rbb|24-Blog | Inflation - So unterschiedlich ziehen die Preise in Berlin und Brandenburg an

Mo 02.01.23 | 06:09 Uhr | Von Wanda Bleckmann, Sophia Mersmann, Haluka Maier-Borst
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Ein Finger zeigt auf einen Umriss von Brandenburg und einen von Berlin
Bild: Wanda Bleckmann/rbb|24

Zwischen Berlin und Brandenburg gibt es erhebliche Preisunterschiede bei Lebensmitteln. Einige davon überraschen selbst Experten. Warum ist Quark in Brandenburg teurer als in Berlin? Von Wanda Bleckmann, Sophia Mersmann, Haluka Maier-Borst

Eine der Hauptaussagen dieses Blogs ist: Unterschiedliche Lebensmittel sind unterschiedlich stark teurer geworden. Wenn man aber noch genauer schaut, dann zeigt sich, dass die gleichen Lebensmittel sogar je nach Bundesland schwankende Preise haben können. Das zeigen Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg auf eindrückliche Weise.

Weizenmehl etwa hat sich in der ganzen Region massiv verteuert. Aber während man in Brandenburg "nur" rund 50 Prozent mehr zahlt als vor einem Jahr, sind es in Berlin gar 80 Prozent.

Außerdem gibt es Dinge, die in Brandenburg kaum von der Inflation betroffen waren wie Vitamintabletten, Schmalz oder Kernobstwein – die aber in Berlin laut Statistikamt deutlich teurer wurden.

Meeresfrüchte sind in Berlin billiger geworden, während sie in Brandenburg inzwischen deulich teurer sind als vor einem Jahr. Und beim Quark, einem der Produkte mit der größten Preissteigerung, kann man sagen, dass Berlin glimpflicher wegkommt als Brandenburg.

Wieso das in den beiden Bundesländern so ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht wirklich sagen. Weder sind es Importwaren, die in Berlin billiger sind noch ausschließlich regionale Produkte, die in Brandenburg günstiger angeboten werden.

Die Ökonomin Judith Irek, die sich mit Preisunterschieden bei Lebensmitteln beschäftigt, sagt, dass Transportkosten bei der Preisbildung kaum eine Rolle spielen. "Dass der Fisch vielleicht vom Großmarkt in Berlin weiter nach Brandenburg transportiert werden muss oder dass das Gemüse einen weiteren Weg vom Brandenburger Feld bis in den Berliner Supermarkt macht – das kann nicht der Grund für Preisunterschiede sein", sagt sie. Viel wichtiger seien Angebot und Nachfrage.

Wenn es mehr Fischhändler in Berlin gebe, könne das zu mehr Konkurrenz und zu niedrigeren Preisen führen als in Brandenburg. Trotzdem überraschen die Expertin die teils massiven Unterschiede. Und sie warnt insgesamt davor, die Daten für einzelne Produkte zu überinterpretieren.

Ähnlich sieht das auch der Ökonom Ludwig von Auer von der Universität Trier. "Dass einzelne Produkte mal in dem einen Bundesland billiger sind oder im anderen, das kann mit Angebot und Nachfrage zusammenhängen, aber auch einfach davon, welche Märkte wo vertreten sind und was ins Angebot nehmen." Darum mache es mehr Sinn auf die Inflation aller Lebensmittel zu schauen.

Dabei zeigen sich kleine Unterschiede zwischen Berlin und Brandenburg. Laut dem Statistikamt lag im Vergleich zum Vorjahresmonat die Inflation für Lebensmittel in Berlin bei 21,3 Prozent und in Brandenburg bei 22,2 Prozent.

In unserer rbb|24-eigenen Rechnung wird dieser Unterschied aber geringer. Hier rechnen wir nicht einfach die Verteuerung der Preise gegenüber dem Vorjahresmonat, sondern die Durchschnittspreise der letzten drei Monate gegen die Durchschnittspreise im Jahr 2021, um Angebotsschwankungen etwas auszugleichen. Hier landen wir aber bei 16,8 Prozent Inflation für Brandenburg und 16,5 für Berlin.

Was heißt das also am Ende? Eine Hypothese, wieso je nach Rechnung Brandenburg ein wenig mehr Inflation erlebt, könnte laut Lauer eine Angleichung sein. "Das wäre die Idee, dass im Speckgürtel sich zunehmend die Preise mehr ans Berliner Niveau orientieren." Aber auch dieser Effekt sei wohl minimal.

Für Sparfüchse zeigen die Ergebnisse aber immerhin eines: Mitunter muss man gar nicht die Grenze Richtung Polen queren, um billiger einzukaufen. Mitunter reicht auch schon die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg.

So sieht es übrigens derzeit bei der persönlichen Inflation unserer rbb|24-Einkäufer:innen aus.

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Beitrag von Wanda Bleckmann, Sophia Mersmann, Haluka Maier-Borst

10 Kommentare

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  1. 10.

    Antworten auf Sachfragen und Sachkritik zur Auswertung sind wohl nicht mehr zu erwarten. Schade.

  2. 9.

    Bei Ayshe, Ali und Mohammed werden aber im Verhältnis wesentlich mehr Menschen ausgeschlossen!

  3. 8.

    Vitamintabletten gehören zu den Nahrungsergänzungsmitteln und sind damit Lebensmittel. "Richtiges" Obst und Gemüse verlieren durch falsche und lange Lagerung und durch die Verarbeitung recht schnell an Vitaminen. Deshalb ist es beispielsweise wichtig, möglichst auf regionale Produkte mit kurzen Transportwegen zurückzugreifen. Allerdings enthalten Obst und Gemüse nicht nur Vitamine, sondern z.B. auch Ballaststoffe. Und die können nicht durch Vitamintabletten ergänzt werden.

  4. 7.

    "Echtes Obst und Gemüse ist besser!" Ja. Das kommt aber (neben Kartoffeln u.a.) bei uns vollständig aus dem Selbstanbau und ist damit (von evtl. Düngemitteln) abgekoppelt von der Preisentwicklung der Händler.

  5. 6.

    Sie betrachten hier nur Konsumenten, welche keine eigene Wirtschaft betreiben. Das wird für Berlin nahezu 100% betrefen und in Brandenburg sicher die Stadtbewohner und einen großen Teil im ländlichen Gebiet. In einem großen Flächenland gibt es aber auch auf dem Land einen nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung mit eigener landwirtschaftlicher Produktion, welche teilweise in Subsistenz ein Eigenversorgung haben. Wie wird dierser Bevölkerungsanteil beim Vergleich der Inflationsauswirkung zwischen der Stadt Berlin und dem Flächenland Brandenburg berücksichtigt?

  6. 5.

    "In Berlin und Brandenburg leben sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund." So allg. fomuliert ist diese Gruppe sehr heterogen und umfaßt neben den aktuellen Flüchtlingen aus Kriegs-/Kriesengebieten u.a. auch umgesiedelte Rußlandeutsche. Man müßte nach voll in die Gesellschaft integriert/assimiliert (das müßte dann den Testpersonen entsprechen) und nicht/noch nicht integriert (würde dann hauptsächlich aus Sozialkassen Mittel erhalten) unterteilen. Können Sie diese Gruppe in dem Sinne genauer fassen?

  7. 4.

    "Unterschiedliche Lebensmittel sind unterschiedlich stark teurer geworden." Das kann nur ein Teil einer statistischen Betrachtung sein. Der zweite Teil wäre der Vergleich der absoluten Preise gegeneinander zur vollständigeeren Sicht. Bsp.: Produkt A kostete vor der Krise in B 1,00, in BRB 1,20 - jetzt kostet es in B 1,50 und in BRB auch 1,50; dann sind das in B +50% aber in BRB nur +25% aber es bezahlen jetzt einfach nur beide das gleiche. Ganz rund wäre es noch, wenn man Kaufkraftunterschiede zwischen Regionen beachten würde und bei einem Flächenland größere regionale Unterschiede gegenüber einer Großstadt.

  8. 3.

    Vitamintabletten gehören zu Lebensmitteln? Krass!

    Echtes Obst und Gemüse ist besser!

  9. 2.

    Nicht diese "errechneten" Zahlen für einen realitätsfernen "Warenkorb" sind für den Otto-Normalverbraucher entscheidend, sondern sein immer schneller schwindendes Bargeld aus dem Portemonnaie.

  10. 1.

    In Berlin und Brandenburg leben sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund. Die heißen in der Regel nicht Julia, Andrea oder Thommy. Wäre wichtig, dass ihr diese Realität in euren Beiträgen abbildet. Sonst schließt ihr sehr viele Menschen aus.

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