Symbolbild: Ein Fensterputzer reinigt am 04.10.2013 die Fenster des Sitzungssaals E 400 im Paul-Loebe-Haus in Berlin (Quelle: imago/Jens Schicke)

Neues Berliner Abgeordnetenhaus tagt - Putzen, Packen, Plätze finden

Das neue Berliner Parlament macht sich an die Arbeit, auch ohne neue Landesregierung. Vor der ersten Sitzung musste der Plenarsaal für die 160 Abgeordneten aus sechs Fraktionen vorbereitet werden. In den Büros wird noch gehämmert. Von Susanne Gugel  

Seit 23 Jahren arbeitet Jörg Neumann schon im Berliner Abgeordnetenhaus. Zum sechsten Mal erlebt er einen parlamentarischen Neuanfang. Der 47-Jährige ist Leiter der Hausverwaltung im Hohen Haus, er ist ein Routinier. Für die erste Sitzung des neuen Abgeordnetenhauses am Donnerstag sieht er soweit alles gut vorbereitet. "Ein Restrisiko ist die Technik, aber das bleibt letztlich bei jeder Sitzung", sagt er.

Seit der Wahl am 18. September haben er und seine Mitarbeiter im Plenarsaal nicht nur den Teppich geschrubbt, sondern vor allem alle Stühle und Tische der Abgeordneten einmal abgeschraubt und nach der neuen Stärke der Fraktionen wieder zusammengebaut. Von links nach rechts sitzen dort nun Linke, Grüne, SPD, CDU, FDP und AfD – nach anfänglichem Protest der FDP, die lieber zentraler sitzen wollte. Der umstrittene AfD-Politiker Kay Nerstheimer wird als fraktionsloser Abgeordneter in der letzten Reihe zwischen FDP und AfD Platz nehmen.

Noch kahles Büro der FDP im Abgeordnentenhaus (Quelle: rbb/ Susanne Gugel)
Noch ziemlich kahl: ein Büro der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Abgeordneten-Büros Ende November fertig

An jedem Pult wurde die Technik neu verkabelt, sodass jeder Abgeordnete ein funktionsfähiges Mikrofon hat, seinen Laptop einstöpseln und ins Internet gehen kann. Dem Sitzplan entsprechend wurden die Namen der Parlamentarier neu einprogrammiert. Spricht ein Abgeordneter in sein Tisch-Mikrofon, erscheint automatisch der Name auf einer Monitorwand im Saal. "Für den Notfall haben wir auch eine Havarie-Anlage", sagt Jörg Neumann. Wenn die Technik versagt, kann die Sitzung mit Reserve-Mikrofonen fortgesetzt werden.

Im Plenarsaal kann es also losgehen. Auf den Einzug in ihre Arbeitszimmer müssen hingegen noch einige Abgeordneten noch warten. Rund 200 Räume stehen zur Verfügung, sie wurden nach Stärke der Fraktionen neu vergeben. Ausgeschiedene Abgeordnete müssen ausziehen, diejenigen, die bleiben, teils umziehen, die Neuen frisch einziehen. Bis Ende November, schätzt Neumann, kann das noch dauern. Teilweise müssen Büros renoviert werden, die Wände gestrichen, neuer Teppich verlegt werden.

Neue Espressomaschine im Büro der FDP (Quelle: rbb/ Susanne Gugel)
Die FDP-Espressomaschine ist startklar

Priorität bei der FDP: die Espressomaschine

Die AfD-Fraktion, die neu ins Parlament einzieht, findet Platz unterm Dach. In der fünften Etage wird die AfD unter anderem Räume der ausgeschiedenen Piraten-Fraktion übernehmen. Die Piraten machen Platz auch für die FDP-Fraktion. "Sie haben uns dankenswerterweise auch ein paar Schreibtische verkauft", sagt Björn Jotzo, der im Moment die Geschäfte der FDP-Fraktion führt. Bislang arbeiten sie hier in vier Räumen, alle noch reichlich kahl und kalt. Die Freien Demokraten lüften, "weil der neue Teppich doch noch erheblich stinkt", sagt Jotzo.

Das vielleicht wichtigste Büro-Utensil ist dafür schon da: eine Espresso-Maschine.

Überzählige Möbel kommen in den Keller

Bei der CDU-Fraktion stehen die Zeichen dagegen eher auf Auszug. Acht Mandate hat die Partei verloren, einige Schreibtisch-Garnituren dürften überflüssig werden. Im Zweifel sei im Keller dafür Platz, sagt der Fraktionssprecher. Wer weiß: Vielleicht braucht man nach der nächsten Wahl wieder ein paar Stühle mehr. Auch bei den Grünen stehen Umzüge an. Zwar ist die Fraktion mit 27 statt bisher 29 Mitgliedern nahezu gleich groß geblieben, doch verabschieden sich einige alte Abgeordnete und neue müssen ein Plätzchen finden.

Die Linke hingegen vergrößert sich deutlich von 19 auf 27 Mitglieder und wird zusätzliche Räume beziehen. So richtig in Gang sei der Umzug aber noch nicht, sagt die Fraktionssprecherin. Man wolle das alles "harmonisch bis Ende des Jahres" über die Bühne bringen. Die Fraktion wird neuerdings von einer Doppelspitze geführt. Und die beiden Fraktionschefs sollen Büros "in räumlicher Nähe" beziehen.

Umzug im Büro von Bruni Wildenhein-Lauterbach (Quelle: rbb/ Susanne Gugel)
In diesen Kisten steckt das Büro von Bruni Wildenhein-Lauterbach

Älteste Abgeordnete zieht vom fünften in den ersten Stock

Oft genug teilen sich mehrere Abgeordnete auch ein Büro. Bruni Wildenhein-Lauterbach kennt es nicht anders. Die Sozialdemokratin ist seit zehn Jahren im Parlament vertreten. Bislang saß sie mit drei Kollegen in einem Eckbüro im fünften Stock. Jetzt zieht sie in die erste Etage. "Damit bin ich sehr zufrieden", sagt sie. "Ich werde wieder Mitglied im Hauptausschuss sein, und der tagt genau auf dieser Etage. Das ist sehr günstig, dass man dann mal schnell ins Büro gehen, Unterlagen holen und wieder zurückkommen kann."

Bruni Wildenhein-Lauterbach ist mit 69 Jahren die älteste Abgeordnete. Als so genannte Alterspräsidentin wird sie die erste Sitzung des neuen Parlaments am Donnerstag eröffnen. Und wenn dabei technisch alles gut geht, wird sich auch Hausverwalter Jörg Neumann freuen.

Beitrag von Susanne Gugel

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(Quelle: dpa/Burgi)

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