Teslas zukünftiger Betriebsstandort in Grünheide, Gewerbegebiet Freienbrink, Brandenburg (Quelle: www.imago-images.de/michaelhandelmann.de)
Video: Brandenburg aktuell | 08.01.2019 | Ulrike Nagel | Bild: www.imago-images.de

Geplante Autofabrik in Grünheide - Tesla soll knapp 41 Millionen Euro für Grundstück zahlen

Über den Preis, den Tesla für das Grundstück im brandenburgischen Grünheide zahlen soll, gibt es erste Berichte. Demnach wird Firmenchef Elon Musk nicht allzu tief in die Tasche greifen müssen. Die Opposition kritisiert den Preis als weit unter Bodenwert.

Tesla erhält das 300-Hektar-Grundstück für sein Autowerk in Brandenburg offenbar zu vergleichsweise günstigen Konditionen. Im Kaufvertrag sei die Summe 40,91 Millionen Euro verabredet worden, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Sie bezieht sich auf eine Vorlage für den Brandenburger Landtags-Haushaltsausschuss. Mit knapp 41 Millionen Euro zahle der US-Elektroautobauer einen Quadratmeterpreis von 13,52 Euro für das Areal in Grünheide (Oder-Spree).

Zuvor hatte die "B.Z." berichtet. Im angrenzenden Gewerbegebiet Freienbrink liegt der Bodenrichtwert mit 40 Euro dreimal so hoch, wie Zahlen des Landes zeigen [boris-brandenburg.de]. Da aber die Tesla-Fläche noch nicht wie jene in Freienbrink über Straßen, Wasser, Licht und Strom verfüge, sei die Fläche als günstiges "Rohbauland Gewerbe Berliner Umland" ausgewiesen worden, hieß es in der "B.Z.".

Möglicherweise munitionsbelastetes Gebiet

In einer ersten Baustufe ist zunächst geplant, nur 152 Hektar der Fläche zu nutzen. Kurz vor Weihnachten hatten sich die rot-schwarz-grüne Landesregierung und Tesla nach Angaben der Landesregierung über den Kauf geeinigt. Der Tesla-Vorstand will laut Regierung erst bis Mitte Januar entscheiden, ob er den Vertrag billigt.

Das Gelände befindet sich in einem Waldgebiet. Das Problem: Auf dem Grundstück könnten alte Fliegerbomben liegen. "Es hat sich herausgestellt, dass entgegen ursprünglicher Erwartungen auf dem Gelände Weltkrieg-II-Munition vermutet wird - konkret amerikanische Fliegerbomben", sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) im Umweltausschuss des Landtags in Potsdam. Diese Flächen würden nun abgesucht. Dort, wo nicht explodierte Bomben vermutet werden, würden sie entsorgt. Dafür müsse der Bund bezahlen.

Haushaltsausschuss berät am Donnerstag

Am Donnerstag will der Haushaltsausschuss des Brandenburger Landtags über den Grundstücksverkauf in einer nicht öffentlichen Sitzung entscheiden. Obwohl der Vertrag noch nicht unterschrieben wurde, können die Abgeordneten dem Projekt bereits zustimmen.

Die Linke im Brandenburger Landtag hat bereits ihre Ablehnung angekündigt. Man werde keine Blanko-Vollmacht ausstellen, teilte der Linke-Haushaltspolitiker Ronny Kretschmer am Mittwoch mit. Er bestätigte in einer Mitteilung, dass der Kaufpreis weit unter dem Bodenrichtwert von 40 Euro im benachbarten Gewerbegebiet liegt und sprach von einer "nicht nachvollziehbaren Vorlage". Zahlreiche vertragliche Nebenabsprachen seien nebulös und müssten geklärt werden, um Nachteile für den Landeshaushalt auszuschließen, so der Linke-Politiker weiter.

Der SPD-Haushaltspolitiker Wolfgang Roick, Mitglied des Haushaltsausschusses, verteidigte den niedrigen Grundstückspreis und nannte ihn angemessen, da es sich hierbei um "kein richtiges Bauland" handele. Am Ende zählten die Arbeitsplätze.

Umweltausschuss berät über ökologische Folgen

Am Mittwoch beschäftigt sich zudem der Umweltausschuss des Brandenburger Landtags mit den Tesla-Plänen. Auf dem Tisch der Abgeordneten liegt der Bericht des US-Konzerns zur Umweltverträglichkeit. Es geht um mögliche Beeinträchtigungen der Umwelt durch das Projekt. Tesla selbst schätzt die Umweltverträglichkeit der geplanten Fabrik hoch ein. Für die erste Ausbauphase sollen bis zum 27. Februar 2020 allerdings gut 90 Hektar Wald gerodet werden. Sollte Tesla in Europa tatsächlich so viele Autos verkaufen, dass der Ausbau bis auf 500.000 Fahrzeuge nötig wird, müssten auf 154 Hektar die Bäume fallen.

Der Wert des Waldes wird im Gutachten zur Umweltverträglichkeit als gering eingestuft. Lediglich einige Moose in dem Kiefernbestand gelten als schützenswert. Außerdem wird vermutet, dass in einigen hohlen Stämmen Fledermäuse überwintern könnten. Diese müssten vor der Rodung geborgen werden. Als schützenswerte Tiere werden zudem Eidechsen, Waldameisen und eventuell der Wolf eingeschätzt. Letzterer soll durch Hunde vergrämt werden. Eidechsen und Waldameisenhügel sollen ab April geborgen werden.

Tesla will nach bisherigen Plänen ab Juli 2021 in Grünheide im Kreis Oder-Spree Elektroautos bauen. Geplant sind bis zu 500.000 Fahrzeuge im Jahr der Typen Model 3 und Y sowie künftiger Modelle. Dem bisherigen Zeitplan zufolge sollen in Grünheide bereits 2021 die ersten E-Autos vom Band rollen.

Minister Steinbach sieht "Dominoeffekt"

Unterdessen registriert Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) nach eigenen Angaben in der Region schon jetzt eine Sogwirkung durch die Tesla-Pläne. Es gebe bereits Anfragen weiterer Firmen, die wissen wollten, warum der brandenburgische Standort für Tesla so attraktiv gewesen sei, dass dort Milliarden investiert würden, sagte Steinbach am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Diese Sogwirkung merken wir schon heute", so Steinbach. So habe ein US-Batteriehersteller ein neues Werk in Ludwigsfelde zugesagt und wolle auch die Leitung seines Europageschäfts dorthin verlegen. "Dieser Dominoeffekt wird für Brandenburg von ganz entscheidender Bedeutung sein", sagte der Wirtschaftsminister. Zudem wolle der BASF-Vorstand in sechs bis sieben Wochen seine Entscheidung über den Bau eines Batterie-Komponenten-Werkes in Schwarzheide bekanntgeben.

Steinbach räumte zugleich ein, dass Tesla zunächst wohl nicht mit einem Tarifvertrag für die Beschäftigten beginnen werde. "Aber mein Verständnis ist so, dass Tesla weiß, dass es sich mittelfristig darauf einstellen muss und sich entsprechend partnerschaftlich verhalten wird", sagte der Wirtschaftsminister, der in Brandenburg auch für das Thema Arbeit zuständig ist.

Sendung: Antenne Brandenburg, 8.1.2020, 8 Uhr

Kommentar

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40 Kommentare

  1. 40.

    hallo alle zusammen.
    das e-auto hat keine langfristige zukunft.bitte lest"trendradar autoindustrie dr.cristian tribowski" oder andere autoren die regierungsunabhängig dind,es gibt genug davon auch im ausland.lasst euch nicht von einem altmeier und dessen.......verwirren.unsere autoindustrie,so wie sie ist,wird von hausgemachten beschlüssen der"regierenden parteien"festgelegt.überlegt euch,wozu brauchen wir einen"tesla-.....",wir haben selbst gute ingeneure und technologien und arbeiten mit hochdruck daran.hinterfragen und nicht verwirren lassen......

  2. 39.

    Warum, was kann man bei Tesla verdienen, bestimmt gutes Geld und ein sauberer Arbeitsplatz, Denke ich ? Und der Fahrweg ist in gesamt Ostbrandenburg doch auch nicht weit.

  3. 37.

    Ein wunderbarer Kommentar dem ich nur zustimmen kann !
    Immer nur jammern und alles vom Staat haben wollen, aber selbst nichts investieren.

  4. 36.

    Tariflöhne setzt Tarifverhandlungen voraus. Diese wiederum setzen voraus, dass man erst einmal als beschäftigter Mitglied einer Gewerkschaft wird. N ur meckern über die Bedingungen und den angeblichen schlechteren Lohn bringt nichts, wenn man den eigenen Hintern nicht hoch bekommt und sich engagiert. Aber gute Ausreden für Hartz IV gibt es leider viel zu häufig.

  5. 35.

    Ich finde es schade, dass unsere Politiker so schlechte Arbeit leisten.
    Eine Erbbaupacht wäre die bessere Lösung gewesen.
    Der Steuerzahler wird am Ende wieder der Dumme sein.
    Wälder abzuholzen ist der falsche Weg, wo in Brandenburg auf Grund
    von Waldbrand und Trockenheit schon viele Bäume fehlen ( Klimaschutz ade ).
    Aber so ist das, als Privatperson müssen sie Kampfmittelräumung und
    Straßenausbau selber zahlen. Alle Menschen sind gleich, aber manche sind eben gleicher !!!

  6. 34.

    Habe es nicht für möglich gehalten: 6 zu 4 durchgewunken. Was soll ich als Bürger nun über unsere "Umweltschutzregierung" denken ? Jeder Hütchenspieler ist ja ehrlicher als unsere Politiker.

  7. 33.

    "Aber mein Verständnis ist so, dass Tesla weiß, dass es sich mittelfristig darauf einstellen muss und sich entsprechend partnerschaftlich verhalten wird"

    also das...das ist an Naivität nicht zu überbieten

  8. 32.

    Schönen Gruß nach Leipzig; habe dort Verwandte. Als ich ihre Zeilen las kam mir der Gedanke; sollte das Teslamonstrum dort wirklich entstehen täte es den Typen in Potsdam mal so richtig gut würden die mal so 1/2 Jahr im 3-Schichtbetrieb als abhängig Beschäftigte dort arbeiten. Zum dann dort üblichen Lohn . Täglich von Potsdam und zurück. Eine Heilkur für s Leben.

  9. 31.

    Echt super und Klimaneutral, dass für den Bau einer E-Autofabrik erstmal auf die Rasche 90 Hektar bzw. später in Summe 154 Hektar Wald gerodet werden müssen. Es gibt genug frei Äcker, auf denen keine Bäume gefällt werden müssten.
    Bei solch einer Umweltfrevelei kann die Klimabilanz eines Tesla's aus Brandenburg niemals positiv sein. Diese ist ja so schon schlechter als ggü. der Produktion und Nutzung eines herkömmlichen Fahrzeuges, weil für die Batterieherstellung so viele Schadstoffe emittiert werden, dass man einen PKW mit nem Euro 6 Diesel bauen und locker 200.000 km fahren kann, um auf das gleiche Level zu kommen...

  10. 30.

    Auswirkungen auf Landschaft, Natur u. Umwelt scheinen den SSPD-Genossen Roick wenig zu interessieren. Hie soll ein in langen Geheimverhandlungen ausgeküngeltes Projekt durchgezogen / realisiert werden. Zumindest die später dort arbeitenden Mitarbeiter zahlen ja Steuern - nur das ist wichtig. Sollen die in Gottes Namen irgendwo auf einer alten Industriebrache das TESLA-Werk bauen lassen; aber nicht gegen den Willen der hier betroffenen Bürger im Erholungsgebiet Urstromtal mit Spree, Löcknitz u. mehreren Seen.

  11. 29.

    Der Grundstückspreis ist derzeit nur vorläufig. Es soll von Gutachtern der Verkehrswert ermittelt werden. Der Aspekt wurde allerdings weniger offensiv an die Presse durchgestochen.

  12. 28.

    „Hat da noch jemand Fragen, wie wir dem Amerikaner zu Kreuze kriechen?“

    Lassen Sie mich raten: Als das Grundstück BMW angeboten wurde, haben Sie sich ganz doll empört, wie wir dem Deutschen zu Kreuze kriechen.

  13. 27.

    „Der SPD-Haushaltspolitiker Wolfgang Roick, Mitglied des Haushaltsausschusses, verteidigte den niedrigen Grundstückspreis und nannte ihn angemessen, da es sich hierbei um "kein richtiges Bauland" handele.“

    So marschiert man sehenden Auges in ein EU-Verfahren wegen unzulässiger Subvention.

  14. 26.

    Herr Musk erhaelt das durch Autobahn und Eisenbahn gut erschlossene Grundstueck zu einem Quadratmeterpreis von ca. 13 Euro faktisch geschenkt. Es ist schon erschreckend, wie veratwortungslos hier mit Staatseigentum umgegangen wird, nur um einen Grossinvestor zufrieden zu stellen. Die erhofften Beschaeftigungseffekte scheinen dabei zweifelhaft, nicht aber die katastrophalen Auswirkungen auf Landschaft, Natur und Umwelt.

  15. 25.

    "Hat da noch jemand Fragen, wie wir dem Amerikaner zu Kreuze kriechen?"

    Wir kriechen nicht den Amerikanern zu Kreuze, sondern sind Opfer unserer selbstgewählten Abhängigkeit von Investoren, die wir Arbeitnehmer füttern dürfen um nicht selbst zu verhungern.

    Die ökonomische Tatsache, dass nur abhängig Beschäftigte die Wertschöpfung bewerkstelligen, interessiert einen Herrn Musk oder Bezos nicht. Wir füttern sie freiwillig, um nicht selbst unterzugehen.

  16. 24.

    Herr Neumann; Gratulation ! Sie haben das Zeug zum Spitzenpolitiker. Keine Bange; Ihnen steht da so ein superprozessorgesteuertes Gerät mit vollumpfänglicher Software zur Verfügung. Bedingungslos- bekannt als KI . Aber bitte; den Stinkediesel vergessen wir. Wußte ich doch; Berlin ist die letzte Rettung für Grünheide. Stopp; Die Grünheider haben das letzte Wort. Sorry.

  17. 23.

    Aber Herr Neumann ; ehe die Wassserleitung aus Sonstwoinberlin hier liefert vergehen Jahrzehnte. Sagen Sie doch mal was kluges zum Kommentar Nr. 19 . " Wie die Tesla- Ansiedlung die Region verändern wird"- lesen Sie mal. Sind Sie parteigebunden ? Können Sie die Bürger hier in Grünheide überhaupt verstehen; innerlich folgen ? Man baut ein derartiges Stinkewerk nur auf einer ausgedienten Industriebrache. Wir sind hier nicht in Wildwest. Dem TESLA geht es um Gewinn; Arbeitsplätze sind dem schnurzpiepegal. Werden unsere so teuren Bonzen und Minister jemals Tesla fahren ? Frau Schulze steht auf Luxusauto made in Germany. Capito ?

  18. 22.

    Wenn Sie über die Umweltschäden für die Batterieproduktion schwafeln, tragen Sie hoffentlich sein 30 Jahren die gleiche Hose. Trinken Sie Kaffee?

    Ich habe mir auch die Analysen des Wasserverbandes angeschaut. Entweder lügt er oder die die Schwefelwerte liegen weit unter den Grenzwerten. Es gibt in der Region Wasserwerke mit wesentlich höheren Konzentrationen.

    Ich brauche mir kein Fahrrad kaufen, es steht schon eins im Fahrradkeller. Dennoch bevorzuge ich lieber 320 PS Diesel aus dem VW-Konzern - gerade bei dem Wetter.

    Wenn jemand bauen will, heißt das noch lange nicht, dass er bauen darf. Oder gibt es für Ihre ominösen Hochhäuser bereits eine B-Plan?

  19. 21.

    Es wäre ziemlich blöd, wenn die die Bäume auf eben diesem Grund pflanzen würden, oder?

    Wasser können Sie gerne auch aus Berlin bekommen. Hier gibt es so viel, dass manche, eigentlich wegen erheblich gesunkenen Verbrauchs nicht mehr zur Trinkwassergewinnung benötigte Brunnen allein zur Grundwasserhaltung betrieben werden müssen.

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