg gegenüber dem rbb erstmals eingeräumt, dass der Braunkohle-Tagebau Jänschwalde als Verursacher angesehen wird. Nun geht es darum, wer für den Schaden aufkommt. Von Jana Göbel und Anne Holzschuh

Der Pinnower See wird immer kleiner. Das einstige Badeparadies ist ein schwarzes Schlammloch. Uwe Kruschel betreibt hier den Campingplatz. "Die Zahl der Camper hat sich innerhalb weniger Jahre fast halbiert", erzählt er. "Statt Wasser haben wir nur noch Modder." Fast eineinhalb Meter sei der Wasserspiegel zurückgegangen. Selbst in diesem regenreichen Jahr sei das Wasser weniger geworden.

Uwe Kruschel betreibt am Pinnower See den Campingplatz (Quelle: rbb/Jana Göbel)
Zeltplatzbetreiber Uwe Kruschel | Bild: rbb/Jana Göbel

Ähnliches berichten Anwohner fünf weiterer Seen: vom Kleinsee, Großsee, Schenkendöberner See, Deulowitzer See und Pastlingsee. Sie alle sind im Umkreis von 20 Kilometern des Tagebaus Jänschwalde. Jährlich pumpt das Energieunternehmen Leag in Brandenburg mehr als 200 Millionen Kubikmeter Grundwasser ab, damit der Tagebau nicht vollläuft. Uwe Kruschel und viele andere Lausitzer vermuten deshalb seit Jahren, dass der Braunkohleabbau der Hauptverursacher des Wasserverlusts in den sechs Seen ist.

Grafik: Seen nahe des Tagebau Jänschwalde. Die rot unterlegten Seen verlieren Wasser wegen des Tagebaus, die nicht unterlegten verlieren wahrscheinlich Wasser wegen des Tagebaus. (Quelle: rbb Fernsehen/Brandenburg aktuell)
Grafik: Seen nahe des Tagebau Jänschwalde. Die rot unterlegten Seen verlieren Wasser wegen des Tagebaus, die nicht unterlegten verlieren wahrscheinlich Wasser wegen des Tagebaus. | Bild: rbb Fernsehen/Brandenburg aktuell

Belegt ist dies bisher nur beim Pastlingsee. Nach einem großen Fischsterben 2015 hat man den Wasserrückgang hier aufwändig untersucht. In diesem Sommer kam das Landesumweltministerium Brandenburg zum Schluss, dass der Tagebau den Wasserverlust mitverursacht. Dies hat der Sprecher des Ministeriums in der rbb-Sendung Brandenburg aktuell erklärt. Das Energieunternehmen Leag widerspricht dem zwar, leitet aber freiwillig Wasser in den Pastlingsee. Langsam erholt dieser sich wieder.

Tagebau problematisch für Seen

Die Belege beim Pastlingsee bestärken bei vielen Lausitzern die Vermutung, dass auch die anderen Seen durch die Abbaggerung der Braunkohle versiegen. Da man nicht seriös von einem See auf fünf weitere schließen kann, wurden Grundwasserdaten ausgewertet. Die Ergebnisse liegen dem rbb jetzt vor.

Grafik: Standardganglinie der Wasserstände in Pinnow von 2011 bis 2017: Die Wasserstände nehmen über die Jahre deutlich ab. (Quelle: Landesamt für Umwelt Brandenburg)
| Bild: Landesamt für Umwelt Brandenburg

Sie belegen, dass das Grundwasser im Umfeld der Seen dramatisch abgesunken ist. Zu sehen ist dies beispielhaft an den sogenannten Ganglinien in Pinnow. Diese beweisen, dass der Wasserstand seit 2011 um 120 Zentimeter gefallen ist. "Der Tagebaueinfluss ist noch gering", heißt es vom Umweltministerium Brandenburg zum Pinnower See, "zukünftig ist ein stärkerer Einfluss zu erwarten."

Beim Großsee und Kleinsee heißt es: "Die tagebaubedingte Absenkung beträgt einen Meter. Die weitere Absenkung dürfte vor allem für den relativ flachen Kleinsee problematisch sein."

Auch beim Schenkendöberner See und Deulowitzer See will das Land einen Einfluss durch den Tagebau nicht ausschließen. "Der Bergbau hat immer einen Einfluss auf den Grundwasserhaushalt", sagt Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz beim Umweltministerium Brandenburg. Als 1996 die wasserrechtlichen Genehmigungen für den Tagebau erteilt wurden, sei man davon ausgegangen, dass die Seen nicht beeinträchtigt werden. "Niemand hat geahnt, dass durch den Bergbau eine solche Verschlechterung eintritt."

Der Braunkohletagebau pumpt in Brandenburg jährlich mehr als 200 Mio qm Grundwasser ab (Quelle: rbb/Jana Göbel)
Der Braunkohletagebau pumpt in Brandenburg jährlich mehr als 200 Mio Kubikmeter Grundwasser ab | Bild: rbb/Jana Göbel

Umweltschützer: Leag soll für den Schaden zahlen

René Schuster von der Grüne Liga Brandenburg ist froh, dass das Land endlich den Schuldigen beim Namen nennt. Viel zu lange habe man sich darum gedrückt. "Jetzt muss Brandenburg das Energieunternehmen Leag auffordern, die weitere Schädigung des Grundwassers zu stoppen. Durch die Braunkohle wird der Wasserhaushalt der Region massiv gestört. Die Leag muss für die Beseitigung der Schäden aufkommen", fordert Schuster.

Etwas vorsichtiger ist Professor Christoph Hinz. Es sei nicht so einfach, herauszufinden, wohin das Wasser aus den Seen verschwindet. "Dazu müssten wir wissen, wie die Wasserkörper untereinander verbunden sind", sagt der Hydrologe der BTU Cottbus. "Und das können wir ohne detaillierte Untersuchungen nicht sagen". Zwar beobachtet Hinz weltweit Grundwasser-Probleme in der Nähe von Bergbau-Gruben: "Ob in Europa, Australien oder den USA – überall, wo wir eine Entwässerung von Tagebauen oder Minen haben, gibt es einen Einfluss auf den Wasserhaushalt." Aber der Wasserverlust habe selten nur eine Ursache. Auch anderswo in Bandenburg würden Seen Wasser verlieren – und das obwohl kein Tagebau in der Nähe ist. Hier einen Beweis anzutreten, sei nicht einfach.

Leag zeigt sich überrascht

Beim Energieunternehmen Leag zeigt man sich überrascht darüber, dass das Umweltministerium den Bergbau als Verursacher für die problematische Situation der Seen sieht. Es gebe keinen Anhaltspunkt, dass der gegenwärtige Wasserverlust auf den Tagebau Jänschwalde zurückzuführen sei, sagt Chef-Geologe Ingolf Arnold dem rbb. „Nach unserer Information liegt kein Bergbaueinfluss für diese Seen vor.“

Der Pinnower See wird immer kleiner . Der Wasserspiegel fiel um 1,40 Meter (Quelle: rbb/Jana Göbel)
Der Pinnower See wird immer kleiner. | Bild: rbb/Jana Göbel

Vor fünf Jahren war das noch ein durchgehendes Gewässer

Wenn nicht bald etwas passiert, verschwindet der Pinnower See, fürchtet Campingplatzbetreiber Uwe Kruschel. Wie weit das Wasser schon zurückgegangen ist, kann man am Steg sehen. Der steht inzwischen fast auf dem Trockenen. "Den See als Ganzes gibt es nicht mehr. Er besteht inzwischen nur noch aus drei Kesseln", sagt Kruschel. "Vor fünf Jahren war das noch ein durchgehendes Gewässer. Jetzt gibt es dazwischen Inseln, die den See zerteilen. Mit dem Boot kann man schon lange nicht mehr von einem zum anderen Ende fahren."

Wahrscheinlich spielten auch Klima und Trockenheit eine Rolle, vermutet er, "aber der Tagebau ist sicher die Hauptursache für den Wasserrückgang." Man dürfe jetzt nicht mehr länger über Gutachten diskutieren, sondern müsse  sofort Wasser einleiten, wenn man den See retten will.

In Brandenburg pumpt die Leag jährlich mehr als 200 Mio qm Grundwasser aus den Tagebauen (Quelle: rbb/Jana Göbel)
Der Tagebau als Hauptverursacher für den Wasserrückgang | Bild: rbb/Jana Göbel

Erst wenn der Verursacher feststeht, ist klar, wer Maßnahmen ergreifen und sie bezahlen muss. Das Land Brandenburg und die Leag haben kürzlich eine erweiterte Datenerhebung vereinbart. Es gibt jetzt mehr Grundwasser-Messstellen. So will man herausfinden, wie hoch der Einfluss des Bergbaus auf die Seen ist. Daraus ergibt sich, wer den Schaden beheben muss.

Laut Umweltministerium soll das Ergebnis im ersten Quartal 2018 vorliegen. Die weitere Absenkung des Wasserspiegels müsse verhindert werden, sagt Kurt Augustin vom Brandenburger Umweltministerium: "Wir werden es aber wahrscheinlich nicht hinbekommen, die Wasserverluste bei allen Seen wieder auszugleichen."

Sendung: Brandenburg Aktuell, 06.12.2017, 19.30 Uhr

Beitrag von Jana Göbel und Anne Holzschuh

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Man kann das Problem Kohle momentan nur noch so lösen:

    1.) Sofortiger Stopp weiterer Abbaggerung bzw. Erschliessung von Tagebauen.

    2.) Rechtstaatliche Untersuchung aller mit diesem Umwelt Desaster in Zusammenhang stehenden Vorgänge durch ein wirklich unabhängiges Organ. Zu klären ist einzig und allein, welch Schaden dem Land Brandenburg im Sinne der Landesverfassung entstand. Jeder Minister schwört einen Eid, Schaden vom Land abzuwenden.

    3.) Sofortige Renaturierung.

  2. 10.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich war Mitte der 90er Jahre mitverantwortlich für die Aufstellung des Landschaftsrahmenplans (LRP) für die "Braunkohlentagebaugebiet Cottbus-Nord / Jänschwalde. Der oben genannte LRP wurde im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörden des ehemaligen Landkreises Cottbus und der Stadt Cottbus durch ein beauftragtes Planungsbüro auf der Grundlage des damals vorhandenen Erkenntnisstandes aufgestellt. Seine Inhalte sind beider Aufstellung der Regional-, Braunkohlen- und Sanierungspläne zu berücksichtigen bzw. wurden berücksichtigt. Der Plan enthält neben sieben Karten zum Bestand von Flächennutzung und Vegetationsstruktur, Arten und Lebensgemeischaften,-Boden,-Wasser,-Klima / Luft,Landschaftsbild und Erholung auch einen Übersichtsplan "Pleistozäne Rinnensysteme und Verbreitung und Verbreitung von glazialen Schollen im Niederlausitzer Lagerstättenbezirk". Sie können diesen Plan gern bei mir einsehen.

  3. 9.

    Traeumen Sie ruhig weiter vom Rechtsstaat laut Grundgesetz.Wenn im Jahr 2017 ganze Umweltbereiche in einem der dichtbesiedelsten Gebiete in Europa zwecks Gewinnmaximierung eines Konzerns verschandelt werden um Strom zu exportieren,wenn tausende Menschen aus Jahrhunderte alten Doerfern durch Zwangsnotarvertraege enteignet werden und das auf einer Rechtsgrundlage aus der Kaiser und Hitlerzeit, so nenne ich dies Diktatur! Hinzu kommt dass eine gehaeufte Krankheits- und Sterblichkeitsrate und ebenso einige Selbstmorde bei den Zwangsvertriebenen von unseren Politikern voellig ignoriert werden.Wenn ein deutscher Staatsbuerger heutzutage einen Baum fuer Brennholz faellen moechte,muss er z.T.zehn Vordrucke ausfuellen,RWE faellt einige hundert hundertjaehrige Baeume pro Tag im Hambacher Wald! Eine unabhaengige Justiz sehe ich nur auf europaeischer Ebene!

  4. 8.

    Setzen Sie nur Ihre Hoffnung auf die Gruenen
    Diese sind die groessten Pharisaer in der Politik.Im Jahr 1987 stand Baerbel Hoehn in unserem bereits abgebaggerten Dorf Otzenrath in der Turnhalle und rief:" Waehlt uns,wir Gruenen werden Garzweiler II verhindern wenn wir in den NRW Landtag kommen".Einige Zeit spaeter sind die Gruenen nicht zuletzt wegen ihrer Antibraunkohleeinstellung in den Landtag in NRW zusammen mit Johannes Rau gewaehlt worden.Da aber Joschka seine Turnschuhe zusammen mit Gerhard Schroeder gegen einen Massanzug eintauschen wollte,mussten die NRW Gruenen der SPD im Jahr 1993 in den Hintern kriechen und natuerlich wollte man die Macht - und Geldgier bei den Gruenen stillen.Im Jahr 1993 setzte deshalb Baerbel Hoehn als Umweltministerin von NRW die letzte erforderliche Unterschrift (wasserrechtliche Erlaubnis)unter Garzweiler II.Ich habe seitdem nie mehr gruen gewaehlt.Joschka haelt heute Honorarvortraege fuer RWE und Baerbel wettert gegen die Braunkohle!

  5. 7.

    Das wird immer wieder (absichtlich?)falsch dargestellt.
    Nicht alle...sondern die dreckigsten zuerst und das ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.
    Jänschwalde gehört definitiv dazu.

  6. 6.

    Bitte nicht die falschen Begriffe verwenden. Oder etwa keine Ahnung was Demokratie ist und nur die Stammtisch Sprüche nachplappern? Vielleicht hätte es geholfen die Grünen mit in die Verantwortung zu nehmen. Die wollten nämlich sofort alle Braunkohle Bergwerke schließen. Die knicken nicht wie die traditionellen SPD Funktionäre vor der Lobby ein.

  7. 5.

    Herr Jans, Sie kommen aus Mönchengladbach und haben zum Thema hier doch keinerlei Ahnung. Oder leben Sie dort? Und der Rechtsstaat existiert auch nicht nur auf dem Papier, sondern jeden Tag in ganz Deutschland. Aber wenn man fern von Alledem lebt, dann bekommt man das nicht mit. Lassen Sie sich doch mal als Laienrichter wählen, da können Sie Hautnah Rechtsstaatlichkeit erleben, sogar bis zum letzten Hemd. Sie machen es sich viel zu einfach. Den Haag? Was soll da sein? Der EuGH sitzt in Luxemburg. Und wann nehmen Sie sich einen Anwalt und beschreiten den Rechtsweg? Oder sollen das mal wieder nur Andere tun, während Sie im Internet poltern? Zudem müssen Sie erst deutsche Gerichte bemühen, damit Ihr Fall überhaupt am EuGH angenommen wird. Genauso am EGMR.

    Zur Braunkohle gebe ich Ihnen ja Recht, aber Konzerne haben nichts mit Diktatur zutun, sondern das nennt man am Ehesten noch Kleptokratie oder Grundherrschaft. Und das gerade Bergbaukonzerne immer alles abstreiten, ist nicht neu

  8. 4.

    Muss natürlich Bärenklau heissen.
    @ Leo Jans, volle Zustimmung !!! Mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen lügt sich die Politik selbst in die Tasche.
    Erneuerbare bringen viel mehr.

  9. 3.

    Solange unser sog. demokratischer Rechtsstaat nur auf dem Papier existiert, und unsere Politmarionetten Zweit- und Drittgehaelter von den diktatorischen Konzernen erhalten,wird der Umweltfrevel mit ungewissen Folgen fuer zukuenftige Generationen weiter gehen.Die Braunkohleverbrechen in Brandenburg, in der Lausitz und im Rheinland gehoeren deshalb auf die Tagesordnung des Den Haager Gerichtshofes.

  10. 2.

    Die Umweltprobleme werden immer sichtbarer. Nach der braunen Spree auch das noch. Alles gedeckt durch eine Kohlelobby hörige Politik.
    Auch an den schweren Gebäudeschäden ( z.B. Bärenbrück) ist die LEAG nicht schuld. 11 Cent pro kwh müssten auf den "billigen" Kohle Strom aufgeschlagen werden um die tatsächlichen Kosten abzubilden.

  11. 1.

    @rbb Danke für diesen Beitrag. Die Grundwasservorkommen sind für uns (über)lebenswichtig! Bleibt bitte dran. Unsere Wasserquellen werden durch diverse Aktivitäten gefährdet. Das Bewußtsein für den Bedarf an sauberem Wasser wächst langsam. Manche Schäden lassen sich im Nachhinein nicht wiedergutmachen - leider - wir brauchen eine weise Vorsorge und Gefahrenabwehr.

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