18.01.2020, Grünheide: Gegner der Ansiedlung des US-amerikanischen Elektroautobauers Tesla halten Schilder (Quelle: dpa/Julian Stähle)
Video: rbb24 | 18.1.2020 | Material: NonStopNews | Bild: dpa

Kundgebungen in Grünheide - Gegner und Befürworter von Tesla treffen aufeinander

Gegen die geplante Tesla-Fabrik in Grünheide haben Anwohner am Samstag erneut protestiert. Sie sehen vor allem Umweltgefahren. Ihnen gegenüber standen rund 50 Befürworter der Gigafactory. Wirtschaftsminister Steinbach geht die Skepsis zu weit.

Mit Trillerpfeifen und bunten Transparenten haben rund 250 Menschen laut Polizei am Samstag in Grünheide (Oder-Spree) gegen die geplante Fabrik des US-Elektro-Autobauers Tesla protestiert. Sie warnten vor den umweltschädlichen Folgen des Projektes, da sie befürchten, dass das Unternehmen die Trinkwasserversorgung gefährden könnte. Mit Plakaten auf denen stand: "Keine Großfabrik im Wald" und "Geheim verhandelt - Umwelt verschandelt" protestierten die Bürger außerdem gegen die Rodung des Waldes für das große Gelände, auf dem die Fabrik gebaut werden soll.

An einer weiteren Demo von Tesla-Befürwortern nahmen circa 30 Menschen teil, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte. Nach Angaben der Veranstalter waren es rund 50 Teilnehmer, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. Auf Transparenten stand "Elon, ich möchte ein Auto von Dir" oder "Gestalten statt verhindern." Einige Bewohner aus Grünheide waren mit ihren Tesla-Fahrzeugen gekommen.

Umweltschutz contra Zukunftschance

Zur Demo gegen die Tesla-Ansiedlung hatte vor allem die Bürgerinitiative "Gelb gegen Gigafactory" aufgerufen. Mitglied Frank Gersdorf ergriff als erster das Megafon auf dem Grünheider Marktplatz und kritisierte vor allem eine zu große Beanspruchung des Grundwassers, die Abholzung des Kiefernforstes, auf dem die Fabrik entstehen soll, und fehlende Bürgerbeteiligung bei der Planung. "Wir halten den Standort bei Grünheide für ungeeignet, weil er in einem Wasserschutzgebiet liegt", erklärt Gersdorf. Dadurch sei auch die Trinkwasserversorgung in der Region gefährdet. Eine weitere Demonstrantin kritisierte, dass Tesla vorhabe, Menschen aus Polen in dem Werk anzustellen und sich außerdem nicht an Tarifverträge halten wolle.

Unter dem Motto "Grünheidefor Future" hatte Martin Hildebrandt aus Grünheide auf Facebook dazu aufgerufen, für die geplante Tesla-Ansiedlung zu demonstrieren. "Wie alle Bürger habe ich Fragen. Aber ich glaube, Tesla wird ein positiver für Brandenburg sein", sagte Hildebrandt. Auch könne Teslas Elektrotechnologie im Kampf gegen den Klimawandel helfen.

Als ein Zug von Tesla-Gegnern an den Befürwortern vorbeilief, kam es kurzzeitig zu verbalen Auseinandersetzungen. Beide Seiten beschimpften sich gegenseitig. Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Die Lage beruhigte sich anschließend wieder.

Demonstation Pro-Tesla in Grünheide (Quelle: rbb/Philip Barnstorf)

Wirtschaftsminister kritisiert Tesla-Gegner

Der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hat die Tesla-Gegner kritisiert. Die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, sei nicht überall gegeben, sagte der SPD-Politiker der "Märkischen Oderzeitung" in einem Interview am Samstag. "Wir haben eine große Beharrungsmentalität", sagte er dem Blatt. Die Leute wollten zwar, dass ihre Kinder nicht mehr für gute Jobs wegziehen müssten. Es solle zu Hause gute Jobs geben - aber nicht in Form einer Fabrik, nicht vor der eigenen Haustür, sagte Steinbach. Die Skepsis gegenüber Veränderungen in der Bevölkerung habe inzwischen Ausmaße erreicht, "die die eigene Wirtschaftskraft gefährden können".

Die Reaktionen der Bevölkerung in Grünheide habe er bislang ganz überwiegend als sehr konstruktiv empfunden, sagte Steinbach weiter. Er hoffe, dass jetzt mit dem neuen Informationsbüro von Tesla vor Ort die offenen Fragen beantwortet werden könnten. Aus seiner Sicht habe das Unternehmen unterschätzt, wie viel Kommunikation in einem Land
wie Deutschland notwendig sei. Tesla werde hoffentlich mehr Verantwortung auf diesem Gebiet übernehmen.

"Waldspaziergang" am Sonntag

In Grünheide bei Berlin sollen vom Sommer 2021 an bis zu 500.000 Elektroautos der Typen Model 3 und Y im Jahr gebaut werden. Der Vorstand hat den Kaufvertrag mit dem Land bisher noch nicht gebilligt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte dazu am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, es könne sein, das Tesla noch auf ein weiteres Gutachten zum Kaufpreis warte.

Für Sonntag hat die Bürgerinitiative - wie schon vor einer Woche - zu einem "Waldspaziergang" eingeladen. Die Spaziergänger wollen dabei aber nur am Wald entlang gehen und ihn nicht betreten, versichert Mitglied Frank Gersdorf. Inzwischen ist das Betreten des Waldes nämlich wegen der Kampfmittelräumung verboten.

Sendung: Inforadio, 18.01.2020, 13.20 Uhr

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73 Kommentare

  1. 73.

    Sie sind der Einzigste, der hier noch wirklich durchsieht. Brandenburg zu machen, Wölfe und Biber aussetzen oder vermehren lassen und Tesla-fabrik in Polen bauen. Brandenburg kannste knicken, Jammertal Da sind mir die Polen noch lieber und die rollen den roten Teppich für Tesla aus und bauen die Fabrik auch noch selbst dazu, mit nem ganzem Wald noch drumherum. Dieses Gejammer hier.

  2. 72.

    Den Artikel habe ich gefunden. Sehr aufschlussreich. Danke. Und etwas Lesestoff:
    https://info.brot-fuer-die-welt.de/sites/default/files/blog-downloads/bfdw_analyse_lithium-broschuere_report.pdf

  3. 71.

    Selbstverständlich emittieren die anderen Hersteller CO2 da haben Sie völlig Recht Herr Neumann, Zahlen habe ich nicht parat. Allerdings brüsten die sich nicht mit “grüner Technologie“. Man vermisst hier, das Tesla seinem eigenen Anspruch erfüllt: Energieversorgung der Produktionsprozesse mit alternativen Energien. Solardach: Fehlanzeige.
    252 m³/h Abwasser werden durch Indirekteinleitung dem WSE zugeführt, Fortschritt würde doch an dieser Stelle Vermeidung bedeuten. Schwer nachvollziehbar warum es keinen Prozesswasserkreislauf gibt und nur die Verluste an Wasser nach gespeist werden.
    Hinzu kommt der Bau im Wasserschutzgebiet und folgender Umstand: Baumfällarbeiten dürfen vor Erteilung der Baugenehmigung beginnen, für die Allgemeinheit muss erst die Baugenehmigung vorhanden sein.

  4. 70.

    Über die Worte von Minister Steinbach sollte man nur tiefer nachdenken; ob der seinen beiden Söhnen diesen Job bei Tesla empfiehlt ist doch unwahrscheinlich. Parteikarriere ist einbringlicher. Was wird Tesla erst mal den polnischen Arbeitskräften zahlen um die geworben wird. Herr Steinbach, das hilft doch aber nicht den Brandenburgern ? Wer Politikersprech analysiert, der glaubt bald nix mehr.

  5. 69.

    Wenn man hier eine Auffassung einsendet, die so gar nicht ins Konzept passt wird die nicht veröffentlicht. Mal sehen was im nächsten "Kümmels Anzeiger" zu lesen ist. Man kann doch nicht das halbe Jahr 2019 über Überhitzung, Wasserarmut und Verödung Brandenburgs berichten und schreiben und hier ein gesundes Waldgebiet im Wasserschutzgebiet für TESLA vernichten. "Kampf der Klimakrise" mit erweitertem BER noch "erfolgreicher". -Wie viele Deutsche werden da arbeiten ?

  6. 68.

    gh schrieb in #62 :"Was von den Verantwortlichen gar nicht zur Sprache gebracht wird ist, das im März 2019 das Gesetz zur Trinkwasserschutzverordnung aktualisiert wurde. "
    So viel ich weiss gibt es eine Trinkwasserverordnung und eine Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) aber keine Trinkwasserschutzverordnung.
    Könnten Sie das bitte genauer erklären?
    Nach AwSV sieht es für mich so aus, als dürfte die Fabrik per Gesetz schlichtweg nicht gebaut werden, aber die ist von 2017.

  7. 65.

    Am besten wir schließen Brandenburg. Alle raus, riesiges Naturreservat ohne Menschen und gut ist. Dann ist endlich das Gejammere vorbei. Alle Einwohner umsiedeln, Arbeitskräfte werden da benötigt, wo Zivilisation ist. Ist langsam nicht mehr zu ertragen, wie immer wieder gegen alles gemotzt wird. Tesla sollte einige Kilometer nach Polen gehen. Die würden den roten Teppich ausrollen.

  8. 64.

    'Nur warum plötzlich ein Trinkwassergebiet gefährdet sein soll, erschließt sich mir nicht.'
    Weil das 'Industriegebiet' auf dem Tesla bauen will zum Großteil Trinkwasserschutzgebiet ist.
    Was sich mir nicht erschließt ist, warum ein Trinkwasserschutzgebiet zum Industriegebiet erklärt wird!
    Tesla benötigt für die Produktion Wasser in Größenordnungen.
    Ein Grünheider

  9. 63.

    Was mir an den Protesten komisch vorkommt: als auszubauendes Industrieland ist das Gebiet doch schon lange ausgewiesen. Zunächst wollte da ein deutscher Autobauer produzieren. Gab es da auch Proteste???
    Dass alle Leute ein Projekt gut finden, wird nie sein. Irgendwer ist immer dagegen.
    Nur warum plötzlich ein Trinkwassergebiet gefährdet sein soll, erschließt sich mir nicht.

  10. 62.

    Was von den Verantwortlichen gar nicht zur Sprache gebracht wird ist, das im März 2019 das Gesetz zur Trinkwasserschutzverordnung aktualisiert wurde. Das Gewerbegebiet, auf dem Tesla bauen möchte liegt zu zwei Dritteln in der Trinkwasserschutzzone W III A und W III B! Wenn man sich das Gesetzblatt durchliest, verwundert es doch sehr, das auf diesem Areal eine Gigafabrik samt Nebengelassen gebaut und Brunnen gebohrt werden dürfen. Von allen Verantwortlichen und auch zumeist von der Presse wird immer nur verächtlich auf den minderwertigen Wald verwiesen. Was ist mit dem Trinkwasserschutzgebiet?? In der Zone W III B darf man lt. Verordnung nicht mal ein Zelt aufschlagen, aber man darf dort eine Fabrik in dieser Größenordnungen samt ihrer Chemikalien bauen? Warum wird hier nicht mal von der Presse ordentlich recherchiert? Ich empfehle jedem auf YouTube das Imagevideo der Gemeinde Grünheide, vielleicht verstehen sie dann ...

  11. 61.

    "Jungen Leuten" wurde auch schon eine florierende Solarindustrie versprochen. Diese Blase ist nach kurzer Zeit wieder geplatzt, als Zollpräferenzen sich änderten und Subventionen ausgeschöpft waren. Wobei die meisten Tätigkeiten dort auch nur schlecht bezahlte Jobs waren. Bei der Windrad-Herstellungs-Industrie verhält es sich ähnlich.
    Was ich nicht so richtig verstehe ist das Argument der Flugplatznähe. Sollen die Elektro-SUV etwa per Luftfracht in alle Welt versendet werden? Bzw. wichtige Teile per Luftfracht eingeflogen werden? Was sagen wohl Greta und Luisa Neubauer dazu?
    Auch sollten sich die Befürworter fragen, wer denn 150.000 zusätzliche Autos pro Jahr in Europa braucht und kaufen soll? Bzw. welche Autos die ersetzen sollen? Was passiert dann mit den Autobauern, den Standorten und der Zulieferindustrie der bisherigen Produzenten?

  12. 60.

    Quatsch mit Soße. Viele Brandenburger sind damals westwärts gezogen um einkömmlich arbeiten zu können. Die sind jetzt 50 u. älter-nix für TESLA. Viele Handwerksbetriebe suchen Azubis oder junge Fachkräfte; es besteht demnach ein Mangel. TESLA schielt auf ehem GB-Zurückkehrer-brexitbedingt; auf polnische jüngere Arbeitskräfte. Dort soll eine Komplexfertigung-Akkufertigung, Gießerei, Lackiererei Endmontage erfolgen. Karosserieteile sollen erst mal aus USA kommen; hörte ich. Gifte und Trinkwasserschutzgebiet sind unvereinbar. Das eigene Gaskraftwerk produziert täglich so 30t CO2- traumhaft für die "Klimaschutzziele". TESLA ist nicht ÖKO sondern nicht ok.

  13. 57.

    Ich weiß nicht, woher ein gebildeter Mensch diese unsinnige Behauptung nimmt! Es waren nur junge bis sehr junge Leute bei der Demo und die beiden Redner bewiesen das erst recht. Man sollte doch nachdenken (können).

  14. 56.

    Frau Weidenfeld, Kolumnistin u. Mitarbeiterin bei der Redaktion von t-online hat einen sehr ausführlichen Beitrag über die Lithiumgewinnung bis zur Akkuentsorgung geschrieben. Lesenswert ! www. t-online.de.

  15. 55.

    Da gab es doch eine Mitteilung, dass man in Bohrungen Kleinlebewesen eingebracht hat, die das Sulfat binden sollen - oder so ähnlich. Habe da mit halben Ohr in der TG eine Mittelung von inforadio ? vernommen. Findet man bestimmt unter rbb. Werde es nachher "nachhören ".

  16. 54.

    Das glaube ich auch !
    Die ältere Generation will ihre Ruhe , keine Veränderung ,sie haben ja ihre Rente . Die jüngeren brauchen Arbeit , interessiert ,glaube ich ,weniger.

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