Ein Schild mit der Aufschrift "Endlich wieder geöffnet - Termine spontan möglich" steht vor einer Boutique in Berlin-Pankow (Quelle: DPA/Jörg Carstensen)
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Video: rbb|24 | 11.03.2021 | Material: Abendschau, Mara Nolte | Bild: DPA/Jörg Carstensen

Einzelhandel - "Click & Meet"-Termine können an der Ladentür vereinbart werden

Geschäfte sollen mit ihrer Kundschaft individuelle Besuchszeiten vereinbaren, um Ansammlungen zu vermeiden. Dabei wird auf "Click & Meet" verwiesen, also Termine online oder telefonisch zu vereinbaren. Verbindlich ist das allerdings nicht. Von Oliver Noffke

Weder in Berlin noch in Brandenburg müssen Geschäfte, die seit Anfang der Woche wieder öffnen dürfen, Termine zwingend telefonisch oder online mit ihrer Kundschaft vereinbaren. Das geht aus Antworten der zuständigen Verwaltungsstellen an rbb|24 zum sogenannten "Click & Meet" hervor.

"Die 2. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht kein zwingendes Medium für die Terminvereinbarung vor", heißt es in einer E-Mail der Presseabteilung von Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen). "Die Terminvereinbarung kann, muss aber nicht zwingend online erfolgen. Ebenso möglich ist eine Terminvereinbarung vor Ort."

Die Sprecherin von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) teilt auf Anfrage mit, "dass eine vorherige Terminvergabe an alle Kundinnen und Kunden erfolgen muss." Die entsprechende Verordnung schreibe das vor. "Wie diese [Terminvergabe] erfolgen soll, ist in der VO nicht geregelt."

Keine verbindliche Definition von "Click & Meet"

Allgemein wird unter "Click & Meet" verstanden, dass über ein Online-Portal ein Zeitfenster gebucht wird, in dem die Kundinnen und Kunden sich in dem Geschäft aufhalten dürfen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass in den Geschäften keine Ansammlungen entstehen. In Berlin soll in den Geschäften pro 40 Quadratmeter höchstens eine Person zum Einkaufen zugelassen werden. Etwas großzügiger ist die Regelung in Brandenburg. Hier dürfen sich auch mehr Menschen auf 40 Quadratmetern aufhalten, wenn sie zum selben Haushalt gehören.

Dass Termine online oder telefonisch bei "Click & Meet" vereinbart werden sollen, ist zum Beispiel auf berlin.de so beschrieben. Allerdings befindet sich diese Erklärung nicht auf dem Teil des "offiziellen Hauptstadtportals", der vom Senat verantwortet wird, sondern ist unter der Rubrik "Lifestyle" zu finden. Alles was dort steht, wird von einer Redaktion verantwortet, die zu einem privaten Verlag gehört. Den verbindlichen Charakter einer Verordnung hat dieser Text deshalb nicht [berlin.de].

In den überarbeiteten Pandemieverordnungen beider Länder wird geregelt, ab welchen Inzidenzen die Läden wieder öffnen dürfen oder wieder schließen müssten, wie viele Personen sich in den Geschäften aufhalten dürfen, dass medizinische Masken getragen und Hygienekonzepte erstellt werden sollen sowie was diese ungefähr enthalten müssen. Was unter "Click & Meet" zu verstehen ist, erklären die Verordnungen nicht.

Berliner Senarsverwaltung warnt vor Sofortterminen

Termine online zu vergeben, ist insbesondere für die Inhaber von kleinen Geschäften eine große Herausforderung. Investitionen in eine neue Software empfinden viele als Bürde, insbesondere nachdem sie drei Monate lang ihre Geschäfte geschlossen halten mussten.

Eine Handynummer, zumal die private, an der Ladenscheibe zu hinterlassen, wird von einigen als durchaus unangenehm empfunden. Vielerorts lassen Boutique-Besitzerinnen und Geschäftsinhaber deshalb auch ihre Türen offen, damit die Kunden nachfragen können, ob nun ein Termin frei ist.

Die Berliner Wirtschaftsverwaltung hält diese Praxis nicht für ideal. "'Soforttermine' bergen grundsätzlich das Risiko in sich, dass es zu Ansammlungen in den Eingangsbereichen kommen kann", heißt es auf Anfrage. Verboten sind sie aber nicht. Entscheidend sei, "dass durch die Terminvergabe effektiv eine Ansammlung von (ggf. auf den Einlass wartenden) Kund:innen in oder vor dem Geschäftsbetrieb verhindert wird", so die Berliner Verwaltung.

Vom Brandenburger Wirtschaftsministerium heißt es: "Terminvergaben an der Ladentür oder bei einem Einlassmanagement sind sicher nicht intendiert gewesen, sie sind aber durch den Wortlaut der SARS-CoV-2 EindämmungsVO auch nicht explizit ausgeschlossen."

Regelung im Saarland bereits gekippt

Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, sagte dem rbb am Dienstag, er halte "Click & Meet" für "unpraktikabel und sehr holperig". Im Gespräch mit Radioeins kritisierte er das Konzept als einen "vermurksten, verlängerten Lockdown".

Beide Länder weisen allerdings darauf hin, dass Verstöße gegen die Verordnungen teuer werden können - wenn also gar nicht auf den Einlass geachtet wird oder sich zu viele Menschen in den Geschäften aufhalten. "Der Bußgeldkatalog sieht einen Bußgeldrahmen von 250 - 1.000 EUR für den Verstoß gegen die Rahmenvorgaben des Terminshoppings und von 1.000 - 5.000 EUR für einen Verstoß gegen die Zutrittsregelung vor", so die Berliner Wirtschaftsverwaltung. "Bei Verstößen gegen die in § 8 Abs. 1 genannten organisatorischen Maßnahmen droht ein Bußgeld von 250 bis 10.000 €", heißt es aus Brandenburg.

Möglich ist allerdings, dass die Vorgabe zur Terminabsprache in Kürze von Gerichten kassiert wird. Im Saarland ist das bereits am Mittwoch geschehen, die Vorgabe zu 40-Quadratmetern pro Kundin wurde ebenfalls gekippt [sr.de]. Begründet wurde dies damit, dass für Supermärkte, Drogerien und andere Geschäfte, die Gegenstände des täglichen Bedarfs führen, solche Regelungen nicht gelten. Die saarländische Landesregierung will das Urteil nun prüfen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 11.03.2021, 19.30 Uhr

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Beitrag von Oliver Noffke

46 Kommentare

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  1. 46.

    Ich muss auch berichten, heute im A10 Center. Es war erschreckend leer, die Imbisse fast alle zu.
    Die Hälfte der Geschäfte sind schon ausgezogen, von der noch vorhandenen anderen Hälfte war noch ein Teil zu.
    Nach der Arbeit zu 17 Uhr hin, aber die meisten machen zwischen 17-18 uhr zu....

    H&M war leer, die 6 Verkäuferinnen standen im Eingang und schwatzten. Vor der Tür ein 1- 2 Kunden....die noch 10 min auf ihre Einkaufszeit warten mussten.

    Das war wohl mein vorerst letzter Versuch Socken und Schlüpper zu bekommen.
    Das Beste übrigens am Eingang des Centers ein großes Schild: rettet den Einzelhandel...

  2. 45.

    Irgendwo im Geschäft einkaufen, gehe ich erst wieder, wenn das mal hoffentlich irgendwann wieder ohne Aufwand möglich sein sollte...
    Wenn da jemand was anprobiert, muss es doch anschließend desinfiziert werden, oder? Grübel....
    Möbelhäuser: kann ich mir noch vorstellen. Aber Klamottenläden? Nee!
    Modegeschäfte, wobei die hoffentlich Kaufwilligen dann ihre Klamotten mitten im Laden anprobieren müssen, weil Umkleidekabinen nicht benutzt werden dürfen?
    Kunden bzw. Hausstände dürfen für jeweils eine gute halbe Stunde zum Einkaufen reinlassen.
    Shopping mit Termin, wie undurchdacht ist das denn?

  3. 44.

    "Hab mich in einem Jahr daran gewöhnt! "
    Ehrlich? So lange soll das noch dauern?

  4. 43.

    Sicher ist das ab und an nervig, aber, mit ein wenig guten Willen, locker beherrschbar.
    "Back shop" mit "etwas gekauftem zurückgeben" erklären zu versuchen - naja - Brennholzverleih wäre deutsch und doof.
    "Essen Bestellungen per Mausklick" wäre click&meal ... bei meet triffst du nur jemanden, der vll. was bestellen kann, wohin gegen click&meat nur was für Fleischesser ist - echt kompliziert.
    "Wie sollen unsere Zugereisten die Umgangsprache erlernen, die nicht einmal von Hochstudierten verstanden wird"
    click&learn - ein Bestandteil von click&spell ;-)

  5. 42.

    Das frage ich mich auch! Heute bei Woolworth eine Schlange von Terminkunden am Eingang, weil es irgendwelche organisatorische Probleme gab. Mit Regulierung über Anzahl der Körbe wäre das nicht passiert.

  6. 41.

    HORNBERGER SCHIESSEN
    Das Hornberger Schießen ist das Ereignis, das die Redewendung: „Das geht aus wie das Hornberger Schießen“ hervorgebracht hat. Die Wendung wird gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt und sie ohne Ergebnis endet. Beim in der Redewendung genannten Ort handelt es sich um Hornberg im heutigen Baden-Württemberg.
    (Quelle: Wikipedia)

  7. 40.

    Click, eine Stunde Termin geblockt. Brauch neue Socken. Ist in 5 min erledigt, bringt Vlt 50€ Umsatz. Das soll nun die Lösung sein?

  8. 39.

    Also wenn wir doch tatsächlich in irgendwas ganz weit vorn sind in Europa, dann ist es bei sinnfreien irrwitzigen und abstrusen Corona Regeln. So einen geistigen Durchfall kann sich nur ein Deutscher ausdenken... Mit all diesem Schwachsinn sind wir bestimmt die Komiker in Europa. Wenn es nicht so traurig wäre könnten man drüber lachen....
    Ich werde nirgendwo einen Termin buchen und nirgends einen Schnelltest machen , ich kaufe dann weiter online ein...
    Hab mich in einem Jahr daran gewöhnt!

  9. 38.

    click und meet, back shop
    was ist das
    Essen Bestellungen per Mausklick, Rückgabe des gekauften
    Wie sollen unsere Zugereisten die Umgangsprache erlernen, die nicht einmal von Hochstudierten verstanden wird

  10. 35.

    "Click & Shit".
    Naja, weniger Leute auf den Straßen - wird die Firma WALL auch merken. ;-)

  11. 34.

    Warteschlange vor dem Laden nennen Sie „... fast wie gewohnt“ und das soll „entspannt“ sein? Wenn das für Sie schon Normalität ist dann haben Sie offenbar anderen Vorstellungen vom Shopping als ich.

  12. 33.

    "So hat das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes eine wesentliche Vorschrift zur Beschränkung des Einzelhandels am Mittwoch vorläufig außer Vollzug gesetzt.

    Dabei geht es um die Pflicht zur vorherigen Terminbuchung und die Beschränkung auf einen Kunden pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche. Sie sei eine Ungleichbehandlung gegenüber "privilegierten Geschäftslokalen" wie Buchhandlungen und Blumenläden, in denen eine Person pro 15 Quadratmeter als "infektionsschutzrechtlich unbedenklich" angesehen werde, teilte das OVG mit (Az. 2 B 58/21)."

    Mal sehen, wie das hiesige Gerichte bewerten.

  13. 32.

    Ergänzung..... für die Berechnung wie viele Kunden rein dürfen zählt die Verkaufsfläche... da können auch Regale stehen.
    Und wie man im Beitrag lesen kann.... die 40qm hat das Saarland schon gekippt. Vielleicht wird auch die Kontaktdatenangabe ebenfalls gekippt, denn die sind beim Lebensmitteleinzelhandel auch nicht vorgeschrieben.

  14. 31.

    Wer am U-Bahnhof Kurfürstendamm aussteigt, sieht die Schlange der Wartenden sofort und kann sich problemlos einreihen. Ist die einzigste Einschränkung.
    Man kann zwar nirgendwo essen gehen, aber shoppen ist wieder fast wie gewohnt möglich.
    Im laden braucht niemand Kontrolle wie viele sich wo aufhalten befürchten.

    Also kann man ganz entspannt sein.

  15. 30.

    Ich habe gestern einen Termin mit meinem Sohn gehabt, bei C&A. Da kommt man nur mit gebuchtem Termin rein.
    Alles andere in der Altstadt lassen rein, wenn Platz ist.
    "Wenn Sie eh schon hier sind, warten Sie einfach ein paar Minuten, dann können Sie gleich rein und müssen keinen Termin machen" - Originalantwort von den Securitys vor den Türen.
    Allerdings war das jetzt der einzige Tag, wo ich das gemacht habe. Alles, was dringend nötig war, ist jetzt im Haus und wir beschränken uns zukünftig wieder auf Lebensmittel.

    Aber ich gebe einigen Vorrednern Recht: Das ist nur Taktik, um die Menschen ruhig zu stellen und keine Hilfen mehr zu zahlen. Denn die Geschäfte könnten ja Umsatz machen.

  16. 29.

    Ich verstehe die Aufregung nicht... keinem Ladenbesitzer wird vorgeschrieben, dass er die Termin online oder telefonisch vergeben muss!

    Stattdessen könnte der Einzelhandel ganz normal öffnen, und jedem der rein will einfach einen Zettel mit "Soforttermin" in die Hand drücken, vorausgesetzt es ist noch genug Platz im Laden vorhanden (hier nochmal ein Hinweis an den rbb: in Brandenburg heißt es laut Verordnung nicht "...pro 40 Quadratmeter", sondern "...pro ANGEFANGENEN 40 Quadratmetern").

    Wenn der Laden gerade voll ist, muss halt kurz gewartet werden.

    Leute, pragmatisch denken!
    Und nicht immer "es könnte aber sein dass...." oder "dann besteht die Gefahr dass...",
    einfach machen!

  17. 28.

    Das ist wieder ein schönes Beispiel, wie Deutschland tickt. Alles bis ins kleinste Regeln und immer schön bedächtig. Kein Wunder, dass wir so einen merkwürdigen Ruf woanders haben. Deutsche Bürokratie, German Angst usw. Click&Meet ist eine absolute Schnapsidee. Das bringt weder dem Geschäft etwas noch ist es praktikabel für die meisten Kunden. Da ist online shoppen die bessere Alternative.

  18. 27.

    *Dingdong*

    "Ich hätte gern einen Einkaufstermin."
    "Alles frei, wie wäre es mit in fünf Sekunden?"
    "Ja, gern!"
    "3..2..1.. Kommse rein!"

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