Frühlingskreuzkraut und Jakobskreuzkraut - Hübsch anzusehen, aber hochgiftig

Mo 29.04.24 | 08:26 Uhr
  26
Archivbild: Frühlingskreuzkraut, auch Frühlingsgreiskraut (Senecio vernalis) wächst an einem Straßenrand im südbrandenburgischen Spree-Neiße-Kreis. (Quelle: dpa/Hammerschmidt)
Audio: rbb|24 | 23.04.2023 | O-Ton aus dem Interview mit Fabian Blöchl | Bild: dpa/Hammerschmidt

Sie sehen hübsch aus und sind hochgiftig: die gelben Kreuzkräuter. Gemeint sind Frühlingskreuzkraut und Jakobskreuzkraut, die sich seit zwei Jahren explosionsartig in Brandenburg vermehren. Pferde, Rinder und Schafe sind gefährdet.

rbb|24: Hallo Herr Blöchl. Was sind "gelbe Kreuzblütler" und was ist das Problem mit ihnen?

Fabian Blöchl: Das Frühlingskreuzkraut blüht gerade sehr schön in leuchtendem Gelb. Das Problem mit diesem Kraut ist, dass sich seine Giftstoffe toxisch auf Menschen und Tiere auswirken können. Sie können sich in der Leber ablagern und zu gesundheitlichen Schäden führen.

Zur Person

Fabian Blöchl, Referent für Acker-, Pflanzenbau, Nachwachsende Rohstoffe und Umwelt.(Quelle:privat)
privat

Landesbauernverband - Fabian Blöchl

Fabian Blöchl ist Referent für Acker- und Pflanzenbau, nachwachsende Rohstoffe und Umwelt beim Landesbauernverband Brandenburg.

Wir reden da aber nicht nur über das Frühlingskreuzkraut, sondern auch über das Jakobskreuzkraut, oder?

Genau. Dabei handelt es sich um zwei verschiedene biologische Gattungen. Das Frühlingskreuzkraut blüht ein bisschen eher. Das Jakobskreuzkraut - da handelt es sich dann gewissermaßen um genau die gleiche Pflanze, da gibt es nur minimale Unterschiede – blüht etwas später.

Gibt es von diesen giftigen Pflanzen immer mehr in Brandenburg?

Wir beobachten auf alle Fälle, dass es zunimmt. Vor allen Dingen seit den beiden vorausgegangenen trockenen Jahren. Durch die Trockenheit gab es Trockenstellen, "Brandstellen" auf denen nichts wächst, auf den Wiesen und Weiden. Genau dort konnten Frühlingskreuzkraut und Jakobskreuzkraut sehr gut aussamen und haben gute Bedingungen gefunden.

Wieso gibt es die Pflanzen jetzt hier? Wurden sie, das ist vielfach zu lesen, tatsächlich anfangs gezielt gepflanzt am Straßenrand, weil sie hübsch aussehen?

Sie kommen aus Räumen, wo es wirklich trockene Bedingungen gibt. Bei uns sind sie jetzt Neopyhten - also eingewanderte Pflanzen, die sich sehr stark verbreiten. In dem Fall schon fast explosionsartig. Das haben wir im letzten und auch jetzt in diesem Jahr beobachtet. Die Pflanzen finden hier jetzt gute Wuchsbedingungen.

Es gibt, was die Verbreitung der Kreuzblütler betrifft, drei Hotspots. Einmal sind das die Stilllegungsflächen. Also die Flächen, wo der Landwirt nicht ackern oder Wiese machen darf. Zum anderen sind das die Straßenränder. Sie werden von den jeweiligen Straßenmeistereien gepflegt. Und zu guter Letzt finden sie sich vermehrt auf den Futterflächen. Dort wollen wir sie natürlich nicht haben. Denn es stellt sonst für die Tiere eine Gefahr dar.

Ob die Pflanzen irgendwann absichtlich ausgesät wurden, darüber haben wir mit dem Landesamt für Straßenwesen gesprochen. Da konnte kein Nachweis erbracht werden. Dort ist man jetzt aber dafür sensibilisiert. Denn gerade diese Flächen an den Straßenrändern bieten für die Kreuzblütler ideale Bedingungen. Es sind meist trockene Standorte, an denen andere Vegetation sich nicht gut etabliert hat. Und da die Blüte der des Löwenzahn ähnelt, werden die Samen durch den Wind des Straßenverkehrs weitergetrieben. So soll er bis zu 70 Kilometer wandern können.

Sie sagten, die Pflanze sei schädlich für Weidetiere. Sind da alle gleichermaßen betroffen?

Ja. Bei Pferden und Rindern ist es bekannt. Wir haben aber auch Rückmeldungen aus der Lausitz, dass Schafhalter dort auch mit der Problematik zu kämpfen haben.

Sind die Kreuzkräuter auf der Weide das Problem oder im Heu?

Beides. Im Heu können die Tiere die Pflanze natürlich nicht mehr selektieren und müssen sie mitfressen. Und die giftigen Inhaltsstoffe der Kreuzblütler sind dann immer noch vorhanden. Auf der Weide schaffen es vor allen Dingen die erfahrenen Weidetiere gut, solche Pflanzen zu selektieren. Aber bei Jungtieren mit noch nicht so viel Erfahrung oder bei knappem Gras ist die Gefahr, dass die Tiere Frühlingskreuzkraut oder Jakobskreuzkraut fressen doch groß.

Im Heu können die Tiere die Pflanze natürlich nicht mehr selektieren und müssen sie mitfressen

Fabian Blöchl

 

Welche Symptome haben betroffene Weidetiere?

Diese Phytotoxine, die Giftstoffe, können nicht von der Leber abgebaut werden. Sie reichern sich – unter Umständen über Jahre – dort an. Sie können dann zu Unwohlsein führen, zu Fehlgeburten und, weil die Tiere nicht vital sind, dann bis hin zum Verenden führen. Da ist die Leber dann so stark beschädigt, dass wir über Leberzirrhose reden. Da kann man das Tier nicht mehr retten.

Kennen Sie konkrete Fälle oder Tierhalter, wo Weidetiere an einer Kreuzblütler-Vergiftung gestorben sind?

Ja. Sowohl Schafhalter, als auch Milchviehhalter. Bei letztem hieß es im Laborbefund, die Tiere litten unter Phytotoxinen, also Pflanzengiften. Da gehen wir, obwohl es natürlich auch noch andere Giftpflanzen gibt, davon aus, dass es auch an Kreuzkräutern gelegen hat. Wir wollen keine Hysterie schüren, aber es ist schon ein großes Problem. Bei Pferdehaltern haben wir auch bestätigte Abgänge.

Was kann gegen die Ausbreitung der Pflanzen tun?

Wichtig ist, die Pflanzen möglichst zeitig zu mähen. Und – und das ist schon fast eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – der Samendruck muss gemindert werden. Da geht es um die Straßenränder und Stilllegungsflächen, die gemulcht werden müssen. Für letztere gibt es Auflagen, die besagen, dass sie nicht vor dem 15. August gemäht werden dürfen. Da gibt es natürlich ein riesengroßes Samen-Ausbreitungspotenzial. Das können die Landwirte mithilfe eines sehr bürokratischen Ausnahmeantrags eher machen. Bei den Straßenrändern ist es wichtig, dass die betreffende Straßenmeisterei vor Ort ist und die Situation erkennt.

Für Weidetierhalter ist es ganz wichtig, die Weiden möglichst mit einer geschlossenen Grasnarbe dicht zu halten. Dort, wo Weiden und Wiesen konventionell geführt werden, tritt unserer Erkenntnis nach weniger Kreuzkraut auf als auf extensiv geführten Flächen, auf denen weniger gedüngt wird und für die es vielleicht ein Pflanzenschutzmittelverbot gibt.

Was können den Heuproduzenten tun, wenn sie Futterflächen haben, auf denen besagte Kreuzkräuter wachsen?

Sie halten entsprechende Grenzwerte ein. Da gibt es Bekämpfungsschwellen ab einer bestimmten Anzahl der Pflanzen pro Quadratmeter. Ab dann muss gehandelt werden. Aber Heuproduzenten achten ja auf die Qualität ihres Produkts.

Was würde noch dabei helfen, die giftigen Kreuzkräuter wieder loszuwerden?

Wir sehen, wie gesagt, vor allem bei den Stilllegungsflächen Handlungsdruck. Da geht es um große Flächen, denn vier Prozent seines Betriebes muss jeder Landwirt stilllegen. Hier wäre es wirklich gut, wenn die Landwirte von Seiten der Politik nicht eigens einen aufwändigen Ausnahmeantrag an zwei Behören stellen müssten, um diese Flächen – teils mehrfach - mulchen zu dürfen. So ist das für den Landwirt wieder eine zusätzliche Belastung. Mähen reicht übrigens nicht, weil die Kreuzblütler ein unheimliches Potenzial an Nachreife haben. Sie kann eine Woche nach dem Mähen im Zweifelsfall noch Samen bilden. Daher muss man sie mulchen. Dabei wird die Pflanze nämlich kleingeschlagen.

Sind denn die Pflanzen auf der Weide und später im Heu gut zu erkennen?

Im Heu wird das schwierig. In der Natur kann man die Pflanze eigentlich recht gut erkennen. Wer bei der Autofahrt derzeit aus dem Fenster schaut und auf Feldern oder Straßenrändern etwas höhere leuchtend gelb blühende Pflanzen sieht, blickt zu etwa 80 Prozent auf Frühlingskreuzkraut.

Wenn man die Pflanzen dann von Nahem anschaut, sieht man, dass die Blätter und Stängel etwas wollig behaart sind. Daran kann man sie gut erkennen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Sabine Priess, rbb|24

Sendung:

26 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 26.

    Bin jeden Tag im Wald mit meiner Zissi 8 Kilometer unterwegs. Schon 1000 sende Jakobs Kreuz Kraut Pflanzen ausgerissen und mit den Füßen zertreten. Ein Kampf gegen Windmühlen. Mal einen anderen Weg gelaufen ganze Flächen im Wald entdeckt. Bei vielen wächst schon das Kraut im Garten und lassen es aus Unwissenheit stehen. Wenn ich in Lübben unterwegs bin ,die ganze Bahnhofstraße ,Aldi bis zum Kreisverkehr alles voll blühendes Kraut.Schon an den Bürgermeister eine Mail geschrieben....Nur keine Antwort und Reaktion. Das Kraut ist so giftig als Tee aufgeblüht, braucht man nicht nach der Schweiz um Sterbehilfe zu bekommen. Warum wird darüber nicht im Fernsehen akut darauf hingewiesen. Gehen einer großen Katastrophe entgegen und es wird nichts unternommen.

  2. 25.

    Nach dem Pflügen Glyphosat raufkippen ist Blödsinn. Das Zeug wird über die Blätter, nicht über die Wurzeln aufgenommen. Der "Ersatzstoff" Pelargonsäure wirkt auf gleiche Art und Weise. Er ist auch deutlich weniger problematisch.

    Aber hauptsache erstmal meckern.

  3. 24.

    Ruhig Leute, okay, okay, ab mich geirrt. Kann mal vorkommen. Es stimmt, Glyphosat ist der Insektenkiller, SORRY! Ich wohne in KW, da gibts keine Felder. Sorry nochmal ihr Guten!

  4. 22.

    "Am besten auch die Brachen wieder unterpflügen, und dann reichlich Glyphosat drauf. Es genügt nämlich nicht, über das Insektensterben zu jammern. Man muss auch etwas dafür tun!"

    .....und auf Ihre vorgeschlagene Art und Weise tut man dann auch bestimmt was für das Insektensterben, nur nichts dagegen.

  5. 21.

    Das sind keine „Kreuzblütler“. So viel Botanik sollte sein.

  6. 20.

    Geben Sie einfach mal die zwei Worte Glyphosat und Insekten in eine Suchmaschine Ihrer Wahl ein und dann lesen Sie sich die Artikel durch, die dann vorgeschlagen werden.

  7. 19.

    Sehr viele Insekten meiden Kreuzkraut, Bienen gehen nur im äußersten Notfall ran. Kreuzkrautbekämpfung gleich mit Insektensterben zu verbinden, ist sehr einfach. Da muss sich auch fragen, wie die Insekten der DDR den Einsatz von DDT überleben konnten, Sprühflüge gegen Nonne und Borkenkäfer und die Frontscheiben und Scheinwerfer der Autos dennoch nach nur100 km Fahrt vor Hunderten von Insektenleichen strotzten. Aber im Beitrag ging es nicht um Chemie, sondern um mechanische Bodenbearbeitung. Wer will, kann ja das Wochende nutzen, um Kreuzkraut auszustechen und zu entsorgen.

  8. 17.

    Nana, Vorsicht. Das Land verunkrautet leider immer mehr, und das wird dann auch noch als "Grünkonzept" verniedlicht. Spritzen darfste auch nicht. Oft sind Kreuzungsbereiche oder Einmündungen nicht mehr einsehbar vor lauter Vegetation. Mal abgesehen von der Stolpergefahr für Fußgänger beim durchqueren des Straßenbegleitgrüns.

  9. 16.

    Jaaaaaaa, genauuuu! Maximal GLYPHOSAT auf die Felder!!!!
    Sagen Sie mal: wer bezahlt Sie eigentlich?

  10. 15.

    @Heidi, Sie haben sicher ganz Brandenburg im Blick. Wenn bei Ihnen oft gemäht wird, dann freuen Sie sich oder auch nicht. Bevor Sie behaupten ich lüge, machen Sie sich schlau, wie es woanders aussieht, ehe Sie ungerechtfertigte Aussagen treffen und Leute beleidigen. So etwas geht gar nicht.

  11. 14.

    Was für ein Tunnelblick!

    Kreuzkräuter sind giftig, also müssen eben alle infrage kommenden Flächen gespritzt und gemulcht werden - fertig! Am besten auch die Brachen wieder unterpflügen, und dann reichlich Glyphosat drauf. Es genügt nämlich nicht, über das Insektensterben zu jammern. Man muss auch etwas dafür tun!

    Da ist der Landesbauernverband mal wieder in all seiner Pracht zu erleben.

  12. 13.

    Soso - Quatsch und undifferenziert...
    Brandenburg hat fast 30 Tausend Quadratkilometer Fläche, mehr als 400 Gemeinden, von den vielen Tausend Orten und Örtchen ganz zu schweigen.
    Wollen Sie für die alle sprechen?

  13. 11.

    Zur FrageStillegung kann ich vom botanischen Standpunkt nur zustimmen, denn die heutigen Problemflächen westl/nordwestl. von Drebkau sind, soweit ich informiert bin, seit der Stillegungszeit 90er zu solchen geworden. Es "entlud sich das gesamte Bodenpotential" der Fläche zuzüglich des "sich eroberten Landes" durch das Greis-/Kreuzkraut. Aber es gibt auch eine Rechts-/Regelungsseite. Und hier müssen Formen der digitalen Zuordnung von Flächenmerkmalen u. Nutzer-/Eigentümer gefunden werden. Und vielleicht auch verkürzt werden. Aber das ist eine eigene Fachdisziplin, sorry -oder auch leider. Denn, es gibt ähnl. Kontrollformen bereits, die Nutzer schluckten wirkl. Aber, weil es fair war u. als solches allg. erkannt wurde, wird es in einem Gebiet hochgradigen Schutzes mit Bewirtschaftung (!) anerkannt.Das ist in dieser Form m.E. aber eben nicht auf alles übertragbar. Um einen gewissen Dokumentaraufwand wird wohl keiner herumkommen. Für ein"Muss" sprechen leider auch Betrügereien.

  14. 10.

    Bei der Überschrift mußte ich sofort an Alice Weidel denken.
    Das sind ja Monsterpflanzen. Sind die auch für Rehe und Hasen giftig?

  15. 9.

    Ich sehe das Problem dennoch bei der Bürokratie. Im Beitrag steht ja auch, dass 2 Anträge nötig sind. Warum ist überhaupt ein Antrag nötig? Warum genügt es nicht, ein Foto von der Fläche zu schicken und mitzuteilen, weil das jetzt so und so ist, muss ich handeln und mache jetzt dies und das? Es ist auch eine Frage mangelnden Vertrauens. Wenn die Stilllegungsflächen als Samenschleudern zu noch mehr Ausbreitung führen, dann könnte man durchaus die Stilllegung probehalber für ein paar Jahre aussetzen und sehen, ob das Erfolg hat. Alles was dagegen spricht, heißt Bürokratie.

  16. 8.

    So ein Quatsch und undifferenziert. Hier in Brandenburg werden mehr als nötig die Straßenränder und Wege gesäubert und gemäht. Viel zu oft! Also hören Sie auf zu lügen.

  17. 7.

    Ja & nein dazu. Denn gegen Massen inv. Pflanzenarten ist so mancher Trick in der Praxis dann doch nicht gewachsen.Denn ehrlich gesagt, wer möchte, dass die Weidetiere zumind. Bauchweh, das sich individuell (bis viellt. echt schmerzhaft)äußert, bekommen. Ich denke, dass eine Zusammenarbeit mit z.B. den unteren Naturschutz-Behörden bei Problemlagen anzustreben wäre. Denn ich glaube, dass der Naturschutz vor Ort auch mit den Folgewirkungen industriell bedingter/verursachter (Problem)flächen zu tun hat. Auch ist die Problemart Riesen-Bärenklau, der zu DDR-Zeiten 'nach Erfahrungen der sowjetischen LW' aufgrund der Blattmasse im Oderbruch eingeführt wurde, hier noch gar nicht benannt. Aber bestimmt auch ein Erforschungsprojekt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass alle! Genossenschaftsmitgl. dafür waren, auch wenn der Druck: Ja, wird gemacht, sehr groß war! Die Probl.haben wir heute, wenn diese Art nun auch in die Laubwaldflächen geht(Lehm-Auenböden,warme Lagen, ungenutzt)leider vieleBsp

Nächster Artikel