Pferdesport - Wieso Brandenburg das Gestüt Neustadt (Dosse) mit Millionen fördert

Mi 10.01.24 | 16:13 Uhr | Von Lynn Kraemer
  9
Vier Pferde stehen auf einem Sandpaddock des Haupt- und Landesgestüts Neustadt/Dosse (Bild: Imago/Frank Sorge)
Audio: rbb24 Antenne Brandenburg | 10.01.2024 | Britta Streiter | Bild: Imago/Frank Sorge

Das Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) erhält jährlich 3,5 Millionen Euro vom Land Brandenburg. Warum die Pferde als lebendiges Kulturgut gelten und so die Region gefördert werden soll. Von Lynn Kraemer

Auf dem Stadtwappen zeigt sich Neustadt (Dosse) zwar mit einem Löwen und Elch, doch wer am gelben Stadtschild vorbeikommt, wird auch in der "Stadt der Pferde" begrüßt. Die Vierbeiner tragen maßgeblich zum Standing der Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin bei. Der Pferdesport wird vom Land Brandenburg als so wichtig für die Region eingestuft, dass das Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) 2023 mit 3.525.800 Euro bezuschusst wird.

CSI Neustadt-Dosse

Das CSI Neustadt-Dosse findet in diesem Jahr vom 11. bis 14 Januar statt. Erstmals wird das Springturnier mit der Hengstkörung und Auktion des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt zusammen veranstaltet.

Am Samstag, 13. Januar, überträgt der rbb das Springreiten ab 13:50 Uhr im Livestream.

Seit 2001 Stiftung des öffentlichen Rechts

Das Gestüt hat eine über 235-jährige Geschichte und zählt heute über 300 Pferde, die von 64 Mitarbeitenden versorgt werden. "Damals ging es hauptsächlich darum, Pferde für die Landwirtschaft und das Militär zur Verfügung zu stellen. Man hat gesehen, dass es günstiger ist, wenn man diese Pferde im eigenen Land züchten kann und nicht aus dem Ausland importieren muss", erklärt Landstallmeister Henning Frevert.

Diese Struktur besteht, wenn auch mit Änderungen in der Zuchtausrichtung, bis heute. "Wir sind ein lebendiges Denkmal und arbeiten weiterhin in diesen historischen Anlagen", so Frevert. Die Ställe würden nach wie vor den modernsten Anforderungen genügen, "sodass die Kenntnisse der Pferdehaltung und Tradition erhalten werden konnten."

Seit 2001 ist das Gestüt eine Stiftung des öffentlichen Rechts unter dem Land Brandenburg. In der Stiftungssatzung ist festgehalten, dass das Gestüt für die Pferdezucht und darüber hinaus für die "Erhaltung der kulturellen Tradition und des historischen Erbes", "die Wahrung des Bewusstseins der Öffentlichkeit" und den Erhalt denkmalgeschützen Gestütsanlagen zuständig ist.

Das Konzept ist nicht einzigartig. Neustadt (Dosse) ist eines von zehn Landgestüten in Deutschland. Landgestüt meint, dass an diesen Standorten Hengste gehalten werden. Drei Standorte, darunter Neustadt (Dosse), sind zudem Hauptgestüte, wo auch Stuten zuhause sind.

Je nach Bundesland unterscheidet sich, über welches Modell die Gestüte gefördert werden. Das Gestüt in Neustadt (Dosse) finanziert sich über die Landesgelder und eigene Einnahmen. Dazu zählen neben Dienstleistungen für Züchter unter anderem auch Pferdestellplätze und das Bereitstellen der Graf-von-Lindenau-Halle als jährlicher Austragungsort eines internationalen Springturniers.

Erhalt eines lebendigen Kulturguts

Die Pferdezucht in Neustadt (Dosse) hat zwei Schwerpunkte. Einerseits werden Deutsche Sportpferde gezüchtet. Die sogenannte P-Familie hat, angefangen mit der Stute Poetin, seit der Nachkriegszeit einige sehr gefragte Pferde hervorgebracht. Das trägt laut dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg zu einer breiten, nationalen und internationalen Wahrnehmung von Neustadt (Dosse) bei. So liegt der 2021 an einer Kolik verstorbene Hengst Quaterback in der weltweiten Zuchtrangliste für Dressur immer noch auf dem vierten Platz. "Nach wie vor gibt es eine große Nachfrage nach Samen von ihm", sagt Frevert. Das Tiefgefriersperma von Quaterback kostet 1.500 Euro.

Weniger Geld lässt sich mit dem zweiten Schwerpunkt machen, der allerdings auch auf die Stiftungsziele einzahlt: die Zucht von Kaltblütern. "Wenn man das unter wirtschaftlichen Aspekten sehen würde, wäre das sehr schwierig darzustellen", sagt der Landstallmeister. Doch das Rheinisch-Deutsche Kaltblut ist eine vom Aussterben bedrohte Pferderasse, die durch das Bereitstellen der Hengste erhalten werden kann. Aktuell gibt es rund 200 Kaltblutstuten im Zuchtgebiet Brandenburg-Anhalt.

Gestüt als "Leuchtturm der Regionalentwicklung"

"Am Ende ist das Gestüt nicht nur für den Erhalt der Tradition da, sondern ein Leuchtturm in der Regionalentwicklung", sagt Frevert. Gemeinsam mit der Prinz-von-Homburg-Schule bietet das Gestüt Reiten als Schulfach an. Die Spezialklasse ist in Deutschland einmalig und durch zwei anliegende Reitinternate wird auch Schülerinnen und Schülern von außerhalb ermöglicht, am Programm teilzunehmen. "Dadurch kommt immer die notwendige Anzahl an Kindern für die Oberstufe zustande, damit hier in Neustadt weiter die Möglichkeit besteht, das Abitur zu machen", so der Landstallmeister. Zudem wurden durch die Internate zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Auch wer in der Region die Berufsausbildung zu Pferdewirt oder Pferdewirtin machen möchte, kommt an Neustadt (Dosse) nicht vorbei. "Wir sind der größte Ausbildungsbetrieb für Pferdewirte in Brandenburg", sagt Landstallmeister Frevert. Aktuell zählt das Gestüt 18 Lehrlinge. Alle, die den Beruf in Brandenburg lernen, absolvieren einen Teil ihrer Ausbildung und die Abschlussprüfung in Neustadt (Dosse). Anfang 2023 zählte der Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg 11.883 Aktive und ist hinter den Fußball- und Handball-Landesverbänden der drittgrößte in Brandenburg. Reiten wird in 384 Vereinen angeboten.

Zukunft gesichert

Frevert sieht das Landgestüt gut für die Zukunft aufgestellt: "Ich empfinde es nach wie vor als eine Aufgabe, die gemacht werden muss. Wir haben Schloss Sanssouci, das erhalten wird und am Ende sind wir das Sanssouci der Pferde." Das Bekenntnis des Landes Brandenburg zum Gestüt wird auch an der steigenden Summe der Zuschüsse sichtbar. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind diese von 2.125.800 Euro um 1,4 Millionen auf 3.525.800 Euro angestiegen, was nicht nur auf steigende (Instandhaltungs-)Kosten, sondern auch auf mehr Mittel für Investitionen zurückzuführen ist.

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg sieht das Gestüt auf Anfrage von rbb|24 weiterhin als relevant an: "Die Aufgaben gemäß dem Stiftungszweck werden in hoher Qualität erfüllt." Durch die Bereitstellung der öffentlichen Mittel könnten die Aufgaben kontinuierlich erledigt und permanent in der Qualität verbessert werden.

Sendung: rbb24 Antenne Brandenburg/Studio Cottbus, 10.01.2024, 15:00 Uhr

Beitrag von Lynn Kraemer

9 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 9.

    Ich bin ganz bei Ihnen. Pferde werden gesundheitlich nur wegen Geld und Erfolg geschrottet mit Übungen die völlig unnatürlich sind für ein Pferd. Ob es Dressur, Springen, Military , diverse Rennen im Trab oder Galopp. Einfach nur furchtbar.

  2. 8.

    "Daher verstehe ich den Hype um das Tier nicht wirklich, vermutlich wir es einfach nur überbewertet? "
    Nun, auf dem Rücken dieser wundervollen Tiere "eroberte" der Mensch die Welt - weit vor dem Kraftfahrzeug. Friedlich, unfriedlich, wirtschaftlich, kommunikativ ... das liegt aber nicht an den Pferden.

  3. 7.

    Würden Sie das dem Bürgermeister von Wien auch so tough erklären? Oder dem Leiter der Spanischen Hofreitschule? Das muss alles nicht sein. Die Gebäude - hm, abreißen??? Man könnte - ach, da fällt mir ein, FEZ, ein Spaßbad hinbauen! Weil wir das heute "in"finden, und brauchen! - Ich finde den Artikel informativ u. sachlich, es wurde das Was u. Wie begründet. Natürlich hat der Vorfall m.Pferden umzugehen (Olympia 2020), die Menschen entsetzt. Armes Pferd, noch ärmere Sportreiterin u. eine ganz arme Trainerin, die ihrer Sportlerin den Tipp gab, das Pferd zu züchtigen! Trotzdem ist diese Art von Fünfkampf eine Bewahrung gewisser Fähigkeiten aus dem Mittelalter-ein Stück Kultur- und Gesellschaftsgeschichte: Denn Reiten, Umgang mit dem Schwert, Pistolen-Schießen, Laufen, Schwimmen - das war alles mal überlebenswichtig, s. 30jähr. Krieg! Das muss alles weg? Schade, es ist wie Bilderstürmerei? Zur Geschichte stehen und von Pferden lernen, so sehe ich das.

  4. 6.

    Ich lehne Dressur-Spring Reitsport ab, ich verabscheue diese Art von Luxus- Sportkultur. Habe selbst ein paar Reitpferde, aber nur für normales Reiten. Kinder werden vorher etwas geschult wie sie bei Interesse mit Pferde umzugehen haben, kostenlos. Habe noch nie dafür vom Staat eine Unterstützung gehört, will sie auch nicht. Die Millionen für das Gestüt wäre woanders besser angelegt, als bei den meisten Reichen die Dressur -Reiten. Andere Arbeitsplätze wie werden die unterstützt?? Was alles der Bürger für Kulturen ungefragt mitfinanziert (muss) ist reiner Sportluxus.
    Sind die Fesseln der Pferde kaputt, werden sie vom Sport entfernt. Springturniere ist Höchstleistung für Pferde, die kein Pferdeleben durchhält. Tierliebe könnte anders ausschauen!

  5. 5.

    Es geht hier auch um Tradition und im übrigen auch um Arbeitsplätze. Reiten ist kein Sport nur für Reiche, sondern auch für normale Bürger. Schsut doch mal in den Reitschulen nach, wieviel begeisterterte Kinder dort sind. Ich habe meine reitstunden als Kind mit Aushilfe in den Ställen verdient und werde es im Leben nicht bereuen.

  6. 4.

    Ein schönes Geben und Nehmen. Das Land gibt und das Gestüt gibt zurück. Viel zu lernen für junge Leute...Schulfach das Reiten...grandios. Ich habe da nichts zu meckern. Nur, dass Neustadt einen erstklassigen Fahrzeugbau hat und im Entsorgerbereich Marktführer ist: Fa. Hüffermann, kommt immer zu kurz.

  7. 3.

    Das Pferd ist seit Jahrtausenden ein NUTZTIER, so wie Schweine, Kühe, Ziegen, ... auch!

    Daher verstehe ich den Hype um das Tier nicht wirklich, vermutlich wir es einfach nur überbewertet?

    Wer es sich leisten kann, darf das ja gerne machen - aber FÖRDERGELDER halte ich aus den erwähnten Gründen für unangebracht.

  8. 2.

    Es geht nur um's Geld in der Pferdezucht, zudem ein Luxussport für Wenige. Das Geld sollte für wichtige, dringende Dinge bereitgestellt werden Ich fasse es wieder mal nicht.

  9. 1.

    Bullshit. Das kann weg. Wer es mag und es sich leisten kann, der soll sein Hobby privat betreiben und bezahlen!

Nächster Artikel