Tesla in Brandenburg - Alles Giga, oder was?

Di 22.03.22 | 07:57 Uhr | Von Jörg Poppendieck
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Archivbild: Elon Musk spricht vor der Baustelle der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg mit der Presse. (Quelle: imago images/S. Gabsch)
Audio: rbb24 Fernsehen | 22.03.2022 | Lucia Heisterkamp und Ingo Böthig | Bild: imago images/S. Gabsch

Elon Musk ist immer gut für eine Überraschung und einen schrägen Spruch. Vielleicht auch am Dienstag, wenn in Grünheide in seiner Giga-Fabrik die ersten Teslas von Band rollen. Das US-Unternehmen eröffnet seine erste Fabrik in Europa. Von Jörg Poppendieck

In den vergangenen Tagen hat sich der exzentrische Tesla-Chef ein bizarres Twittergefecht geliefert mit dem tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow, der auch als "Bluthund Putins" bezeichnet wird. Zuvor hatte der Tech-Milliardär den russischen Präsidenten zum Zweikampf aufgefordert. Einsatz: die Ukraine.

Bei all der Show und seinen vielen schrägen Tweets gerät immer wieder in den Hintergrund, was Elon Musk eigentlich ist: Unternehmer. In dieser Funktion wird der Elektro-Auto-Pionier am Dienstag in Grünheide die ersten Fahrzeuge "made in Brandenburg" persönlich an die Kundinnen und Kunden übergeben.

Hoffen auf ein Auto-Valley

Es ist die größte Industrieansiedlung im Osten Deutschlands seit der Wende. Entsprechend prominent besetzt ist die Tesla-Gästeliste. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wird bei der Eröffnung anwesend sein genauso wie Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Dietmar Woidke (SPD) natürlich auch.

Der Brandenburger Ministerpräsident hat zusammen mit seinem Wirtschaftsminister den Hut in den Ring geworfen, als Musk - natürlich per Twitter - verkündete, ein Werk in Europa bauen zu wollen. Das war im Frühjahr 2019. Heute, drei Jahre später, spricht Woidke von einem kleinem Sonnenstrahl in dunklen Zeiten und das man jetzt nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens sei.

"Urplötzlich kennt man uns, urplötzlich fragt man bei uns an"

Woidke ist stolz, denn er kennt die Wirtschaftsgeschichte seines Bundeslandes nur zur zu gut. Weiß um die Nackenschläge, die Brandenburg in den vergangenen Jahren erleiden musste. Mehrere Großansiedlungen wurden in den Sand gesetzt.

Cargolifter wollte im Dahme-Spreewald beispielsweise einst Luftschiffe bauen. 500 Arbeitsplätze sollten dort entstehen. Ein anderer Flop: die Chipfabrik in Frankfurt (Oder). Seitdem ist viel passiert, sagt Jörg Steinbach (SPD). Brandenburg sei in Sachen Wirtschaftskraft, so der Wirtschaftsminister, in der Bundeslands-Tabelle von unten nach oben gekrabbelt: "Urplötzlich kennt man uns, urplötzlich fragt man bei uns an."

Brandenburg im Tesla-Zauber

Und die Zahlen, die im Zusammenhang mit Tesla genannt werden, sind nicht nur für Brandenburger Verhältnisse beeindruckend. Jährlich sollen am Rande Berlins 500.000 Fahrzeuge von Band rollen. Produziert von 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

"Brandenburg gehört damit auf einen Schlag zu den wichtigen Automotive-Standorten in Deutschland", berichtet Dr. Steffen Kammradt. Er ist Geschäfstführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg. Die Agentur im Besitz ds Landes berät Unternehmen und Investoren, die sich in dem Bundesland niederlassen wollen. Kammradt berichtet von einem wahren Schub an Investitionsanfragen, seit sich Elon Musk für Brandenburg entschieden hat. Brandenburg sei auf der Landkarte neu verortet, so Kammradt und spricht von einem "Tesla-Zauber".

Ähnlich optimistisch ist man beim Blick auf die jüngste Wirtschaftsentwicklung des Landes Brandenburg beim Prognos-Institut. Dort heißt es, in Brandenburg würde die Autoindustrie neu erfunden. In Schwarzheide beispielsweise baut BASF gerade eine Kathodenfabrik. In den Anlagen soll das Material für 400.000 Elektrofahrzeuge pro Jahr hergestellt werden. In der Nähe der polnischen Grenze ist die Firma Rock Tech aktiv. Das kanadische Unternehmen will ab 2024 in Brandenburg das größte Lithium-Werk Europas an den Start bringen. Lithium gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe für den Bau von Batterien für Elektroautos.

Dazu kommt das US-amerikanische Unternehmen Microvast, das in Brandenburg seine Europazentrale angesiedelt hat und schnellladefähige Batterien für LKW produziert. Der Wirtschaftsförderer Kammradt berichtet, dass in Brandenburg gerade in atemberaubendem Tempo eine neue Wertschöpfungskette aufgebaut wird.

Man kann jetzt mitspielen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) tritt dagegen, wenn auch sanft, auf die Euphoriebremse. Von einem "Auto-Valley" will der Forschungsdirektor Industriepolitik, Martin Gornig, noch nicht sprechen. In seinen Augen hat Brandenburg aber gute Karten in der Hand. "Das wird nicht von allein laufen. Da ist jetzt die Wirtschaftspolitik gefordert. Es braucht zum Beispiel Kooperationen zwischen Unternehmen und Universitäten." Der Wirtschaftsexperte verweist in diesem Zusammenhang auf die Auto-Cluster in Stuttgart oder München. Auch dort baue man Kompetenzzentren auf, so Gornig.

Die großen Unternehmen wie Tesla, BASF und Rock Tech sind da, jetzt hoffen sie in Brandenburg auf kleine, innovative Zulieferer - die sogenannten "Hidden Champions", wie sie die Universität Dortmund in einer Studie bezeichnet hat. Von den 50 deutschen Zulieferern von Teslas Model 3 kommen beispielsweise immer noch die meisten nicht aus Brandenburg, sondern aus West- und Süddeutschland. Brandenburg, bringt es Prof. Gornig auf den Punkt, sei eben nicht der einzige relevante Standort beim Thema E-Mobilität. "Man kann jetzt aber plötzlich mitspielen. Ohne Tesla ginge das gar nicht."

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.03.2022, 19:30 Uhr

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Beitrag von Jörg Poppendieck

40 Kommentare

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  1. 40.

    Es obliegt in der Bundesrepublik traditionell den Arbeitnehmer, sich gewerkschaftlich zu organisieren. In der Tesla-Fabrik in der Eifel haben die bekanntlich der IG Metall die kalte Schulter gezeigt. Dort wie hier gibt es aber einen Betriebsrat. Firmen wie VW, BMW oder Mercedes haben übrigens auch gerne wenig mit Gewerkschaften zu tun und sind deshalb in die Südstaaten der USA gegangen.

    Übrigens wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg 6 638 reine E-Autos neu zugelassen, 2020 sind es nur 3 392 gewesen, 2019 889 (Q. Amt für Statistik).

  2. 39.

    <<<Warum ist russisches Öl schlimmer als z. B. iranisches oder saudiarabisches?>>>

    Schon mal was vom Überfall auf die Ukraine gehört?

  3. 38.

    "Gut, dass die ewig Gestrigen und Öko-Fanatiker den Fortschritt nicht aufhalten konnten!"

    Die Ewigestrigen fahren weiter umweltschädliche Autos und Brandenburg versemmelt das sowieso wieder, nachdem Milliarden Steuergelder verschwendet wurden und ins Ausland abfließen. Musk braucht Geld für seine Spielzeuge.

    Was ist nochmal aus Cargolifter usw. geworden?

  4. 37.

    Woher beziehen Sie Ihre Angaben? Ich informiere mich unter https://de.chargemap.com/cities/cottbus-DE/2 und stelle fest, dass es z. B. in Cottbus 21 Ladestationen gibt. Und eine vor meiner Haustür. Es steht jedem frei, Förderangebote anzunehmen und so auch im kleinen, privaten Rahmen die Energiewende voranzutreiben.

  5. 36.

    Recht haben sie, vor allem was die Gewinnung der genannten Metalle für Akku und Motor betrifft. Diejenigen, welche dort arbeiten, sind klein und haben helle Stimmen. Und es sind keine Zwerge.

  6. 35.

    Wenn der Brandenburger sie sich leisten kann. Oder kriegen sie Rabatt. Ich werde es mir nicht leisten können und eine Ladestation habe ich auch nicht vorm Haus.

  7. 32.

    Also wenn ein Elektroauto dann keinesfalls Tesla. Vielleicht VW oder Audi weil höhere Qualität.

  8. 31.

    Viele sind doch nur sauer weil Sie Angst um ihren Bootsfreizeitspaß haben.
    Na das ist mal von sehr weit weg geholt.
    Als ob es irgend jemand Interessiert von den Bootsfahrer.
    Das einzige was als Bootsfahrer nervt sind die Charter schiffe weil es überhand genommen hat.

  9. 30.

    Auch die Verbrenner sind mal neu gewesen. Dabei entspricht der Einkommensmedian in Bbg. dem Einstiegsentgelt von Tesla. Merken Sie was? Der Herr aus Rüdersdorf hatte in den letzten knapp 2 1/2 Jahren sehr oft darauf hingewiesen, dass viele Menschen aus dem Land wie seine Tochter dem Ruf der Arbeit gen Westen gefolgt sind.

  10. 29.

    Moderne E-Antriebe, wie hier gebaut, können einen Beitrag zur Reduzierung der Erderwärmung leisten. Schade das Sie sich nicht daran beteiligen wollen, sei es durch eine Mitarbeit an geschlossenen Stoffkreisläufen, beruflich wie privat, wo mehr bei rauskommt als z.B. beim Tempolimit. Denn Verkehr abschaffen, so wie ihn die Menschen individuell wollen, hätte Einfluss aber ist nicht gewollt. Deshalb ist es nicht erfolgreich, vorzuschreiben "wie der Nachbar zu leben hat" oder auch festkleben...

  11. 28.

    Dünnes Eis. Ich, nicht links, fahre alte amerikanische Motorräder und lehne den E-Hype ab, weil ich echte Alternativen vermisse. Lebe trotzdem möglichst nachhaltig (das geht wirklich), denn nachhaltig zu leben gibt's auch nicht mit irgendeiner Elektrotonne unterm Arsch.
    So, suchen Sie doch mal den Linken oder Grünen in mir *lol*

  12. 27.

    Da war doch noch das WASSERPROBLEM, also die Versorgung des Werkes mit Trinkwasser .
    Bitte alle daran denken, das wir nicht in der Zukunft unseren Kindern erzählen, wir hätten nichts davon gewusst.
    Ich bitte jeden darum, nochmals sich im Internet, zu diesem Punkt zu informieren.

  13. 26.

    Bisher haben wir Verschmutzung und Elend outgesourced nach Südamerika, Afrika, China und Co, haben dort Gewässer verschmutzt, Natur zerstört, Menschen ausgebeutet, jetzt kommt das zu uns nach Hause, und das ist richtig so

  14. 25.

    Den Zahn muss ich ihn leider ziehen. Das E-Auto ist in jetzigen Technischen Zustand keine alternative. Lithium ist endlich und gerade gehen die Preise durch die Decke. Sie wollen nicht wissen wie es gewonnen wird. Neodym welches in den Motoren verbaut ist wollen Sie auch nicht wissen wie es gewonnen wird.

    Dann ist das Auto viel zu schwer um einen Menschen zu transportieren, Ökologisch unklug weil es der Mensch so komfortable will. Jene Autos die da vom Band laufen sind für den Otto normal Verbraucher zu teuer und es fehlt an Ladeinfrastruktur. Es werden mehr E-Autos zugelassen wie Ladesäulen gebaut werden. Die Reisekosten sind fast die gleichen wie beim Benziner. Da Anbieter dieser Ladesäulen 70Cent pro kwh verlangen und das reisen ist kein vergnügen mit solch einem Auto.

  15. 24.

    Naja da hat der Tesla-Chef ja auf den Punkt gebracht Hahahahah, was viele nicht wahrhaben wollen.
    Die Ukraine als Schlachtfeld "exzentrischer" Eliten, für die die Ukraine nur Schlachtspielfeld, Boxring oder Besetzungsliste für Comedydarsteller ist. Klingt wie eine Verschwörungstheorie von Querdenkern...lässt sich aber im Geschichtslehrbuch nachlesen. Seriös formuliert und ähnlich wie Klimakrise wissenschaftlich belegt heisst das: Zerfallskriege imperialistischer, kapitalistischer Grossmächte. Ihre historische Standardantwort auf Niedergang und ökonomisch-soziale Krise: Krieg führen.
    Gilt für alle drei derzeit ausmachbare Imperien: Putinrussland. USA-NATO-EU. Und China.
    Der Rest sind halt die mehr oder minder "exzentrischen" Akteure.
    Ich finde Elon Musk gut karikiert in "Dont look up" Als der, der eben noch die Rohstoffe versilbern will. Während der Meteorit kurz vorm Einschlag ist. Hahahahahahaha
    Cooler Typ.

  16. 23.

    Ich glaube Sie verorten die Gegner in der falschen politischen Ecke.Es gibt nur eine Partei im Brandenburger Landtag, welche massiv dagegen getrommelt hat.


  17. 21.

    Musk will gegen Putin um die Ukraine kämpfen??? Ist für den alles nur ein großes Spiel??? Ich glaube, der ist größenwahnsinnig...

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