13.11.2019, Brandenburg, Grünheide: Die Holzstege am Ufer vom Werlsee bei Grünheide spiegeln sich im Wasser (Bild: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.01.2020 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Gigafactory in Grünheide - Wasserversorgung der Tesla-Fabrik wohl technisch machbar

Die geplante Riesenfabrik des Autoherstellers Tesla in Grünheide braucht unter anderem Wasser und Entwässerung - und zwar so viel wie eine mittelgroße Stadt. Doch ist das überhaupt leistbar? Von Sabine Tzitschke

Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung für die geplante Tesla-Fabrik sollen nach Ansicht von Experten technisch machbar sein. Allerdings seien erhebliche Investitionen notwendig. Das erfuhr der rbb, nachdem sich am Mittwoch der Wasserverband Strausberg Erkner (WSE), die Berliner Wasserbetriebe, das Landesumweltamt und die Wirtschaftsförderung Brandenburg zu einem Gespräch getroffen hatten.

In den vergangenen Tagen hatte es Diskussionen um die Wasserversorgung der Fabrik gegeben. Der WSE hatte in einer Pressemitteilung geschrieben, dass die Versorgung derzeit nicht gesichert und die Trinkwasserversorgung durch die Fabrik gefährdet werden könne.

Wasser reiche für erste Ausbaustufe

In der ersten Ausbaustufe, die 2021 abgeschlossen sein soll, wird das Werk laut den Tesla-Plänen, die derzeit in mehreren Ämtern im Landkreis Oder-Spree ausliegen, 372 Kubikmeter Wasser pro Stunde brauchen. Geht man von einem ganzjährigen 24-Stunden-Dreischichtbetrieb aus, wird die Fabrik pro Jahr mehr als 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser benötigen. Das entspricht in etwa dem Verbrauch einer mittelgroßen Stadt. Der WSE muss dann seine Fördermenge um ein Drittel erhöhen.

Das Grundwasser reiche dafür aus, hieß es nach rbb-Informationen in dem Gespräch am Mittwoch. Aber die beiden WSE-Wasserwerke Erkner und Petershagen/Eggersdorf müssten ertüchtigt werden und das Land Brandenburg müsse dem WSE mehr Grundwasserförderung erlauben. Die aktuelle Limitierung hatten die Anwohner in den vergangenen beiden Dürresommern zu spüren bekommen, als die Gartenbewässerung über Monate untersagt worden war.

Für die Abwasserentsorgung in der ersten Ausbauphase solle eine Leitung vom Tesla-Werk zum 15 Kilometer entfernten Klärwerk Münchehofe gebaut werden, erfuhr der rbb nach dem Gespräch. Das Klärwerk, das von den Berliner Wasserbetrieben unterhalten wird, müsse ebenfalls ausgebaut werden, um die jährlich erwarteten gut zwei Millionen Kubikmeter Abwasser aus dem Werk reinigen zu können. Außerdem ist wohl noch offen, wie besonders gefährliche Abfallstoffe wie Phospatieschlamm gelagert werden. Dann wäre die erste Ausbaustufe des Teslawerkes wasserseitig ab Mitte 2021 gesichert.

Leitungen und Kläranlagen für weiteren Ausbau

In den später geplanten Ausbaustufen zwei und drei wird das E-Auto-Werk mehr Wasser benötigen. Hierfür könnte Wasser aus einem Grundwasserkörper südlich von Frankfurt (Oder) herangeführt werden. Die dafür nötige 60 Kilometer lange Leitung müsste noch gebaut werden. Mit dieser Lösung müsste kein Brunnen auf dem Tesla-Gelände gebaut werden. Vor einem solchen hatte der WSE gewarnt, denn die geplante Fabrik liegt in einer Trinkwasserschutzzone. Ein zusätzlicher Brunnen in dieser Schutzzone könne die Trinkwasserversorgung gefährden, so der WSE in einer Pressemitteilung vergangene Woche.

Um das höhere Abwasseraufkommen zu bewältigen, könnte neben der Fabrik ein neues Klärwerk gebaut werden. Damit müsste allerdings schnell begonnen werden, denn der Anlagenbau und die Züchtung der fürs Reinigen nötigen Bakterien dauerten mindestens zwei Jahre. Diese Millioneninvestitionen müsse der WSE stemmen, hieß es im Gespräch am Mittwoch.

Kritik an Ausbau

An den vergangenen beiden Wochenenden hatten teslakritische Demonstranten in Grünheide Befürchtungen wegen der Grundwasserbestände und der Trinkwasserversorgung geäußert. Eine WSE-Pressemitteilung, nach der sowohl die Wasserversorgung wie auch die Abwasserentsorgung fürs geplante Werk nicht gesichert seien, hatte zu zusätzlicher Aufregung geführt.

Auch Mitglieder der AfD, der Linken und der Freien Wähler hatten sich kritisch zun den erwarteten Umweltbelangen sowie Tarifzahlungen des Autoherstellers geäußert. Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte die geplante Fabrik dagegen im Landtag gegen Kritik verteidigt. Er sei überzeugt, dass das Land und Tesla gemeinsam Lösungen für die anstehenden Herausforderungen finden werden.  

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.01.2020, 16.15 Uhr

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62 Kommentare

  1. 62.

    Ein Großteil der 8000 bis 12000 Arbeitskräfte, sollte schon aus der unmittelbaren Umgebung kommen, oder dann dort angesiedelt werden. Da muss auch schon im Vorfeld darauf geachtet werden. Betriebswohnungen, Fremdenzimmer, Grundstücke für Bauwillige und vieles mehr, jedenfalls ausreichend Wohnungen.

  2. 61.

    Das ist mir echt alles egal, ob Polen, Sachsen, oder Mecklenburger, nicht besetzte Arbeitsstellen ausfüllen und damit für unsere Wettbewerbsfähigkeit und unseren Wohlstand sorgen. Durch ihre Meinung und durch ihre Äußerungen, werden neue Arbeitsplätze in ihrer Region nicht mehr entstehen. Sie als Region sind doch dafür selbst verantwortlich. Tesla wird seine Autos auch weiterhin verkaufen und neue Tesla-Fabriken oder andere Großbetriebe, werden bestimmt nicht mehr im Oder-Spree Gebiet entstehen und durch Fördermittel unterstützt werden. Das ist doch die Entscheidung ihrer Region und ihrer Mitbürger.

  3. 60.

    Hier bei rbb 24 kann man Kommentare lesen wo die Verfasser von einer prozessorgesteuerten Fertigung ausgehen, die nur wenig Arbeitskräfte benötigt. Nun kann man erlesen, dass TESLA polnische Arbeitskräfte anwirbt. Nicht nur Ingenieur- oder Führungspersonal. Meine Meinung ist nicht negativ und auch nicht rechtsorientiert. Zur Klarstellung. Das Ehepaar Dr. Schröder aus Grünheide hatte fast zu Beginn der Diskussion ausreichende Zweifel an der Richtigkeit der Teslaansiedlung dargelegt. Der Wasserverband hat Fakten dargelegt. Politiker sehen nur was TESLA da so alles schreibt. Mir zu wenig.

  4. 59.

    Zufällig kenne ich auch das alte Ludwigsfelde sehr gut. Ich kenne auch das ehemalige IWL. Ludwigsfelde ist ideal für Industrieansiedlungen. Hier im Naturschutzgebiet Löcknitztal und im Wasserschutzgebiet sieht es etwas anders aus. Würde man nur die Kahlfläche in Freienbrink industriell nutzen gäbe es hier bestimmt keine besorgten Bürger.

  5. 58.

    Was für eine negative Meinung vertreten Sie denn hier? Tesla ist ein Unternehmen und benötigt ein Unternehmensgelände zur Produktion. Nicht mehr und Nicht weniger. Und dafür wird es gesetzliche Vorgaben, beim Bau und auch danach erfüllen. Und im Gegenzug, werden tausende Arbeitskräfte gebraucht.

  6. 57.

    Ja, alle Orte in denen sich etwas ändert , gibt es dann nicht mehr,. Es wird das Grünheide von Morgen, geben. Das Ludwigsfelde von Gestern, ist auch vorbei, aber wir fühlen uns dort immer noch sehr wohl.

  7. 56.

    Es könnte ja sein, dass man bei TESLA die Arbeitskräfte der Zulieferbetriebe in den USA mitzählt. Dann die über 400 LKW täglich; allerdings bringen die auch Klopapier; ungelogen; selbst gelesen.Gaskraftwerk betreiben die dann dort auch und alles rund um die Uhr. Aber eines steht fest: Grünheide wie heute gibt es dann bald nicht mehr.

  8. 55.

    Auf 3 Quadratkilometer 8 bis 12 Tausend Arbeitsplätze ??? Was soll das werden, ne Manufaktur auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts?
    Warum hinterfragt denn eigentlich niemand konkret die Zahlen? Vermutlich weil je höher die Fantastereien desto mehr der gesunde Menschenverstand außen vor bleibt.
    Wer je ein modernes Autowerk von innen gesehen hat, der weiß, dass bis auf die Endmontage fast jeder Produktionsschritt völlig automatisiert abläuft.

  9. 54.

    Könnte mich mal Bitte jemand aufklären, um wieviel Quadratkilometer Land an der Autobahn auf der einen Seite - und um wieviele Arbeitsplätze auf der anderen Seite es geht ??? Komme Dort leider nicht sehr oft vorbei. Waren das nicht 3 Quadratkilometer-oder wieviel und dafür 8 bis 12 Tausend Arbeitsplätze ??? Und dreifacher Naturausgleich ??? Da Bitte ich um schnellstmögliche Aufklärung !!!

  10. 53.

    Ja Sie haben vollkommen Recht. Auch Bayern,Hessen und Baden-Württemberg, werden bald verschwunden sein. Arbeitsplätze vernichten die Natur und sorgen für den Bevölkerungsrückgang und Überalterung. Wer will in Süddeutschland denn schon Leben. Nirgends mehr Natur und überall nur noch Junge Menschen, bei der Arbeit, Wo Arbeitsplätze sind, möchte doch niemand mehr Leben. Arbeit und Natur, passt ja auch niemals zusammen. Ja dann eben keine Tesla-fabrik, ganz Brandenburg als Windeignungsgebiet, sieht auch schöner aus und ist viel ökologischer. Ach stimmt, ich vergaß ja die Natur- immer ein gutes Alibi. Wo heutzutage Städte, Dörfer und Arbeitsplätze sind, war wahrscheinlich niemals Natur.

  11. 52.

    Die Kurzsichtigkeit der Tesla Befürworter ist nicht zu verstehen.
    Inmitten eines Trinkwasserschutzgebietes mit einem der größten zusammenhängenden Waldflächen um Berlin, kaum 340 m entfernt von Mooren (CO2 Sclucker), inmitten eines Erholgunsgebietes, gerade dort und nur dort soll alles vernichtet werden für den BaU VON Klimafreundlichen Fahrzeugen, ist das nicht paradox?
    Diese Fahrzeuge, die keiner kaufen wird, weil E-Auto fahren unrationell und langsam ist, die schon bald durch wesentlich klimafreundlichere Brennstoffzellen Autos abgelöst werden, die Sondermüll bilden.
    Grünheide wird es nicht mehr geben, denn 8000 PKw's werden morgens und abends die Straßen blockieren, LKW Zubringer für das Werk kommen hinzu . Ungeachtet einer seite 19 Jahren frei gewachsenen Naturvielfalt mit Trockenrasen und entstehdem Mischwald-Umbau.
    Tersla wird die Seen und Fließe trocken fallen lassen. das nennt sich klimafreundlich!?

  12. 51.

    Für mich sind Sie ein unangenehmer Zeitgenosse. Dem Kleinwagenfahrer hier etwas unter die Nase zu reiben was nicht kritikwürdig ist. Sehen Sie sich mal die Bonzenlimosinen an; bedenken Sie was die so jährlich an Kerosin verballern. Sehen Sie soch auch den VOLVO vom Bürgermeister in Grünheide an. Wie bauen Sie das innerlich nur alles ab ? Was sind Sie vom Beruf ? Agitator ?

  13. 50.

    Viele schöne "richtige" Beträge
    Mich interessiert nur: Wer bezahlt die Zeche? Trinkwasser wo eigentlich Brauchwasser(?) ausreicht? gebrauchtes Wasser aufbereiten wieder verwenden? Wiederbelebung von Sümpfen austrocknenden Seen und Fließen mit dem Geereinigten "Abwasser"? Das sind die Fragen der Zeit. alles andere ist verschwendete Zeit.

  14. 49.

    Nun kommt endlich einer u. bringt zukunftsfähige Hochtechnologie in diese struckturschwache Gegend und schon wird wieder versucht mit abewitzigen Argumenten das Projekt auszubremsen wie z.B. "Die Problematik mit dem Wasserverbrauch", (das sollte doch lösbar und in der nächsten Ausbaustufe anpassbar, dies passiert doch hier nicht in Las Vegas in der Wüste Nevada), oder "dies führt auch zur Absenkung des Grundwasserspiegels und damit zur Erhöhung der Waldbrangefahr" (die Waldbrandgefahr wird aber durch Monokulturen, sandige Böden und lange Trockenperioden erhöht, oder "die Fabrick stösst ja auch auch Abgase aus" (als ob dort eine Braunkohleveredelungswerk ala Espenhain entstehen soll). Andere, wie der NABU Chef beklagen wie zügig das Projekt vorangetrieben wird. Soll ich etwa Elan Musk am Plaungs- und Bautempo des BER orientieren? Macht doch aus Brandenburg ein Freiluftmuseum mit Industrie- u. Militärbrachen, Kiefernwälder u. alten Leuten, weil die Jungen alle fortgezogen sind.

  15. 48.

    Die Fachleute des WSE haben gesagt, dass sie kein Wasser haben. Klarer geht es nicht. Wenn andere aushelfen können?
    Nicht ohne Investitionen. Wie gesagt, es geht leider schief, weil die anmutende Arroganz der Unfähigen des linken Lagers die Oberhand gewinnt und den guten Job des Wirtschaftsministers kaputt macht.

  16. 47.

    Hatte ich schon Mittag geschrieben das der Hassprediger Berndt seine Jünger versammelt.
    Nur der RBB weiß warum das nicht veröffentlicht wurde.
    Zumindest gibt diese Tatsache ein Hinweis aus welcher Ecke die "Proteste" kommen.

  17. 46.

    Wie schon geschrieben. Wichtiger als die Argumente von Befürwortern und Gegnern scheint heutzutage, wer sich die Deutungshoheit darüber verschafft oder wem sie zugeschrieben wird.
    Damit ist eine sachliche Diskussion über ein für und wieder schon nicht mehr möglich.
    Ob das Absicht ist, darüber mag sich jeder selbst seine Gedanken machen.
    Fakt ist: Es gibt derzeit kaum noch ein wichtiges Thema in unserem Land, welches nicht in diese genau zwei Richtungen gedrängt wird.

  18. 45.

    Unabhängig von den Detailsfragen zum Bau, die natürlich vor Ort einen Konsens benötigen, erschreckt mich wer dort lautstark Teil der Gegendemo ist: Einer der Spitzenkandidaten der AfD Brandenburgs, Christoph Berndt, daneben einer seiner Kameraden mit dem Plakat "Klimawandel statt Umweltschutz", auf dem für den Verein "Zukunft Heimat" geworben wird. Über diesen Verein schreibt Wikipedia:

    "Der Verein organisiert im Wesentlichen Demonstrationen und Kundgebungen, die sich gegen Flüchtlinge und andere Ausländer richtet"

    "Der Verein ist eng mit anderen konservativen bis rechtsextremen Organisationen verknüpft. Das Landesamt für Verfassungsschutz des Landes Brandenburg berichtet von starken Kontakten zur Identitären Bewegung.[9][24][25] Der Verein rekrutiert offenbar auch aus Kreisen früherer bereits verbotener Organisationen (Widerstand Südbrandenburg; Spreelichter).[3] Weitere Kontakte bestehen zu Pegida, dem Bürgerforum Südbrandenburg"

    Lieber RBB und Medien, recherchiert das.

  19. 44.

    Es ist sehr gut für Brandenburg und Berlin, das Tesla, trotz aller Nörgler, seine Fabrik bauen wird. Danke an Elon Musk und Tesla.

  20. 43.

    Viele gute Argumente! Verfolge schon lange ihre Kommentare. Manche gehen halt blind durch die Welt. Grüße nach Rüdersdorf

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