10.01.2020 bei Grünheide: Ein Waldweg führt von einer Landstraße auf das künftige Gelände der Tesla-Gigafactory. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.01.2020 | Philip Barnstorf | Bild: dpa/Patrick Pleul

Wasserversorgung unsicher - Wasserverband sieht Tesla vor "schwerwiegenden Problemen"

Ein Brandenburger Wasserverband warnt vor Problemen mit Wasserversorgung und Abwasser beim geplanten Tesla-Werk in Grünheide. Und nicht nur für die Fabrik könne es schwierig werden: Auch um die öffentliche Wasserversorgung sorgt sich der Verband.

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) warnt vor Wasserengpässen beim Bau der Tesla-Fabrik in Grünheide (Oder-Spree). Das geplante Fabrikareal liegt im Gebiet des Verbandes. Anders als von der Landesregierung dargestellt, sei die Wasserversorgung schon in der ersten Ausbaustufe keineswegs gesichert, teilte der Verband am Donnerstag mit. Es gebe "umfangreiche und schwerwiegende Probleme mit der Trinkwasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung" der geplanten Fabrik.

Zudem liege das Baugebiet in einer Trinkwasserschutzzone, "die sich nicht ohne Grund an dieser Stelle befindet", merkt der Wasserverband an. Sollten an dieser Stelle neben den Wasserversorgern noch andere Grundwasser fördern dürfen, gefährde das die öffentliche Trinkwasserversorgung.

"Trinkwasserversorgung kann nicht gewährleistet werden"

Einwände des WSE zur Wasserversorgung von Tesla und zu Abwasserproblemen würden von den Landesbehörden nicht ernst genommen, beklagt der Verband in seiner Mitteilung. Viele administrative und technische Fragen seien bis heute ungeklärt. "Gegenwärtig kann weder die Trinkwasserversorgung noch die Schmutzwasserentsorgung in dem von Tesla gewünschten Zeitrahmen gewährleistet werden", fasst der Wasserverband zusammen.

Laut den Plänen für die Autofabrik, die derzeit in mehreren Ämtern im Landkreis Oder-Spree ausliegen, wird die Fabrik 372 Kubikmeter Wasser pro Stunde benötigen. Das entstehende Abwasser soll gemäß der Tesla-Pläne in Klärwerken des WSE und in einer fabrikeigenen Abwasseranlage gereinigt werden. Für die Errichtung einer solchen Anlage braucht Tesla allerdings eine spezielle Genehmigung, weil die geplante Fabrik teilweise in einer Wasserschutzzone liegt.

Umweltverträglichkeit soll geprüft werden

Tesla will in der Fabrik bis zu 500.000 Fahrzeuge der Typen Model 3 und Y sowie künftiger Modelle pro Jahr bauen, zunächst etwa 150.000 Fahrzeuge pro Jahr. Der Vorstand hat den Kaufvertrag mit dem Land bisher noch nicht unterschrieben. Nach Angaben der Brandenburger Landesregierung will Tesla dies bis Ende dieser Woche machen.

Derzeit prüft das Landesamt für Umwelt (LfU) Antragsunterlagen von Tesla für den Bau des Werkes in Grünheide auf Vollständigkeit und Eignung für die öffentliche Auslegung. Es geht um eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Das Gesetz beinhaltet nach Angaben des Bundesumweltministeriums unter anderem den Schutz von Menschen, Tieren und Pflanzen, Boden und Wasser vor schädlichen Umwelteinwirkungen. Danach sollten die Unterlagen öffentlich bekanntgemacht werden; dann folge die Beteiligung der Öffentlichkeit, hatte Umweltminister Axel Vogel (Grüne) mitgeteilt.

Tesla-Informationsbüro eröffnet

Wer schon jetzt vom US-Elektroautohersteller Tesla mehr über die geplante Fabrik in Grünheide wissen will, hat seit Donnerstag eine Anlaufstelle: Tesla eröffnete ein Informationsbüro in der Gemeinde, um den Dialog mit den Bürgern zu starten. Bis zum 4. Februar sollen dort Fragen beantwortet werden. Das Angebot sei gleich genutzt worden, von Befürwortern wie von Skeptikern, sagte Bürgermeister Arne Christiani (parteilos).

Besucher im Informationsbüro von Tesla in Grünheide am 16.01.2020. (Quelle: rbb/Philipp Barnstorf)Tesla-Informationsbüro in Grünheide

Drei Mitarbeiter einer von Tesla beauftragten Unternehmensberatung beantworteten zwei Stunden lang die Fragen von gut einem dutzend Bürgerinnen und Bürgern. Besonders beim Thema Wasser war der Erklärungsbedarf groß, aber auch die Themen Waldumwandlung und mehr Wohnbebauung sorgten für Diskussionen. Unter den Besuchern waren neben privat interessierten Bürgern auch Lokalpolitiker und Unternehmensvertreter. Das Informationsbüro ist bis Anfang Februar zweimal wöchentlich geöffnet.

Am vergangenen Wochenende hatte es eine Demonstration gegen die geplante Ansiedlung auf dem Gebiet der Gemeinde gegeben, am Samstag ist eine neue Demo geplant.

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59 Kommentare

  1. 59.

    Ja wenn alle Ostbrandenburger und damit selbst Polen-Nachbarn so gegen neue Arbeitsplätze und andere Menschen sind, sollte Tesla, die Berlin Seite vom Atlas einfach mal umdrehen und auf der westlichen Seite von Berlin schauen. Aber wissen Sie überhaupt, warum Tesla, der BER und andere Strukturhilfen, überhaupt in der Osthälfte hauptsächlich vorgenommen wurden und werden. Gerade, weil sie in einer polnischen Grenzregion leben und ohne BER, ohne Tesla-fabrik, ohne Lausitz-Hilfen, das Licht bei Ihnen ausgehen würde. Das sagt nur kein Politiker zu ihnen, da er wieder gewählt werden möchte. Gerade der Osten und der Süden von Brandenburg, lebt von unseren Aufbauhilfen und Steuermilliarden.

  2. 58.

    Es ist auch nach Wochen nicht klar, wem wir es hier in Grünheide eigentlich zu verdanken haben, dass in ein Wasser- und Naturschutzgebiet, in eine noch einigermaßen intakte Natur, nach zwei Jahren extremer Trockenheit mit sinkendem Grundwasserspiegel eine Gigafactory errichtet werden soll? Die Gemeindevertretung war es nicht??? Also wer darf über uns hier im Ort entscheiden? Wieso nutzt man nicht die vorhandenen bereits zerstörten Flächen in der Lausitz? Wieso bietet man den dort vorhandenen Arbeitnehmern keine gute Perspektive in ihrer Region durch Tesla? Warum sieht man nicht die Möglichkeiten der dort vorhandenen Hochschulen? Die Flughäfen in Leipzig und der BER sind über die dort vorhandenen Autobahnen gut erreichbar, der Lausitzring wäre eine super Teststrecke!

  3. 57.

    Hallo Uwe,
    hab die Fragen von #53 jetzt selbst beantworten können. WSE Jahresleistung von 7,8 Mio m³ist hier:
    https://www.w-s-e.de/?path=daten-trinkwasser.php&sub2
    Tesla braucht also einfach noch mal ungefähr fast die Hälfte der gesamten Jahresleistung der WSE. Wie soll denn das gehen?
    Das Produktionsziel von 500 000 habe ich jetzt auch gefunden: S. 11 im UVP Bericht.
    Das heisst für die Autos, die hier pro Jahr bei Tesla gebaut werden sollen müssen nochmal 40 Mio m3 Wasser pro Jahr in Südamerika für den Lithiumabbau verbraucht werden.

  4. 56.

    Im Übrigen wäre es sicherlich hilfreich, wenn Sie sich mal den Schaum vom Mund wischen und sachlich argumentieren. Schade, dass ihnen die Argumente von Herr Neumann aus Berlin auf den Docht gehen, aber auch gegenteilige Meinungen gehören zu einem Meinungsaustausch. Es ist sicherlich auch nicht die Meinung der Brandenburger die sie hier vertreten, sondern IHRE Meinung. Ich bin auch Anlieger und freue mich auf Tesla!

  5. 54.

    zu #33 und #47
    Hallo Uwe versteh die Rechnungen noch nicht ganz: wo kommt das Produktionsziel von 500 000 Autos her (#33) und woher kommt der "neue Jahresbedarf" in #47 her?

  6. 53.

    Brandenburger haben aber auch ein gutes Gedächnis; macht die sauberere Waldluft hier. :=) Wo bleiben denn die vielen schwer erschufteten Steuern ? Da gibt es Minister, die verschleudern das Geld an teure "Berater" oder machen voreilig Verträge. Folgen für die hat das nicht. Das ist ein großes Problem im Land. Was wird heute alles aus China importiert ? Bei eiserner Disziplin könnte man vieles hier fertigen; diese Betriebe gab es mal. Es rächt sich alles. Deutschland hat genug eigene Autofabriken; ja..Einwände sind bekannt. Ich kaufe mir doch keinen TESLA, die haben ja fast nix hier. VW und Audi holen auf; was sich bald bemerkbar machen wird. Wie lange wartet man jetzt schon auf einen iD ? Der mit anderer Batterie; das wäre was. Ein Fahrradersatzteilewerk - das wäre was-aber nur für Brandenburger.

  7. 52.

    Wir haben doch erfahren müssen, dass Tesla die Werbetrommel Richtung Polen führt. Die haben es auf die Heimkehrer nach dem Brexit abgesehen. Ein bstehendes Indstriegebiet kann man erweitern; aber hier in einem Wasserschutzgebiet erst mal radikal abholzen ist ein Unding. Dazu hat man uns das ganze Jahr Gruselgeschichten über Hitzetote durch Klimawandel erzählt. Man forderte auf Wasser zu sparen; überall war alles vertrocknet. Man handelt dem zuwider. Arbeitsplatzbeschaffung muss nun nicht unbedingt durch Tesla erfolgen. Es geht ökologischer; ist doch auch die neue Staatsdoktrin. Poliiker sitzen im klimatisierten Büro; die kennen die entstehenden Probleme nicht.

  8. 51.

    Herr Neumann; Sie gehen mir auf den "Docht". Es war allein meine Entscheidung es ist ja kein ungereinigter Dieselstinker.
    Schildern Sie als Alroundexperte den anderen Lesern endlich mal die Technologie "Lithiumgewinnung".

  9. 50.

    Liebe Grünheider Wasserstrategen, Probleme sind dazu da überwunden zu werden. Aber seid doch ehrlich: ihr wollt die Fabrik nicht und sucht nach Gründen, das Projekt noch in letzter Minute zu stoppen. Denkt bitte auch Mal daran das Brandenburg Arbeitsplätze braucht um Steuereinnahmen zu be generieren.

  10. 49.

    "Folgen Sie dem Link in #23 und lesen das Kapitel. 6.1.1 (laut S.3, Inhaltsverzeichnis ab S. 82)."
    Danke, habs jetzt gefunden. Ich war gestern wohl bei 6.11.1 gelandet und hab da nur "Relevante Wirkfaktoren" gefunden...habe da offensichtlich zu lange am Bildschirm gesessen, wenn aus der 11 eine 1 wird....und die Dokumentensuche nach "Betriebszeit" hatte auch nichts ergeben.
    "Auch wenn die Angaben zur Höhe des Grundwasser von 2014 sind, waren die Keller vergangenes Frühjahr immer noch feucht." Könnte teilweise auch Schichtenwasser sein. Auf https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp gibt es (rechte Spalte Grundwasserstand) Ganglinien. Der Pegel ist durch den Regen jetzt im Winter wohl wieder gestiegen (ungefähr wie 2017), war aber teilweise schon ganz schön tief gesunken. Leider gibt es wohl nur im Urstromtal Messstellen
    bei Nachbarn von Bekannten ist nämlich z.B. der Brunnen versiegt. Aber wie gesagt das Problem ist vorallem auch, dass da zuviel Sulfat im Grundwasser ist.

  11. 48.

    Der Brandenburger möchte - wie jeder andere Bundesbürger auch - einen Arbeitsplatz haben. Nur sollte man abwägen, ob der Preis dafür nicht zu hoch wird. Ein Wasserschutzgebiet wird zerstört und bis eine Wiederaufforstung , an einem anderen Ort greift, vergehen Jahre. Wer glaubt eigentlich, dass dort ausschließlich deutsche Arbeitnehmer beschäftigt werden?
    Deshalb lieber auf bereits freie oder freiwerdende Flächen ausweichen (habe hier schon einmal den Flughafen Schönefeld ins Spiel gebracht). Hat eine optimale Verkehrsanbindung und lässt sich ohne größeren Aufwand umbauen. Soll ja in Kürze frei werden, wurde uns ja versprochen.

  12. 47.

    Na, dann wollen wir mal ehrlich sein:
    Wasserbedarf: 372 m³/h [S. 26, Tesla Kurzbeschreibung]
    maximale Betriebszeit: 8.760 h/a [S. 23, -"- ]
    Zusätzlicher Jahreswasserbedarf: 372 m³/h * 8.760 h = 3.258.720 m³ rd. 3,259 Mio m³
    Geförderte Jahresleistung WSE 7,8 Mio m³
    Neuer Jahresbedarf bei vollem Betrieb Tesla 11,059 Mio m³
    Eine zukünftige Überschreitung der Jahresleistung von gut 41% macht aus vermeintlich sachlich dünnen Bedenken ein Abbruchkriterium.

  13. 46.

    Man könnte fast meinen der Brandenburger möchte gar keine Arbeitsplätze haben und sich lieber in seinem eigenen selbstmitleid suhlen und wundern wenn es immer mehr bergab geht.
    Scheinbar ist dort das AFD denken schon so weit gekommen dass man mit vollem Karacho gegen die Wand fährt um in die steinzeit zurückzukehren, armes Brandenburg.
    Das es alles unbewiesene Scheinargumente sind, wie z.b. mit den billigen Arbeitskräften aus Polen, interessiert scheinbar keinen, hauptsache man basht gegen den Fortschritt.

  14. 45.

    Folgen Sie dem Link in #23 und lesen das Kapitel. 6.1.1 (laut S.3, Inhaltsverzeichnis ab S. 82).

    Auch wenn die Angaben zur Höhe des Grundwasser von 2014 sind, waren die Keller vergangenes Frühjahr immer noch feucht.

  15. 44.

    Ein Auto aus dem A-Segement hätten Sie auch von einem deutschen Hersteller bekommen können. Ihr Arbeitsplatzargument bleibt für mich ein NIMBY-Scheinargument.

    Ais Sperenberg wurde hauptsächlich ein Naturschutzgenbiet. Und auch Tesla muss ein vielfaches Aufforsten und entsprechende Flächen entsiegeln - nur eben nicht vor Ihrer Haustür, sondern bei anderen. Genau das ist aber Ihr eigentliches Problem.

  16. 43.

    Ich kann ja alle Anwohner verstehen. Und die Kritiker hier sind praktisch alle Anwohner, nicht nur Uwe aus Grünheide. Aber sein wir mal ehrlich. Die Bedenken sind sachlich gesehen dünn. Es wurde für Windräder schon viel mehr Wald zerstört,leider, da haben sich die hiesigen Anwohner auch nicht geregt. Aber vor der eigenen Haustür. Ich selbst wohne übrigens in Hangelsberg.

  17. 42.

    Es geht hier nicht um Verkehrswert oder andere Dinge. Hier ist Wald, Natur, Wassernähe - ja, Wirtschaftswald und der solll es bleiben. Es ist so viel platt gemacht worden nach 1990. Da kann sich Potsdam u. Tesla bedienen. Reißt doch Villenviertel der Reichen nieder; die spüren nämlich sonst nix vom Elend der Welt. Heute ein Waldgebiet zu opfern ist hirnrissig. Das sagte mir vor ein paar Tagen ein bisher Unbekannter.- Was ist eigentlich aus Spehrenberg geworden ? Sie wissen es Herr Neumann ?

  18. 41.

    Alfred Neumann schrieb in Kommentar 39: "Im UVP sind im Kapitel 6.1.1 die Betriebszeiten angegeben."
    Danke für den Hinweis! uwe hat in 34) schon erläutert, dass es wohl noch einen UVP Bericht gibt, der nicht im Internet ist.(@uwe: Danke für das Angebot, ist aber nicht nötig, für die Wassermenge reicht erstmal auch die Angabe eines Durchschnittswerts ) In dem Gutachterbericht der UVP (siehe Link und Kommentar in 23) steht nichts zu Betriebszeiten, falls ich da nichts massiv übersehen habe.
    Alfred Neumann schrieb in Kommentar 32: "Berlin hat zunehmend Probleme mit zu viel Grundwasser, weil hier immer weniger Trinkwasser gefördert wird"
    Die Studie in dem Artikel ist von 2014. Seit dem gab es massive Trockenperioden und ausserdem ist das Berliner Grundwasser derzeit stark Sulphat verseucht. Siehe auch Kommentar 4 mit diesem Link:
    https://geoportal.bafg.de/birt_viewer/frameset?__report=GW_WKSB.rptdes

  19. 40.

    Der kleine i10 war wohlbedacht. In unserer Tiefgarage stehen BMW 730, Audi A 6 , VOLVO S 90 - andere Hyundays u. Mazda. Gäbe es damals schon den iD wäre es dieser obwohl ich Akkuautos nicht mag. ( s. LI-Gewinnung in Chile ) Das Waldgebiet ist zu schade- zu wertvoll für Mensch u. Umwelt. Tesla will noch Fördermittel haben. Dann ersehnen die polnische Arbeitskräfte. Was haben wir davon ? Ich könnte in einem Amimalocherbetrieb nicht arbeiten. Allenfallls in der Forschung aber dann nur bei VW oder BMW. Haben Sie mich nun richtig verstanden ? Unser Wasser hier war schon immer Brandenburger Eigentum-für uns und unsere Kinder. Sie begreifen nix.

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