Nach Ende der Herbstferien - Berliner Schulen sollen Krieg in Nahost zum Unterrichtsthema machen

So 05.11.23 | 15:14 Uhr
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Archivbild: Katharina Günther-Wünsch (CDU), Bildungssenatorin, gibt am 23.08.2023 in der Maria-Leo-Grundschule einen Ausblick auf das neue Schuljahr 2023/24. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: rbb24 Inforadio | 05.11.2023 | Ingo Janssen | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Der Krieg im Nahen Osten hat längst Berlins Schulen erreicht. Die Bildungsverwaltung spricht sich dafür aus, nach den Herbstferien ab Montag den Krieg im Unterricht zu thematisieren. Elternvertreter fordern weitere Unterstützung für Lehrkräfte.

Der Krieg im Nahen Osten soll nach den Vorstellungen der Berliner Senatsbildungsverwaltung nach den Herbstferien ab Montag ein Thema an den Schulen sein.

"Die Behandlung der Ereignisse im Unterricht einschließlich des Austausches kontroverser Positionen dazu ist zulässig und ausdrücklich erwünscht", sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben den Schulen bereits Unterrichtsanregungen, Online-Fortbildungen und Materialsammlungen zur Verfügung gestellt." Wichtig sei, Gesprächsangebote für Schülerinnen und Schüler zu machen, um gemeinsam und gegebenenfalls auch mit externen Kooperationspartnern auf die verschiedenen Perspektiven einzugehen und diese aufzuarbeiten.

Das Thema ist auch an den Schulen konfliktträchtig: Bereits wenige Tage nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober hatte es an einem Neuköllner Gymnasium sogar eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen einem Schüler und einem Lehrer vor diesem Hintergrund gegeben. "Die Stimmung auf den Schulhöfen in ganz Deutschland ist angespannt und aufgeladen", so der Sprecher der Bildungsverwaltung.

Bildungsverwaltung weist auf Präventionsbeamte der Polizei hin

Bei Bedarf sei die Schulaufsicht stets ansprechbar. "Die Schulen können sich außerdem externe Unterstützung in den Bereichen Demokratiebildung, Antisemitismusprävention und Erläuterung des Nahost-Konflikts ins Haus holen", erläuterte der Sprecher. "Sollte der Schulfrieden gefährdet sein, kann in besonderen Fällen auch der Präventionsbeamte der Polizei kontaktiert werden."

Zum Thema verstärkter Wachschutz ist die Bildungsverwaltung nach eigenen Angaben mit den Bezirken und der Senatsfinanzverwaltung in engem Austausch. Sie unterstütze den Wunsch, wenn einzelne Schulen hier Bedarf sehen.

Bildungssenatorin erwartet erneut antisemitische Äußerungen

Noch in der letzten Ferienwoche hatte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch im ZDF-"Morgenmagazin" erklärt, sie rechne mit einer weiterhin angespannten Lage an den Schulen. "Es wird Schüler geben, die Fragen haben", so die CDU-Politikerin. "Wir gehen davon aus, dass wir auch wieder Hass-Bekundungen haben und antisemitische Äußerungen."

Nach Einschätzung der Berliner Elternvertretung müssen Konflikte in Schulen vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Israel und der Hamas mit pädagogischen Mitteln gelöst werden. "Man sollte erst die Möglichkeiten der Pädagogik nutzen und dann auf Verbote zurückgreifen", sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise.

Lehrkräfte brauchen Fingerspitzengefühl

Wichtig sei, dass es Lehrkräften gelinge, mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, das aber nicht zu erzwingen: "Die Lehrkräfte sollten schon ein gewisses Fingerspitzengefühl für dieses Thema haben und ihre Fühler ausstrecken, ob es Gesprächsbedarf gibt", sagte Heise. "Es bietet sich immer an, das vorher mit den Schülern zu besprechen und dann vorzubereiten."

Nach Einschätzung der Elternvertreter sind sichtbare Konflikte vor dem Hintergrund des Krieges zwischen der islamistischen Hamas und Israel bisher auf einzelne Schulen beschränkt geblieben. "Wir haben in Berlin kein flächendeckendes Problem, sondern punktuelle Herausforderungen. Auf die muss reagiert werden", sagte Heise.

"Die Schulen sind sensibilisiert, die wissen, was sie erwartet", so der Elternvertreter. "Da, wo es mehr Unterstützung braucht, sollten Schulen sich melden und ihren Bedarf formulieren", sagte Heise. "Wir haben positiv registriert, dass es für Lehrkräfte bereits Unterstützungsangebote gegeben hat und hoffen, dass sie fortgesetzt werden."

49 Kommentare

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  1. 49.

    Schade, zu sehen, dass auch dieses Frage sofort ideologische aufgeladen wird. Es die Aufgabe eines jeden den Kinder und Jugendlichen die Welt zu erklären. Altersgerecht und auf die Fragen der Kinder und Jugendlichen eingehend. Das die Eltern, dieSorge berechtigen sind, ein anders Recht und eine andere Pflicht haben, gehört für mich dazu. Das die Schulen einen Bildungsauftrag haben, gehört für mich dazu. Und ja zu dem Bildungsauftrag gehören auch tages aktuelle Entwicklungen. Das Für und Wider abzuwägen, mal mit einem Gedanken, mal mit längeren Nachdenken.
    Die Menschenverachtend propaganda der Ideologen als solche auch zu beschreiben ist Teil des Bildungsauftrages.
    Allen Lehrerinnen allen Lehrer eine gute Hand, mit viel Feingefühl den Bildungsauftrag im Sinne der Kinder und Jugendliche umzusetzen, auch gegen Widerstände von außen.

  2. 48.

    Herr Heise ist spätestens seit der "Corona-Zeit" nicht mehr "mein" Vertreter. In diesem Gremium sollte endlich mal durchgelüftet werden.

  3. 47.

    Er hat Recht. Dass es kein Grau mehr gibt und viele lieber den Mund halten, bevor sie was "Falsches" sagen, konnte man zuletzt während der "Corona-Zeit" erleben. Wir leben längst wieder in solchen Zeiten.

  4. 46.

    Ich kann Ihrer 'Argumentation' nicht wirklich folgen bzw. scheint mir diese ziemlich befremdlich. Die Bildungsverwaltung hat betont, dass ein Austausch kontroverser Meinungen sogar erwünscht ist. Wie Sie darauf hin nun ein DDR-Gespenst heraufbeschwören zu versuchen, ist schon reichlich neben der Spur, Dirk.

  5. 45.

    Beides erinnert an DDR. „Austausch anderer Positionen erwünscht.“
    Was das in der DDR bedeutete und warum man lieber nichts sagte….. da sind wir heute wieder. Sag was Du willst wenn Du mit den Konsequenzen klar kommst ist das heutige „Meinungsfreiheit“

  6. 44.

    Die Antwort-Funktion ist auch dafür da, dass erkennbar ist wem Sie antworten. So aber hinterlässt Ihre Schimpftirade nur Fragezeichen. Und warum stört es Sie, dass das aktuelle Weltgeschehen in der Schule behandelt wird? Es wäre schlimm, wenn dem nicht so wäre. Und was soll Ihr letzter Satz? Wollten Sie da einfach eine populistische Behauptung raushauen oder meinten Sie das tatsächlich ernst? Dann sollten Sie aber zumindest im Ansatz eine Begründung mitliefern.

  7. 43.

    Zitat: "Staatsbürgerkunde . . . Absoluter Schwachsinn, ich würde mein Kind für diese vom Unterricht befreien."

    Einfach mal den Text lesen anstatt hier nur dumpf herum zu tönen, Vera.

    Zitat: "Die Behandlung der Ereignisse im Unterricht einschließlich des Austausches kontroverser Positionen dazu ist zulässig und ausdrücklich erwünscht", sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung..."

  8. 42.

    In der DDR gab es Schulfach für politische Bildung ab der (ich glaube) 8. Klasse

  9. 41.

    Die "Kollegin" ist gar keine, sondern bloß eine immernoch Vollzeit arbeitende Oma von Teenagern, die sich für viele Dinge interessiert und den jungen Menschen ihre Erfahrungen machen lässt, aber hinterfragt und nur behutsam lenkt, so wie sie es auch vorher sehr erfolgreich als vollberufstätige Mama mit den Elternteilen der Enkel machte. Lenken bedeutet, dass die Jungen den Eindruck haben, von ganz allein auf die Lösung des Problems gekommen zu sein. Das ist ein bisschen wie der Komet, der auf die Erde zurast und ein kleiner Ditsch dafür sorgt, dass er sie nicht trifft. Das sind die Fragen " Hast du Sorgen?, Was würdest du tun, wenn...", das offene Ohr und das wache Auge, Empathie und Vertrauen. Nicht viel eigentlich und doch zu oft in Familien nicht vorhanden. Schade!

  10. 40.

    Staatsbürgerkunde: Was möchten Sie denn hören. Was soll ich denn dazu sagen.
    Absoluter Schwachsinn, ich würde mein Kind für diese vom Unterricht befreien. In diesem Staat ist auch nur eine Richtung richtig - ihre und keine andere.

  11. 39.

    Um genau zu sein, seit 2620 Jahren. Das passt die 60 fasst 44mal rein ;-))

  12. 38.

    "Interessant ist es die Schüler offen zum Thema diskutieren zu lassen und nicht Arbeitsmaterialien mit vorgefertigter Meinung zu präsentieren."

    Es werden grundsätzlich keine Meinungen vorgegeben, wie von Ihnen suggeriert wird. Und natürlich werden Themen mit jungen Menschen diskutiert. Wären Sie tatsächlich Pädagoge, wüssten Sie das. Oder hätten Ihre subtile Unterstellung zumindest irgendwie untermauert...

  13. 37.

    Wenn Schüler Fragen zum Krieg haben, in Ordnung.
    Jedoch m.E. nicht "verordnet".
    So in Richtung: "Lasst mal euer Lehrbuch weg, wir sprechen jetzt über den Krieg".

    Das wird nichts. Das Thema ist viel zu komplex.
    Es wird fast zwangsläufig einige Eltern in die Schule "ziehen", die das Thema vollkommen anders sehen - in die eine wie in die andere Richtung.
    Momentan scheint auch wieder etwas "Ruhe" in die Schulen eingekehrt zu sein, mein Eindruck.

  14. 36.

    Geschichtsunterreicht ja aber dann Palästina ab 1940 wie das so war dort..........

  15. 35.

    "Wenn dann eine ordentliche Aufklärung wie lange der Konflikt schon an dauert mänlich schon über sechzig Jahre. " Mit den 60 Jahren ist aus jüdischer Sicht eine extreme Untertreibung, der Konflikt um das jüdische Land ist schon sehr viel älter.

  16. 34.

    Was sieht man aktuell?
    1200 ermordete Israelis, Unschuldige Zivilisten.
    9500 (bis jetzt) ermordete Palästinenser (nicht Hamas), Zivilisten, Zerstörung und Vertreibung Unschuldiger. Davon 3000 Kinder, 80 UN-Mitarbeiter, EU-Bürger.
    Was will man den Schülern dazu sagen?
    Wie reagieren 120 Staaten darauf, UN, WHO, UNICEF, DenHaag - und wie reagiert Deutschland und seine Medien? Deckel drauf und hochkochen lassen?

  17. 33.

    Ein verzweifelter Hilferuf. Anders kann ich diese Idee nicht verstehen. Und vergesst dabei nicht Eltern und Großeltern gleich mit in den Unterricht zu nehmen. Setzt sie alle an einen Tisch. Deutsche, Muslime, Juden. Vorne steht die Lehrerin/Lehrer und soll politisch neutral sensibilisieren, Werte vermitteln, junge Menschen egal welchen Glaubens zum gegenseitigen zuhören bringen. Und das in einem Land was nicht mal ansatzweise eine Willkommenskultur hat. Für Niemanden!

  18. 32.

    ... schon sinnvoll. Früher gab's Geschichte. Wobei man den Fokus auf deutsche Geschichte gelegt hat.

    Der Inhalt sollte altersgerecht zugeschnitten sein. Mit Lehrer/-innen mit Feingefühl.

  19. 31.

    Vielleicht ist die Kollegin ja Angestellte und keine Beamtin. Das trifft in Berlin auf einen fünfstellige Anzahl an Lehrern zu. Dann ist sie auch keine Staatsdienerin.

    Interessant ist es die Schüler offen zum Thema diskutieren zu lassen und nicht Arbeitsmaterialien mit vorgefertigter Meinung zu präsentieren.

  20. 30.

    In der Oberstufe ja in der Unterstufe nein. Wenn dann eine ordentliche Aufklärung wie lange der Konflikt schon an dauert mänlich schon über sechzig Jahre.

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