Eine Frau kauft am 08.03.2021 in Dortmund über die Terminvergabe "Click and Meet" in einem Laden ein (Bild: imago images/Anja Cord)
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Audio: Radioeins | 09.03.2021 | Nils Busch-Petersen auf Radioeins | Bild: imago images/Anja Cord Download (mp3, 6 MB)

Geöffnete Geschäfte in Berlin und Brandenburg - Handelsverband übt scharfe Kritik an "Click & Meet"-Modell

Geschäfte in Berlin und Brandenburg dürfen wieder Kundschaft empfangen - allerdings unter strengen Auflagen. Als "unpraktikabel" bewertet der regionale Einzelhandelsverband das "Click & Meet"-Konzept - und warnt vor einem massiven Ladensterben.

Seit Montag in Brandenburg und seit Dienstag auch in Berlin dürfen Geschäfte wieder für ihre Kundschaft öffnen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine vorherige Terminbuchung. Kunden dürfen nur zeitlich begrenzt und mit medizinischer Maske die Ladengeschäfte betreten. Zudem müssen sie ihre Daten für eine Kontaktnachverfolgung hinterlassen.

Deutliche Kritik an diesem "Click & Meet"-Konzept kommt vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg. Dessen Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen sprach am Dienstagmorgen im rbb-Sender Radioeins von einem "vermurksten verlängerten Lockdown", auf den sich die Ministerpräsidentenkonferenz in der vergangenen Woche geeinigt habe.

"Unpraktikabel und holperig"

Für manche Kaufleute wie beispielsweise Inhaber kleiner Boutiquen sei die Öffnung bei vorheriger Terminbuchung zwar "ein Strohhalm, nach dem viele sich gesehnt haben. Wir greifen nach jedem Strohhalm, weil diese Situation einfach katastrophal ist", so Busch-Petersen.

Gleichwohl sei dieser Weg "unpraktikabel und sehr holperig", wie sich am Montag auch in Brandenburg gezeigt habe: "Das Ganze wird nicht so einfach laufen und wird alles unnötig verkomplizieren", so Busch-Petersen. Viele Berliner Kaufleute hätten den ganzen Montag damit verbracht, ihren Kunden am Telefon zunächst einmal das "Click & Meet"-Konzept zu erklären.

"Wir verlieren ständig Unternehmen"

"Das strikte Einhalten unserer bewährten Hygienekonzepte würde allemal ausreichen, um mit einer Quadratmeterbegrenzung hochzufahren, da braucht es nicht ein neues Modewort wie "Click and Meet", so Busch-Petersen. Wissenschaftliche Studien hätten ergeben, dass das Infektionsgeschehen im Einzelhandel während der Pandemie um mehr als 25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt gelegen habe.

Busch-Petersen warnte erneut vor einem massiven Ladensterben in den Innenstädten. Am stärksten von der Krise betroffen seien saisonabhängige Geschäfte wie Mode- und Schuhläden. Die Entschädigungen des Bundes reichten nach wie vor nicht aus: "Wir verlieren jetzt schon ständig Unternehmen. Die Zahl der auch größeren Ketten, die sich in Insolvenzen befinden, wächst von Tag zu Tag."

Auch die Mehrheit der Verbraucher betrachtet das “Click & Meet“-Konzept laut Umfrage skeptisch. 58 Prozent der Befragten können sich aktuell demnach nicht vorstellen, in Einzelhandelsgeschäften mit vorher ausgemachtem Termin einzukaufen, wie das Umfrageinstitut Yougov am Dienstag mitteilte. Für rund 36 Prozent der Befragten hingegen käme diese Möglichkeit in Frage.

Sendung: Radioeins, 09.03.2021, 6:40 Uhr

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71 Kommentare

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  1. 71.

    Wer hat sich diese Click and meet eigentlich ausgedacht ? Wieso müssen Discounter oder Supermärkte das nicht machen ? Das ist eindeutig eine Benachteiligung anderer Branchen. Alles begründet damit das man die Überbelastung der Krankenhäuser vermeiden wollte. Diese Gefahr besteht längst nicht mehr. Man fühlt sich nur noch verarscht.

  2. 70.

    Liebe Lilly,
    wenn Sie präzisieren könnten, was genau Ihnen leidtut, würde ich mich u.U. nochmal äußern.

  3. 69.

    Es tut mir ja wirklich leid! Aber wie sollte denn jemals eine derartige "Normalität", wie wir es zuvor kannten, in unser Leben zurückkehren?? Worauf pochst Du da? Welche "Hoffnung" meinst Du?? Dass jetzt die Impfungen alles "ad akta" legen??

  4. 68.

    Schau hier grad mal wieder rein. Die ständige Verfolgung von mehr oder weniger unerquicklicher Corona-Politik ermüdet!
    Zuhause (ohne Arbeit&Verdienst) gehts mir ganz OK, noch bin ich kein Sozialfall, sondern finanziere mich selbst vom Ersparten.
    Diese Idee mit vorher anrufen, um Hosen o.a. anprobieren zu dürfen, ist ja wohl nur noch ein Witz!! Ich wundere mich, dass das nicht vehementer angezweifelt und/oder verworfen wird & tatsächlich noch anscheinend viele, mittlerweile nur noch verunsicherte Bürger, sogar mitmachen!
    Wenn also "Herbert" ne neue Hose braucht, ruft er dann bei Karstadt an, um einen Termin auszumachen, eine solche zu finden?? Wie soll sich denn das rechnen?? Geschäfte in unserer "westlichen" Gesellschaft leben davon, dass Kunden hereinströmen, sich umschauen (auch ohne Kaufvorhaben). Das Verhältnis, einen Verkäufer für einen "Herbert" zu finanzieren, der Stundenlohn allein dafür! Da wäre es für Karstadt wohl sinnvoller, geschlossen zu bleiben!

  5. 67.

    Ich hab mal bei C&A zwecks Terminbuchung reingeschaut. Man muss auch für jedes Kind einen eigenen Termin buchen. Auf dem Kontaktformular kann jedoch nur jeweils eine Person eingetragen werden, heißt also, nach der Buchung für mich muss ich fürs Kind wieder einen Termin aussuchen. Wie soll das denn gehen? Ich kann von 16 - 17 h rein, mein Kind ggf. zu einem anderen Zeitpunkt, sollte in meiner Zeit kein Termin mehr frei sein? Scheinbar kann ich nicht bei meiner Buchung angeben, dass ich mit Kind komme. Aber sicher bin ich nicht, da ich die Buchung nicht endgültig vorgenommen habe. Warum nicht die Luca-App nutzen? Damit wird man im Laden registriert und man weiß, wie viele Leute schon drin sind.

  6. 66.

    Dieses apokalyptische
    "Wir müssen uns damit abfinden, dass unser Leben wie 2019 nie wieder zurückkehren wird."
    geht mir mittlerweile sehr auf die Nerven.
    Dann hätte ja alles sowieso keinen Sinn, oder?

    Natürlich hoffe ich und viele andere Menschen, dass das Leben wieder - im besten Wortsinne - "normal" wird.
    Vielleicht ist es nicht ganz so einfach, dieses Ziel zu erreichen, aber es muss gelingen. Ansonsten kann man sich doch einen Strick nehmen...

    Das ist übrigens kein Zweckoptimismus und keine Blauäugigkeit.
    Aber diese "nichts-wird-wieder-so-sein-wie-früher"-Keule hilft keinem und bremst jegliche Zuversicht aus.

  7. 65.

    Wir verblöden alle gemeinsam, gerade Werbung für Click und Meet gelesen. Nach dem Motto „vor Ort kann man die Ware anfassen und anprobieren und sich beraten lassen“... Jetzt werden schon mit eigentlich völlig normalen Dingen Werbung gemacht. Aber Vlt wissen einige echt nicht mehr, wie man live shoppt.... Autsch. Wenn dann die Gastronomie öffnet sehe ich schon die Werbung: „hier können Sie Lebensmittel schmecken und riechen“

  8. 64.

    Hat man ihnen im Leben schon immer alles für sie entschieden , egal wie unsinnig die Angelegenheiten auch sind.
    Es gibt Menschen da hat der ''Virus der Gehörigkeit'' schon gewirkt. Das Leben der Politiker hat schon sehr lange nichts mehr mit dem unseren zu tun.
    Deren Blase ist weit weg von unser Leben. Wie ein Paralleluniversum

  9. 63.

    Richtig der Virus geht nicht weg , wie viele andere auch. Man sollte nur vernünftig und verantwortungsvoll damit lernen umzugehen. Diese Maßnahmen aber sind realitätsfern und Menschenverachtend

  10. 61.

    you made my - evening :-) was für ein Spruch! Ich fürchte, als Kandidat für den Jugend-Begriff des Jahres haben wir schon den ersten Eintrag gefunden ;-)

  11. 60.

    Öhm ... versuch es mal auf Deutsch.
    Klicken und Treffen reimt sich aber auch nicht.

  12. 59.

    OMG! Die durch die Pandemie eingeschränkten Möglichkeiten des Kennenlernens haben sich gerade zu 100 % verbessert! Am Eingang positionieren, bei hübschen und nicht doofen Typen danach reingehen und aus der Liste ALLE Kontaktdaten entnehmen :-))

    Sorry... Das war mir gar nicht bewusst...

  13. 58.

    Aber das tun sie doch in Berlin sowieso nicht, hier ist doch jeder gehalten, selbst zu kümmern. Steht gut lesbar in den Quarantäneverordnungen der Bezirke.

    Und nochmal die Frage, wer kommt denn dann in Quarantäne? Jeder, der im Laden war, auch wenn man sich in verschiedenen Abteilungen aufgehalten hat und sich gar nicht begegnet ist? Das kann das Gesundheitsamt doch gar nicht rausfinden. Und da im Geschäft ja vermutlich alle Masken tragen, oft jetzt sogar FFP-Masken, fällt ja sowieso fast niemand unter Kontakt ersten Grades. Von daher völlig vergebliche Liebesmüh.

  14. 57.

    Mensch, Jörg! Da hätten Sie doch noch ein drittes Mal das tolle Wort Gesichtswindel unterbringen können. Wo es doch so schön infantil ist. - Bei manchem kommen aber auch gesprochene Gedanken aus dem Mund... da kann ich schon verstehen, dass der Eine oder die Andere das bei sich selbst als Windel ausmacht.

  15. 56.

    Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns mit Glück Ende März in der Außengastro erwartet. Allerdings kommt hier neben " ClickClack" noch der Schnelltest dazu. Good luck liebe Gastronomen, noch all den Kommentaren wird es hart für euch.....

  16. 55.

    Ich gebe Ihnen mal einen Tipp - es handelt sich um körpernahe Dienstleistungen.

  17. 54.

    Danke - war auch meine Überlegung.
    Daher auch die englische Bezeichnung - hört sich modern und innovativ an - ist aber nur Unfug.

  18. 53.

    Click&Meet was ist Faß für eine Bezeichnung?
    Gibt es auch eine deutschsprachige Bezeichnung hierfür?

    Im Übrigen heute erlebt. Man geht einfach in ein Geschäft und nichts war mit Vorreservierung.

  19. 52.

    Ganz ehrlich:
    Ich war heute Einkaufen, und ich fand, es war kein Problem.
    Aber einige scheinen hier nur noch rumzunöhlen.
    Was mir nur Leid tut ist, dass es zukünftig mehr schlechtbezahlte Paketboten und dafür weniger Verkäuferinnen gibt.
    Einige Geschäfte waren gar nicht mehr offen.
    Ich glaube auch, dass viele in Zukunft weniger arbeiten wollen und werden. Weil sie mehr Zeit haben wollen. Den üppigen Sozialstaat wird es dann aufgrund fehlender Finanzierbarkeit nicht mehr geben.

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