rbb|24-Blog | Inflation - Wieso Fisch sich meist weniger verteuert hat als Fleisch

Mo 16.01.23 | 07:17 Uhr | Von Wanda Bleckmann, Sophia Mersmann, Haluka Maier-Borst
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Zu sehen ist eine Forelle und ein Stück Fleisch
Bild: Wanda Bleckmann/rbb|24

Fisch als kleiner Luxus, das war bisher die Wahrnehmung. Doch inzwischen führt die aktuelle Inflation dazu, dass sich die Preise von Fisch und Fleisch annähern. Allerdings nicht bei allen Produkten. Von Wanda Bleckmann, Sophia Mersmann, Haluka Maier-Borst

Kein Lachs, keine Forelle, kein Hering: nichts aus Meeren oder Flüssen findet sich in den Einkaufskörben unserer drei Einkäufer:innen. Und das ist nicht ganz verwunderlich. Während der Durchschnittsdeutsche 57,3 Kilo Fleisch 2021 verzehrte, waren es beim Fisch 12,7 Kilo. Doch die Inflation könnte das womöglich ändern.

Viele Fleischprodukte sind um 20 Prozent und mehr teurer geworden als noch vor einem Jahr. Hering und Forelle sind dagegen nur von moderaten Preissteigerungen betroffen. Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie erklärt das vor allem damit, dass aus seiner Sicht Fleisch in Deutschland sehr, sehr günstig war: "Darum wirken sich die höheren Preise bei der Energie auch ganz anders aus." Bei Fisch hingegen seien relativ zum Gesamtpreis die Energiepreise ein etwas kleinerer Faktor.

Trotzdem ist es längst nicht so, dass man in der Fischindustrie nicht die Auswirkungen des Jahres 2022 spüren würde. Russische Fischimporte haben es auch ohne Embargo derzeit schwer. Das hatte zur Folge, dass das Angebot an Lachs und Kabeljau deutlich eingeschränkt war.

Und auch die chinesische Null-Covid-Politik hatte einen merkbaren Einfluss auf die Fischindustrie, wie Keller erklärt: "Viel von dem Fisch, der in Fischstäbchen landet, kommt normalerweise aus China. Doch durch die Lockdowns und strengen Regeln gab es teils erhebliche Verspätungen und Ausfälle in den Lieferketten." Die Folge: Die Fischstäbchen sind ein Drittel teurer als vor einem Jahr.

Trotzdem: Im Vergleich dazu ist die Lage in der Fleischwirtschaft deutlich angespannter. Hähnchenbrustfilets sind im Preis um 30 Prozent gestiegen, Hackfleisch ist ähnlich stark betroffen. Ähnliches gilt auch für Wurstwaren. Thomas van Zütphen, Pressesprecher von Vion Foods, ein multinationaler Konzern, der sowohl Fleisch- als auch Fischprodukte herstellt, erklärt die Preisentwicklung mit drei Faktoren.

Viele Konsumenten sparen entweder an der Menge oder der Qualität

Zunächst einmal sei das Futter teurer geworden, weil deutsche Landwirte oftmals Futter selbst herstellen und entsprechend die gestiegenen Kosten von Energie und Dünger direkt zu spüren bekommen. Zudem müsse man beachten, dass zwar Fisch wie Fleisch gekühlt werden müssen, aber dass Fische wechselwarme Tiere sind. "Insofern braucht es massiv mehr Kühlenergie, ein halbes Schwein oder eine Rinderhälfte von der natürlichen Körpertemperatur der Tiere runter zu kühlen als vergleichsweise Sprotten, Heringe oder Makrelen", sagt Zütphen. Und der dritte Grund, das gibt auch Zütphen zu, ist die lange Preiskampfpolitik beim Fleisch.

Auf der ersten Seite der Prospekte in Tageszeitungen habe man von Mai bis September nahezu immer zwei Produktgruppen gefunden: Bier und Fleisch. Die Folge ist, dass Menschen schnell ihre Einkaufsmenge anpassen, sobald es nicht mehr billig ist. Das zeigt eine Erhebung die Vion Foods gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung gemacht hat.

31 Prozent der Befragten gaben an, sie könnten sich ihren gewohnten Fleischkonsum nicht mehr leisten. In einer weiteren Studie aus dem ersten Halbjahr zeigte sich, dass je nach Fleischprodukt zehn bis 20 Prozent weniger verkauft wurde. Nach wie vor sei laut den Erhebungen den Konsumenten zwar die Qualität wichtig. Noch wichtiger sei aber der Preis. Die Folge: Entweder kaufen sie am Ende weniger, oder eben qualitativ schlechteres Fleisch.

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17 Kommentare

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  1. 17.

    Mit Autos, Reisen, lecker Essen für alle weltweit würden die Ressourcen für 200 Jahre innerhalb von 10 Jahren verpulvert werden. Dieses Strohfeuer angeblicher Menschlichkeit kann man wohl kaum wollen. Wenn Sie jetzt Gleichheit fordern, sollten Sie Armut für alle fordern, nur das wäre bei aktuellem Stand von Wirtschaft und Versorgung nachhaltig. Kann sich vielleicht zukünftig ändern, aber vermutlich gibt es dafür zu viele Menschen.

  2. 16.

    Wer sich ohne tierische Lebensmittel ernährt, der ist auf künstlich hergestellte Vitamine angewiesen.
    Erst seit dem es diese Vitamine gibt, ab da ist die tierfreie Ernährung ohne körperliche Schäden davonzutragen möglich. .
    Das der Mensch allesesser ist, das bedeut, dass er sich möglichst nicht einseitig ernähren soll.

  3. 15.

    "Was ist eine omnivore Ernährung? Die Allesesser essen, ihrem Namen getreu, alles was für den Menschen genießbar und zu verwerten ist. Dazu zählen neben pflanzlichen Produkten auch Fleisch, Fisch, Ei- und Milchprodukte."
    Also eine sehr ausgewogene Kost. Wissenschaftlich gesehen leben aber auch Pflanzen. Ethisch streitet man hier über den Begriff "Leben". Veggi und Co können somit auch problematisch sein. Daraus hat sich ja die Frutarierbewegung gebildet und ich warte auf den Tag, wo darüber gestritten wird, ob Fallobst gegessen werden darf oder bestattet werden soll.

  4. 14.

    Allesfresser? Das bedeutet, dass wir Menschen uns sehr gut auch ohne tierische Lebensmitteln ernähren können. Nur die Menschen, denen das Wohl der anderen Tiere egal ist, stellen sich die Frage ob Fleisch oder Fisch.

  5. 13.

    Das meiste Geld der Reichen wird nicht verkonsumiert, sondern angelegt. Würden Sie das Geld auf Arme verteilen, sähe das ganz anders aus.

  6. 12.

    Der Artikel enthält einige interessante Aussagen. Z.B. dass Fische weniger Kühlung verbrauchen, weil sie wechselwarme Tiere sind. Ich hätte gedacht, das liegt daran, dass eine Schweinehälfte mehr Masse hat als eine Sprotte ;-) Interessant finde ich aber auch, dass die gestiegenen Preise inzwischen nachweisbar zu einem sinkenden Fleischkonsum geführt haben. Ich bin keine Veganerin, aber es steht wohl außer Zweifel, dass wir zu viel Fleisch essen. Ich fände es daher richtig, wenn man die Preise für Fleisch auch künftig beibehält. Allerdings erwarte ich auch, dass die heutige Massentierhaltung in zeitgemäßere Formen der Tierhaltung umgewandelt wird, so dass es irgendwann nur noch Bio-Fleisch der Haltungsstufe 4 gibt.
    Aber auch bei Fisch hoffe ich, dass man sich vom Fischmüll aus China verabschiedet und mehr auf das Regionale konzentriert. Ich kann mich noch daran erinnern, dass man sich früher in der Markthalle aus einem Fischbecken lebende Karpfen aussuchen konnte. Ist lange her.

  7. 11.

    Sollte der Satz "Viel von dem Fisch, der in Fischstäbchen landet, .... " nicht besser mit " ... würde keine Katze fressen." enden? Ist doch wie "Formfleisch". Wenn das raus kommt, was da drin ist, gehen wir rein ... so der Geselle zum Meister.

  8. 10.

    Erläutern Sie doch mal Ihre Kommentar etwas mehr. Warum weltfremd oder ungesund? Gern mit wissenschaftlichen Belegen und Quellen! :)

  9. 9.

    Kommen da noch irgendwelche Argumente zur Untermauerung?
    Wenn das Vermögen insgesamt gleich bleibt,wird der Konsum es ungefähr auch bleiben. Er verteilt sich nur anders.

  10. 8.

    OMG wie menschenfeindlich ist das denn ? Denkst du wirklich so? Oh mein ( nicht existierender ) Gott.

  11. 7.

    Da wir nun einmal Allesfresser sind, finde ich Ihre ungesunde Einstellung schon etwas weltfremd. Aber es gab schon zu jeder Zeit weltfremde Ideologien, die der Realität des Lebens nicht ins Gesicht schauen können.

  12. 6.

    Gleichmäßige Vermögensverteilung würde Konsum und Ressourcenverbrauch explodieren lassen.

  13. 5.

    Wieso…. Was für eine schlechte Wortwahl…. Warum oder Weshalb wären bei der Überschrift wohl die ansprechenderen Fragewörter. Aber vll. waren die VerfasserInnen beim Thema „ Fragewörter“ in der Schule grad Kreide holen.
    Unsere Sprache ist so vielfältig. Das muss sich nicht noch steigern durch Verhunzung.

  14. 4.

    Die Überschrift ist ein schönes Beispiel dafür, wie im real existierenden Kapitalismus Menschen gezielt getäuscht werden. "Sich verteuert " gibt es nicht. Es sind immer am höheren Preis interessierte Leute, die etwas teurerer machen.

  15. 2.

    Inflation macht arm und reich. Siehe die Übergewinnfirmen und die 2 Prozent Reichen die doppelt so viel Vermögen haben wie die übrigen 98 Prozent der Weltbevölkerung.

    PS: Wenn ihr mir nicht glaubt fragt bei Radio1 nach.

  16. 1.

    Fisch ist Fleisch, das ebenso aus Muskel- und Bindegewebe besteht. Alle Tiere leiden gleich.
    Und nein – fürs Tieretöten habe ich kein Verständnis.

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