Klimawandel - So stemmt sich das Havelland gegen den Wassermangel

Fr 15.03.24 | 15:36 Uhr
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Symbolbild: Havelland in Brandenburg am Gülper See am 21.08.2022.(Quelle: picture alliance/Stephan Schulz)
Audio: rbb24 Antenne Brandenburg | 14.03.2024 | Köhne, Mario | Bild: picture alliance/Stephan Schulz

Trocken, trockener, Brandenburg: Das Bundesland zählt schon jetzt zu den trockensten in Deutschland. Das Havelland will nun gegensteuern. Ziel ist es, möglichst viel Wasser in der Region zu halten.

Brandenburg gehört bereits jetzt zu den trockensten und wärmsten Regionen in Deutschland. Im Landkreis Havelland wurden seit 2014 die langjährigen mittleren Jahresniederschlagsmengen nicht mehr erreicht. Eine Ausnahme bildete lediglich das Jahr 2017. Und es wird befürchtet, dass Trockenheit und Hitzebelastung in Zukunft noch weiter zunehmen werden.

Der Landkreis will nun gegensteuern: "Wasser ist ein hohes Gut. Es in der Region zu halten, ist dem Landkreis ein wichtiges Anliegen", sagte Landrat Roger Lewandowski im Februar kurz nachdem das Havelland und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine Kooperationsvereinbarung besiegelt hatten, "um gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes zu planen und umzusetzen". So solle dem Klimawandel auf lokaler Ebene entgegengewirkt werden, erklärte Lewandowski.

Dürre im Sommer, Hochwasser im Winter

Im Gespräch mit dem rbb konkretisierte Rocco Buchta, Leiter des Nabu-Instituts für Fluss- und Auenökologie, nun, was genau geplant ist: "Wir müssen dafür sorgen, dass der Winterniederschlag künftig in die Grundwasserneubildung geht und wir das Wasser auf diese Weise aufheben können."

Die Landschaft sei mit Entwässerungsinfrastruktur durchzogen: "Das führt dazu, dass wir im Winter - wie jetzt - Hochwasser haben, und in den Sommermonaten, wenn das Wasser abgeleitet worden ist, droht die Dürre, wie in den vergangenen Jahren mehrfach passiert," sagte Buchta weiter.

Die Entwässerungsinfrastruktur müsse daher teils erneuert werden. "Sie läuft ja heute weitgehend ungesteuert", sagte Buchta. Zu den geplanten Projekten zählt beispielsweise die Errichtung kleiner Stauanlagen in Gräben, um ein Abfließen des Wassers zu verhindern und ihm so mehr Zeit zur Versickerung zu geben, aber auch die Verfüllung nicht mehr benötigter Entwässerungsgräben, um die Entwässerung der Flächen zu stoppen.

"Teile der Entwässerungsinfrastruktur können aber auch zurückgebaut werden – etwa da, wo keine Gefährdung vorliegt", so der Nabu-Mitarbeiter,

NABU übernimmt die bauliche Umsetzung

Die bauliche Umsetzung der Vorhaben solle vom Nabu übernommen werden, während der Landkreis vor allem die Kommunikation und die Abstimmung mit Behörden, Verbänden und Anliegern übernimmt. Zur Finanzierung sollen je nach Vorhaben Landes-, Bundes- oder EU-Mittel beantragt werden. Bereits 2020 wurde vom Kreistag beschlossen, dass der Landkreis Havelland zu einer "Modellregion für nachhaltiges Wassermanagement" entwickelt werden soll.

Buchta bremst aber auch zu hohe Erwarungen: Das Havelland werde im Sommer immer trocken sein. Ziel sei es aber, die Folgen des Wassernotstands deutlich zu lindern.

2023 hatte die untere Wasserbehörde per Allgemeinverfügung vom 26. Juni bis zum 30. September die Wasserentnahme aus oberirdischen Gewässern untersagt.

Zuletzt sah es im Havelland aber anders aus: Infolge der Rekordniederschlagsmengen in den vergangenen Wochen standen Felder und Wiesen unter Wasser. In vielen Orten führte der viele Regen auch zu nassen Kellern wie zum Beispiel in Rathenow und Falkensee.

Der Landkreis und der Nabu arbeiten im Rahmen der Havelrenaturierung bereits seit 2005 zusammen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.03.2024, 17:30 Uhr

Mit Material von Mario Köhne

36 Kommentare

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  1. 36.

    Erstmal richtig die Kiefer verbraucht vergleichsweise viel Wasser bzw. lässt vergleichsweise wenig fürs Grundwasser übrig. Aber den Kiefernforst deshalb zum Teil des Problems wenig Wasser zu machen und deshalb zu verteufeln geht dann doch etwas zu weit.
    Im Idealfall wird der Kiefernwald umgewandelt in weniger wasserintensive Forstwirtschaft.
    Die Lösung Heide wäre sicher das beste fürs Wasser, hätte aber bei unseren Böden weitreichendere Konsequenzen an anderen Umweltparametern.
    Sie wissen Wüste/Steppe kein Baum und praktisch gar kein Wasser.

  2. 35.

    Wie schon erwähnt so richtig detailliert ist der Artikel zu dem was exakt wo und wann gemacht werden soll nicht.
    Aber die Grammatik und Ausdruck sind schon recht eindeutig als geplant und in der Zukunft zu verstehen.
    Somit wäre Ihr Kommentar korrekt aber in dem Sinne obsolet weil ja demnächst etwas gemacht werden soll und somit die Verantwortlichen den Bedarf offensichtlich erkannt haben.

  3. 34.

    Die vielen zerstörten Altarme müssen wieder an die Havel angebunden werden.
    Wublitz im Potsdamer Norden
    Die Paretzer Erdelöcher
    Alte Ziegelei Kanäle
    Alte Tonabbaugruben
    Und und und

  4. 33.

    Das Wasser muss langfristig in der Havelländer/Brandenburger Landschaft gehalten werden.
    Das Havelland war mal eine feuchte Landschaft und wurde trockengelegt - die Havelländer Landschaft muss komplett renaturiert werden.

  5. 32.

    Ihr Lösung für die Wasserknappheit ist das Leben abzuschaffen?!
    Übrigens Kiefern hat man ja nicht umsonst in Brandenburgs Sandlandschaft angepflanzt.

  6. 31.

    Blödsinn also Wüste oder was? Jedes biologische Geschöpf braucht Wasser, das ist überhaupt der Grund warum die Erde ein belebter Planet ist auf dem wir leben können; H2O.

  7. 30.

    Der Wald in Grünheide bei Tesla ist Teil des Wasser-Problems. Denn es ist ein reiner Kiefernwald, der zur Wasserknappheit beiträgt und von dem sehr starke Waldbrandgefahr ausgeht.

  8. 29.

    An der mittleren Havel, findet doch gar keine Renaturierung statt, zwischen Potsdam und Brandenburg an der Havel.
    Es wird doch nur, an der unteren Havel renaturiert, bei Rathenow.
    Im restlichen Havelland passiert gar nichts - man könnte ja, irgendeinen Bauern auf die Füße treten.

  9. 28.

    Die nahezu gleichlautenden Pressemitteilung des Landkreises vom 19.02.2024 liegt auf dessen Webpräsenz inzwischen im Archiv.
    Wäre also für Journalisten eigentlich ausreichend Zeit gewesen etwas mehr Details bei den Beteiligten rauszukitzeln.

  10. 27.

    Das Havelland ist die Fläche/ der Landkreis, der von der Havel umflossen wird.
    Trockenes Land, voller Monokulturen und bebaut mit Windparks und Solarfeldern.
    Was will der NABU, bei uns im Landkreis renaturieren - Monokulturen und Windräder ???
    Die einzigste Renaturierung findet an der Unteren Havel statt, irgendwo bei Rathenow, wo sich sowieso schon, Fuchs und Hase gute Nacht sagen.
    Woanders findet gar keine Renaturierung und keine Wiedervernässung statt - das ist das Hauptproblem im Landkreis Havelland !!!

  11. 26.

    Man kann dem Nabu sicher manches kommunikative Problem unterstellen aber Renaturierungsphantasien klingen anders.
    "Zu den geplanten Projekten zählt beispielsweise die Errichtung kleiner Stauanlagen in Gräben, um ein Abfließen des Wassers zu verhindern und ihm so mehr Zeit zur Versickerung zu geben, aber auch die Verfüllung nicht mehr benötigter Entwässerungsgräben, um die Entwässerung der Flächen zu stoppen."
    Eigene Erfahrung der See am Wochenendhaus meiner Eltern.
    Kommunikation könnte sicher besser sein aber der Wasserspiegel steht 30cm höher, seit dem der NABU ihn "bewirtschaftet". Und das gemessen vor diesem feuchten Winter.

  12. 25.

    Schauen Sie, kümmern Sie sich einfach um Ihre spezifischen Problem im Raum Erkner, ich glaube da gibt es genug. Was hier Gewässerbewirtschaftungsmäßig im Havelland in den letzten Jahrzehnten seit dem Ende der DDR lief, spottet aber jeglicher Beschreibung.
    Die Grundkonstellation ist, dass große Teile des Havellands erst durch die Melioration nutzbar wurden. Heute sind sie aber genutzt und deshalb ist ein Rückkehr in das 18. Jahrhundert nicht mehr möglich! Es fehlt das Verständnis, dass auch in der DDR Melioration nicht nur Entwässerung bedeutet hat, sondern Bewirtschaftung. Stauanlagen, Wehre und Schöpfwerke können einen Ausgleich gewährleisten, wenn man sie konzeptioniert, auslegt und bewirtschaftet. Das ist das, was heute fehlt. Die Renaturierungsfantasien von NABU & Co. können Sie ja gerne mal hier im ländlichen Raum diskutieren!

  13. 24.

    Die Havel Renaturierung findet irgendwo hinter Brandenburg an der Havel statt - dort wo schon lange, kein Schiff mehr fährt.
    Und mit diesem Abschnitt der Havel, kurz vor Sachsen-Anhalt, rühmt sich seit Jahren der NABU - wo sowieso keine Schifffahrt und sonst auch Nix ist.

  14. 23.

    Stimmt es sind insgesamt 300 ha CO2-Senken vernichtet worden (Biotop überhaupt nicht betrachtet), die mit viel Glück an anderer Stelle in frühestens 10-20 Jahren überhaupt wieder als so etwas wie Netto-Senken fungieren.
    Also um genau zu sein, bisher -3900 t CO2/Jahr.

  15. 22.

    „Der Landkreis und der Nabu arbeiten im Rahmen der Havelrenaturierung bereits seit 2005 zusammen.“
    Und wer sind sie bitte schön und welche Qualifikationen berechtigen sie dazu, dem NABU hier einfach die Kompetenz abzusprechen?
    Also für mich jedenfalls zählt ausschließlich Expertise und praktische Erfahrung. Und wenn sie tatsächlich handfeste Verbesserungsvorschläge haben, wird man ihnen ganz sicher zuhören.

  16. 21.

    Ja diese Art der mehrdimensionalen Kreislaufwirtschaft ist ganz sicher sinnvoll und in Bezug der Bodengeo- und Biologie gebe ich ihnen sofort Recht. Und für die stark inhomogenen Niederschlagsmengen sind die hier beschriebenen Konzepte ja richtig. Und klar ist auch, dass die direkte Verpressung über Schluckbrunnen natürlich nur mit Abwasser, das von allen menschlich verursachten Rückständen geklärt wurde, zumindest aus meiner Sicht, Sinn macht.
    Aber wahrscheinlich ist das genau die Herausforderung. Die immer komplexer werdende Chemie erschwinglich zu messen und zu klären. Bisher, geschieht es indirekt über den großen klassischen Verdünner-Verdunstungszyklus nebst von ihnen erwähnten Bodenfilter; mit dem Nachteil der hohen Süßwasserverluste durch langanhaltende Dürren und sukzessiv steigenden Belastungen des hydrologischen Ökosystems durch nicht biologisch abbaubare Rückstände.
    So oder so besitzt der bisherige (verschwenderische) Umgang mit dem Abwasser hohes Verbesserungspotential.

  17. 20.

    Die bauliche Umsetzung soll vom NABU übernommen werden. Na herzlichen Glückwunsch! Der NABU hat sicherlich viel Kompetenz darin, auf Probleme hinzuweisen, sich auch zu bemühen, den Finger dann permanent in die Wunde zu legen - aber für ein 1. schlüssiges Gesamtkonzept, was die vielen Facetten und Stakeholder integriert und 2. die Übernahme der baulichen Umsetzung spreche ich ihm ganz klar die Kompetenz ab!
    Was ist das wieder für ein Schwachsinn?

    Die Ironie wird noch damit potenziert, dass der rbb noch den älteren Artikel hier mit verlinkt, "was Brandenburg gegen nasse Keller und überflutete Felder unternimmt"
    Dort lässt sich der selbe Landkreis mit der Aussage, die Schöpfwerke pumpen ab was sie können, zitieren.

  18. 19.

    Bericht gelesen?
    "Die bauliche Umsetzung der Vorhaben solle vom Nabu übernommen werden, während der Landkreis vor allem die Kommunikation und die Abstimmung mit Behörden, Verbänden und Anliegern übernimmt."
    Noch Fragen?

  19. 18.

    Wenn Du irgendwo eingreifst, hat das weitreichende Folgen. Die Holländer haben uns damals das Havelland und Potsdam entwässert, und damals war es OK... Heute, mit Industrie und Großstadt im Nacken, müsste das Havelland renaturiert werden, also gewässert. Moore wieder feuchten, mäandrierende Havel in Flutungswiesen, Laubwälder, Sumpfgebiete, es könnte soooo schön sein.

    Und es wird möglich sein, denn mein Jahrgang ist der letzte geburtenstarke Jahrgang, in 20 bis 30 Jahren ist Deutschland leer. Platz für Natur.

  20. 17.

    Ich Frage mich nur , warum der Silokanal in Brandenburg an der Havel bei angeblicher " Wasser zurück Haltung " in ca, 10 Tagen um rund 80 cm gesunken ist. Fahre dort zwei Mal Täglich mit dem Fahrrad lang und konnte es täglich beobachten. Da müssen doch alle Schleusentore von Magdeburg und Havelberg geöffnet worden sein wenn das so rapide sinkt. Wo kann da von Wasser zurück Haltung die Rede sein.

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