Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin von oben (Quelle: DPA/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 06.01.2020 | P. Beng/T. Jaeger | Bild: DPA

Genehmigungsantrag liegt aus - So will Tesla seine Gigafactory umweltverträglich machen

Gaskraftwerk statt nur erneuerbare Energie: In den Unterlagen zur geplanten Tesla-Fabrik in Grünheide stößt der Leser auf manche Überraschung. Tesla bezeichnet das Projekt dennoch als umweltverträglich. Bis März können Bürger Einspruch erheben. Von Andreas Oppermann

Die Zahlen sind gewaltig: 500.000 Autos will Tesla in Grünheide pro Jahr produzieren. Sechs Züge sollen täglich mit Material auf das Gelände in Grünheide fahren. 463 Lkw bringen vom Toilettenpapier bis zu vorgefertigten Teilen täglichen Nachschub. Und sechs volle Züge mit fertigen Elektroautos der Tesla-Modelle 3 und Y sollen das Werksgelände verlassen. Außerdem rechnet Tesla selbst mit 2.828 Fahrzeugen, die pro Schicht Mitarbeiter in die Fabrik bringen - und das dreimal innerhalb von 24 Stunden.

Das sind die Zahlen, die Tesla im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zur öffentlichen Stellungnahme eingereicht hat und die seit Montag öffentlich ausliegen. Sie beziehen sich auf die volle Ausbaustufe der Fabrik. Zunächst soll aber nur für ein gutes Drittel Kapazität aufgebaut werden. Doch auch dies hat schon Auswirkungen auf Natur, Umgebung und Menschen.

Und aus den Unterlagen gehen Planungen hervor, die bislang anders kommuniziert wurden: Für die geplante Gießerei wird laut Tesla Wärme benötigt, die von einem eigenen Gaskraftwerk auf dem Fabrikgelände produziert werden soll. Bislang hieß es, dass die geplante Autofabrik ausschließlich mit Erneuerbarer Energie betrieben werden könnte.

Antragsunterlagen für den Bau der Autofabrik von Tesla
Rund 2.000 Seiten Unterlagen liegen seit Montag jeweils in Grünheide, Spreehagen, Erkner und Frankfurt (Oder) aus - Besucher können sich aber auch eine 49-seitige Zusammenfassung mitnehmen. | Bild: rbb/John-Alexander Döring

Viel Holz, wenig Wert

Die Umweltverträglichkeit der Fabrik schätzt Tesla in den Unterlagen dennoch hoch ein: Für die erste Ausbauphase sollen bis zum 27. Februar 2020 gut 90 Hektar Wald gerodet werden. Sollte Tesla in Europa tatsächlich so viele Autos verkaufen, dass der Ausbau bis auf 500.000 Fahrzeuge nötig wird, dann müssen auf 154 Hektar die Bäume fallen. Der enge Zeitrahmen ist wegen des Vegetationbeginns nötig. Das heißt aber auch, dass die Waldfläche beim Grünheider Ortsteil Freienbrink schon gefällt sein muss, bevor die Einspruchsfrist der ausgelegten Genehmigungsunterlagen am 5. März abgelaufen ist.

Der Wert des Waldes wird im Gutachten zur Umweltverträglichkeit als gering eingestuft. Lediglich einige Moose in dem Kiefernbestand gelten als schützenswert. Außerdem wird vermutet, dass in einigen hohlen Stämmen Fledermäuse überwintern könnten. Diese müssen vor der Rodung geborgen werden. Als schützenswerte Tiere werden zudem Eidechsen, Waldameisen und eventuell der Wolf eingeschätzt. Letzterer soll durch Hunde vergrämt werden. Eidechsen und Waldameisenhügel sollen ab April geborgen werden.

Das geplante Tesla-Gelände in Grünheide

Teslafabrik Bauplan (Quelle: rbb)

Im Wasserschutzgebiet

Problematischer ist der Eingriff der Fabrik für den Gewässerschutz. Im Bericht heißt es dazu: "Auf Grund der partiellen Lage innerhalb eines Wasserschutzgebietes kann die Empfindlichkeit als hoch eingestuft werden." Das bezieht sich auf das "Wasserschutzgebiet Erkner, Wasserfassungen Neu Zittauer und Hohenbinder Straße".

Allerdings ist Tesla davon überzeugt, dass sich die Probleme bautechnisch lösen lassen. In der Tat sieht die Bauordnung spezielle Schutzmaßnahmen vor, die von Tesla ebenfalls geplant werden. Generell wird die Belastung für Mensch und Umwelt vor allem in der Bauphase als höher bewertet als während des laufenden Betriebs. Wenn die Fabrik fertig ist, sollen die geforderten emmissionsrechtlichen Vorkehrungen getroffen sein.

Keine direkten Nachbarn

In den Unterlagen wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Fläche als Gewerbegebiet vorgehalten wird. Die Auswirkungen auf die Umgebung werden als gering eingestuft. Das hängt vor allem mit der Lage zusammen: Auf der Fläche sind keine schützenswerten Biotope. Das nächste ist ein Pfeifengras-Kiefern-Moorwald, 340 Meter nordöstlich des Areals.

Noch weiter entfernt sind Wohnbebauungen: 790 Meter nödlich des Geländes steht im Ortsteil Fangschleuse das nächste Wohnhaus. Zum Schulzentrum Grünheides sind es 1.100 Meter und zur Rehaklinik fast 1.900 Meter. Aus diesem Grund werden die Faktoren Lärm, Geruch, chemische Emmissionen oder elektromagnetische Strahlung als unproblematisch eingestuft. 

Für die Bevölkerung wird es deshalb vor allem um die Auswirkungen der Ansiedlung auf die gesamte Region gehen: Welcher Verkehr entsteht? Wo sollen all die Autos langfahren? Was ist mit zusätzlicher Wohnbebauung? Auch Naturschützer aus der Region haben bei ihren Bedenken vor allem die weiteren Auswirkungen im Blick.

Beitrag von Andreas Oppermann

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48 Kommentare

  1. 48.

    Folgen aus hydrologischer Sicht sind schon allein entscheidend. Die Trinkwasserversorgung ist schon jetzt an Ihre Grenzen gestoßen. Der ERHALT uralter Bäume trägt zur Verbesserung des Trinkwassers bei. Auch das Teslawerk wäre eine nicht hinnehmbare Belastung für die Trinkwasserversorgung in dem Gebiet,(Zit). Es gibt in De viele Industriebrachen, die man nutzen könnte(Zit). Es gilt, den BESTMÖGLICHEN STANDORT ZU SUCHEN auf Flächen , wie z.B. Sperenberg, wo der Eingriff in Natur und Gewässerbelastung geringer ausfallen (Zit). Und das unabhängig von Genehmigungsverfahren und Zeitvorgaben.

  2. 47.

    Manche Menschen sind gegen alles. Jetzt also Tesla. Und da wird dann argumentiert, der Bürger würde zu spät einbezogen.Ich wäre froh, wenn die Autofabrik schon fertig wäre und viele Menschen dort ihren Arbeitsplatz hätten.

  3. 46.

    Zweiradfahrzeuge wären cool

  4. 45.

    Und die ganze Sache mit dem Aufforsten: der vorletzte Sommer hat bereits gezeigt, dass junge Bäume (bis 10 Jahre alt) zuerst verdurstet sind und besonders neugepflanzte (1-2jährige) nicht angewachsen sind. Also einfach mal "schnell" dreißigjährige Bäume (oder gar 70jährige und ältere) ersetzen durch Nachpflanzen können wir uns im Wald wie in den Städten bis auf Weiteres abschminken. Ganz abgesehen davon, dass ein Baum erst ab einem gewissen Alter (ab 10 Jahren?)nennenswert Sauerstoff produziert. In der hiesigen Gegend wird bei weiteren solcher Sommer das Neupflanzen und Anwachsen ein ernsthaftes Problem werden. Und wenn ich mir die Bilder vom letzten Sommer vor Augen führe, wo die Nadelwälder - habs vergessen, waren es 40 Prozent? - streifenweise abgestorben waren durch hitzestressbegünstigten Käferbefall, und dann soll so ein sattgrünes Areal von 150 ha einfach mal "geerntet" werden..., da schreiben sich mir wieder die Fragezeichen auf die Stirn.

  5. 44.

    Ja, danke für die Frage, die ich mir auch schon stellte. Sperenberg, einst als Alternative zu Schönefeld vorgeschlagen... Dieser Vorschlag dürfte leider auf Grund des Übereile-Tempos zu spät kommen. Aber eines ist klar: Es hätte wirklich andere Flächen gegeben, wo Eingriff in Natur und Gewässerschutz geringer ausgefallen wären... Abgesehen davon, dass ich immer noch nicht nachvollziehen kann, warum ein derart logistischer Aufwand in Kauf genommen wird, anstatt in Kalifornien zu produzieren. Die Wahl einer kleinen Gemeinde in Brandenburg, verbunden mit der übertriebenen Eile ... das sieht so nach Absicht - von welcher der beiden Vertragsseiten auch immer - aus. Wer bitte soll in vier Wochen 2000 (an anderer Stelle las ich von 5000) Seiten durcharbeiten???

  6. 43.

    Warum baut Tesla nicht auf dem Flughafengelände Sperenberg ?

  7. 42.

    Schön, dass Sie unsere Gegend hier so gut kennen. Die auf dem Foto gezeigte Fläche mit Straße und Gastanks liegt unmittelbar neben dem EDEKA-LIDL-Großlager in Freienbrink. Wenn man sich das Luftbild ansieht erkennt man, dass bis Fangschleuse u. Richtung Hangelsberg derzeit bis auf ein paar Wege alles baumbewachsen ist. Wenn da jemand in Unterlagen blättert erkennt man nur die erste Ausbaustufe. ( rot abgesetzt ). Ich mache fast jeden Morgen eine 15-20 km lange Radtour; ein Bekannter in Karutzhöhe flucht nur noch über TESLA und BB-Regierung.

  8. 41.

    Ihr glaubt doch den ganzen Quatsch nicht. Gute Zielsetzung, schlechter Plan für die Umsetzung. Hier wird mit falschen Fakten geworben.
    Diese Strategie führt ins NICHTS.

  9. 39.

    Wenn Sie sich umstricken lassen, okay. Aber bitte nicht alle Menschen in Ihr „Wir“ einbeziehen, ich bin ein souveräner Bürger mit eigener Meinung. Und Ihre teile ich nicht.

  10. 38.

    Stimme Ihnen inhaltlich zu. Die Schaffung von Arbeitsplätzen , ist ohne Frage wichtig. Nur um dafür ein ganzes Naturschutzgebiet zu opfern, dieser Preis ist zu hoch, zumal die Kapazität der Trinkwasserversorgung schon jetzt an Ihre Grenzen gestoßen ist. Auch die Rodung uralter Bäume trägt nicht zur Verbesserung des Trinkwassers bei. Bevor nun jemand sagt, Halberstadt ist weit und hat eigene Probleme, so kann ich Ihnen sagen, dass ich Urberliner bin und diese Gegend gut kenne.

  11. 37.

    Jeder ausgesonderte Verbrenner hat aber ein 2. Leben - meist in Afrika oder Osteuropa. Habe ein ganzes Bündel von Aufkaufanzeigen / Briefkastenwurfzettel : "Kaufe alles-egal wie die Optik u. Alter; auch Schrottwagen ". Im trockneren Klima von Afrika fahren diese aufgemöbelten Verbrenner nochmals 20 Jahre. Ist ja nicht unser CO2 oder Stinkeabgas. Australien brennt derzeit u. man spürt es in Südamerika etc. Unsere Welt ist für den vielen Mist zu klein geworden. Unsere Politiker fahren mit großen Luxusmarken; der kleine Bürger ist auch nur Mensch und hat heute am SUV sein " Glück " gefnden. :=(

  12. 36.

    Jedes Windkraftwerk steht in einem riesigen Fundament aus Stahlbeton. ( Alles Bildmaterial im net zu finden ). Wir haben hier einen Kalksteintagebau, der so rasend schnell größer geworden ist. Bei der Zementherstellung; Werk an der B1-entsteht stets CO2. Hochwertige Zemente / Beton bindet kein CO2 bei der Aushärtung. Wird das Stahlbetonfundament jemals wieder ausgebuddelt ? Welch Folgen hat das aus hydrologischer Sicht ? Auch das Teslawerk wäre eine nicht hinnehmbare Belastung für die Trinkwasser versorgung hier. Es gibt in D. viele Industriebrachen, die man nutzen könnte.

  13. 35.

    Gegen alles ist doch einfach falsch. Gebe zu bedenken, dass man uns Bürger ökologisch "umstrickte". Wir haben früher auch oberflächlicher gedacht. Wir denken heute, so man das kann, gründlicher als die Grünen. Ganz wesentlich war für mich die Bodenversiegelung und die unzureichende Wasserversorgung. Lesen Sie mal die beiden Beiträge, die sich auch damit befassen. Ehemaliges Flugplatzgelände o.ä. der Sowjetarmee wäre aus ökologischer Sicht geeigneter. Frau Dr.S. hat es deutlich zum Ausdruck gebracht- Tesla oder Wasser.

  14. 34.

    Wie einige mal wieder gegen einfach alles sind... Schrecklich. Gegen Tesla, gegen Autos, gegen EAutos, Gegen..... Neh,t doch einfsch mal postiv wahr, dass Brandenburg nun attraktiv ist für ein international bekanntes Unternehmen wie Tesla. Wenn das seitens des Landes unterstützt wird, hat das positive Signale für andere Unternehmen. Wirtschaft geht dorthin, wo sie willkommen ist. Für die Entwicklung des Landes ist die Wirtschaft wichtig.

  15. 32.

    München ist weit. Es scheint mir, dass diese Entfernung einen extrem hohen Einfluss auf die Urteilsmöglichkeit hat. In München hat es im Sommer desöfteren stark geregnet; Wetter in Deutschland zeigte da öfter in dunkelblau ganz viel Regen. Hier freute ich mich ab 3 L / m². Rufen Sie mal unseren Wasserverband an; der sagt Ihnen, dass der Wald viel besser ist als aufgeheizte Betonflächen.

  16. 31.

    >>Was mit den verbrauchten Batterien der 500000 Fahrzeuge passieren soll, ist unklar. <<

    Nein, ist es nicht. Die werden als Speicher für Haussolaranlagen weiterverwendet oder zu 80-95% sortenrein recycled.
    Unklar ist das nur Menschen, die sich nicht informieren wollen.

  17. 30.

    Ich glaube Sie machen sich da zuviele Sorgen. Und auch falsche Vorstellungen. Jedes E-Auto, das in Deutschland verkauft wird, ersetzt einen Verbrenner. auch wenn es nur ein Zweitwagen ist. D.h. die Emissionen bei der Produktion von Verbrennern in Deutschland werden sinken, wenn Grünheide zu produzieren beginnt.

  18. 29.

    Es gibt Neumänner in Berlin, die diese grüne Gegend mit Wald und Wasser kennen; gern dort mit dem Schiff auf der Löcknitz fahren oder mit dem Rad die Erholung suchen. Grünheide und Umland sind Naherholungsgebiet. Nun habe ich erst kürzlich erfahren, dass unser Wasserverband mehrere Brunnen nicht mehr anzapfen darf; die Spree hat zuviel Schwefel aus den Tagebaugebieten in der Lausitz eingeschwemmt. Unbrauchbar ! Es betrifft Brunnen unweit der Str. nach Neu Zittau. Schon zu DDR-Zeiten mußte man Nähe Dämmeritzsee mehrere Brunnen wegen Phenolbelastung aufgeben. Das Wasser stank widerlich. Wußten Sie das alles ?

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