Drei Elektrofahrzeuge der Marke Tesla stehen auf einer Baustraße am Rand eines Waldes, wo der Bau einer Tesla-Fabrik geplant ist. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Podcast "Die erzählte Recherche" | 14.02.2020 | Jenny Barke mit Philip Barnstorf | Bild: dpa/Patrick Pleul

Podcast | Die erzählte Recherche - Tesla oder Das Schweigen im Walde

Trinkwasserversorgung, Arbeitnehmerrechte, Umweltschutz: Gerüchte und Befürchtungen zur geplanten Tesla-Fabrik gibt es viele. rbb-Reporter Philip Barnstorf ist in Vollzeit damit beschäftigt, die Fakten zu verifizieren - trotz aller Hindernisse. Ein Recherche-Gespräch.

 

Die Nachricht elektrisierte Ende November viele Berliner und Brandenburger: Der US-Elektroautobauer Tesla will vor den Toren Berlins eine neue Fabrik bauen. Inzwischen steht fest: 8.000 Arbeitsplätze könnten durch das Werk geschaffen werden. Die Politik ist euphorisch, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke nennt die sogenannte "Gigafactory", in der Elektroautos und Batterien hergestellt werden sollen, eine "Riesennummer. Dem gegenüber stehen aber auch Kritiker. Sie monieren unter anderem, dass es an Bürgerbeteiligung fehle und die Trinkwasserversorgung in Gefahr geraten könne.

rbb-Journalist Philip Barnstorf ist Teil eines Rechercheteams um Tesla. Er verfolgt die Entwicklungen mit und ist mit den Brandenburgern vor Ort im Gespräch. Im Inforadio-Podcast "Die erzählte Recherche" berichtet er Jenny Barke von seiner Arbeit und dem Umgang mit Tesla.

Jenny Barke: Die Verhandlungen um den Tesla-Bau waren bis November streng geheim. Da wurde keine Information geleakt. Hat dich die Nachricht im November überrascht wie alle anderen? Oder hast du als Journalist, der viel in und über Brandenburg berichtet, bereits früher die Nachtigall trapsen gehört?

Philip Barnstorf: Nee, also ich hab da gar keine Nachtigall trapsen gehört. Und ich glaube auch von meinen Kollegen niemand. Es war wohl so, dass da auf Seiten der Landesregierung gerade mal um die 30 Leute eingeweiht wurden. Und die haben absolut dicht gehalten.

War es für Brandenburg ein großes Glück, dass die Landesregierung dicht gehalten hat?

Zumindest ist es, würde ich sagen, in Ordnung, dass die Regierung das gemacht hat. Denn bei solchen Ansiedlungen ist, glaube ich, auch normal, dass sich die Verhandlungspartner erst mal abklopfen. Erst wenn es konkret was zu sagen gibt, also wenn es konkret eine Entscheidung für oder gegen den Standort gibt, holt man die Öffentlichkeit ins Boot.

Auch seit der Bekanntgabe, dass Tesla nach Grünheide kommen möchte, ist Tesla immer noch recht zurückhaltend. Wie gehst Du damit in Deiner Recherche um?

Ein bisschen unsympathisch finde ich es ehrlich gesagt schon. Ich würde aber Tesla auch zugute halten, dass das einfach der US-amerikanischen Unternehmenskultur geschuldet ist. Außerdem nehme ich schon wahr, dass sie jetzt nicht einfach komplett nur machen, was sie wollen. Sie schauen schon auf die Verhältnisse, die sie hier vorfinden, indem sie sich beispielsweise mit Umweltverbänden treffen. Sie reagieren schon auf das, was sie hier vorfinden. Ich kann mir auch vorstellen, dass sie bald mit der Presse reden.

Wie ist es denn bei solchen Diskussionen, zum Beispiel bei Sorgen um die Umwelt, für dich möglich, Zahlen zu verifizieren?

Es war zum Beispiel hilfreich, dass das Brandenburger Umweltamt die Genehmigungsakten bis Anfang Februar einen Monat lang ausgelegt hat. Da habe ich mich mal anderthalb Tage hingesetzt und habe die durchgepflügt und viel abfotografiert.

Ansonsten sind auch viele Institutionen inzwischen gesprächig, zum Beispiel der Wasserverband Straußberg-Erkner, die haben konkrete Zahlen präsentieren können. Und auch im rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) gibt es viele Journalisten, die Kontakte zu Menschen in der Region haben. Aber es ist schon ein bisschen mehr Arbeit, weil Tesla so verschwiegen ist.

Wenige Wochen nach der Bekanntgabe habt Ihr im rbb ein Rechercheteam gebildet. Das passiert im rbb öfter. Welches Ziel hat das Tesla-Rechercheteam?

Zum einen ist es uns im Studio Frankfurt (Oder) natürlich wichtig, weil Grünheide unser Sendegebiet ist. Das heißt, bei so einem großen und komplexen Thema, wo auch so viele Themenbereiche berührt sind, wollen wir auch sicherstellen, dass wir alles abdecken können.

Außerdem ist die Lokalkompetenz der Journalisten wichtig, die sich vor Ort auskennen. Sie können andere Wege gehen, um an Informationen zu kommen, als nur den Pressesprecher einer Institution anzufragen. Das ist hilfreich, wenn man solche Kanäle nutzen kann.

Zudem ist das ein Thema, was sich schnell entwickelt. Wenn man reinzoomt, erkennt man, dass das alles Salami-mäßige Vorgänge sind. Zum Beispiel zum Grundstücksverkauf gibt es so viele Details. Die muss man nicht alle in den Nachrichten erzählen, aber es ist wichtig, die alle auf dem Schirm zu haben.

Um die Tesla-Fabrik ranken sich viele Gerüchte. Wie gelingt es euch, den Überblick zu behalten und nicht ständig den Fake-Fakten hinterherzurennen?

Wir können nur die Fakten zusammentragen und Ruhe bewahren. Man muss auch einfach mal feststellen: Da ist noch ganz viel erst im Entstehen.

Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Befürworter. Eine große Euphorie ist spürbar. Wie gelingt es die da, einen Mittelweg als Journalist zu finden?

Für mich hat das Ganze schon Licht und Schatten. Ich sehe viele positive wirtschaftliche Aspekte für Brandenburg. Ich bin zwar kein Klima-Fachmann, aber ich sehe schon einen Konsens, dass Elektromotoren besser oder eben ökologischer sind als Verbrennungsmotoren.

Es gibt aber auch Fakten rund um diese Fabrik, die schwierig sind. Laut Genehmigungsakten sollen täglich mehr als 400 Lkw rein- und wieder rausfahren. Und die Riesenfabrik muss erstmal gebaut werden, dafür wird die Natur zerstört.

Schließlich ist noch die Frage, was passiert, wenn in ein paar Jahren die deutschen Autobauer in den Elektroauto-Markt einsteigen. Tesla hat im letzten Jahr glaube ich 800.000 Autos hergestellt, demgegenüber steht VW mit elf Millionen Autos. Wenn deutsche Autobauer also mit einsteigen, dann sehe ich da schon Fallstricke für das Tesla-Projekt. 

Mit all diesen Pro und Contra würde ich sagen, komme ich dann auf einen neutralen Mittelstandpunkt in der Berichterstattung. Ich kann auf verschiedene Perspektiven eingehen.

Das Interview ist eine redigierte und stark gekürzte Form des Inforadio-Podcast "Die erzählte Recherche". Das Gespräch führte Jenny Barke.

Sendung: Inforadio, 14.02.2020, 09:25 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Die Tesla-fabrik benötigt 1 bis 3 winzig kleine Quadratkilometer !!! Auf diesen 1 bis 3 Quadratkilometern, arbeiten bis zu 12000 Mitarbeiter. Brandenburg hat eine Fläche, von fast 30000 Quadratkilometern. Tesla benötigt davon nur 0,01 Prozent und auf dieser sehr geringen Brandenburger Fläche, arbeiten dann, bis zu 12000 Menschen.

  2. 13.

    „Vieles wurde erdacht; erst die Dampfmaschine, dann der Verbrenner und nun das Batterieauto.“ Falsch. Erst das Batterieauto, dann der Verbrenner. Elektromobilität ist ein alter Schuh. Doch batteriebetriebene Elektroautos fielen über viele Jahrzehnte einen tiefen Dornröschenschlaf, nachdem Charles Kettering den elektrischen Anlasser für Verbrennungsmotoren erfunden hatte. Dessen Erfolg nämlich nahm dem Elektroauto damals seinen letzten großen Vorteil gegenüber den Verbrennern, den vor allem Frauen und Ärzte so zu schätzen gelernt hatten: Sofort losfahren ohne lästiges Kurbeln. Mit Reichweite, Leistung, und günstigen Unterhaltskosten konnten die Stromer beim damaligen Stand der Batterietechnik natürlich sowieso nicht glänzen. Der Ölboom sorgte für den Rest und für eine rasante Entwicklung hin zur heutigen weltweit engmaschigen Tankstelleninfrastruktur.

  3. 12.

    Branchenkundiger wissen: Tesla hat einen Technologievorsprung von sechs Jahren. Der Zug ist längst abgefahren. https://asia.nikkei.com/Business/Automobiles/Tesla-teardown-finds-electronics-6-years-ahead-of-Toyota-and-VW2

  4. 11.

    Hoffentlich wird die Teslafabrik nicht gebaut. Wenn die dort gebrauchten 12000 Arbeitskräfte der Wirtschaft fehlen, bedeutet das, daß viele andere Firmen nicht arbeiten können, daß viele Triebfahrzeugführer, Zugbegleiter, Fahrdienstleiter, Busfahrer, Instandhalter, Auskunftserteiler, Verwaltungsarbeiter bei Eisenbahn, U-Bahn, Tram und Bus fehlen und deshalb Züge und Busse nicht fahren können. Dann wird das nichts mit der Verkehrswende. Das nöchste Problem ist: Wenn die Autos produziert sind, werden die nicht sofort verschrottet. Nein, sie stehen erst viele Jahre irgendwo herum: Zum Teil auch auf Geh+Radwegen und Busspuren und behindern dort den Verkehr. Auch wenn sie auf Parkplätzen stehen, die Parkplätze könnten besser genutzt werden: Als breitere Geh/Radwege, Grünanlagen, Wohnhäuser uva. Das sind 2 Hauptgründe, warum ich gegen die Teslafabrik bin. Hauptsächlich behindert sie die Verkehrswende, nimmt unnötig Platz ein und verbrauicht unnötig Naturresourcen.

  5. 10.

    Warum wird gerodet, obwohl noch gar nichts fest steht ob der da überhaupt hin darf. Das läuft alles noch! Wieso werden jetzt schon unter dem Deckmantel des Baus Bäume gefällt im großen Stil?

  6. 9.

    Bin zufällig auf ein öserreichisches Unternehmen gestoßen, OBRIST. Da hat man aus einem Tesla mit schwerer Batterie einer HyperHybrid-Fahrzeug hergestellt. Vorn ein sauberer 2-Zylinder, der die dann viel kleinere Batterie auflädt. Viel weniger Kraftstoff als ein Toyota-Prius; der Obrist verbraucht etwas über 2,5 L ! Wichtig: Weniger Li- weniger Raubbau- weniger Gewicht und Reichweiten so 1000 km. Viel versprechender als ein reiner Tesla. Obrist passt viele Hersteller an / liefert Lösungen für viele Autotypen. Das ist doch was.

  7. 8.

    Da gibt es doch Menschen in höchsten Positionen, die wollen uns einreden, dass man mit Batterieautos das Klima retten kann und wird. Die Nachplapperer sind noch schlimmer; da wird man ganz schnell als AfD-Anhänger tituliert oder noch schlimmer. Viel weniger Luftverkehr; viel weniger Waffenproduktion, so gut wie keine Wegwerfprodukte und Waren mit eingebauter Kaputtgehgarantie, einfach mit der Natur leben.

  8. 7.

    Warum roden und an anderer Stelle Aufforsten? Dann doch dort bauen wo aufgeforstet werden soll. Außerdem ist ein Teil bereits mit Mischwald unterpflanzt und der Waldumbau hatte längst begonnen.

  9. 6.

    "Soll gepflanzt werden"- toll-warum im Konjunktiv ? Wenn ich im Garten enen Obstbaum pflanze steht der aber absolut in Beobachtung. Feuchtgkeit des Bodens ist das wichtigste Kriterium. Leben braucht Wasser; so funktioniert die Natur hier auf unserem blauen Planeten. Ringsum erst mal dunkel, kalt und fast nix. Wir sind Teil der Erde; habe ich als Kind auch nicht begriffen was der Pfarrer sagte. Unsere Erde gibt uns alles was wir zum leben brauchen; sonst würde es uns nicht geben. Vieles wurde erdacht; erst die Dampfmaschine, dann der Verbrenner und nun das Batterieauto. Würde es doch bald nur ökologisch vertretbarer angetrieben werden. Wir haben es stes eilig weil man es von uns verlangt. Gestern über Norwegen gesehen; auf arte. Wie anders dort die Menschen sind. allerdings mit Wasserkraft sogar oberhalb des Polarkreises. Ich könnte dort leben.

  10. 5.

    Alles kein Problem ! Einfach mal für ein paar Jahre, sämtliche Fördergelder für das Amt Grünheide streichen. Und gar keine neuen Ansiedlungen mehr in der Region Oder-Spree mit Fördermitteln unterstützen. Was denken Sie, wie die gleichen Leute dann wieder schreien: Gebt uns Arbeit !!!

  11. 4.

    Na dann macht mal so weiter,ihr Grünheider..nur wegen ein paar Kiefern,nicht wundern,wenn Tesla das Handtuch wirft,wenn ihm nur Steine in den Weg gelegt werden....es gibt sicherlich noch genügend Freiflächen in Deutschland......

  12. 3.

    Es ist kein Wald, sondern ein Forst. Der Forst wäre früher oder später sowieso einen anderen Bauprojekt zum Opfer gefallen. Außerdem soll die dreifache Menge an Bäumen an anderer Stelle wieder gepflanzt werden.

  13. 2.

    Der VW-Konzern ist der falsche Maßstab, da die meist einen anderen Markt bedienen. Der id.3 und die anderen BEV, die kurz vor der Vorstellung stehen, bedienen meist einen anderen Markt. Eher sollte man den Blick auf Konzerne wie BMW richten. Die fertigen ähnliche Stückzahlen wie Tesla und kommen frühesten nächstes Jahr mit dem i4 auf den Markt. Der kann aber nur als Übergangsmodell angesehen werden, da er sich die Plattform mit Verbrennern teilt und es deshalb Kompromisse geben muss, die beim Model 3 nicht eingegangen werden mussten.

  14. 1.

    Tesla muss ja zurückhaltend sein. Bei diesem Klagewillen der Deutschen. Einen guten Arbeitsplatz möchte Jeder, aber produziert werden, soll in Asien, Osteuropa und Amerika unter dreckigsten Bedingungen. Ich verstehe vollkommen Tesla. Und Brandenburg muss selbst mal entscheiden, ob ein Stück Wald oder tausende neue Arbeitsplätze wichtiger sind. Ich bin auf die Entscheidung Brandenburgs gespannt.

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