10.01.2020, Brandenburg, Grünheide: Ein Kiefernwald auf dem künftigen Gelände der Tesla-Gigafactory. In einem riesigen Waldgebiet, östlich der Autobahn A10 Berliner Ring, plant Tesla den Bau einer Gigafactory. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Inforadio | 19.01.2020 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/Pleul

E-Autofabrik in Brandenburg - Tesla stimmt Kaufvertrag für Grundstück in Grünheide zu

Grünes Licht für Grünheide: Der US-Autobauer Tesla hat den Kaufvertrag für das Grundstück in Brandenburg gebilligt. Das teilte die Staatskanzlei am Sonntag mit. Zuvor hatte bereits der Landtag zugestimmt. Nicht alle sind mit dem Vorhaben einverstanden.

Die Ansiedlung des US-Elektroautobauers Tesla in Brandenburg ist einen großen Schritt näher gekommen: Wie Regierungssprecher Florian Engels am Sonntag mitteilte, wurde der Kaufvertrag für das 300 Hektar große Grundstück in Grünheide (Oder-Spree) von der Konzernspitze unter Elon Musk gebilligt.

Verkäufer des Grundstücks in unmittelbarer Nähe des östlichen Berliner Aubahnrings (BAB 10) ist der Landesforstbetrieb. Der Finanzausschuss des Brandenburger Landtags hatte dem Kaufvertrag bereits am 9. Januar zugestimmt. Finanzministerin Katrin Lange (SPD), Forstminister Axel Vogel (Grüne) und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) seien "sehr erfreut, dass es jetzt grünes Licht aus Kalifornien gibt", wie es in der Mitteilung der Staatskanzlei heißt.

Kaufpreis von 40,91 Millionen Euro - vorläufig

Im Kaufvertrag sei die vorläufige Summe von 40,91 Millionen Euro verabredet worden, schreibt die Staatskanzlei. Der Kaufpreis für das Waldgelände bei Grünheide war vom Landesbetrieb Forst auf knapp 41 Millionen Euro taxiert worden, ein unabhängiges Gutachten darüber stehe aber noch aus. Der endgültige Kaufpreis soll dem Ergebnis dieses Gutachtens angepasst werden, sollte ein abweichender Wert herauskommen.

Das Gelände, das fast so groß ist, wie das Tempelhofer Feld in Berlin, befindet sich in einem Waldgebiet. Ein Problem: Auf dem Grundstück könnten alte Fliegerbomben liegen. "Es hat sich herausgestellt, dass entgegen ursprünglicher Erwartungen auf dem Gelände Weltkrieg-II-Munition vermutet wird - konkret amerikanische Fliegerbomben", sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne). Diese Flächen würden nun abgesucht. Inzwischen ist das Betreten des Waldes deshalb verboten.

Zudem warnte der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) vor Wasserengpässen beim Bau der Tesla-Fabrik. Das geplante Fabrikareal liegt im Gebiet des Verbandes. Anders als von der Landesregierung dargestellt, sei die Wasserversorgung schon in der ersten Ausbaustufe keineswegs gesichert, teilte der Verband mit. Es gebe "umfangreiche und schwerwiegende Probleme mit der Trinkwasserversorgung und Schmutzwasserentsorgung" der geplanten Fabrik.

Gegner kritisieren Umweltschäden

Am Samstag hatten rund 250 Menschen gegen und etwa 50 Personen für die geplante Ansiedlung Teslas in Grünheide demonstriert. Die Gegner kritisieren vor allem eine zu große Beanspruchung des Grundwassers, die Abholzung des Kiefernforstes, auf dem die Fabrik entstehen soll und fehlende Bürgerbeteiligung bei der Planung. Auch am Sonntag demonstrierten nach einem Bericht der "Märkischen Oderzeitung" etwa 80 Menschen mit einem Waldspaziergang gegen die Ansiedlung des Autobauers.

Wirtschaftsminister Steinbach hatte mit Unverständnis auf die Tesla-Gegner reagiert. Die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen, sei nicht überall gegeben, sagte der SPD-Politiker der "Märkischen Oderzeitung" in einem Interview am Samstag. "Wir haben eine große Beharrungsmentalität", sagte er weiter.

In Grünheide bei Berlin sollen von Sommer 2021 an für den Export nach ganz Europa jährlich zunächst 150.000 Elektroautos der Typen Model 3 und Y gebaut werden, nach einem Ausbau bis zu 500.000 Fahrzeuge im Jahr. Dafür will Tesla eigenen Angaben zufolge mehrere Milliarden Euro investieren.

Sendung: Brandenburg aktuell, 19.01.2019, 19:30 Uhr

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83 Kommentare

  1. 83.

    In Brandenburg, wird Wald aber nur abgeholzt, wenn Landschaften danach mit Windkraftanlagen verschandelt werden dürfen und nicht für die Schaffung tausender nachhaltiger Arbeitsplätze !!! Oder zum Kohleabbau mit anschließenden Badeseen, für den teuersten Flughafen der Welt, für eine Cargolifterhalle, für Thermen, für Formel eins - Rennstrecken im Nirgendwo, für Chipfabriken, usw.. Aber bei der Schaffung von tausenden neuen Industriearbeitsplätzen, ist plötzlich jeder Baum, jeder Strauch, jeder Tropfen Wasser und wahrscheinlich noch jeder gefundene Wolf, der an der nahen Autobahn überfahren wurde, schützenswert. Da wird Nutzwald an der Autobahn, plötzlich zum Politikum. In der Bundesrepublik und im besonderen in Brandenburg, können tausende Arbeitsplätze schon mal, wegen 3 Quadratkilometer Nutzwald verloren gehen.

  2. 81.

    Danke, Sie haben eine tolle Meinung ! Da hätten sich vor Jahrzehnten die heutigen " Natur-und Umweltschützer " mal gegen andere Umweltsünden einsetzen müssen, dann hätten viele Menschen länger und besser gelebt. Und das waren noch echt, gesundheitsschädliche Arbeitsplätze und noch nicht mal so gut bezahlt, wie heute. Ich war Lackierer in der ehemaligen DDR und würde unter modernen Bedingungen, gerne bei Tesla anfangen. Das kann ich aber gesundheitlich leider nicht mehr, damals war niemand da und hat sich aufgeregt. Heute möchte man moderne Industriearbeitsplätze vernichten oder gar nicht erst zu lassen, weil viele Menschen, nur noch im Büro oder in Behörden arbeiten möchten.

  3. 80.

    Schon mal darüber nachgedacht, dass damit auch ein Naherholungsgebiet für alle naturhungrigen Berliner und Berlinerinnen (falls Sie tatsächlich eine sind?) verloren geht? Ich kenne die Gegend von Klassenfahrten. Und was verbindet Sie damit? Die Reichen dieser Welt sind nicht nur "schlau", sondern auch skrupellos. Sonst hätten sie nicht soviel Geld.

  4. 78.

    Es ist ein Skandal! Noch vor jeder Recherche gingen bei mir alle Alarmglocken an - wegen der Ressourcen! Es ist kein Gewinn für die Gegend, sondern schlicht ein Raubbau an der Natur. Wer wird die Umweltschäden bezahlen???
    Und es ist ein Unding und Skandal, dass der Landesforstbetrieb das Areal einfach so verkaufen kann und der Finanzausschuss des Brandenburger Landtags dem auch noch zustimmt!!! Sind wir wirklich so knapp bei ... und Kasse, dass wir unser Land selber ausverkaufen? So nach afrikanischem Vorbild? Die paar Prozente, die hinten abfallen, sind Peanuts! 41 Millionen, ein Schnäppchen für Tesla. Und leider ein Präzedenzfall zur Aufweichung oder doch gleich Abschaffung des Arbeitsrechts. Dieser Missachtung Tür und Tor zu öffnen ist ebenso ein Unding, dem nicht einmal ein Fuß breit irgendetwas geöffnet werden dürfte!

  5. 77.

    Die neuen Stellen werden alle von Polen besetzt, die mir unseren alten Diesel jeden morgen anreisen, Keine Chance auf einen Job

  6. 76.

    Niemand redet hier etwas gut. Sachverhalte-mehr nicht. Derzeit läuft alles Wasser was über ist immer noch links neben der Wdf.-Schleuse ab. Sogar Gaskavernen wurden damit ausgesolt. TESLA ist ja deshalb so überlegenswert weil alle Produktionsenergie aus einer Gasleitung entnommen wird; das Gas aus Russland kommt. Wald wird vernichtet und Wasser entnommen, dass wir es alle spüren werden. Ökologie ist nix da. Die Tesla 3 fahren dann auch noch mit "Strom aus der Steckdose" und der kommt auch aus Polen-Steinkohlenstrom. TESLA will Reiche reicher machen. Brosamen für die 3-Schicht-Schufter. Über 400 LKW täglich bringen alles was man da benötigt. Woher kommen die Ladungen ? Hier verlassen jährlich echte Fachkräfte das Land; das ist schlimm. Es kommen Migranten, die nicht mal lesen können. 2015 sagte Merkel: Fachkräfte kommen. Fühle mich so belogen; endlich Wahrheit und nicht Klimaverblödung ; in Davos landeten die Millionäre der Welt mit vielen Spritfresserjets. ???

  7. 75.

    Also das Zementwerk mit samt Tagebau hier gut zu reden ist schon lächerlich. Ohne diesen der Umwelt schadenden Werken, vor allem zu DDR- Zeiten, hätte so manch ein Mensch länger gelebt.
    Stromleitungen waren vom Staub dicker als manch Oberarm.
    Als es dann sauberer wurde hat Vattenfall zur Stromerzeugung das IKW (Müllverbrennungsanlage) gebaut und die LKW's fahren Tag und Nacht den Müll.
    Einen Aufschrei wie hier gegen Tesla habe ich damals nicht gehört.
    Im Übrigen wird sich noch zeigen welche Auswirkungen die Flutung des Tagesbaus auf die Wasserversorgung der Seen und Flüsse haben wird wenn die immensen Mengen von Wasser die aus dem Tagebau seit Jahren in den Kriensee (mein Angelsee)gepumpt werden dann fehlen.

  8. 73.

    Kalkköpfe ! Habe dazu bereits etwas geschrieben; liegt im "Papierkorb" der Redaktion.- Aber noch was : Ohne Zement und Kalk aus Rüdersdorf wäre manch Berlinbau aus Pappe-als Modell. Wer in 50-60 Jahren noch leben sollte erlebt das Wiedererstehen ds Königssee der Mark. Der Heinitzsee war klar wie Trinkwasser. Kennt den noch jemand ?

  9. 72.

    Ich selbst bin Mechatroniker und finde seit einem Jahr keine Arbeit in dieser Region. Für mich wäre TESLA ein Segen.
    Das ist natürlich was anderes,da sollten die Rüdersdorfer mal Gedanken darüber machen.
    Es gibt da jemanden der jetzt einen Job in nähe bekommen könnte.
    Aber nein,die Rüdersdorfer Zementköpfe sind gegen Tesla.
    Evt,mal den Suchradius erweitern.So Berliner ecke z.b.?Oder bis Sommer 2021 warten!?



  10. 71.

    Das Naturschutzgebiet Löcknitztal liegt mit den Moorflächen natürlich östlich ab südlich Grünheide. Bis zum Möllensee waren wir im vorigen Sommer mit dem Boot. Herrlich. Edeka liegt südlich von der begehrten Fläche.

  11. 70.

    Mechatroniker ? Ich habe mal gegoogelt. Fürstenwalde, Berlin; sogar in Freienbrink wird da gesucht. Nix wie hin-sollte ihre Mitteilung ehrlich sein.

  12. 69.

    Da gibt es Landwirtschaft in Mönchwinkel; gehört auch zu Grünheide. In Kagel-Kienbaum sind größere LPG-Flächen gewesen; das Naturschutzgebiet Löcknitztal erstreckt sich südlich von der begehrten Fläche. Freienbrink-Edeka etc ist ja wesentlich kleiner; schließt aber unmittelbar an. Die chem. Industrie- Bakelite etc-später VEB Plasta hat reichlich Trinkwasser versaut; Phenol im Trinkwasser bis zum Endverbraucher; Normalhaushalte. Man mußte mehrere Brunnen sperren. Ich bin kein Machthaber. Herr Seehofer hat die mal gut umschrieben.

  13. 68.

    Branchen,die für ihre Produktion viel Wasser benötigen,gehen nicht unbedingt umsichtig mit der Ressource um.
    Wie viel Wasser z.b.für die Herstellung verbraucht wird,ist den meisten Konsumenten gar nicht bewusst.
    Darin zeigt sich aber auch,wie deutsche Unternehmen weltweit zu Wassermangel und Umweltverschmutzung beitragen –und sich dabei am Ende unter Umständen selbst schaden.
    Vom Grundwasser her,sind genügend Förderkapazitäten vorhanden,da kann bei 41. Millionen € Einnahmen schon mal die Vernunft aussetzen.Der Einsatz von Lösungsmittel,Farben/Lacke,Legierung ect.spielt hier keine Rolle.Das ist ein Unding.

  14. 67.

    Um welche Bauernhöfe handelt es sich denn genau?
    Und über welch ein Gebiet erstreckt sich denn das Trinkwasserschutzgebiet?Weiss das jemand?Irgendwann wurde Freienbrink doch mal als Industriegebiet inklusive GVZ deklariert.In Erkner gibt es doch auch seit 100 Jahren chemische Industrie.
    @rüderdorfer: wen meinen sie mit Machthaber?

  15. 66.

    Absolut richtig!
    Unweit vom Baugelände liegen Bauernhöfe, deren Auflagen, auf Grund des Trinkwasserschutzgebietes, nicht ganz ohne sind... zu Recht. Diese werden rücksichtsvoll eingehalten.
    Doch kaum winkt jemand mit Millionen, wird alles über den Jordan geworfen und auf Kosten aller anderen durchgeprügelt (..und hier gäbe es deutlich geeignetere Bundesländer, für die eine solche Fabrik den nötigen Aufschwung brächte ... der Lausitz zum Beispiel...).
    Warnungen der Wasserbetriebe werden belächelt und ignoriert und die durchaus katastrophalen Konsequenzen werden in Kauf genommen.
    Es gibt viele geeignetere Standorte - auch in Brandenburg!
    Standorte, bei denen ein derartiges Projekt einen nicht so großen Schaden macht.

    Der Preis ist deutlich höher als 41 Mio EUR... und dieser wird nicht von TESLA getragen...
    Diese Fabrik hat einen hohen Preis, den wir alle zahlen werden und genau dieser Preis ist mit kein Geld der Welt zu bezahlen....

    völlig unnötig!

  16. 65.

    TESLA-WERK sollte, wie viel andere Investoren zuvor, einen großen Bogen um Deutschland machen. Hier herrscht keine Planungssicherheit, hier scheint die Straße zu regieren. Nachdem Kohle-, Atom- und Autoindustrie zerstört wurde, die Agra-Wende zurück ins Mittelalter zieht, ist für TESLA-WERK hier kein Platz. Genau die, die plötzlich das Klima und die Umwelt für sich entdeckt haben und tagtäglich irgendwo selbstgemalte Schildern die Luft halten, springen und dem Rest der Bürger ihre Denkweise aufzwingen wollen, brauchen wir keine Industriearbeiter. Sondern eher welche, die mit der Schere Plakate zuschneiden können. Und da reichen Fahrräder, Handkarren und Pferdekutschen und keine Batterieautos und Arbeitsplätze.
    Ich selbst bin Mechatroniker und finde seit einem Jahr keine Arbeit in dieser Region. Für mich wäre TESLA ein Segen.
    Aber, dass können Rüdersdorfer Zementköpfe nicht verstehen.

  17. 64.

    Volle Zustimmung. Der Bürgermeister von Grünheide hält sich lieber an seinem Schreibtisch fest als mit den Bürgern offen zu reden. Die beiden Landräte von LOS u. MOL sind bei mir durch; unwählbar geworden.

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